Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Investiturstreit einfach erklärt
Du lernst, warum König und Papst um Bischöfe stritten, wie Canossa Heinrich half und was das Wormser Konkordat regelte.
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Kurz gesagt
Der Investiturstreit war ein Machtkampf zwischen Königen und Päpsten. Dabei ging es besonders darum, wer Bischöfe einsetzen durfte. Das Wormser Konkordat von 1122 trennte das kirchliche Amt von den Herrschaftsrechten, die der König vergab.
Wer ein wichtiges Amt vergibt, kann dadurch Einfluss gewinnen. Im Mittelalter hatten Bischöfe Aufgaben in der Kirche und bei der Verwaltung des Reichs. Deshalb war ihre Einsetzung für den König und den Papst wichtig.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Bischof leitete einen Bereich der Kirche. Zugleich waren Bischöfe an der Verwaltung des Reichs beteiligt. Könige statteten sie mit Gebieten und besonderen Rechten aus. Durch die Auswahl der Bischöfe konnten Könige diese enger an sich binden und Unterstützung gegen ihre Gegner gewinnen.
Bis 1075 setzten Könige im Heiligen Römischen Reich, in Frankreich und England Bischöfe und Äbte ein. Äbte leiteten Klöster, also religiöse Gemeinschaften. Das Heilige Römische Reich war das Reich, in dem der deutsche König herrschte. Seit 1075 beanspruchten die Päpste das Recht zur Einsetzung. Der Papst stand an der Spitze der Kirche. Die Päpste wollten die Kirche von Einflüssen der Könige und anderer Herrscher unabhängig machen.
1075 begann der Machtkampf zwischen dem deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Der konkrete Auslöser war ein Streit um die Besetzung des höchsten Bischofsamts in Mailand. Dahinter stand die größere Frage, wie die Macht von König und Papst zueinander stehen sollte. Die Einsetzung von Bischöfen wurde erst nach Canossa 1077 zur entscheidenden Streitfrage. Seit 1078 war die Einsetzung durch Könige unter Androhung des Ausschlusses aus der Kirche verboten.
Definition
Investitur
Investitur bedeutet hier die Einsetzung eines Bischofs oder Abts in sein Amt.
Beispiel: Das Verbot von 1078
- 1Seit 1078 war die Einsetzung durch Könige verboten.
- 2Wer das Verbot missachtete, musste mit dem Ausschluss aus der Kirche rechnen.
- 3Damit betraf die kirchliche Strafe auch das Handeln eines Königs.
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1076 forderte Heinrich IV. zusammen mit 26 Bischöfen Papst Gregor VII. auf, sein Amt aufzugeben. Gregor antwortete mit dem Kirchenbann: Er schloss Heinrich aus der Kirche aus. Außerdem erklärte er ihn für abgesetzt. Er löste auch das Treueversprechen, mit dem sich die Menschen unter Heinrichs Herrschaft an ihren König gebunden hatten.
Das schwächte Heinrichs Stellung. Gregor bot den beteiligten Bischöfen an, bei Reue wieder ihre Ämter zu erhalten. Viele wechselten daraufhin auf die Seite des Papstes. Es gab nun Unterstützer des Königs, Unterstützer des Papstes und eine größere Gruppe, die einen Ausgleich suchte.
Auch Fürsten, also mächtige Herren im Reich, wandten sich gegen Heinrich. Im Oktober 1076 berieten seine Gegner in Tribur über seine Stellung. Sie planten ein Treffen mit dem Papst für Februar 1077 in Augsburg. Der Papst sollte dort über Heinrich urteilen. Falls Heinrich bis dahin nicht vom Bann befreit wäre, wollten sie einen neuen König wählen und Heinrich für abgesetzt erklären. Heinrich musste außerdem zusagen, seine Forderung nach der Absetzung des Papstes zurückzunehmen. Der Bann gefährdete damit nicht nur Heinrichs Zugehörigkeit zur Kirche, sondern auch seine Herrschaft.
Definition
Kirchenbann
Der Kirchenbann war der Ausschluss aus der Kirche. Bei Heinrich kamen die Absetzungserklärung des Papstes und die Lösung des Treueversprechens hinzu.
Merke: Eine kirchliche Strafe konnte politische Folgen haben: Heinrich verlor Unterstützer, und Gegner drohten mit der Wahl eines neuen Königs.
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Heinrich wollte den Papst vor dessen geplantem Treffen mit den gegnerischen Fürsten erreichen. Deshalb brach er im Dezember 1076 nach Italien auf. Gregor zog sich auf die Burg Canossa zurück. Boten verhandelten dort über die Aufhebung des Banns.
Heinrich zeigte vor der Burg öffentlich Reue. Gregor berichtete, der König habe drei Tage barfuß und in wollener Kleidung vor den Toren ausgeharrt. Im Januar 1077 hob der Papst den Bann auf. Heinrich versprach dabei, sich einem Gericht zur Schlichtung des Streits und dem Urteil des Papstes zu stellen.
Du kannst den Schritt nach seinem Ziel und seinem Ergebnis beurteilen: Heinrich erreichte die Aufhebung des Banns vor dem geplanten Treffen. Damit kam er einem Bündnis des Papstes mit den gegnerischen Fürsten zuvor. Zugleich verlor er Ansehen. Menschen seiner Zeit erkannten zwar seine gezeigte Frömmigkeit an, also seine Hinwendung zu Gott. Sie fanden es aber eines Königs unwürdig, für einen kurzfristigen Vorteil so nachzugeben.
Der Streit war damit nicht beendet. Im März 1077 wählten gegnerische Fürsten und Bischöfe einen neuen König. 1080 bannte Gregor Heinrich erneut. Heinrich blieb seit 1080 bis zu seinem Tod gebannt, weil er auf die Einsetzung der deutschen Reichsbischöfe nicht verzichten wollte. Das waren die Bischöfe, die im deutschen Teil des Reichs Herrschaftsaufgaben hatten.
Merke: Canossa brachte Heinrich die Aufhebung des Banns. Dieser Erfolg bedeutete aber weder das Ende seiner Gegner noch das Ende des Streits.
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Erst 1122 kam es im Heiligen Römischen Reich zu einer Einigung. Sie heißt Wormser Konkordat. Ein Konkordat ist eine Vereinbarung mit dem Papst. Jetzt verhandelten Kaiser Heinrich V., der Sohn Heinrichs IV., und Papst Calixt II.
Die Einigung trennte zwei Seiten des Bischofsamts. Die Einsetzung in das kirchliche Amt mit Ring und Stab stand dem Papst zu. Heinrich V. verzichtete auf diese Einsetzung. Der König verlieh dagegen mit einem Zepter die weltlichen Herrschaftsrechte, also die Rechte außerhalb der kirchlichen Aufgaben. Ein Zepter ist ein Herrscherstab.
Der König behielt Einfluss: Die Wahl der deutschen Bischöfe und Äbte im Reich durfte in seiner Gegenwart stattfinden. Bei einer uneinigen Wahl erhielt er ein Entscheidungsrecht. Der Kompromiss war daher ein Ausgleich, bei dem beide Seiten Rechte behielten. Er ließ aber auch Raum für unterschiedliche Auslegungen.
| Bereich | Wer vergab ihn? | Zeichen |
|---|---|---|
| Kirchliches Amt | Der Papst | Ring und Stab |
| Weltliche Herrschaftsrechte | Der König | Zepter |
Merke: 1122 wurden kirchliches Amt und weltliche Herrschaftsrechte unterschieden. Der König behielt Einfluss auf die Wahl der deutschen Bischöfe und Äbte im Reich.
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Alles auf einen Blick
Investiturstreit
Bischöfe
Sie hatten Aufgaben in der Kirche und bei der Verwaltung des Reichs.
Machtfrage
Könige wollten zuverlässige Unterstützer, Päpste eine von weltlichen Einflüssen unabhängige Kirche.
Kirchenbann
Heinrich verlor Unterstützer und musste die Wahl eines neuen Königs fürchten.
Canossa
Die Aufhebung des Banns half Heinrich zunächst, beendete den Streit aber nicht.
Kompromiss
Das Wormser Konkordat trennte das kirchliche Amt von den weltlichen Herrschaftsrechten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Streit um Mailand einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, wie der Streit um das höchste Bischofsamt in Mailand mit der größeren Machtfrage zusammenhing.
- 2Den konkreten Auslöser nennen: König und Papst waren über die Besetzung dieses Amts uneinig.
- 3Die Bedeutung erklären: Bischöfe hatten kirchliche Aufgaben und wirkten bei der Verwaltung des Reichs mit.
- 4Die größere Frage nennen: Hinter dem einzelnen Amt stand der Streit darüber, wie die Macht von König und Papst zueinander stehen sollte.
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Fehler in Zeile 2Das Wort „ungebannt“ macht aus der vorübergehenden Aufhebung einen dauerhaften Zustand. Richtig: Heinrich blieb seit 1080 bis zu seinem Tod gebannt.
Lückentext
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Die Einsetzung von Bischöfen durch Könige war seit unter Androhung des Kirchenausschlusses verboten. Gegnerische Fürsten und Bischöfe wählten im 1077 einen neuen König. Nach der Einigung von 1122 verlieh der König die weltlichen Herrschaftsrechte mit dem .
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