Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Kurfürsten: Königswahl und Macht im Reich
Du lernst, wer die Kurfürsten waren, wie sie den König wählten und weshalb dieses besondere Recht ihnen Macht gab.
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Kurz gesagt
Kurfürsten waren besonders hochrangige Fürsten im Heiligen Römischen Reich. Seit dem 13. Jahrhundert durften nur sie den römisch-deutschen König wählen. Die Goldene Bulle hielt wichtige Regeln dieser Wahl fest.
Wer einen Herrscher auswählen darf, kann selbst großen Einfluss gewinnen. Im Heiligen Römischen Reich hatten die Kurfürsten dieses besondere Recht. Du lernst die ursprünglichen Mitglieder kennen und untersuchst, wie ihr Wahlrecht ihre Macht stärkte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Heilige Römische Reich war ein Reich, zu dem viele einzelne Herrschaftsgebiete gehörten. Fürsten waren hochrangige Herrscher im Reich. Die Kurfürsten bildeten unter ihnen einen besonderen Kreis: Seit dem 13. Jahrhundert hatten sie das alleinige Recht, den römisch-deutschen König zu wählen. Andere Reichsfürsten durften dann nicht mitwählen.
Gewählt wurde der König. Mit seiner Herrschaft war seit dem 10. Jahrhundert auch der Anspruch auf das Kaisertum verbunden. Das bedeutet: Der König beanspruchte auch die Stellung des Kaisers für sich. Königswahl und Kaisertum hingen also zusammen, waren aber nicht dasselbe.
Im Mittelalter gehörten sieben Fürsten zum Kreis der Kurfürsten. Diese Zahl blieb nicht unverändert. Am Ende des Reiches waren es zehn Kurfürsten. Als das Heilige Römische Reich 1806 aufhörte zu bestehen, verlor auch das Kurfürstenamt seine Aufgabe.
Definition
Kurfürst
Ein besonders hochrangiger Fürst im Heiligen Römischen Reich, der zum Kreis der Königswähler gehörte.
Merke: Seit dem 13. Jahrhundert war die Königswahl das besondere Recht der Kurfürsten. Nicht jeder Fürst war ein Kurfürst.
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Die ursprünglichen sieben Kurfürsten teilten sich in zwei Gruppen. Drei waren geistliche Fürsten: Sie hatten ein hohes Amt in der Kirche und waren zugleich Fürsten. Dazu gehörten die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier. Ein Erzbischof ist ein hoher Amtsträger der Kirche.
Die anderen vier waren weltliche Fürsten. Ihr Fürstenamt war kein Kirchenamt. Dazu gehörten der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. König, Pfalzgraf, Herzog und Markgraf sind hier unterschiedliche Herrschertitel.
Beide Gruppen gehörten zum selben Kreis der Königswähler. Auch der König von Böhmen war also einer der Kurfürsten, die den römisch-deutschen König wählten.
| Gruppe | Mitglied |
|---|---|
| Geistlich | Erzbischof von Mainz |
| Geistlich | Erzbischof von Köln |
| Geistlich | Erzbischof von Trier |
| Weltlich | König von Böhmen |
| Weltlich | Pfalzgraf bei Rhein |
| Weltlich | Herzog von Sachsen |
| Weltlich | Markgraf von Brandenburg |
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Die Goldene Bulle war ein wichtiges Gesetz für das Reich. Kaiser Karl IV., der damalige Kaiser, ließ darin 1356 die Rechte und Pflichten der Kurfürsten und die Regeln der Königswahl festhalten. Damit sollten Streit um die Nachfolge und die Wahl konkurrierender Könige vermieden werden.
Nach dem Tod eines Königs musste der Erzbischof von Mainz die Kurfürsten innerhalb von 30 Tagen nach Frankfurt am Main zusammenrufen. Vor der Wahl mussten die Wähler schwören, ohne geheime Absprachen oder Bezahlung zu entscheiden. Eine Mehrheit der Stimmen genügte: Bei sieben Stimmen waren das mindestens vier. Es mussten also nicht alle für denselben Kandidaten stimmen.
Die Wähler durften Frankfurt nicht verlassen, bevor ein König gewählt war. War 30 Tage nach ihrem Eid noch keine Entscheidung gefallen, sollten sie nur noch Brot und Wasser bekommen. Diese Frist begann mit dem Eid, nicht mit dem Tod des Königs.
Die Königswahl war auch ohne Zustimmung des Papstes gültig. Der Papst ist das Oberhaupt der katholischen Kirche. Außerdem durfte ein Gebiet, an das eine Kurstimme gebunden war, nicht geteilt werden. Andere Gebiete im Besitz desselben Kurfürsten konnten dagegen weiterhin geteilt vererbt werden.
Beispiel: Die Stimme des Erzbischofs von Mainz
- 1Der Erzbischof von Mainz war der ranghöchste Kurfürst, gab seine Stimme aber zuletzt ab.
- 2Standen die Stimmen zuvor gleich, konnte seine Stimme die Entscheidung bringen.
Merke: Die Goldene Bulle regelte das Wahlverfahren. Eine Mehrheit genügte, und eine Zustimmung des Papstes war nicht nötig.
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Wer König werden wollte, brauchte die Stimmen der Kurfürsten. Die Bewerber mussten ihnen dafür umfangreiche Zugeständnisse machen. Das bedeutet: Sie mussten Forderungen der Kurfürsten erfüllen, etwa ihnen besondere Rechte geben. Solche Zusagen wurden schriftlich festgehalten. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts mussten Bewerber zum Teil auch große Geldsummen an die Kurfürsten zahlen.
Das stärkte die Macht und Unabhängigkeit der Fürsten gegenüber dem König. Die Kurfürsten konnten also nicht nur einen Herrscher auswählen. Sie konnten auch beeinflussen, unter welchen Bedingungen er herrschte.
Auch ein Kaiser musste auf die Kurfürsten Rücksicht nehmen, wenn er die Wahl seines gewünschten Nachfolgers nicht gefährden wollte. Er war dafür auf ein gutes Verhältnis zu ihnen angewiesen.
Ihr Einfluss blieb dennoch nicht zu jeder Zeit gleich. Bis 1630 hing ihre politische Rolle stark davon ab, wie weit der jeweilige Kaiser sie an der Politik des Reiches beteiligte.
Definition
Zugeständnis
Wer ein Zugeständnis macht, kommt einer Forderung eines anderen entgegen. Ein Bewerber um das Königsamt konnte den Kurfürsten etwa besondere Rechte zusagen.
Merke: Die Bewerber brauchten Stimmen. Das gab den Kurfürsten die Möglichkeit, Forderungen zu stellen.
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Alles auf einen Blick
Kurfürsten
Wahlrecht
Seit dem 13. Jahrhundert durften nur die Kurfürsten den römisch-deutschen König wählen.
Mitglieder
Ursprünglich gehörten drei geistliche und vier weltliche Fürsten dazu.
Goldene Bulle
Das Gesetz hielt 1356 wichtige Rechte und Regeln der Königswahl fest.
Entscheidung
Eine Mehrheit genügte; die Zustimmung des Papstes war nicht nötig.
Macht
Wer König werden wollte, brauchte die Stimmen der Kurfürsten und machte ihnen dafür Zugeständnisse.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum musste ein Kaiser an die nächste Königswahl denken?
- 1Aufgabe: Erkläre, weshalb der Wunsch nach einem bestimmten Nachfolger einen Kaiser zur Rücksicht auf die Kurfürsten bewegen konnte.
- 2Wahlrecht klären: Die Kurfürsten wählten den römisch-deutschen König.
- 3Abhängigkeit erkennen: Der Wunsch des Kaisers allein entschied deshalb nicht über die Wahl seines Nachfolgers.
- 4Folgerung formulieren: Wollte der Kaiser dessen Wahl nicht gefährden, brauchte er ein gutes Verhältnis zu den Kurfürsten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Kreis der Kurfürsten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt die mittelalterliche Zahl auf das Ende des Reiches. Richtig: Am Ende des Reiches waren es zehn Kurfürsten.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Unter den ursprünglichen sieben Kurfürsten gehörte der Fürst von zur geistlichen Gruppe. Die Goldene Bulle wurde festgehalten. Nach dem Tod des Königs sollte der Erzbischof von Mainz die Wähler nach zusammenrufen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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