Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Novemberpogrome 1938: Ablauf, Täter und Folgen
Du unterscheidest Ursachen und Anlass der Novemberpogrome, untersuchst Täterrollen und Rosenbergs Erfahrung und erklärst den historischen Wendepunkt.
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Kurz gesagt
Die Novemberpogrome 1938 waren staatlich gesteuerte Angriffe auf die jüdische Bevölkerung. Die Gewalt eskalierte reichsweit in der Nacht vom 9. zum 10. November und dauerte mindestens bis zum 13. November. Danach verschärfte das Regime Entrechtung und Ausplünderung.
Warum erklärt ein einzelnes Attentat nicht die Angriffe auf die jüdische Bevölkerung? Du untersuchst die vorausgehende Verfolgung und die Verantwortung der Täter. Am Tagebuch des Studenten Mischael Rosenberg lernst du außerdem, was ein persönlicher Bericht zeigen kann und wo seine Grenzen liegen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Novemberpogrome waren gewaltsame Angriffe auf die jüdische Bevölkerung. Ihre Ursachen lagen in der antisemitischen, also judenfeindlichen Politik der nationalsozialistischen Herrschaft, kurz NS-Regime. Seit 1933 grenzte das Regime Juden aus, entzog ihnen Rechte und übte Gewalt gegen sie aus. Diese Verfolgung verschärfte sich 1938.
Am 7. November 1938 fand in Paris ein Attentat statt. Das Regime benutzte diesen Angriff als Anlass für die Angriffe auf die jüdische Bevölkerung. Ein benutzter Anlass ist keine Rechtfertigung: Verantwortlich für die Gewalt waren die Täter.
Örtlich begann die Gewalt bereits am 7. November. In der Nacht vom 9. zum 10. November eskalierte sie reichsweit, nahm also im gesamten Reich stark zu. Sie dauerte mindestens bis zum 13. November an. Deshalb ist „Novemberpogrome“ genauer als eine Bezeichnung, die nur eine Nacht nennt.
Definition
Ursache und Anlass
Eine Ursache erklärt die Hintergründe einer Entwicklung. Ein Anlass ist ein konkretes Ereignis, an das Handlungen anknüpfen. Hier benutzte das Regime das Attentat, während die Ursachen in seiner schon länger bestehenden judenfeindlichen Politik lagen.
Merke: Die Verfolgung bestand schon vor dem Attentat. Der benutzte Anlass erklärt nicht die Verantwortung der Täter weg.
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Die Angriffe waren staatlich gesteuert. Nach dem Bundesarchiv verbreiteten die Strukturen der nationalsozialistischen Partei Anweisungen. Angehörige der SA und der SS, zweier Gruppen des NS-Regimes, beteiligten sich selbst an Angriffen. Ihre Rolle bestand damit auch in der unmittelbaren Ausübung von Gewalt.
Die Polizei sollte die jüdische Bevölkerung nicht schützen, sondern Männer festnehmen. Feuerwehren sollten angrenzende Gebäude schützen und Synagogen, also jüdische Gotteshäuser, brennen lassen. Staatliche Steuerung und Angriffe vor Ort gehörten zusammen. Die beteiligten Gruppen und Behörden hatten dabei unterschiedliche Aufgaben.
Auch die übrige Bevölkerung verhielt sich unterschiedlich. Teile schlugen, plünderten oder billigten die Gewalt. Andere sahen zu, lehnten die Gewalt ab oder halfen. Nach dem Deutschen Historischen Museum halfen nur wenige. Wer die Gewalt ablehnte, lehnte damit nicht automatisch auch die antisemitische Politik ab. Deshalb musst du zwischen konkreten Handlungen und weitergehenden politischen Einstellungen unterscheiden.
Beispiel: Die Anweisung an die Feuerwehren untersuchen
- 1Feuerwehren sollten angrenzende Gebäude schützen und Synagogen brennen lassen.
- 2Die Anweisung unterschied also danach, welches Gebäude betroffen war.
- 3Sie zeigt, wie eine Behörde in die organisierte Gewalt eingebunden wurde.
Merke: Die Bevölkerung war weder eine einheitliche Tätergruppe noch insgesamt eine unbeteiligte Zuschauerschaft. Benenne jeweils, wer was tat.
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Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt 1.406 zerstörte Synagogen und Betstuben sowie über 7.500 zerstörte Geschäfte. Diese Angaben beschreiben Zerstörungen, keine vollständige Zahl der Opfer. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums wurden etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Das waren Lager, in denen das NS-Regime Menschen gefangen hielt.
Der Student Mischael Rosenberg hielt seine Erfahrung vom 10. November in Würzburg in einem Tagebuch fest. Eindringlinge zerstörten die Einrichtung des Schlafsaals. Eine Menschenmenge demütigte die Bewohner; anschließend folgte eine behördliche Haft von acht Tagen. Rosenberg berichtet außerdem, dass Torarollen, also jüdische religiöse Schriftrollen, und die Lehrerbibliothek vor dem Seminar verbrannt wurden. Das Seminar war seine Ausbildungsstätte. Dessen Gebäude blieb nach seinem Bericht unbeschädigt. Seine Nachricht über eine zerstörte Synagoge betrifft ein anderes Gebäude.
Rosenberg unterscheidet zwischen eigenem Erleben und Nachrichten, die er erhielt. Sein Bericht macht eine persönliche Erfahrung von Zerstörung, öffentlicher Demütigung und Haft nachvollziehbar. Er belegt nicht, dass alle Verfolgten dasselbe erlebten. Bei der Auswertung prüfst du deshalb, was er selbst erlebte, was er erfuhr und wie weit deine Aussage reichen darf.
Das Regime zwang die Verfolgten anschließend zu Zahlungen und entzog ihnen Versicherungsleistungen. Es verstärkte außerdem die Enteignung, also den Entzug ihres Eigentums, und den Druck zur Auswanderung. Flucht war wegen fehlender Mittel und Aufnahmemöglichkeiten oft schwer.
Definition
Biografische Erfahrung
Eine biografische Erfahrung gehört zum Leben eines einzelnen Menschen. Sie zeigt eine persönliche Erfahrung, die du nicht ohne weitere Belege auf alle Menschen übertragen darfst.
Merke: Unterscheide Rosenbergs eigenes Erleben von erhaltenen Nachrichten. Verwechsle sein Seminargebäude nicht mit der Synagoge, von deren Zerstörung er erfuhr.
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Eine Zäsur ist ein bedeutender Einschnitt in einer Entwicklung. Die Novemberpogrome waren eine solche Zäsur: Die Täter übten reichsweit offen Massengewalt gegen die jüdische Bevölkerung aus. Anschließend verschärfte das Regime den Entzug von Rechten und die Ausplünderung der Verfolgten.
Ein Einschnitt ist aber nicht dasselbe wie ein Anfang. Gewalt und Verfolgung hatten schon vorher bestanden. Die Bedeutung der Novemberpogrome liegt in der Verschärfung dieser Entwicklung. Für deine Begründung vergleichst du deshalb, was vorher bestand und was sich mit den Pogromen verschärfte.
1938 zielte die Politik vor allem auf Vertreibung. Der spätere systematische Massenmord folgte in weiteren Schritten zunehmender Gewalt. Du darfst ihn deshalb nicht als bereits vollständig festgelegten Ablauf der Ereignisse von 1938 darstellen. Ein begründetes Urteil unterscheidet die damalige Politik, ihre Verschärfung und die spätere Entwicklung.
Merke: Eine Zäsur erkennst du an einer bedeutenden Veränderung. Hier verschärften sich Gewalt, Entrechtung und Ausplünderung; Verfolgung hatte bereits zuvor bestanden.
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Alles auf einen Blick
Novemberpogrome 1938
Ursache und Anlass
Die antisemitische Politik war der Hintergrund; das Attentat wurde als Anlass benutzt und rechtfertigte keine Gewalt.
Verantwortung
Partei und Behörden steuerten und ermöglichten die Gewalt; Angehörige von SA und SS beteiligten sich an Angriffen.
Bevölkerung
Es gab Beteiligung, Zustimmung, Zuschauen, Ablehnung und Hilfe. Nach dem Deutschen Historischen Museum halfen nur wenige.
Persönliche Erfahrung
Rosenbergs Tagebuch zeigt einen einzelnen Fall. Eigenes Erleben und erhaltene Nachrichten müssen unterschieden werden.
Folgen
Das Regime verschärfte den Entzug von Rechten und Eigentum sowie den Auswanderungsdruck. Flucht war oft schwer.
Zäsur
Reichsweite Massengewalt bedeutete eine Verschärfung bereits bestehender Verfolgung. Die Politik zielte 1938 vor allem auf Vertreibung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Auswanderungsdruck und Fluchtmöglichkeiten unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre, warum zunehmender Auswanderungsdruck nicht bedeutete, dass die Verfolgten leicht fliehen konnten.
- 2Politik bestimmen: Das Regime verstärkte den Druck zur Auswanderung und die Enteignung. Es zwang die Verfolgten außerdem zu Zahlungen.
- 3Möglichkeiten prüfen: Flucht war wegen fehlender Mittel und Aufnahmemöglichkeiten oft schwer.
- 4Ergebnis formulieren: Der Druck, das Land zu verlassen, und die Möglichkeit zur Flucht waren verschiedene Dinge. Die Verfolgten konnten unter wachsendem Druck stehen, während ihnen Mittel und Aufnahmewege fehlten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Rosenbergs Ausbildungsstätte In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Hier werden Angaben zu verschiedenen Gebäuden vermischt. Richtig: Das Seminargebäude blieb nach Rosenbergs Bericht unbeschädigt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Attentat, das das Regime als Anlass benutzte, geschah am 1938 in Paris. Mischael Rosenberg schildert den 10. November in . Nach der Demütigung der Bewohner folgte nach seinem Bericht eine Haft von Tagen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback