Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
NS-Ghettos: Funktion, Alltag und Widerstand
Du lernst, wie NS-Ghettos der Verfolgung dienten, was offene und geschlossene Formen unterschied und wie jüdische Menschen sich behaupteten.
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Kurz gesagt
NS-Ghettos waren erzwungene Wohn- und Haftbezirke für jüdische Menschen, vor allem im besetzten Osteuropa. Die nationalsozialistischen Besatzer nutzten sie zur Isolation, Kontrolle und Zwangsarbeit, später auch zur Sammlung vor Deportationen und Mord. Ihre Entwicklung verlief unterschiedlich.
Eine fehlende Mauer bedeutet noch keine Freiheit. Das zeigt der Vergleich offener und geschlossener Ghettos im Nationalsozialismus, kurz NS. Du untersuchst die Herrschaft der Besatzer und die begrenzten Möglichkeiten jüdischer Menschen, einander zu helfen und Gegenwehr zu leisten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die nationalsozialistischen Besatzer zwangen jüdische Menschen, in bestimmten Wohn- und Haftbezirken zu leben. Solche Ghettos bestanden vor allem im besetzten Osteuropa. Die Besatzer trennten die Menschen von ihrer Umgebung, kontrollierten sie und beuteten sie durch erzwungene Arbeit aus. Später nutzten sie Ghettos auch zur Sammlung von Menschen vor Deportationen und Mord.
Die Funktionen und die Dauer der Ghettos unterschieden sich. Es gab keinen Ablauf, der von Anfang an überall gleich war. Auch darfst du ein Ghetto nicht mit einem Konzentrationslager oder einem Vernichtungslager gleichsetzen.
Die Besatzer schufen Überfüllung, Hunger und fehlende medizinische Versorgung und übten Gewalt aus. Unter diesen Bedingungen starben Hunderttausende Menschen in Ghettos.
Bei der Zahl der Ghettos kommt es darauf an, was mitgezählt wird: Etwa 1.100 Ghettos wurden von deutschen Behörden errichtet. Einschließlich der Ghettos verbündeter Staaten werden über 1.300 gezählt.
Das begleitende Schaubild veranschaulicht räumliche Abgrenzung und eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Es ist ein vereinfachtes Schema, kein historischer Plan eines bestimmten Ghettos. Seine nummerierten Funktionen zeigen keine überall gleiche zeitliche Abfolge. Die Bildangabe von rund 1.100–1.200 ist eine ältere gerundete Größenordnung für deutsche Ghettos im besetzten Osteuropa. Sie bezeichnet nicht die Gesamtzahl einschließlich der Ghettos verbündeter Staaten.
Definition
Deportation
Deportation bedeutet hier, dass die Machthaber Menschen gegen ihren Willen an einen anderen Ort verschleppten.
Merke: NS-Ghettos dienten der Verfolgung. Ihre Funktionen, ihre Dauer und ihre Entwicklung waren nicht überall gleich.
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Geschlossene Ghettos waren durch Mauern, Zäune oder andere Sperren von ihrer Umgebung abgetrennt. Offenen Ghettos fehlte eine solche vollständige bauliche Umgrenzung.
Die Bezeichnung „offen“ beschreibt also die bauliche Form. Sie bedeutet nicht, dass die Menschen frei waren. Auch aus einem offenen Ghetto durften sie den zugewiesenen Bereich nicht frei verlassen. Du musst deshalb die sichtbaren Grenzen und die erlaubte Bewegungsfreiheit getrennt betrachten.
| Form | Bauliche Grenze | Bewegungsfreiheit |
|---|---|---|
| Geschlossenes Ghetto | Durch Mauern, Zäune oder andere Sperren abgetrennt | Kein freies Verlassen des zugewiesenen Bereichs |
| Offenes Ghetto | Keine solche vollständige bauliche Umgrenzung | Ebenfalls kein freies Verlassen des zugewiesenen Bereichs |
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Die sogenannten Judenräte waren jüdische Räte, die unter dem Zwang der Besatzer standen. Sie mussten deren Befehle ausführen. Zugleich versuchten sie, Hilfe für die Menschen im Ghetto zu organisieren. Eigene Hilfsbemühungen machten daraus keine freie Selbstverwaltung.
Im Ghetto Theresienstadt musste der Ältestenrat Anweisungen einer Dienststelle der nationalsozialistischen Sicherheitsbehörden umsetzen. Er musste auch Listen für Deportationen erstellen. Diese erzwungene Tätigkeit übertrug die Verantwortung für die Verfolgung nicht auf die Verfolgten. Verantwortlich blieb die nationalsozialistische Herrschaft.
Definition
Zwangsverwaltung
Damit ist hier eine Verwaltung gemeint, deren Mitglieder Befehle der Besatzer unter Zwang ausführen mussten.
Merke: Prüfe, wer Befehle gab und wer sie unter Zwang ausführen musste. Eine erzwungene Aufgabe ist keine frei getroffene Entscheidung.
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Jüdische Menschen versuchten unter der Verfolgung, einander zu helfen und ihr gemeinsames Leben zu bewahren. Diese Selbstbehauptung konnte Unterricht, religiöses und kulturelles Leben sowie heimliche Dokumentation umfassen. Dokumentation bedeutet hier, Geschehnisse festzuhalten.
Bewaffnete Gegenwehr war eine andere Form. Im Warschauer Ghetto kämpften Verfolgte 1943 gegen deutsche Kräfte. Hunger, Bewachung und fehlende Mittel begrenzten die Handlungsmöglichkeiten. Wenn Menschen keinen bewaffneten Widerstand leisteten, bedeutete das weder Zustimmung noch fehlenden Lebenswillen.
Im Ghetto Theresienstadt halfen kulturelle Aktivitäten den Gefangenen, ihre Selbstachtung zu bewahren. Zugleich benutzte die nationalsozialistische Herrschaft diese Aktivitäten für Propaganda: Sie wollte einen irreführenden Eindruck vom Ghetto vermitteln. Für den Besuch des Internationalen Roten Kreuzes am 23. Juni 1944 führten die Machthaber eine scheinbar normale Stadt vor. Zuvor hatten sie Menschen deportiert, um die Überfüllung zu verbergen. Die vorgeführte Normalität belegt daher keine menschenwürdigen Haftbedingungen.
Beispiel: Religiöses Leben als Selbstbehauptung einordnen
- 1Religiöses Leben konnte eine Form jüdischer Selbstbehauptung sein.
- 2Es gehört damit zu den Bemühungen, gemeinsames Leben unter der Verfolgung zu bewahren.
- 3Du unterscheidest diese Form von bewaffneter Gegenwehr, ohne daraus ein Urteil über den Lebenswillen der Menschen abzuleiten.
Merke: Hilfe, Unterricht, Kultur und bewaffnete Gegenwehr waren unterschiedliche Formen des Handelns. Hunger, Bewachung und fehlende Mittel begrenzten die Möglichkeiten.
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Alles auf einen Blick
NS-Ghettos
Funktionen
NS-Ghettos dienten der Isolation, Kontrolle und Ausbeutung, später auch der Sammlung vor Deportationen und Mord. Ihre Entwicklung unterschied sich.
Bauliche Formen
Offene Ghettos hatten keine vollständige bauliche Umgrenzung. Auch dort durften Menschen den zugewiesenen Bereich nicht frei verlassen.
Zwangsverwaltung
Die sogenannten Judenräte mussten Besatzerbefehle ausführen. Die Verantwortung blieb bei der nationalsozialistischen Herrschaft.
Selbstbehauptung
Hilfe, Unterricht, religiöses und kulturelles Leben sowie heimliche Dokumentation konnten Formen jüdischer Selbstbehauptung sein.
Handlungsmöglichkeiten
Hunger, Bewachung und fehlende Mittel begrenzten die Gegenwehr. Ausbleibender bewaffneter Widerstand bedeutet keine Zustimmung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die vorgeführte Normalität in Theresienstadt prüfen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum der Besuch des Internationalen Roten Kreuzes am 23. Juni 1944 keine menschenwürdigen Haftbedingungen belegt.
- 2Vorbereitung feststellen: Die Machthaber ließen zuvor Menschen deportieren, um die Überfüllung zu verbergen.
- 3Absicht erkennen: Beim Besuch führten sie eine scheinbar normale Stadt vor. Damit sollte ein irreführender Eindruck entstehen.
- 4Ergebnis formulieren: Die vorgeführte Normalität verdeckte die Verfolgung. Sie ist kein Beleg dafür, dass die Gefangenen unter menschenwürdigen Bedingungen lebten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur jüdischen Gegenwehr In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Jahreszahl verwechselt den Aufstand mit dem Jahr des Besuchs in Theresienstadt. Richtig: Im Warschauer Ghetto kämpften Verfolgte 1943 gegen deutsche Kräfte.
Lückentext
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NS-Ghettos bestanden vor allem im besetzten . Ghettos ohne vollständige bauliche Umgrenzung bezeichnet man als Ghettos. Im Warschauer Ghetto kämpften Verfolgte gegen deutsche Kräfte.
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