Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
NATO-Doppelbeschluss: Gründe, Streit und Folgen
Du lernst die beiden Wege des NATO-Doppelbeschlusses kennen, vergleichst Sicherheitsargumente und beurteilst den Weg zur Abrüstung.
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Kurz gesagt
Der NATO-Doppelbeschluss von 1979 verband die geplante Aufstellung neuer amerikanischer Atomwaffen in Europa mit Verhandlungen zur Rüstungskontrolle. Diese sollten die Aufstellung unnötig machen. Umstritten war, ob zusätzliche Waffen Sicherheit schufen oder die Kriegsgefahr erhöhten.
Können zusätzliche Waffen einen Krieg verhindern? Oder machen sie einen Krieg wahrscheinlicher? Genau darüber stritten Politiker und Bürger beim NATO-Doppelbeschluss. Du untersuchst ihre Argumente und prüfst, was die spätere Abrüstung über den Beschluss aussagt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die NATO ist ein Militärbündnis, dem die USA, die Vereinigten Staaten von Amerika, angehören. Sie sah in den modernisierten sowjetischen SS-20-Raketen eine Bedrohung. Sowjetisch bedeutet: zur Sowjetunion gehörend, die auch UdSSR genannt wurde. Diese Bedrohungswahrnehmung erklärt die Haltung der NATO. Sie beweist aber keine vollständige militärische Überlegenheit der Sowjetunion.
Am 12. Dezember 1979 verband die NATO zwei Wege. Sie beschloss die geplante Stationierung amerikanischer Pershing-II-Raketen und landgestützter Marschflugkörper in Europa. Stationierung bedeutet hier, Waffen an vorgesehenen Orten aufzustellen. Raketen und Marschflugkörper waren die beiden vorgesehenen Waffenarten. Landgestützt bedeutet hier, dass die Waffen an Land aufgestellt werden sollten.
Gleichzeitig sollten Verhandlungen die Rüstung begrenzen und die geplante Stationierung unnötig machen. Falls die Verhandlungen scheiterten, war die Aufstellung ab Ende 1983 vorgesehen. Der Doppelbeschluss verband also militärische Planung mit einem Verhandlungsangebot.
Definition
Rüstungskontrolle
Staaten verhandeln über Regeln und Grenzen für ihre Bewaffnung. Beim Doppelbeschluss sollten solche Verhandlungen die geplante Aufstellung neuer Waffen unnötig machen.
Beispiel: Schmidts Warnung von 1977
- 1Bundeskanzler Helmut Schmidt warnte 1977 vor einer unkontrollierten Aufrüstung mit Mittelstreckenraketen.
- 2Er verlangte Gegenmaßnahmen der NATO, gab Verhandlungsangeboten dabei aber Vorrang.
- 3An seinem Vorschlag erkennst du die Verbindung von militärischen Maßnahmen und Verhandlungen.
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Befürworter betonten Abschreckung: Die Aussicht auf einen militärischen Gegenschlag sollte einen Gegner von einem Angriff abhalten. Außerdem war ihnen die Verlässlichkeit innerhalb der NATO wichtig. Der Politiker Genscher warnte vor einer Schwächung Deutschlands außerhalb der NATO. Der Politiker Wörner befürchtete einen Vertrauensverlust, falls die Bundesrepublik vom Doppelbeschluss abrückte.
Gegner betonten die Gefahr einer atomaren Eskalation. Damit ist gemeint, dass sich ein Konflikt bis zum Einsatz von Atomwaffen verschärft. Die Politikerin Nickels kritisierte zusätzliche Waffen und die Gefahr atomarer Vernichtung. Der Politiker Brandt warf der Regierung vor, die Gefahren herunterzuspielen.
Beide Seiten beschäftigten sich mit Sicherheit, bewerteten aber den Beitrag zusätzlicher Waffen unterschiedlich. Befürworter erwarteten mehr Schutz durch Abschreckung und ein verlässliches Bündnis. Gegner warnten vor einem gefährlicheren Wettrüsten, also dem gegenseitigen Ausbau der Bewaffnung. Nicht jeder Befürworter und nicht jeder Gegner begründete seine Haltung gleich.
| Beteiligter | Betontes Argument |
|---|---|
| Genscher | Deutschland drohe außerhalb der NATO eine Schwächung. |
| Wörner | Eine Abkehr vom Beschluss gefährde das Vertrauen im Bündnis. |
| Nickels | Sie kritisierte zusätzliche Waffen und warnte vor atomarer Vernichtung. |
| Brandt | Die Regierung spiele die Gefahren herunter. |
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Der Beschluss von 1979 bedeutete noch nicht, dass die neuen Waffen bereits aufgestellt waren. Am 30. November 1981 begannen Abrüstungsverhandlungen in Genf. Im Juli 1982 erarbeiteten ein amerikanischer und ein sowjetischer Unterhändler einen Kompromissentwurf. Diese Verhandler versuchten, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ihr Vorschlag wurde als „Waldspaziergang“ bekannt. Beide Regierungen lehnten ihn ab.
Am 22. November 1983 billigte der Bundestag, das Parlament der Bundesrepublik Deutschland, die Stationierung. Die Gegner in den Parteien SPD und Grüne setzten sich nicht durch. SPD steht für Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Die Stationierung begann 1983. Am 23. November 1983 brach die Sowjetunion die Genfer Gespräche ab.
Am 7. Januar 1985 vereinbarten die USA und die Sowjetunion, Gespräche über Atomwaffen wieder aufzunehmen. Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten US-Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow den INF-Vertrag. Das war ein Abrüstungsvertrag über bestimmte landgestützte Raketen und Marschflugkörper.
Beseitigt werden sollten bestimmte US-amerikanische und sowjetische landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5.500 Kilometern. Der Vertrag schaffte nicht alle Atomwaffen ab. Beschluss, Stationierung und vertraglich vereinbarte Abrüstung waren verschiedene Schritte.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1979 | Die NATO beschließt die Doppelstrategie. |
| 1981 | Abrüstungsverhandlungen beginnen in Genf. |
| 1983 | Die Stationierung beginnt. |
| 1985 | Die USA und die Sowjetunion vereinbaren die Wiederaufnahme von Gesprächen. |
| 1987 | Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF-Vertrag. |
Merke: Eine beschlossene Stationierung ist noch keine durchgeführte Stationierung. Ein unterschriebener Abrüstungsvertrag ist noch keine bereits abgeschlossene Abrüstung.
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Ein historisches Urteil braucht einen Maßstab und Belege. Beim Doppelbeschluss kannst du fragen, wie die Politik Sicherheit schaffen sollte und welche Kriegsrisiken damit verbunden waren. Vergleiche dafür die Argumente zur Abschreckung mit den Warnungen vor atomarer Eskalation. Berücksichtige auch, wann Verhandlungen scheiterten und wann eine Einigung gelang.
Über den Weg zur Einigung gab es unterschiedliche Einschätzungen. Bundeskanzler Helmut Kohl erklärte 1982, erfolgreiche Verhandlungen seien zu erwarten, wenn die Sowjetunion wisse, dass er notfalls auch den Stationierungsteil erfüllen werde. Gegner des Doppelbeschlusses führten den späteren Durchbruch dagegen auch auf den Einsatz der Friedensbewegung zurück. Nach ihrer Einschätzung förderten deren Kontakte das Vertrauen zwischen den Militärblöcken.
Für den Weg zum Vertrag sind außerdem Gorbatschows Initiative, Reagans Bereitschaft zu Verhandlungen und Diplomatie zu berücksichtigen. Diplomatie bedeutet hier, dass Staaten durch Gespräche und Verhandlungen nach einer Einigung suchen. Die Reihenfolge 1979–1983–1987 beweist für sich genommen nicht, dass die Nachrüstung die einzige Ursache des Vertrags war. Nachrüstung meint hier die geplante zusätzliche Bewaffnung der NATO.
Ein begründetes Urteil kann deshalb lauten: Der Doppelbeschluss verband das Ziel militärischer Abschreckung mit dem Angebot von Verhandlungen. Für seine Bewertung zählen sowohl die Sicherheitsargumente als auch die Warnungen vor einem Atomkrieg. Der spätere INF-Vertrag belegt eine Einigung über bestimmte Waffen, aber keine Erklärung ihres Zustandekommens durch eine einzige Ursache.
Merke: Trenne drei Fragen: Was geschah? Wie bewerteten Beteiligte es? Welche Ursachen lassen sich tatsächlich belegen? Ein späteres Ereignis beweist noch keine bestimmte Ursache.
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Alles auf einen Blick
NATO-Doppelbeschluss
Doppelstrategie
Geplante Stationierung und parallele Verhandlungen sollten zusammenwirken.
Sicherheitsstreit
Befürworter betonten Abschreckung und Bündnisverlässlichkeit; Gegner warnten vor atomarer Eskalation.
Umsetzung
Der Beschluss fiel 1979; die Stationierung begann 1983.
Abrüstung
Der INF-Vertrag von 1987 erfasste bestimmte US-amerikanische und sowjetische landgestützte Waffen, nicht alle Atomwaffen.
Urteil
Die spätere Einigung beweist nicht, dass Nachrüstung ihre einzige Ursache war.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Waldspaziergang als Verhandlungsschritt einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum der Kompromissentwurf vom Juli 1982 noch keine Einigung zwischen den Staaten war.
- 2Vorgang bestimmen: Ein amerikanischer und ein sowjetischer Unterhändler erarbeiteten einen gemeinsamen Vorschlag.
- 3Entscheidung prüfen: Beide Regierungen lehnten den Entwurf ab.
- 4Ergebnis formulieren: Die Unterhändler hatten eine mögliche Lösung gefunden. Weil beide Regierungen sie ablehnten, wurde daraus keine Einigung zwischen den Staaten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Abbruch und zur Wiederaufnahme der Gespräche In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage nennt das falsche Jahr für die Vereinbarung. Richtig: Am 7. Januar 1985 vereinbarten die USA und die Sowjetunion die Wiederaufnahme von Gesprächen über Atomwaffen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der NATO-Doppelbeschluss wurde am 12. Dezember gefasst. Die Verhandlungen, die am 30. November 1981 begannen, fanden in statt. Den INF-Vertrag unterzeichnete Reagan 1987 gemeinsam mit .
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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