Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Kubakrise 1962: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, welche Interessen hinter der Kubakrise standen, wie sie eskalierte und warum ihr Ende ein Kompromiss mit Grenzen war.
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Kurz gesagt
Die Kubakrise war eine Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion im Oktober 1962 wegen sowjetischer Atomraketen auf Kuba. Ein Kompromiss beendete die akute Krise. Beide Seiten machten Zugeständnisse, um einen möglichen Atomkrieg abzuwenden.
Wie kann ein Konflikt außer Kontrolle geraten, obwohl die Regierungschefs einen Krieg vermeiden wollen? In der Kubakrise trafen militärischer Druck, unvollständige Informationen und schwierige Entscheidungen aufeinander. Du untersuchst, wie nahe die Beteiligten einem Atomkrieg kamen und wie sie einen Ausweg fanden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, und die Sowjetunion waren rivalisierende Weltmächte. Beide standen für gegensätzliche Wirtschaftssysteme und politische Überzeugungen. Ihr Konflikt wurde als Kalter Krieg bezeichnet. Etwa ab Anfang der 1950er Jahre trieben sie ein Wettrüsten voran: Sie entwickelten immer neue Waffen.
Auf Kuba hatte die Bewegung um Fidel Castro 1959 den Diktator Fulgencio Batista gestürzt. Castro führte danach eine Revolutionsregierung. Kuba suchte in der Sowjetunion seinen wichtigsten Handelspartner und Schutz vor gewaltsamer Einflussnahme der USA. Diese Bedrohung hatte einen konkreten Hintergrund: 1961 scheiterte in der Schweinebucht ein Angriff von Exilkubanern, also im Ausland lebenden Kubanern, den die USA verdeckt unterstützten.
Die Sowjetunion wollte ihren militärischen Nachteil gegenüber den USA verringern. Sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba konnten US-Gebiet erreichen. Solche Raketen konnten Atomsprengköpfe über große Entfernungen transportieren. Die USA hatten ihrerseits ab 1961 begonnen, Atomraketen in Italien und der Türkei aufzustellen, die Ziele in der Sowjetunion erreichen konnten.
Die US-Regierung wollte eine Ausbreitung des Kommunismus in Mittel- und Südamerika verhindern. US-Präsident John F. Kennedy forderte den Abzug der sowjetischen Mittelstreckenraketen aus Kuba. Nach der Krise erklärte er, entscheidend sei für ihn die Sorge gewesen, das Machtgleichgewicht könne sich dem Anschein nach zugunsten der Sowjetunion verschieben. Kubas Schutzinteresse, das sowjetische Streben nach militärischem Ausgleich und das amerikanische Machtinteresse waren also nicht dasselbe.
Definition
Wettrüsten
Rivalisierende Staaten bauen ihre Bewaffnung aus und entwickeln neue Waffen, um gegenüber dem Gegner stärker zu sein.
Merke: Unterscheide die Interessen: Kuba suchte Schutz, die Sowjetunion militärischen Ausgleich und die USA wollten ihre Machtstellung sichern.
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Ab dem 10. Juli 1962 brachte die Sowjetunion heimlich Militär nach Kuba. Am 14. Oktober fotografierten amerikanische Aufklärungsflugzeuge dort sowjetische Raketenstellungen. Die Auswertung der Bilder am 15. Oktober bewies die Existenz von Startrampen für Mittelstreckenraketen. Am 16. Oktober wurde Kennedy informiert. Er beriet mit einem engen Beraterstab über mögliche Reaktionen.
Am 22. Oktober machte Kennedy die Raketenstationierung in einer Fernsehansprache öffentlich. Er kündigte eine Seeblockade für den 24. Oktober an und forderte den Abzug der Raketen. Kriegsschiffe sollten den Zugang zu Kuba sperren. Die US-Regierung nannte diese Maßnahme „Quarantäne“. Die Seeblockade war völkerrechtswidrig, verstieß also gegen das Recht zwischen Staaten.
Am 24. Oktober begann die Seeblockade. Am 26. Oktober bot der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow den Raketenabzug an, wenn die USA auf eine Invasion Kubas verzichteten. Eine Invasion ist das militärische Eindringen in ein anderes Land. Am 27. Oktober verlangte er zusätzlich den Abzug amerikanischer Raketen aus der Türkei. Gleichzeitig spitzte sich die militärische Lage gefährlich zu.
Am 28. Oktober gab Chruschtschow den Rückzug der Mittelstreckenraketen aus Kuba bekannt. Die akute Krise war beendet, die Umsetzung der Vereinbarung dauerte länger: Die Seeblockade endete erst am 20. November 1962. Der tatsächliche Abzug der vereinbarten sowjetischen Raketen war erst Anfang Januar 1963 abgeschlossen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 14. Oktober 1962 | US-Aufklärungsflugzeuge fotografieren sowjetische Raketenstellungen auf Kuba. |
| 16. Oktober 1962 | Kennedy wird über die Raketenstellungen informiert. |
| 22. Oktober 1962 | Kennedy kündigt die Seeblockade öffentlich an. |
| 24. Oktober 1962 | Die Seeblockade beginnt. |
| 27. Oktober 1962 | Chruschtschow verlangt zusätzlich den Abzug der US-Raketen aus der Türkei. |
| 28. Oktober 1962 | Chruschtschow gibt den Rückzug der Mittelstreckenraketen aus Kuba bekannt. |
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Eskalation bedeutet, dass sich ein Konflikt verschärft. In der Kubakrise kamen militärischer Druck und fehlende Informationen zusammen. Amerikanische Generäle drängten auf Luftangriffe und eine anschließende Invasion. Kennedy bevorzugte die Seeblockade, hielt militärische Angriffe aber als Möglichkeit offen. Berater warnten, ein Luftangriff könne nicht alle sowjetischen Raketen auf Kuba ausschalten. Die USA unterschätzten zudem die Zahl der dortigen Atomraketen.
Besonders gefährlich wurde der 27. Oktober. Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug wurde über Kuba mit einer Flugabwehrrakete abgeschossen. Dabei wurde der Pilot Rudolf Anderson getötet. Kennedy untersagte ausdrücklich einen Gegenangriff und blieb zu Verhandlungen bereit. Ein militärischer Zwischenfall musste also nicht zwangsläufig einen weiteren Angriff auslösen.
Am selben Tag setzte ein amerikanisches Kriegsschiff das sowjetische U-Boot B-59 mit Übungswasserbomben unter Druck. An Bord befand sich ein Atomtorpedo. Weil die Besatzung keinen Kontakt nach außen hatte, wusste sie nicht, ob bereits Krieg herrschte. Die Offiziere diskutierten den Einsatz der Atomwaffe. Wassili Archipow, einer der drei dafür verantwortlichen Offiziere, verweigerte einen Abschuss ohne weiteren Befehl aus Moskau.
Diese Fälle zeigen unterschiedliche Gefahren: Ein Abschuss konnte einen Gegenangriff auslösen; fehlender Kontakt konnte dazu führen, dass Soldaten die Lage falsch einschätzten. Die Zurückhaltung einzelner Entscheider war deshalb wichtig. Kennedy und Chruschtschow versuchten, die Entwicklungen zu kontrollieren, dem Gegner Zeit zu geben und militärischen Ratschlägen nicht blind zu folgen.
Beispiel: Der Abschuss eines Aufklärungsflugzeugs
- 1Am 27. Oktober wurde über Kuba ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen; der Pilot Rudolf Anderson wurde getötet.
- 2Ein amerikanischer Gegenangriff hätte den Konflikt weiter verschärfen können.
- 3Kennedy untersagte den Gegenangriff und erklärte sich zu weiteren Verhandlungen bereit.
Merke: Gefährlich waren nicht nur Angriffspläne. Auch fehlende Informationen und einzelne militärische Zwischenfälle konnten die Krise verschärfen.
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Der Kompromiss enthielt Zugeständnisse beider Seiten. Die Sowjetunion zog ihre Mittelstreckenraketen aus Kuba ab. Die USA versprachen, keine weitere militärische Invasion Kubas zu unternehmen. Außerdem sagten sie geheim den Abzug ihrer Jupiter-Raketen aus der Türkei zu. Dieser Abzug erfolgte etwas später und ohne Öffentlichkeit. So sollten die amerikanischen Bündnispartner nicht vor den Kopf gestoßen werden und die USA als Sieger erscheinen können.
Bei einem Urteil musst du deshalb zwischen öffentlichem Eindruck und Vereinbarung unterscheiden. Kennedy konnte öffentlich als entschlossener Sieger auftreten, weil das amerikanische Zugeständnis bei den Raketen in der Türkei geheim blieb. Tatsächlich erreichten beide Seiten wichtige Ziele: Die USA erreichten den sowjetischen Mittelstreckenraketenabzug aus Kuba. Die Sowjetunion erhielt das amerikanische Nichtangriffsversprechen für Kuba und den Raketenabzug aus der Türkei. Sowjetische Kurzstreckenraketen blieben auf Kuba. Sie konnten keine US-amerikanischen Städte erreichen, aber den amerikanischen Militärstützpunkt in der Bucht von Guantanamo auf Kuba und heranfahrende Schiffe bedrohen.
Die Krise führte zu Verhandlungen über Rüstungskontrolle, also gemeinsame Regeln zur Begrenzung von Waffen und Waffentests. Am 5. August 1963 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser verbot. Außerdem entstand 1963 der „Heiße Draht“. Das war eine direkte Fernschreibverbindung zwischen den Regierungssitzen in Washington und Moskau: Geräte übertrugen schriftliche Nachrichten. Die Verbindung sollte schnelle Verhandlungen ermöglichen und gefährliche Missverständnisse vermeiden.
Die Verständigung beendete die Gegnerschaft jedoch nicht. Die USA verschärften ihre Handelsbeschränkungen gegen Kuba und führten dort weiter verdeckte Sabotageaktionen durch, also gezielte Störungs- und Zerstörungsaktionen. Kuba band sich noch enger an die Sowjetunion. Auch das Wettrüsten war nicht beendet: Die sowjetische Führung beschloss im Februar 1963 den Ausbau ihrer strategischen Angriffswaffen. Ein begründetes Urteil lautet deshalb: Der Kompromiss löste die akute Krise und verbesserte die Möglichkeiten zur Verständigung. Die Gegnerschaft und das Wettrüsten bestanden aber fort.
Definition
Kompromiss
Eine Vereinbarung, bei der beide Seiten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür wichtige eigene Ziele erreichen.
Merke: Beurteile den Ausgang nach mehreren Maßstäben: Wurde die akute Gefahr beendet? Machten beide Seiten Zugeständnisse? Bestand die Gegnerschaft weiter?
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Alles auf einen Blick
Kubakrise
Interessen
Kuba suchte Schutz, die Sowjetunion militärischen Ausgleich und die USA die Sicherung ihrer Machtstellung.
Verlauf
Auf die Entdeckung der Raketenstellungen folgten öffentliche Drohungen, die Seeblockade und Verhandlungen.
Eskalationsgefahr
Militärischer Druck, Zwischenfälle und fehlende Informationen brachten die Beteiligten nahe an einen Atomkrieg.
Kompromiss
Der sowjetische Mittelstreckenraketenabzug aus Kuba wurde mit amerikanischen Zugeständnissen verbunden.
Folgen
Rüstungskontrolle und bessere Kommunikation wurden möglich, während Gegnerschaft und Wettrüsten fortbestanden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den geheimen Raketenabzug aus der Türkei beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum das Ende der Krise nicht einfach als einseitiges Nachgeben der Sowjetunion gelten kann.
- 2Vereinbarung feststellen: Die Sowjetunion sagte den Mittelstreckenraketenabzug aus Kuba zu. Die USA versprachen im Gegenzug, keine weitere militärische Invasion Kubas zu unternehmen, und sagten geheim den Abzug ihrer Jupiter-Raketen aus der Türkei zu.
- 3Öffentlichen Eindruck prüfen: Das amerikanische Zugeständnis bei den Raketen blieb geheim. Deshalb konnte Kennedy öffentlich als Sieger erscheinen.
- 4Urteil begründen: Beide Seiten machten Zugeständnisse und erreichten wichtige Ziele. Der öffentliche Eindruck eines amerikanischen Sieges zeigte somit nicht die gesamte Vereinbarung.
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Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Ankündigung und Beginn. Richtig: Die Seeblockade begann am 24. Oktober 1962.
Lückentext
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Kuba suchte Schutz vor gewaltsamer Einflussnahme der . Kennedy machte die Raketenstationierung am in seiner Fernsehansprache öffentlich. Der geheim vereinbarte amerikanische Abzug betraf Jupiter-Raketen in der .
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