Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Marshallplan: Ziele, Ablauf und Folgen erklärt
Du lernst, welche Ziele der Marshallplan hatte, wie seine Hilfen funktionierten und warum seine wirtschaftliche Wirkung umstritten ist.
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Kurz gesagt
Der Marshallplan war ein Hilfsprogramm der USA, der Vereinigten Staaten von Amerika, für Europas Wiederaufbau. Von 1948 bis 1952 unterstützte er viele, insbesondere westeuropäische Staaten. Er sollte auch Europas Wirtschaft stabilisieren und sowjetischen Einfluss eindämmen.
Was hilft beim Wiederaufbau, wenn Lebensmittel fehlen und Unternehmen dringend Rohstoffe brauchen? Waren aus dem Ausland können helfen, doch jemand muss sie bezahlen. Am Marshallplan erkennst du, wie wirtschaftliche Hilfe und politische Interessen zusammenhingen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Städte in Deutschland und Österreich zerstört. Verkehrswege und andere wichtige Versorgungseinrichtungen waren stark beschädigt. Im strengen Winter 1946/47 brach die Versorgung in vielen deutschen Städten zusammen.
In Europa bestand großer Bedarf an Lebensmitteln und Industriegütern aus den USA. Den europäischen Ländern fehlten jedoch die nötigen Dollarreserven, also Vorräte an amerikanischem Geld, um diese Waren zu bezahlen. Fehlender Bedarf war deshalb nicht das Problem.
Der amerikanische Außenminister George C. Marshall schlug am 5. Juni 1947 ein Hilfsprogramm für alle Staaten Europas vor. Das nach ihm benannte Programm wurde am 3. April 1948 beschlossen und in Kraft gesetzt. Die Hilfen liefen von 1948 bis 1952 und erreichten viele, insbesondere westeuropäische Staaten.
Die USA verfolgten mehrere Ziele: Hunger und Armut bekämpfen, den Wiederaufbau unterstützen und Europas Wirtschaft und Politik stabilisieren. Sie wollten außerdem den Einfluss der Sowjetunion eindämmen. Die Sowjetunion war ein Staat, unter dessen Einfluss mehrere Länder Mittel- und Osteuropas standen. Auch amerikanische Wirtschaftsinteressen spielten eine Rolle: In Europa wurden amerikanische Waren gebraucht, konnten aber häufig nicht bezahlt werden. Die Forschung ist sich über die Mischung verschiedener Motive einig, nicht über deren genaue Gewichtung.
Definition
ERP
ERP steht für European Recovery Program. Das bedeutet europäisches Wiederaufbauprogramm und war der offizielle Name des Marshallplans.
Merke: Der Marshallplan verband Hilfe für den Wiederaufbau mit wirtschaftlichen und politischen Interessen der USA.
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Die Hilfe bestand aus Krediten und Lieferungen, etwa von Rohstoffen, Lebensmitteln und Industriegütern. Neunzig Prozent der Mittel wurden für Zuschüsse zu Waren verwendet, die aus den USA eingeführt wurden. Ein Zuschuss ist eine finanzielle Unterstützung.
Die Regierungen der Empfängerländer mussten den Gegenwert dieser Zuschüsse in ihrer eigenen Währung in Gegenwertfonds einzahlen. Das waren getrennt verwaltete Geldbestände für den Wiederaufbau. In der Regel verkauften die Empfängerländer die Waren zu Marktpreisen in ihrer eigenen Währung. So standen neben den eingeführten Waren auch Geldmittel im Empfängerland zur Verfügung.
Die Regierungen verwalteten die Fonds. Die amerikanische Hilfsbehörde Economic Cooperation Administration, kurz ECA, musste deren Verwendung aber genehmigen. Ihr englischer Name bedeutet Verwaltung für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Mit dem Geld wurden etwa Industrieanlagen und Infrastruktur finanziert, also beispielsweise Einrichtungen für Verkehr und Versorgung. Nur in Großbritannien und Norwegen dienten die Gegenwertfonds in erster Linie dem Abbau von Staatsschulden. In den deutschen und österreichischen Besatzungszonen wurden Investitionshilfen aus diesen Fonds als günstig verzinste Kredite vergeben.
In Westdeutschland kamen vor allem Nahrung, Treibstoff und Medikamente an. Ihr Kaufpreis floss an die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW. Diese nutzte das Geld wiederum zur Kreditvergabe.
Die beteiligten europäischen Länder gründeten den Ausschuss für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, kurz OEEC. Er machte Vorschläge zur Aufteilung und Verwendung der Mittel. Die Entscheidung blieb bei den USA und ihrem Parlament, dem Kongress. Die Hilfe war außerdem an Bedingungen gebunden: Die Länder sollten Handelshemmnisse abbauen, ihre Währungen stabilisieren und zusammenarbeiten.
Merke: Eine Warenlieferung war nicht einfach eine kostenlose Abgabe an die Käufer: In der Regel wurden die Waren im Empfängerland verkauft. Der Gegenwert der Zuschüsse floss in einen Fonds.
Beispiel: Auch Wissen konnte beim Wiederaufbau helfen
- 1Experten aus den USA reisten nach Europa.
- 2Europäische Manager besuchten die USA und lernten dort Produktions- und Buchhaltungsmethoden kennen.
- 3Diese technische Unterstützung sollte helfen, mit dem gleichen Aufwand mehr herzustellen.
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Der Kalte Krieg war der politische Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion sowie ihren jeweiligen Partnern. US-Präsident Harry S. Truman verfolgte die Containment-Politik: Die USA wollten den sowjetischen Einfluss eindämmen. Der Marshallplan sollte dazu beitragen, Europa wirtschaftlich und politisch zu stabilisieren.
Die Hilfen wurden auch der Sowjetunion und den mittel- und osteuropäischen Ländern angeboten. Der sowjetische Außenminister Molotow verließ jedoch die Verhandlungen. Er begründete dies damit, dass die USA sich in die inneren Angelegenheiten der Staaten einmischten. Das war seine Bewertung des Hilfsangebots.
Die sowjetische Führung untersagte auch den europäischen Staaten unter ihrem Einfluss die Teilnahme. Polen und die Tschechoslowakei hatten beispielsweise Interesse bekundet. Ihre Nichtteilnahme bedeutete also nicht, dass sie kein Interesse an der Hilfe hatten. Als Alternative veranlasste die Sowjetunion im Januar 1949 die Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe, kurz RGW.
Der Marshallplan trug zur Blockbildung bei, also zur Bildung politisch verbundener Staatengruppen. Die Einbeziehung der drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands stärkte die Bindung der späteren Bundesrepublik an die USA.
Umstritten ist, wie das Angebot an die Sowjetunion zu verstehen ist. Forscher kamen nach der Untersuchung sowjetischer Archive zu dem Schluss, dass ihre Führung anfangs eine Beteiligung ernsthaft erwog. Über die amerikanische Absicht urteilt der Historiker Hogan, dass eigentlich nur Westeuropa unterstützt werden sollte. Diese Aussagen betreffen unterschiedliche Seiten: sowjetische Teilnahmeüberlegungen und amerikanische Ziele. Auch die politische Bewertung bleibt umstritten: Diente der Plan vor allem der Abwehr sowjetischer Ausdehnung, oder betrieben die USA damit aktiv Europas Teilung?
Merke: Ein Hilfsangebot, die Absichten der Beteiligten und die spätere Teilnahme sind verschiedene Dinge. Nicht alle eingeladenen Länder nahmen teil.
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Europas Wirtschaft erholte sich nach dem Krieg schnell. 1951 lag die Produktivität von Industrie und Landwirtschaft in Europa deutlich über dem Vorkriegsniveau von 1938. Produktivität beschreibt, wie viel mit einem bestimmten Aufwand hergestellt wird. Auch beim Abbau von Handelshemmnissen gab es Fortschritte. Die gesetzten Programmziele wurden erreicht. Daraus folgt aber noch nicht, dass der Marshallplan den gesamten Aufschwung verursacht hat.
Über seinen Anteil streiten Historiker. Der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser betont, dass die Erholung in Westeuropa schon unmittelbar nach dem Krieg begonnen habe und im Winter 1946/47 lediglich unterbrochen worden sei. Nach seiner Einschätzung unterstützte der Marshallplan eine bereits laufende Erholung. Andere Forscher widersprechen und schreiben ihm einen entscheidenden Einfluss auf die westdeutsche und europäische Wirtschaftsentwicklung zu. Ein begründetes Urteil muss beide Positionen berücksichtigen. Außerdem unterschieden sich die Bedingungen und Wirkungen zwischen den Empfängerländern.
Viele Forscher sehen im Abbau von Handelsbeschränkungen durch den Marshallplan und die OEEC einen Beitrag zum Wachstum. Auch stabilere Währungen und die Überwindung des Dollarmangels gelten weitgehend als wirtschaftlich günstig. Umstritten bleibt, ob diese Veränderungen auch ohne den Plan eingetreten wären.
Politisch förderte der Plan die Zusammenarbeit in Westeuropa. In der OEEC wurden Ideen für spätere wirtschaftliche Zusammenschlüsse besprochen. Forscher sehen darin einen wichtigen Beitrag zur europäischen Einigung. Zugleich stärkte das Programm die führende Stellung der USA in Westeuropa und trug zur Blockbildung bei. Zusammenarbeit und politische Teilung waren also Folgen desselben Programms.
Auch das Bild der USA veränderte sich. Empfänger mussten mit Tafeln auf die Hilfe hinweisen; hinzu kamen Plakate, Filme und Ausstellungen. Der Forscher Erich Ott urteilt für Westdeutschland, dass die Wirkung auf politische Vorstellungen nachhaltiger gewesen sei als die materielle Hilfe. Bei deinem Urteil solltest du deshalb unterscheiden: Welche wirtschaftlichen Ergebnisse sind erkennbar? Welchen Anteil hatte der Plan daran? Welche politischen Folgen hatte er?
| Bereich | Ergebnis | Grenze des Urteils |
|---|---|---|
| Wirtschaft | Die Wirtschaft erholte sich schnell. | Der Anteil des Marshallplans daran ist umstritten. |
| Zusammenarbeit | Die OEEC förderte gemeinsame wirtschaftliche Planungen. | Die Entscheidung über die Mittel blieb bei den USA und dem Kongress. |
| Politik | Westdeutschlands Bindung an die USA wurde gestärkt. | Der Plan trug zugleich zur Blockbildung bei. |
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Alles auf einen Blick
Marshallplan
Ausgangslage
Europa brauchte amerikanische Waren, doch die nötigen Dollarreserven fehlten.
Ziele
Wiederaufbau und Stabilisierung verbanden sich mit amerikanischen Wirtschaftsinteressen und der Eindämmung sowjetischen Einflusses.
Durchführung
Waren wurden in der Regel verkauft; der Gegenwert der Zuschüsse floss in Fonds in eigener Währung.
Kalter Krieg
Die sowjetische Führung verhinderte die Teilnahme europäischer Staaten unter ihrem Einfluss.
Urteil
Die wirtschaftliche Erholung steht fest, der Anteil des Marshallplans daran bleibt umstritten.
Politische Folgen
Das Programm förderte Zusammenarbeit in Westeuropa und trug zugleich zur Blockbildung bei.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Weg einer Warenhilfe in Westdeutschland erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie aus gelieferten Waren Mittel für weitere Kredite wurden.
- 2Waren benennen: Westdeutschland erhielt vor allem Nahrung, Treibstoff und Medikamente.
- 3Geldfluss verfolgen: Der Kaufpreis dieser Waren ging an die Kreditanstalt für Wiederaufbau.
- 4Weiterverwendung erklären: Die Bank nutzte diese Mittel zur Kreditvergabe.
- 5Ergebnis formulieren: Die Hilfe stellte Waren bereit und ermöglichte zugleich die Finanzierung weiterer Vorhaben.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Gegenwertfonds In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt den vorrangigen Verwendungszweck. Richtig: Nur in Großbritannien und Norwegen dienten die Gegenwertfonds in erster Linie dem Abbau von Staatsschulden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Marshall stellte das Hilfsprogramm am 5. Juni vor. Die Verwendung der Gegenwertfonds musste durch die genehmigt werden. Als politisch-wirtschaftliche Alternative zum Marshallplan veranlasste die Sowjetunion im Januar die Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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