Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Kulturkampf: Bismarcks Politik einfach erklärt
Du lernst Ursachen, Maßnahmen und Folgen des Kulturkampfs kennen und prüfst, warum staatlicher Druck die katholische Opposition stärkte.
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Kurz gesagt
Der Kulturkampf war ein Konflikt zwischen dem Staat unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche. Bismarck wollte kirchlichen Einfluss begrenzen. Doch die katholische Partei Zentrum blieb stark, und auch Unterstützer wandten sich gegen seine Politik.
Wer soll Schulen kontrollieren: der Staat oder die Kirche? Im Kulturkampf ging es um solche Fragen, aber auch um politische Macht. Du untersuchst, warum Gesetze gegen kirchlichen Einfluss nicht den gewünschten politischen Erfolg brachten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Der Kulturkampf war ein Konflikt zwischen dem Staat unter Reichskanzler Otto von Bismarck, dem Leiter der Reichsregierung, und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. Der Papst stand an der Spitze dieser Kirche. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 verschärfte sich der Streit. Das Reich war protestantisch geprägt; Katholiken bildeten eine religiöse Minderheit. Protestanten und Katholiken gehören unterschiedlichen christlichen Kirchen an.
Eine langfristige Ursache war der Streit über die Aufgaben von Staat und Kirche. Die Kirche hatte lange Schulen und Einrichtungen zur Unterstützung Bedürftiger getragen. Der Staat wollte solche Bereiche zunehmend selbst gestalten und päpstlichen Einfluss begrenzen. Die katholische Kirche erwartete dagegen, dass auch Staat und Gesellschaft ihre religiösen Maßstäbe befolgten.
Entscheidungen des Papstes verschärften den Konflikt. Pius IX. verurteilte 1864 unter anderem die Rede- und Religionsfreiheit sowie die Trennung von Staat und Kirche. Innerhalb der katholischen Kirche gab es aber auch Geistliche, also kirchliche Amtsträger, die Reformen wollten. Katholiken vertraten also nicht alle dieselben Ansichten.
Seit Ende 1870 organisierten sich Katholiken in der Zentrumspartei. Sie wollte die Rechte der Kirchen gegenüber dem Staat bewahren. Bismarck betrachtete diese Partei als Gefahr für die staatliche Macht und den Zusammenhalt des neuen Reiches. Das war seine Sicht auf einen politischen Gegner. Viele Liberale unterstützten ihn zunächst. Sie wollten kirchlichen Einfluss begrenzen und sahen ihren eigenen politischen Einfluss durch Wahlerfolge katholischer Parteien bedroht. In polnischen Gebieten kam ein weiterer Konflikt hinzu: Die Verbindung zwischen katholischer Kirche und polnischem Nationalismus verstärkte die staatliche Politik gegen die polnische Sprache und Identität. Damit waren die Sprache und das Zugehörigkeitsgefühl der Polen betroffen.
Definition
Kulturkampf
Politischer Konflikt über Macht und Einfluss von Staat und katholischer Kirche unter Bismarck.
Merke: Der Streit um staatliche und kirchliche Aufgaben war eine langfristige Ursache. Entscheidungen des Papstes und politische Gegensätze verschärften den Konflikt.
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Bismarck setzte verschiedene Gesetze und Anordnungen durch. Manche galten im gesamten Deutschen Reich, andere nur in Preußen, einem Staat innerhalb des Reiches. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du eine Maßnahme erklärst.
Das Schulaufsichtsgesetz von 1872 stärkte die staatliche Kontrolle über Schulen. Katholische Würdenträger, die in der preußischen Provinz die Schulaufsicht geführt hatten, wurden durch staatliche Schulinspektoren ersetzt. Das waren staatliche Beauftragte zur Kontrolle von Schulen. Der Posener Erlass von 1873 zur deutschen Unterrichtssprache setzte die Verdrängung des Polnischen fort. Ein Erlass ist eine behördliche Anordnung. Damit sollte auch die polnische Identität geschwächt werden. Religion durfte zunächst noch auf Polnisch unterrichtet werden, wenn polnische Schüler in Posen und Westpreußen nicht ausreichend Deutsch konnten.
Die Maigesetze von 1873 gaben dem Staat in Preußen Kontrolle über Ausbildung und Einstellung von Geistlichen. Gewählte Gemeindevertretungen verwalteten das kirchliche Vermögen. Hier griff der Staat also in die inneren Angelegenheiten der Kirche ein.
Andere Maßnahmen betrafen das gesamte Reich. Das Jesuitengesetz von 1872 verbot die Jesuiten, eine katholische Ordensgemeinschaft, und mit ihr verbundene Orden in Deutschland. Ein Orden ist eine religiöse Gemeinschaft mit gemeinsamen Regeln. Ihren Mitgliedern wurde auch der Aufenthalt in Deutschland untersagt. Diese Maßnahme drängte solche kirchlichen Gemeinschaften aus dem Land.
Die Zivilehe trennte die rechtliche Eheschließung von der kirchlichen Trauung. In Preußen galt ab Januar 1874 vor dem Gesetz nur noch die Eheschließung beim Standesamt. Wer kirchlich heiraten wollte, durfte das erst danach tun. Im Deutschen Reich wurde die Zivilehe im Februar 1875 eingeführt.
Beispiel: Unterrichtssprache in Posen und Westpreußen
- 1Die staatliche Politik drängte die polnische Unterrichtssprache zurück.
- 2Für Religion bestand zunächst eine Ausnahme: Polnische Schüler mit unzureichenden Deutschkenntnissen durften darin noch auf Polnisch unterrichtet werden.
- 3Die Ausnahme zeigt: Eine Regel zur Unterrichtssprache muss mit ihren Grenzen erklärt werden.
Definition
Zivilehe
Eheschließung vor einer staatlichen Stelle, dem Standesamt. In Preußen war ab Januar 1874 nur diese Ehe vor dem Gesetz gültig.
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Der staatliche Druck schwächte die katholischen politischen Kräfte nicht wie erhofft. Liberale wollten verhindern, dass Geistliche katholische Wähler beeinflussten. Ihre Bemühungen bewirkten jedoch, dass bereits gegen die Liberalen eingestellte Geistliche und Katholiken ohne kirchliches Amt stärker politisch aktiv wurden. Der Druck stärkte damit den politischen Widerstand.
Die Zentrumspartei blieb stark. Sie stellte 1881 und 1884 die größte Gruppe von Abgeordneten im Reichstag, dem gewählten Parlament des Deutschen Reiches. Auch eine Spaltung der katholischen Kirche blieb aus.
Zugleich verlor Bismarck Unterstützung für seine Maßnahmen. Viele protestantische Konservative, die überlieferte Ordnungen bewahren wollten, lehnten die Zivilehe und die staatliche Schulaufsicht ab. Liberale sahen Grundrechte gefährdet. Bismarcks Politik stieß also auch bei bisherigen Unterstützern auf Widerstand.
Ab 1878 begann die Beilegung des Konflikts. Nach dem Tod von Pius IX. wurde Leo XIII. Papst. In Verhandlungen wurden harte Gesetze abgemildert. Preußen und der Vatikan, die päpstliche Leitung in Rom, nahmen 1882 wieder offizielle Beziehungen auf. Die Friedensgesetze von 1886 und 1887 legten den Konflikt bei.
Politisches Scheitern bedeutet hier nicht, dass Bismarck gar nichts erreichte. Der Kulturkampf trug zur Trennung von Kirche und Staat bei. Doch die katholische Partei blieb stark, die katholische Kirche spaltete sich nicht, und bisherige Unterstützer kritisierten seine Maßnahmen.
Merke: Unterscheide einzelne staatliche Erfolge von politischen Zielen: Mehr staatliche Kontrolle bedeutete nicht, dass die katholischen Gegner politisch schwächer wurden.
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Für ein Sachurteil prüfst du, wie gut eine Maßnahme ihr Ziel erreichte. Trenne dafür drei Dinge: das angestrebte Ziel, das eingesetzte Mittel und die tatsächlich erkennbare Wirkung. Eine Wirkung kann dem Ziel widersprechen.
Das kannst du an den Bemühungen liberaler Politiker erkennen. Ihr Ziel war, den Einfluss von Geistlichen auf katholische Wähler zurückzudrängen. Ihr Mittel waren Versuche, diese Beeinflussung zu unterbinden. Die unbeabsichtigte Wirkung: Bereits gegen die Liberalen eingestellte Geistliche und Katholiken ohne kirchliches Amt wurden dadurch stärker politisch aktiv. Gemessen am Ziel, den gegnerischen politischen Einfluss zu schwächen, wirkten diese Bemühungen also entgegen der Absicht.
Bei einem einzelnen Gesetz musst du genauer auf die Belege achten. Das Brotkorbgesetz entzog der Kirche in Preußen im April 1875 staatliche Geldzuwendungen. Als Mittel des Kulturkampfs übte es finanziellen Druck aus. Es passte damit zum übergeordneten Ziel, kirchliche Unabhängigkeit einzuschränken. Die politischen Ergebnisse des gesamten Kulturkampfs beweisen aber nicht, welche Wirkung dieses einzelne Gesetz auf Wähler hatte.
Auch die Bewertung des Konflikts war umstritten. Papst Pius IX. sprach von einer Verfolgung der Gläubigen. Der Historiker Manfred Görtemaker lehnt diese Einordnung ab: Aus seiner Sicht ging es eher darum, die Eigenständigkeit der Kirchen einzuschränken. Der staatliche Druck hatte konkrete Folgen: Bis zur Beendigung des Konflikts waren 1.800 katholische Pfarrer inhaftiert worden. Ein begründetes Urteil muss solche Eingriffe berücksichtigen und zugleich offenlegen, welche Wirkung sich tatsächlich belegen lässt.
Merke: Eine Folge der gesamten Politik darfst du nicht ohne weiteren Beleg einem einzelnen Gesetz zuschreiben.
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Alles auf einen Blick
Kulturkampf
Ursache
Staat und katholische Kirche stritten über ihren Einfluss auf die Gesellschaft.
Politische Gegnerschaft
Bismarck sah im Zentrum eine Gefahr für staatliche Macht und den Zusammenhalt des Reiches.
Maßnahmen
Staatliche Schulaufsicht, Eingriffe in kirchliche Angelegenheiten und Zivilehe begrenzten kirchlichen Einfluss.
Politisches Ergebnis
Die katholische Partei blieb stark; auch bisherige Unterstützer kritisierten Bismarcks Maßnahmen.
Urteil
Unterscheide das Ziel einer Maßnahme von ihrer belegten Wirkung und den Folgen der gesamten Politik.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Geldentzug durch das Brotkorbgesetz beurteilen
- 1Maßnahme bestimmen: Das Brotkorbgesetz entzog der Kirche in Preußen im April 1875 staatliche Geldzuwendungen.
- 2Ziel zuordnen: Der finanzielle Druck passte zum übergeordneten Ziel des Kulturkampfs, kirchliche Unabhängigkeit einzuschränken.
- 3Mittel benennen: Der Staat setzte den Entzug von Geld ein.
- 4Wirkung prüfen: Die katholische Partei blieb während des Kulturkampfs stark. Damit ist aber keine einzelne Wirkung dieses Gesetzes auf Wähler bewiesen.
- 5Urteil formulieren: Das Gesetz übte finanziellen Druck aus. Ob gerade dieser Geldentzug die katholische Partei stärkte, bleibt ohne weiteren Beleg offen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Zivilehe In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt die preußische Regel zu früh auf das ganze Reich. Richtig: In Preußen galt ab Januar 1874 vor dem Gesetz nur noch die Eheschließung beim Standesamt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Schulaufsichtsgesetz von stärkte die staatliche Kontrolle über Schulen. In Preußen regelten die Maigesetze von die staatliche Kontrolle über Ausbildung und Einstellung von Geistlichen. Preußen und der Vatikan nahmen wieder offizielle Beziehungen auf.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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