Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Kolonialismus: Herrschaft, Gewalt und Folgen
Du lernst, woran du Kolonialherrschaft erkennst, welche Motive dahinterstanden und wie Gewalt, Widerstand und langfristige Folgen zusammenhingen.
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Kurz gesagt
Kolonialismus bedeutet, dass eine von außen kommende Macht wesentlich über ein Gebiet und seine Bevölkerung nach eigenen Interessen bestimmt. Wirtschaftliche, machtpolitische und religiös-kulturelle Motive konnten sich verbinden. Zur Herrschaft gehörten ungleiche Rechte und Zwang.
Wer entscheidet über Land, Arbeit und die Rechte der Menschen? An diesen Fragen kannst du koloniale Herrschaft erkennen. Dein Überblick über europäische Kolonialherrschaft beginnt um 1500. Du erfährst, weshalb politische Unabhängigkeit nicht auch das Ende ihrer Folgen bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Bei Kolonialismus ist Macht ungleich verteilt: Eine von außen kommende Macht trifft wesentliche Entscheidungen über ein Gebiet und seine Bevölkerung. Dabei verfolgt sie ihre eigenen Interessen. Ein Gebiet unter dieser Fremdherrschaft heißt Kolonie. Handel allein macht ein Gebiet noch nicht zur Kolonie. Auch wenn Menschen freiwillig dorthin ziehen, entsteht dadurch noch keine Kolonialherrschaft.
Unser Überblick beginnt um 1500 mit der Ausweitung europäischer Macht über die Meere hinweg. Das ist kein Anfangsdatum für jede Fremdherrschaft auf der Welt. Zunächst trieben Spanien und Portugal diese Entwicklung voran. Im Vertrag von Tordesillas beanspruchten sie 1494, Einflussbereiche in Übersee untereinander aufzuteilen. Dieser Anspruch bedeutete keine bereits vollständige Herrschaft über diese Gebiete.
Seit dem 17. Jahrhundert kamen England, Frankreich und die Niederlande als Konkurrenten hinzu. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde Großbritannien zur führenden Macht weltweit. Kolonien konnten unterschiedlich aussehen: Stützpunkte sicherten Seewege. In Siedlungskolonien eigneten sich Siedler Land an. Andere Kolonien beruhten vor allem auf politischer Kontrolle und wirtschaftlicher Ausbeutung, also darauf, Land und Arbeit zum eigenen Vorteil zu nutzen.
Die Übersichtsgrafik zur Erklärung ist ein modernes Lernschema, kein Bild aus der damaligen Zeit. Ihre Pfeile fassen Herrschaftsverhältnisse vereinfacht zusammen. Die Angabe „um 1500“ bezeichnet den Beginn dieses Überblicks über europäische Expansion, also die Ausweitung europäischer Macht nach Übersee.
Definition
Kolonie
Ein Gebiet, in dem eine von außen kommende Macht wesentlich über Land und Bevölkerung nach eigenen Interessen entscheidet.
Beispiel: Eine Form kolonialer Herrschaft: Stützpunkte
- 1Koloniale Stützpunkte waren Orte, von denen aus Seewege gesichert wurden.
- 2Damit unterscheidet sich ihre Aufgabe von Siedlungskolonien, die auf der Aneignung von Land beruhten.
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Ein Motiv ist ein Beweggrund für das Handeln. Bei kolonialer Herrschaft kannst du drei Gruppen unterscheiden. Wirtschaftliche Motive betrafen Rohstoffe, den Verkauf von Waren und Arbeitskräfte. Absatz bedeutet dabei, Waren an Käufer zu verkaufen.
Machtpolitische Motive zielten auf größeren Einfluss und höheres Ansehen gegenüber anderen Mächten. Dazu gehörte strategischer Einfluss: Eine Macht wollte wichtige Verbindungen oder Gebiete kontrollieren können.
Religiös-kulturelle Begründungen konnten durch Missionierung entstehen. Damit ist der Versuch gemeint, Menschen für die eigene Religion zu gewinnen. Koloniale Herrscher behaupteten außerdem, sie hätten einen Auftrag, andere Menschen kulturell zu erziehen. Das war ihre Rechtfertigung für Herrschaft, kein Beweis für einen solchen Auftrag.
Diese Motive schlossen sich nicht gegenseitig aus. Wer wirtschaftliche Vorteile suchte, konnte zugleich politischen Einfluss anstreben und religiöse Begründungen verwenden.
| Motivgruppe | Worum ging es? |
|---|---|
| Wirtschaftlich | Rohstoffe, Warenverkauf und Arbeitskräfte |
| Machtpolitisch | Einfluss, Kontrolle wichtiger Verbindungen und Ansehen |
| Religiös-kulturell | Missionierung und ein behaupteter kultureller Erziehungsauftrag |
Merke: Mehrere Motive konnten zusammenwirken. Eine religiöse Begründung schließt wirtschaftliche Interessen nicht aus.
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Rassismus teilte Menschen in angeblich unterschiedlich wertvolle Gruppen ein. Koloniale Herrscher behaupteten, selbst überlegen zu sein. Diese Behauptung war keine wahre Eigenschaft der betroffenen Menschen. Sie sollte die Unterwerfung anderer und den Entzug ihrer Rechte rechtfertigen.
Du musst deshalb zwischen einer damaligen Rechtfertigung und einer historischen Erklärung unterscheiden. Eine Rechtfertigung sollte Herrschaft als berechtigt erscheinen lassen. Eine historische Erklärung untersucht dagegen, wie solche Behauptungen eingesetzt wurden und welche Folgen sie hatten.
Rassistische Vorstellungen blieben nicht bloß Worte. Koloniale Herrschaft setzte sie in ungleiche Rechte und Zwang um. Menschen wurden aufgrund ihrer zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit benachteiligt. So verband sich die behauptete Überlegenheit mit tatsächlicher Macht über andere.
Definition
Entrechtung
Menschen werden Rechte entzogen. Bei kolonialer Herrschaft dienten rassistische Behauptungen dazu, diesen Entzug zu rechtfertigen.
Merke: Eine rassistische Behauptung erklärt, wie Herrscher ihre Macht rechtfertigten. Sie beschreibt keine tatsächliche Überlegenheit.
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Imperialismus bezeichnet das Streben nach mehr Macht und Einfluss. Eine Macht kann dafür Kolonien beherrschen. Kolonialherrschaft ist also eine mögliche Form dieses Machtstrebens.
Es gibt aber auch wirtschaftliche oder militärische Kontrolle ohne eine förmlich eingerichtete Kolonie. Eine solche Kontrolle heißt informell: Das Gebiet muss dafür nicht offiziell zur Kolonie erklärt werden. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Handel oder jede Abhängigkeit schon eine Kolonie bedeutet.
Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Bei Imperialismus fragst du nach der Erweiterung von Macht und Einfluss. Bei Kolonialismus untersuchst du das ungleiche Herrschaftsverhältnis zwischen einer von außen kommenden Macht und der beherrschten Bevölkerung.
| Begriff | Leitfrage |
|---|---|
| Imperialismus | Wie wird mehr Macht und Einfluss angestrebt? |
| Kolonialismus | Wie bestimmt eine fremde Macht über Gebiet und Bevölkerung nach eigenen Interessen? |
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Kolonialreiche entwickelten sich nicht überall gleich. Viele Kolonien in Amerika wurden schon im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert unabhängig. Zugleich weiteten europäische Mächte ihre Herrschaft anderswo aus. Im späten 19. Jahrhundert unterwarfen sie erheblich größere Teile Afrikas. Das Deutsche Reich, der damalige deutsche Staat, erwarb ab 1884/85 förmliche Kolonien.
In der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika bedrohten Landverlust, erzwungene Arbeit und Gewalt die Ovaherero und Nama, dort lebende Bevölkerungsgruppen. Sie leisteten Widerstand, um ihre Lebensgrundlagen und ihre Selbstbestimmung zu erhalten. Sie waren handelnde Menschen mit eigenen Zielen.
Deutsche Truppen führten 1904–1908 einen Krieg zur Vernichtung der Ovaherero und Nama. Durch Vertreibung, Lager und Zwangsarbeit töteten die deutschen Täter sehr viele Menschen. Es handelte sich um einen Völkermord. An diesem Fall erkennst du, wie wirtschaftliche Ausbeutung, rassistische Ungleichheit und tödliche Gewalt zusammenwirkten.
Um den Ersten Weltkrieg erreichte die europäische Kolonialherrschaft ihren Höhepunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der europäischen Kolonialreiche politisch unabhängig. Die Länder erreichten diese Unabhängigkeit zu unterschiedlichen Zeiten. „Nach 1945“ in der Übersichtsgrafik meint diese große Phase, kein gemeinsames Enddatum aller Kolonialherrschaft.
Die Folgen endeten nicht mit der politischen Unabhängigkeit. Enteignung, also der Entzug von Besitz, hatte verändert, wem Land gehörte und wovon Menschen leben konnten. Koloniale Grenzen zerschnitten Gemeinschaften. Solche Veränderungen konnten lange nachwirken. Sie erklären aber nicht jede spätere Entwicklung als Ergebnis einer einzigen kolonialen Ursache.
Merke: Die Ovaherero und Nama kämpften für Lebensgrundlagen und Selbstbestimmung. Die Verantwortung für den deutschen Krieg und die dabei ausgeübte Gewalt lag bei den handelnden deutschen Akteuren.
Definition
Politische Unabhängigkeit
Ein Land steht nicht mehr unter der bisherigen kolonialen Fremdherrschaft. Frühere Enteignungen und Grenzziehungen können trotzdem weiter Folgen haben.
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Alles auf einen Blick
Kolonialismus
Herrschaft
In einer Kolonie entscheidet eine von außen kommende Macht wesentlich über Gebiet und Bevölkerung nach eigenen Interessen.
Motive
Wirtschaftliche Vorteile, politischer Einfluss und religiös-kulturelle Begründungen konnten zusammenwirken.
Rassismus
Behauptete Überlegenheit diente als Rechtfertigung für Unterwerfung, ungleiche Rechte und Zwang.
Begriffe
Imperialistisches Machtstreben konnte Kolonialherrschaft einschließen, aber auch Kontrolle ohne förmliche Kolonie.
Widerstand
Die Ovaherero und Nama verteidigten ihre Lebensgrundlagen und Selbstbestimmung; deutsche Truppen führten 1904–1908 einen Krieg zu ihrer Vernichtung.
Folgen
Politische Unabhängigkeit beseitigte nicht automatisch die Folgen von Enteignung und kolonialen Grenzen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Unabhängigkeit und weitere Expansion gemeinsam erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Unabhängigkeit vieler Kolonien in Amerika nicht das Ende der europäischen Expansion bedeutete.
- 2Erste Entwicklung bestimmen: Viele Kolonien in Amerika wurden im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert unabhängig.
- 3Zweite Entwicklung danebenstellen: Europäische Mächte weiteten ihre Herrschaft zugleich in anderen Regionen aus. Im späten 19. Jahrhundert nahm die koloniale Unterwerfung Afrikas stark zu.
- 4Ergebnis formulieren: Kolonialreiche wuchsen nicht überall gleichzeitig. Unabhängigkeit in einer Region konnte mit weiterer Unterwerfung in anderen Regionen zusammenfallen.
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Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt den Beginn des Kolonialerwerbs mit dem Beginn des Krieges. Richtig: Das Deutsche Reich erwarb ab 1884/85 förmliche Kolonien.
Lückentext
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Zu Beginn der europäischen Ausweitung nach Übersee um 1500 waren die treibenden Mächte. Seit dem kamen England, Frankreich und die Niederlande als Konkurrenten hinzu. Die europäische Kolonialherrschaft erreichte um den ihren Höhepunkt.
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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