Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Imperialismus: Motive, Herrschaft und Folgen
Du lernst, warum Großmächte nach Kolonien griffen, wie sie herrschten und welche Rolle Gewalt, Widerstand und langfristige Folgen spielten.
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Kurz gesagt
Imperialismus bedeutet, Macht über die eigenen Grenzen hinaus auszudehnen. Großmächte strebten nach Rohstoffen, Käufern für eigene Waren und politischem Einfluss. Kolonialherrschaft war eine Form dieser Machtausdehnung und wurde durch Gewalt abgesichert.
Wer entscheidet über ein Gebiet und wer profitiert davon? Diese Fragen helfen dir, Imperialismus zu verstehen. Du untersuchst die Ziele der Kolonialmächte und erfährst, wie beherrschte Menschen handelten und Widerstand leisteten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Imperialismus bedeutet, dass eine Macht ihren Einfluss über die eigenen Grenzen hinaus ausdehnt. Diese Ausdehnung von Macht heißt auch Expansion. Das kann auch durch wirtschaftliche oder militärische Abhängigkeit geschehen. Dafür muss das betroffene Gebiet nicht zu einer Kolonie werden.
Kolonialismus bezeichnet Fremdherrschaft über ein Gebiet und seine Bevölkerung. Die fremde Macht heißt Kolonialmacht. Wichtige Entscheidungen richten sich nach ihren Interessen. Der Begriff beschreibt also eine Herrschaftsbeziehung.
Rassismus bedeutet, Menschen wegen ihrer Herkunft oder äußerer Merkmale feste Eigenschaften und einen unterschiedlichen Wert zuzuschreiben. Solche Vorstellungen dienten dazu, Benachteiligung und Kolonialherrschaft zu rechtfertigen. Die behauptete Überlegenheit war keine wissenschaftliche Tatsache. Rassismus bezeichnet Vorstellungen und entsprechendes Handeln, nicht ein beherrschtes Gebiet.
Die europäische Ausdehnung nach Übersee begann bereits im 15./16. Jahrhundert. Zunächst gingen Spanien und Portugal voran. Seit dem 17. Jahrhundert kamen England, Frankreich und die Niederlande als Konkurrenten hinzu. Die Hochphase des Imperialismus wird häufig auf etwa 1880 bis 1914/1918 eingegrenzt. Diese Zeitspanne umfasst nicht die gesamte Geschichte kolonialer Herrschaft. Auch nach 1918 bestanden Kolonien weiter.
Definition
Kolonie
Ein Gebiet unter fremder Herrschaft. Wichtige Entscheidungen über das Gebiet und seine Bevölkerung werden im Interesse der Kolonialmacht getroffen.
Merke: Imperialismus beschreibt die Ausdehnung von Macht. Kolonialismus beschreibt Fremdherrschaft. Rassismus konnte als Rechtfertigung dieser Herrschaft dienen.
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Großmächte verfolgten mehrere Motive, also Beweggründe. Sie wollten Rohstoffe erhalten und Absatzmärkte gewinnen: Dort sollten ihre eigenen Waren verkauft werden. Dazu kamen der Wunsch nach mehr Macht und die Konkurrenz mit anderen Staaten. Kein einzelnes Motiv erklärt alle Eroberungen.
Deutsche Kolonialpolitik begann 1884. Unter dem deutschen Herrscher Wilhelm II. sollte Kolonialbesitz den weltweiten Einfluss Deutschlands stärken und militärische Stützpunkte sichern. Das waren Orte, von denen aus das Militär handeln konnte. Trotz der Hoffnung auf Gewinne blieb der wirtschaftliche Nutzen der deutschen Kolonien gering. Ein Ziel ist also noch kein erreichtes Ergebnis.
Von Motiven unterscheidest du Voraussetzungen: Sie machten die Ausdehnung von Macht leichter. Dampfschiffe beschleunigten Transporte. Telegrafen, Geräte zur Übermittlung von Nachrichten über große Entfernungen, beschleunigten den Nachrichtenaustausch. Militärische Überlegenheit half bei Eroberungen. Dennoch konnten Kolonialverwaltungen nicht alles kontrollieren. Vielerorts brauchten sie Menschen vor Ort, die zwischen ihnen und der Bevölkerung vermittelten.
Kolonialmächte behaupteten außerdem, sie müssten anderen Menschen ihre Lebensweise als angeblichen Fortschritt bringen. Damit stellten sie Herrschaft als eine Aufgabe zum Wohl der Beherrschten dar. Rassistische Vorstellungen halfen ihnen, Gewalt und Unterordnung zu rechtfertigen. Diese Behauptungen erklären ihre Rechtfertigungen; sie geben ihnen kein Recht auf Eroberung oder Ausbeutung, also darauf, andere zum eigenen Vorteil auszunutzen.
Das Schaubild dieser Seite verbindet Motive, Voraussetzungen und Folgen mit Pfeilen und zeigt eine Zeitleiste. Es ist eine moderne Übersicht, kein Beleg aus der damaligen Zeit. Die Pfeile ordnen Zusammenhänge; sie beweisen keine zwangsläufige oder einzige Ursache-Wirkung-Kette. Die Angabe „15./16. Jahrhundert“ meint die frühe europäische Ausdehnung nach Übersee, nicht den Beginn jeder Fremdherrschaft weltweit. „1914/1918“ begrenzt hier die Hochphase, nicht das Bestehen sämtlicher Kolonien. „Weltpolitik ab 1890“ meint die Zeit unter Wilhelm II. nach der Entlassung des Politikers Bismarck aus der deutschen politischen Führung. Damals gewann das Streben nach weltweitem Einfluss an Gewicht. Die Angabe bedeutet nicht, dass 1890 bereits eine vollständig ausgearbeitete Strategie vorlag.
| Unterscheidung | Bedeutung |
|---|---|
| Motiv | Was wollten die handelnden Mächte erreichen? |
| Voraussetzung | Was erleichterte ihnen die Ausdehnung ihrer Macht? |
| Ergebnis | Was erreichten sie tatsächlich? |
Merke: Untersuche mehrere Beweggründe. Trenne dabei Ziele, technische Möglichkeiten und tatsächliche Ergebnisse.
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Bei direkter Kolonialherrschaft übernahmen Beamte und Militär der Kolonialmacht wichtige Regierungsaufgaben selbst. Bei indirekter Kolonialherrschaft setzte die Kolonialmacht örtliche Herrscher und andere einflussreiche Menschen ein. Diese führten unter ihrem Druck Entscheidungen aus.
Die Nutzung örtlicher Herrscher konnte der Kolonialmacht Verwaltungskosten sparen. Sie bedeutete aber keine Unabhängigkeit der Bevölkerung. Beide Formen dienten den Interessen der Kolonialmacht. Der Unterschied liegt darin, wie Herrschaft ausgeübt wurde. Daraus folgt keine Einteilung in eine gute und eine schlechte Herrschaftsform.
In der Praxis konnten sich direkte und indirekte Herrschaft mischen. Prüfe deshalb, wer wichtige Entscheidungen kontrollierte und wessen Interessen sie dienten. Allein die Herkunft eines beteiligten Amtsträgers reicht für die Einordnung nicht aus.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Zwei Wege zur Steuererhebung
- 1Fall A: Ein kolonialer Beamter bestimmt eine Steuer. Seine Verwaltung zieht das Geld ein.
- 2Fall B: Die Kolonialmacht drängt einen örtlichen Herrscher, eine Steuer für sie einzutreiben.
- 3Fall A veranschaulicht direkte, Fall B indirekte Herrschaft. In beiden Fällen dient die Steuer der Kolonialmacht.
- 4Die Fälle sind ausgedacht. Sie berichten keine überlieferten Ereignisse.
Merke: Ein örtlicher Herrscher kann unter dem Druck einer Kolonialmacht handeln. Seine Beteiligung beweist daher keine Unabhängigkeit.
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Kolonialbehörden und ihre Truppen sicherten Herrschaft durch Gewalt und Drohungen. Sie schlugen Widerstand nieder und zwangen Menschen unter anderem zur Arbeit auf Plantagen oder zur Gewinnung von Rohstoffen. Plantagen waren große landwirtschaftliche Betriebe. Gewalt gehörte damit auch zum Herrschaftsalltag und nicht nur zu großen Schlachten.
Beherrschte Menschen trafen eigene politische Entscheidungen und leisteten Widerstand. In Südwestafrika, dem heutigen Namibia, führte Hendrik Witbooi Nama-Kämpfer an. Nach zeitweiliger Zusammenarbeit mit der deutschen Kolonialmacht wechselte er zum bewaffneten Widerstand. Im Oktober 1904 kämpfte er mit ihnen gegen deutsche Truppen. Die Nama bewegten sich in kleinen Kampfgruppen; deutsche Truppen verfolgten sie und besetzten Wasserstellen. Dem Widerstandswechsel waren Ausbeutung, willkürliche Machtausübung und die rassistische Kriegführung Trothas gegen die Ovaherero vorausgegangen. Trotha führte dabei Krieg auf deutscher Seite. Nama und Ovaherero waren Bevölkerungsgruppen im kolonial beherrschten Südwestafrika.
Viele afrikanische Staaten wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig. Doch der Abzug einer Kolonialverwaltung beseitigte nicht alle Folgen ihrer Herrschaft. Koloniale Grenzen konnten Gemeinschaften trennen und späteren Konflikten zugrunde liegen. Auch rassistische Vorstellungen wirkten lange nach. Solche Zusammenhänge musst du am einzelnen Fall prüfen: Sie erklären nicht jeden späteren Konflikt allein.
Wirtschaftliche Beziehungen blieben ebenfalls wichtig. In den 1970er- und 1980er-Jahren schloss die Europäische Gemeinschaft, ein Zusammenschluss europäischer Staaten, die Lomé-Abkommen mit Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks. Diese Vereinbarungen begünstigten den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse und von Rohstoffen ins Ausland. Nach der Autorin Gabriele Metzler wurde dabei der Aufbau von Industrie vergleichsweise vernachlässigt. Politische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Veränderung musst du deshalb getrennt untersuchen. Unser Blick auf spätere Entwicklungen reicht hier bis in die 1980er-Jahre.
Merke: Untersuche, wer Gewalt ausübte, wie Menschen darauf handelten und welche Folgen sich belegen lassen. Politische Unabhängigkeit beendete nicht jede koloniale Folge.
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Alles auf einen Blick
Imperialismus
Begriffe
Imperialismus ist Machtausdehnung; Kolonialismus ist Fremdherrschaft. Rassismus konnte diese Herrschaft rechtfertigen helfen.
Motive
Rohstoffe, Absatzmärkte und politische Macht waren Ziele. Technische Möglichkeiten erleichterten ihre Verfolgung.
Herrschaft
Direkte und indirekte Kolonialherrschaft dienten kolonialen Interessen. Örtliche Herrscher konnten unter fremdem Druck handeln.
Gewalt und Widerstand
Kolonialbehörden und Truppen setzten Gewalt ein. Beherrschte Menschen trafen eigene Entscheidungen und leisteten Widerstand.
Folgen
Grenzen, rassistische Vorstellungen und wirtschaftliche Beziehungen konnten über das Ende der Kolonialverwaltung hinaus wirken.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Gewinnerwartung und wirtschaftliches Ergebnis unterscheiden
- 1Aufgabe: Prüfe, ob die Hoffnung auf wirtschaftliche Gewinne bereits den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Kolonialpolitik beweist.
- 2Ziel bestimmen: Zu den wirtschaftlichen Motiven gehörten Rohstoffe und Absatzmärkte für eigene Waren.
- 3Ergebnis prüfen: Der wirtschaftliche Nutzen der deutschen Kolonien blieb gering.
- 4Sachurteil formulieren: Die Gewinnerwartung beweist keinen wirtschaftlichen Erfolg. Dafür muss das tatsächliche Ergebnis untersucht werden.
- 5Erklärung begrenzen: Der geringe wirtschaftliche Nutzen beseitigt nicht die politischen Motive wie Machtstreben und Konkurrenz.
Fehler finden
Prüfe die zeitliche Einordnung kolonialer Herrschaft In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Aussage verwechselt das Ende der Hochphase mit dem späteren Folgenblick. Richtig: Die Hochphase des Imperialismus wird häufig auf etwa 1880 bis 1914/1918 eingegrenzt. Koloniale Folgen lassen sich auch für spätere Jahrzehnte untersuchen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Noch vor Bismarcks Entlassung 1890 setzte die deutsche Kolonialpolitik ein. Seit dem 17. Jahrhundert trat neben Frankreich und den Niederlanden auch als Konkurrent der frühen europäischen Expansion hinzu. Im Oktober 1904 führte Witbooi gegen die deutsche Kolonialmacht.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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