Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Kolonialherrschaft: Formen, Gewalt und Folgen
Du lernst, wie Kolonialherrschaft funktionierte, warum Menschen Widerstand leisteten und wie du koloniale Quellen und Folgen prüfst.
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Kurz gesagt
Kolonialherrschaft bedeutet Fremdbestimmung durch eine von außen kommende Macht. Sie entscheidet vor allem nach eigenen Interessen über ein Gebiet und seine Bevölkerung. Militär, Verwaltung und Zwang helfen ihr, diese Herrschaft durchzusetzen.
Wer bestimmt über Land und Arbeit? Unter Kolonialherrschaft setzte eine fremde Macht wesentliche Entscheidungen durch. Du untersuchst ihre Ziele und Mittel, den Widerstand der betroffenen Menschen und die Folgen der Gewalt. Die Grafik ist ein didaktisches Schema zur Erklärung, keine historische Originalquelle.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei Kolonialherrschaft bestimmt eine von außen kommende Macht über ein Gebiet und seine Bevölkerung. Sie setzt wichtige Entscheidungen vorrangig nach ihren eigenen Interessen durch. Für die beherrschten Menschen bedeutet das Fremdbestimmung.
Allgemeines Machtstreben ist weiter gefasst: Eine Macht versucht, ihren Einfluss zu vergrößern. Einfluss kann auch bestehen, ohne dass ein Gebiet offiziell eine Kolonie ist. Deshalb bedeutet Machtstreben nicht schon, dass eine Kolonie besteht.
Definition
Fremdbestimmung
Andere setzen wesentliche Entscheidungen über die betroffenen Menschen durch. Bei Kolonialherrschaft kommt diese Macht von außen.
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Kolonien konnten unterschiedliche Aufgaben haben. Stützpunktkolonien sicherten etwa Seewege; Kapstadt ist ein Beispiel. Beherrschungskolonien dienten der Kontrolle und Ausbeutung, etwa Britisch-Indien, also Indien unter britischer Herrschaft. Ausbeutung bedeutet hier, Land und Arbeit zum Vorteil der herrschenden Macht zu nutzen. In Siedlungskolonien beanspruchten Kolonisten Land: Das waren Menschen, die von außen kamen und dauerhaft dort lebten. Diese Formen konnten sich verbinden.
Zu den Motiven, also den Beweggründen, gehörten Handel und Ressourcen wie Land. Auch strategische Vorteile, etwa die Sicherung von Seewegen, und Prestige spielten eine Rolle. Prestige meint Ansehen und Geltung als Macht.
Zu den Mitteln der Herrschaft gehörten Militär, Verwaltung und Abgaben, also verpflichtende Leistungen an die Herrschenden. Hinzu kam Arbeitszwang: Menschen mussten gegen ihren Willen arbeiten. Die Kolonialmächte bezogen auch Vermittler aus der örtlichen Bevölkerung ein.
Als Rechtfertigung diente unter anderem die christliche Mission, also die Verbreitung des christlichen Glaubens. Hinzu kamen rassistische Vorstellungen: Kolonialherren behaupteten, anderen Menschen überlegen zu sein. Solche Behauptungen begründeten kein Recht, Menschen zu unterwerfen.
Beispiel: Kapstadt als Stützpunkt einordnen
- 1Kapstadt ist ein Beispiel für eine Stützpunktkolonie.
- 2Die Sicherung von Seewegen gehört zu den Aufgaben dieser Kolonieform.
- 3Daran erkennst du ein strategisches Ziel kolonialer Herrschaft.
Merke: Ein Motiv erklärt, was eine Kolonialmacht erreichen wollte. Ein Mittel zeigt, wie sie Herrschaft durchsetzte. Eine Rechtfertigung erklärt, womit sie ihren Anspruch verteidigte.
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Das deutsche Kolonialreich entstand ab 1884/85. In der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika lebten unter anderem Ovaherero und Nama. Ovaherero werden auch Herero genannt. Landverlust, Entrechtung und Arbeitszwang bedrohten sie. Entrechtung bedeutet, Menschen Rechte zu nehmen. Ihr Widerstand richtete sich gegen die Durchsetzung dieser Fremdherrschaft.
Deutsche Truppen antworteten mit einem Krieg, der auf Vernichtung zielte, und begingen einen Völkermord. Sie töteten Menschen und zerstörten ihre Lebensgrundlagen. 1904 drängten deutsche Truppen Ovaherero in das Gebiet Omaheke und schnitten sie von lebenswichtigen Ressourcen ab. Gefangene wurden in Lagern festgehalten und zur Arbeit gezwungen. Die Gewalt traf auch Nama.
Bei den Zeitangaben musst du auf den Umfang achten: 1904–1907 bezeichnet hier die Kriegsperiode. Die weiter gefasste Zeitspanne 1904–1908 schließt auch die Lager ein. Die unterschiedlichen Endjahre beziehen sich damit auf unterschiedlich weit gefasste Vorgänge. Die Angabe 1904–1907 in der Grafik bezeichnet die Kriegsperiode.
Merke: Ovaherero und Nama handelten gegen Fremdherrschaft. Für den Völkermord waren die deutschen Täter verantwortlich.
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Eine historische Quelle ist ein Zeugnis aus der untersuchten Zeit. Frage, wer es verfasst hat, was der Verfasser erreichen wollte und aus welcher Sicht er sprach.
Der deutsche militärische Befehlshaber General von Trotha verlangte in seiner Proklamation vom 2. Oktober 1904: „Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen.“ Eine Proklamation ist eine öffentliche Erklärung. Die Drohung sollte Vertreibung erzwingen. Sie zeigt seinen Herrschaftsanspruch. Seine Beschuldigungen geben die Sicht eines Täters wieder; sie sind kein neutraler Bericht über alle Ovaherero.
Auch bei den Folgen musst du genau unterscheiden. Der Verlust von Land, Menschenleben und Selbstbestimmung wirkte über das Kriegsende hinaus. 1919 verlor Deutschland seine Kolonien. Damit wurde deren Bevölkerung nicht automatisch unabhängig. Das Ende deutscher Herrschaft ist deshalb nicht mit dem Ende kolonialer Verhältnisse gleichzusetzen.
Ein begründetes Urteil nennt seinen Maßstab. Wenn du Selbstbestimmung prüfst, reicht ein Wechsel der herrschenden Macht nicht als Beleg für Freiheit. Entscheidend ist, ob die Bevölkerung selbst über ihre Angelegenheiten bestimmen kann.
Merke: Eine Drohung belegt, was ihr Verfasser erzwingen wollte. Sie bestätigt nicht seine Beschuldigungen gegen die bedrohten Menschen.
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Alles auf einen Blick
Kolonialherrschaft
Fremdbestimmung
Eine äußere Macht entscheidet vorrangig nach ihren eigenen Interessen über Gebiet und Bevölkerung.
Formen
Stützpunkt-, Beherrschungs- und Siedlungskolonien hatten unterschiedliche Aufgaben und konnten sich verbinden.
Durchsetzung
Militär, Verwaltung, Abgaben und Arbeitszwang gehörten zu den Mitteln kolonialer Herrschaft.
Widerstand und Gewalt
Ovaherero und Nama wehrten sich gegen deutsche Fremdherrschaft. Deutsche Truppen begingen einen Völkermord.
Quellenprüfung
Forderungen und Beschuldigungen zeigen die Sicht und Absicht ihres Verfassers.
Folgen
Das Ende deutscher Kolonialherrschaft 1919 brachte der Bevölkerung nicht automatisch Unabhängigkeit.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Von Trothas Forderung Schritt für Schritt prüfen
- 1Aufgabe: Erkläre, was General von Trothas Forderung „Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen.“ über ihren Verfasser zeigt.
- 2Verfasser bestimmen: General von Trotha war der deutsche militärische Befehlshaber. Die Forderung stammt aus seiner öffentlichen Erklärung vom 2. Oktober 1904.
- 3Absicht erschließen: Mit der Drohung wollte er die Vertreibung der Ovaherero erzwingen.
- 4Aussage begrenzen: Der Satz belegt seinen Herrschaftsanspruch. Er belegt keinen freiwilligen Entschluss der bedrohten Menschen.
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Fehler in Zeile 2Der Fehler steckt in „automatisch“. Richtig: Die Bevölkerung wurde durch den Verlust der deutschen Kolonien nicht automatisch unabhängig.
Lückentext
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Kennzeichnend für Siedlungskolonien waren dauerhaft ansässiger Kolonisten. Das deutsche Kolonialreich entstand ab . Deutschland verlor seine Kolonien , ohne dass ihre Bevölkerung damit automatisch unabhängig wurde.
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