Geschichte · Klasse 7–11 · aktualisiert
Kolonisierung Amerikas: Motive, Verlauf, Folgen
Du unterscheidest Kolonisierung und Einwanderung, erklärst Motive und Zwang und prüfst, wessen Sicht eine historische Aussage zeigt.
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Kurz gesagt
Die Kolonisierung Amerikas verband Landnahme, Ansiedlung und Herrschaft. Gewinnsuche, Machtausweitung und die Verbreitung des Christentums konnten zusammenwirken. Für bereits dort lebende Menschen konnte dies Landverlust bedeuten; versklavte Afrikaner wurden verschleppt und zur Arbeit gezwungen.
Ein Land kennenlernen, dorthin ziehen und dort über andere herrschen sind verschiedene Dinge. Bei der Kolonisierung Amerikas konnten wirtschaftliche Interessen, Machtansprüche und religiöse Ziele zusammenwirken. Du untersuchst, wie diese Herrschaft funktionierte und wie betroffene Menschen dagegen handeln konnten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Kolonisierung verbindet die Inbesitznahme von Land, die Ansiedlung von Menschen und den Aufbau einer Herrschaftsordnung. Einwanderung bedeutet zunächst, in ein anderes Land oder Gebiet zu ziehen. Damit muss keine Unterwerfung anderer Menschen verbunden sein.
Das Wort „Entdeckung“ beschreibt den Blick derjenigen, die einen Ort neu kennenlernen. Es gibt ihnen kein Recht, bereits bewohntes Land zu besitzen. Der Seefahrer Kolumbus erreichte 1492 die Karibik. Menschen lebten aber schon vorher in Amerika. Mit indigenen Menschen sind hier die Angehörigen der Gesellschaften gemeint, die bereits vor der europäischen Kolonisierung dort lebten.
Auch ein Ortswechsel sagt noch nicht, ob jemand freiwillig ging. Freiwillige Auswanderung, befristete Vertragsarbeit und die Verschleppung versklavter Menschen müssen unterschieden werden. Vertragsarbeit bedeutet eine Arbeitspflicht aufgrund eines Vertrags. In Hampton im kolonialen Maryland in Nordamerika gab es zeitlich begrenzte Arbeitspflichten. Zu den Betroffenen gehörten verurteilte Menschen aus England und Irland, die nicht freiwillig arbeiteten.
Definition
Kolonisierung
Menschen nehmen Land in Besitz, siedeln sich an und errichten eine Ordnung, durch die sie über das Gebiet und seine Bewohner herrschen.
Merke: Prüfe getrennt: Wer zieht wohin? Geschieht das freiwillig? Wer beansprucht Land und Herrschaft?
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Die europäische Expansion, also die Ausbreitung von Einfluss und Herrschaft, hatte mehrere Motive. Motive sind Gründe und Ziele des Handelns. Europäische Beteiligte suchten Land, Edelmetalle, Absatz und Gewinn. Edelmetalle sind besonders wertvolle Metalle. Absatz bedeutet, Käufer für Waren zu finden. Das waren wirtschaftliche Interessen.
Herrscher wollten ihre Macht ausweiten. Das war ein politisches Ziel. Missionare wollten das Christentum verbreiten. Missionare sind Menschen, die andere für ihren Glauben gewinnen wollen. Dieses Ziel war religiös.
Diese Interessen konnten einander unterstützen. Sie wirkten aber nicht überall auf dieselbe Weise zusammen. Auch lassen sich die beteiligten Menschen nicht in Gruppen mit jeweils nur einem Interesse einteilen. In der Karibik entstanden frühe spanische Siedlungen, die als Ausgangspunkte weiterer Eroberungen dienten. Ein Motiv erklärt, was jemand erreichen wollte; es rechtfertigt nicht die Unterwerfung anderer Menschen.
| Bereich | Ziel |
|---|---|
| Wirtschaft | Land, Edelmetalle, Käufer für Waren und Gewinn gewinnen |
| Politik | Die Macht von Herrschern ausweiten |
| Religion | Das Christentum verbreiten |
Beispiel: Spanische Siedlungen in der Karibik
- 1In der Karibik entstanden frühe spanische Siedlungen.
- 2Von diesen Orten gingen weitere Eroberungen aus.
- 3Ansiedlung und die Ausweitung von Herrschaft waren hier miteinander verbunden.
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Landnahme verschaffte Kolonisten, also den an der Kolonisierung beteiligten Siedlern, Zugang zu Land. Für indigene Bewohner konnte sie den Verlust dieses Landes bedeuten. Dabei unterschieden sich auch Vorstellungen von Landbesitz. Der Autor David Walbert beschreibt für Begegnungen in Britisch-Nordamerika, den britisch beherrschten Gebieten Nordamerikas, Nutzungsrechte indigener Familien und Dorfgemeinschaften: Sie konnten etwa Felder bestellen, jagen oder fischen. Dem stellt er ein europäisches Modell gegenüber: Ein Grundstück war durch eine Urkunde, einen schriftlichen Nachweis, abgesichert. Es war verkäuflich und weitgehend dem Eigentümer zur Nutzung vorbehalten. Beteiligte konnten ein Landgeschäft deshalb unterschiedlich verstehen. Das war kein einheitlicher Gegensatz zwischen allen indigenen und europäischen Gesellschaften. Indigene Gesellschaften kannten eigene Rechte. Landnahme und Gewalt lassen sich zudem nicht bloß durch Missverständnisse erklären: Ungleiche Macht spielte eine wichtige Rolle.
Spanische Kolonialherren beanspruchten Tribute, also Abgaben, und Arbeit indigener Gemeinden. Encomienda hieß ein Anspruch auf Leistungen bestimmter Gemeinden. Damit war nicht einfach Eigentum an deren Land oder Menschen gemeint. Arbeitszwang und wirtschaftliche Abhängigkeit ermöglichten die Herstellung von Gütern und die Erhebung von Abgaben unter ungleichen Bedingungen.
Davon ist Sklaverei zu unterscheiden. Versklavte Menschen wurden nach damaligem Recht als Eigentum anderer behandelt. Diese rechtliche Behandlung nahm ihnen Rechte; sie macht ihre Versklavung nicht gerecht. Sklavenhändler verschleppten Afrikaner über den Atlantik. In der kolonialen Produktion, also der Herstellung von Gütern, mussten versklavte Menschen unter Zwang arbeiten. Plantagen, also große landwirtschaftliche Betriebe, waren eng mit diesem Handel verbunden. Ihre erzwungene Arbeit trug zur kolonialen Produktion bei. Es handelte sich nicht um freiwillige Auswanderung.
Auch Kinder konnten durch Gesetze in die Sklaverei gezwungen werden. In Virginia, einem Gebiet in Nordamerika, bestimmte ein Gesetz von 1662 die rechtliche Stellung der Kinder nach der ihrer Mutter. War die Mutter versklavt, galt auch ihr Kind als versklavt. Diese konkrete Regel gilt hier für Virginia; du darfst sie nicht unverändert auf alle Orte und Jahrhunderte übertragen.
Indigene Menschen wehrten sich auch innerhalb der kolonialen Ordnung. Die indigene Nahua-Gemeinde Huejotzingo im heutigen Mexiko beteiligte sich 1531 an einem Gerichtsverfahren. Der spanische Verwalter Nuño de Guzmán und andere Beamte hatten zusätzliche, überhöhte Tribute verlangt. Die Nahua schlossen sich dem Verfahren an, das der Eroberer Hernán Cortés gegen Guzmán führte. Sie hielten geleistete Abgaben in Bildern fest. Die Bildblätter des Huexotzinco-Kodex dienten vor Gericht als Beweismittel.
1538 ordnete der spanische König die Rückgabe von zwei Dritteln der betreffenden Tribute an. Ob und wann die Rückzahlung tatsächlich erfolgte, ist damit nicht belegt. Cortés verlangte selbst Tribute von der Gemeinde. Der begrenzte rechtliche Erfolg beendete weder die Kolonialherrschaft noch schuf er Gleichberechtigung. Er zeigt aber, wie diese Gemeinde durch ein Bündnis, Aufzeichnungen und ein Gerichtsverfahren eigene Forderungen vertrat. Andere indigene Gruppen hatten nicht unbedingt dieselben Möglichkeiten.
Auch die Unabhängigkeit der USA, der Vereinigten Staaten von Amerika, beendete die Verdrängung indigener Menschen nicht. Am 4. Juli 1776 nahm der Kontinentalkongress, eine politische Versammlung, die Unabhängigkeitserklärung an. 1830 folgte der Indian Removal Act, ein Gesetz zur Umsiedlung indigener Menschen. Im Mai 1838 begannen Bundestruppen und Milizen, bewaffnete Verbände der einzelnen US-Staaten, Angehörige der Cherokee festzusetzen. Die Cherokee sind eine indigene Bevölkerungsgruppe. Ihre erzwungene Umsiedlung begann 1838 und ging 1839 weiter. Nach Angaben des National Park Service, des Nationalparkdienstes der USA, kamen die Überlebenden bis März 1839 im Westen an. Staatliche Unabhängigkeit bedeutete somit nicht, dass indigene Menschen selbst über ihr Land und Leben bestimmen konnten.
Die Übersichtsgrafik zur Erklärung ist ein modernes Lernschema, keine historische Originalquelle. Ihre Jahresmarken stehen für Kolumbus’ Fahrt in die Karibik 1492, die Unabhängigkeitserklärung der USA 1776, das Gesetz von 1830 und den Beginn der erzwungenen Cherokee-Umsiedlung 1838. Diese ging 1839 weiter.
Definition
Encomienda
Ein Anspruch auf Leistungen bestimmter indigener Gemeinden unter spanischer Kolonialherrschaft. Er bedeutete nicht einfach Eigentum an deren Land oder Menschen.
Merke: Landnahme, Abgaben und erzwungene Arbeit stützten koloniale Herrschaft. Encomienda, befristete Vertragsarbeit und Sklaverei waren unterschiedliche Formen von Abhängigkeit.
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Eine Darstellung erklärt oder beschreibt Vergangenheit aus einem bestimmten Blickwinkel. Prüfe deshalb: Wer spricht oder schreibt? An wen richtet sich der Text? Welche Interessen werden erkennbar? Welche Wörter bewerten das Geschehen? Welche betroffenen Menschen kommen nicht selbst zu Wort?
Jackson, der Verfasser einer Botschaft an den Kongress, das Parlament der USA, stellte am 6. Dezember 1830 die Umsiedlung indigener Menschen als wohlwollende Politik dar. Damit ließ er sie fürsorglich erscheinen. Die historische Erläuterung der National Archives, des Nationalarchivs der USA, beschreibt dagegen Zwang und Landverlust. Jacksons damalige Rechtfertigung ist also von einer Erklärung des tatsächlichen Geschehens zu unterscheiden. Seine positive Wortwahl belegt seine Sichtweise, nicht das Wohlergehen der Betroffenen.
Die betroffenen Menschen sprechen in der hier zusammengefassten Botschaft nicht selbst. Du darfst ihnen deshalb keine Gedanken oder Aussagen erfinden. Du kannst aber prüfen, ob die belegten Folgen zu Jacksons Beschreibung passen: Erzwungene Umsiedlung und Landverlust widersprechen dem fürsorglichen Eindruck.
Unterscheide bei einem Urteil außerdem Orte und Gruppen. Chancen auf Land und Gewinn für Kolonisten konnten gleichzeitig Landverlust und Zwang für andere bedeuten. Ein Vorteil für eine Gruppe rechtfertigt nicht deren Herrschaft über andere. Ein begründetes Urteil benennt daher, wer welche Möglichkeiten hatte, wer Zwang ausübte und welche Grenzen die Belege haben.
Merke: Trenne die Absicht eines Verfassers, seine Wortwahl und die belegten Folgen. Fehlende Stimmen darfst du benennen, aber nicht erfinden.
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Alles auf einen Blick
Kolonisierung Amerikas
Begriffe
Kolonisierung verbindet Landnahme, Ansiedlung und Herrschaft; Einwanderung bezeichnet zunächst einen Ortswechsel.
Motive
Wirtschaftliche, politische und religiöse Interessen konnten einander unterstützen.
Herrschaft
Unter spanischer Kolonialherrschaft ermöglichten Arbeitszwang und Abhängigkeit die Herstellung von Gütern und das Einfordern von Abgaben unter ungleichen Bedingungen.
Unterschiede
Encomienda, befristete Vertragsarbeit und Sklaverei dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Handeln
Die Nahua-Gemeinde Huejotzingo nutzte 1531 ein Bündnis, Bilder und ein Gerichtsverfahren, um eigene Forderungen zu vertreten.
Prüfung
Eine damalige Rechtfertigung muss an belegten Folgen und den Erfahrungen verschiedener Gruppen geprüft werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Vertragsarbeit in Hampton vorsichtig einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, weshalb ein Arbeitsvertrag noch keine freiwillige Auswanderung beweist.
- 2Fall festhalten: In Hampton im kolonialen Maryland gab es zeitlich begrenzte Arbeitspflichten aufgrund von Verträgen.
- 3Betroffene beachten: Dazu gehörten verurteilte Menschen aus England und Irland, die nicht freiwillig arbeiteten.
- 4Unterscheiden: Eine begrenzte Dauer beschreibt die Arbeitspflicht. Sie sagt für sich genommen nichts über Freiwilligkeit aus.
- 5Ergebnis: Im Fall Hampton konnten Verträge mit Zwang verbunden sein. Das ist weder ein Beleg für freiwillige Auswanderung noch eine Gleichsetzung mit Sklaverei.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Regel in Virginia In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage vertauscht Vater und Mutter. Richtig: In Virginia bestimmte das Gesetz von 1662 die rechtliche Stellung der Kinder nach der ihrer Mutter. War sie versklavt, galt auch ihr Kind als versklavt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Kolumbus’ Fahrt erreichte 1492 die . Das Gesetz zur Bestimmung der rechtlichen Stellung von Kindern nach ihrer Mutter wurde in Virginia erlassen. Jackson richtete seine Botschaft vom 6. Dezember 1830 an den .
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