Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Kalifat: Geschichte, Macht und Wandel
Du lernst, was ein Kalifat ist, warum Kalifen um Macht stritten und wie sich ihr Amt von 632 bis 1924 und danach veränderte.
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Kurz gesagt
Ein Kalifat ist das Amt, die Herrschaft oder das Reich eines Kalifen. Der Kalif gilt als Nachfolger Mohammeds in der Führung der muslimischen Gemeinschaft. Religiöse Führung und politische Macht lagen aber nicht durchgehend in derselben Hand.
Ein Titel kann große Macht versprechen. Doch durfte sein Träger tatsächlich entscheiden? Bei den Kalifen gingen Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander. Du untersuchst, wer Kalif wurde und warum es sogar mehrere Kalifen gleichzeitig gab.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Mohammed war der Prophet des Islams: Er gilt in dieser Religion als Gesandter Gottes. Die Anhänger dieser Religion heißen Muslime. Nach Mohammeds Tod ging es darum, wer ihre Gemeinschaft führen sollte. Ein Kalif war ein Nachfolger Mohammeds als Führer dieser Gemeinschaft.
Das Wort Kalifat bedeutet „Nachfolge“. Es kann das Amt eines Kalifen, seine Herrschaft oder sein Reich bezeichnen. Zur Vorstellung des Kalifats gehörte, dass ein Führer sowohl religiöse Aufgaben als auch politische Macht hatte. Er sollte also die Gemeinschaft im Glauben führen und über die Regierung bestimmen. In der Geschichte waren diese Aufgaben jedoch nicht durchgehend vereint.
Abu Bakr, der erste Kalif, unterschied genau zwischen zwei Titeln. Er lehnte die Bezeichnung „Stellvertreter Gottes“ ab. Er verstand sich als „Nachfolger des Gesandten Gottes“. Mit dem Gesandten war Mohammed gemeint.
Definition
Kalifat
Das Amt, die Herrschaft oder das Reich eines Kalifen. Das Wort bedeutet „Nachfolge“.
Merke: Der Titel Kalif allein verrät dir noch nicht, wie viel politische Macht sein Träger hatte.
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Mohammed hatte weder einen Nachfolger bestimmt noch ein Verfahren für dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod stritten verschiedene Gruppen über die Führung. Manche wollten getrennte Anführer für ihre Gruppen. Abu Bakr wurde Kalif, doch viele Anhänger Mohammeds in Medina, einer Stadt, weigerten sich zunächst, ihm Treue zu versprechen. Auch Mohammeds Familie protestierte, weil sie bei der Entscheidung übergangen worden war.
Später wurde Ali, ein naher Verwandter Mohammeds, zum Kalifen gewählt. Muawiya, der als Statthalter die Herrschaft in Syrien ausübte, verweigerte ihm die Gefolgschaft. Es kam zu Kämpfen. Eine Auswahl bedeutete also noch nicht, dass die anderen Gruppen den Kalifen anerkannten.
Auch mehrere Herrscher beanspruchten gleichzeitig den Kalifentitel. Neben den Abbasiden, einer Herrscherfamilie in Bagdad, traten die Fatimiden und die Umayyaden von Córdoba auf. Das waren zwei weitere Herrscherfamilien. Damit bestanden drei rivalisierende Kalifate: Jedes stand in Konkurrenz zu den anderen.
Bei den Abbasiden ging zudem politische Macht an Minister, Heerführer und örtliche Herrscher über. Schon in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts waren die Kalifen nur noch dem Namen nach Herrscher. Im 12. Jahrhundert konnten sie zumindest im Irak politische Macht zurückgewinnen. Später gab es in Kairo ein abbasidisches Kalifat ohne eigene Herrschaftsmacht. Ein hoher religiöser Rang und die Macht zu regieren waren also nicht dasselbe.
Beispiel: Titel und Macht in Kairo
- 1In Kairo herrschten die Mamluken, eine Gruppe von Machthabern in Ägypten.
- 2Der abbasidische Kalif dort hatte keine eigene Herrschaftsmacht.
- 3Er bestätigte aber den Rang der Mamlukenherrscher als Sultane. Sultan war ein Herrschertitel.
- 4Seine Bestätigung sollte zeigen, dass ihre Herrschaft nach islamischen Vorstellungen berechtigt war.
Merke: Prüfe getrennt: Wer trug den Titel? Wer erkannte ihn an? Wer konnte tatsächlich regieren?
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Die Geschichte des Kalifats war keine ununterbrochene Herrschaft einer einzigen Familie. Zentren und Herrscher wechselten. Nach Mohammeds Tod 632 wurde Abu Bakr Kalif. Nach Alis Ermordung 661 übernahmen die Umayyaden die Macht; das Zentrum verlagerte sich nach Syrien. Nach ihrem Sturz 749 errichteten die Abbasiden ein Kalifat mit dem Zentrum im Irak. Ihr Kalif al-Mansur gründete 762 Bagdad als neue Hauptstadt.
1258 eroberte ein Heer der Mongolen Bagdad und zerschlug dort das Abbasidenkalifat. Später führten Angehörige der Abbasidenfamilie den Titel in Kairo weiter. 1517 eroberten die Osmanen, die Herrscher eines weiteren Reiches, Kairo. Sie verschleppten den letzten abbasidischen Kalifen nach Konstantinopel und sperrten ihn dort ein.
Erst in den 1770er Jahren verwendeten die osmanischen Sultane den Kalifentitel wieder. Bei Friedensverhandlungen 1774 nutzte Sultan Abdülhamid I. den Titel. Er wollte von Russland als Schutzherr der Muslime anerkannt werden, die auf russischem Gebiet lebten. Der Titel sollte seinen Einfluss also über sein eigenes Herrschaftsgebiet hinaus stärken.
1922 schaffte die Nationalversammlung, das Parlament der Türkei, das osmanische Sultanat ab. Damit endete die Herrschaft der osmanischen Sultane. Sie setzte Abdülmecit II. als neuen Kalifen ein. Er sollte das Amt nach außen vertreten, hatte aber keine Regierungsmacht. Am 3. März 1924 schaffte die Nationalversammlung auch das osmanische Kalifat ab. Das Ende des Sultanats und das Ende des Kalifats waren somit zwei verschiedene Schritte.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 632 | Mohammed stirbt. |
| 661 | Ali wird ermordet. |
| 749 | Die Umayyaden werden gestürzt. |
| 762 | Der Abbasidenkalif al-Mansur gründet Bagdad als neue Hauptstadt. |
| 1258 | Die Mongolen erobern Bagdad und zerschlagen dort das Abbasidenkalifat. |
| 1517 | Die Osmanen erobern Kairo. |
| 1774 | Abdülhamid I. nutzt den Kalifentitel bei Friedensverhandlungen. |
| 1922 | Die türkische Nationalversammlung schafft das osmanische Sultanat ab. |
| 1924 | Am 3. März schafft die türkische Nationalversammlung das osmanische Kalifat ab. |
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Die historischen Kalifate hatten unterschiedliche Formen. Manche Kalifen regierten große Reiche, andere trugen einen Titel ohne Regierungsmacht. Es gab auch konkurrierende Kalifen. Deshalb gab es kein einziges Modell, das alle Muslime zu allen Zeiten anerkannten.
Nach der Abschaffung des osmanischen Kalifats blieb umstritten, ob ein neuer Kalif nötig sei. Der islamische Denker Raschid Rida hatte 1923 erklärt, die muslimische Gemeinschaft brauche unbedingt einen Kalifen. Der ägyptische Richter Ali Abd ar-Raziq widersprach 1925 der Vorstellung, ein Kalifat sei religiös notwendig. Nach seiner Ansicht musste Mohammeds politische Tätigkeit nicht durch ein Kalifat fortgesetzt werden. Das waren unterschiedliche Auffassungen, keine gemeinsame Antwort aller Muslime.
Eine Selbstproklamation ist eine Selbsternennung: Jemand erklärt sich selbst zum Träger eines Amtes. Damit ist noch nicht geklärt, wer diesen Anspruch anerkennt. Im Juni 2014 rief sich Abu Bakr al-Baghdadi in der Stadt Mossul zum Kalifen aus. Er war der Anführer der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Dieses ausgerufene Kalifat wurde nur von Anhängern dieser Organisation anerkannt. Die meisten muslimischen Gelehrten wiesen es zurück. Gelehrte sind hier Menschen, die sich besonders mit der Religion und ihren Regeln beschäftigen.
Der gleiche Titel bedeutet also nicht die gleiche Anerkennung oder die gleiche Form von Herrschaft. Auch die Verwendung des Kalifentitels in einzelnen religiösen Gemeinschaften darfst du nicht mit der Terrororganisation gleichsetzen. Nach 1924 bestand ein Kalifat beispielsweise innerhalb der Ahmadiyya weiter, einer islamischen Religionsgemeinschaft.
Definition
Selbstproklamation
Eine Selbsternennung zu einem Amt. Sie sagt für sich allein noch nichts darüber aus, wer den Anspruch anerkennt.
Merke: Achte auf den Zusammenhang: Ein historisches Reich, ein religiöses Amt und der Anspruch einer Terrororganisation sind nicht dasselbe.
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Alles auf einen Blick
Kalifat
Bedeutung
Kalifat bezeichnet das Amt, die Herrschaft oder das Reich eines Kalifen.
Auswahl
Mohammed hinterließ weder einen bestimmten Nachfolger noch ein festgelegtes Wahlverfahren.
Macht
Kalifentitel und tatsächliche Regierungsmacht konnten auseinanderfallen.
Wandel
Herrscherfamilien und Zentren wechselten; zeitweise bestanden rivalisierende Kalifate.
Abschaffung
1922 endete das osmanische Sultanat, am 3. März 1924 das osmanische Kalifat.
Anerkennung
Das 2014 ausgerufene Kalifat der Terrororganisation „Islamischer Staat“ erkannten nur deren Anhänger an.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum nutzte Abdülhamid I. bei Friedensverhandlungen den Kalifentitel?
- 1Aufgabe: Erkläre das Ziel des osmanischen Sultans Abdülhamid I. bei den Friedensverhandlungen 1774.
- 2Die Handlung bestimmen: Abdülhamid I. verwendete bei den Verhandlungen den Kalifentitel.
- 3Das Ziel nennen: Russland sollte ihn als Schutzherrn der Muslime anerkennen, die auf russischem Gebiet lebten.
- 4Den Zusammenhang erklären: Mit dem religiösen Titel wollte er Einfluss über sein eigenes Herrschaftsgebiet hinaus gewinnen.
- 5Die Grenze beachten: Sein Ziel zu kennen, beweist noch nicht, dass er es auch erreichte.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Entscheidungen der türkischen Nationalversammlung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt die Abschaffung des Kalifats in das Jahr der Abschaffung des Sultanats. Richtig: Das osmanische Kalifat wurde am 3. März 1924 abgeschafft.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Mohammed starb im Jahr . Al-Mansur gründete Bagdad im Jahr als neue Hauptstadt des Kalifats. Die türkische Nationalversammlung schaffte das osmanische Kalifat im Jahr ab.
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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