Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Karl der Große: Herrschaft, Kriege und Reformen
Du lernst, wie Karl Kaiser wurde, sein Reich regierte und Bildung förderte. Du prüfst auch seine Gewalt und spätere Bilder von ihm.
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Kurz gesagt
Karl der Große herrschte seit 768 als fränkischer König und wurde 800 zum Kaiser gekrönt. Er vergrößerte sein Reich durch Kriege und förderte Verwaltung und Bildung. Besonders gegen die Sachsen setzte er brutale Gewalt ein.
Wie regierst du ein Reich, wenn du nicht überall zugleich sein kannst? Karl der Große reiste mit seinen Helfern durch sein Reich und ließ Anweisungen überbringen. Du lernst seine Leistungen kennen und untersuchst zugleich, was seine Kriege für andere Menschen bedeuteten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
768 wurde das Frankenreich unter den Brüdern Karl und Karlmann aufgeteilt. Beide wurden in ihrem jeweiligen Reichsteil König. Als Karlmann 771 starb, übernahm Karl auch dessen Gebiet. Damit herrschte Karl über das gesamte Frankenreich.
Karl vergrößerte seine Herrschaft durch Kriege. 774 eroberte er das Langobardenreich in Italien und fügte es seinem Reich hinzu. Er nannte sich nun König der Franken und der Langobarden. Dafür ließ er sich nicht erneut krönen.
Am 25. Dezember 800 krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser. Der Papst war das Oberhaupt der Kirche in Rom. Mit dem Kaisertitel knüpfte Karl an die Herrschaft der früheren römischen Kaiser an. Im Westen wurde damit das römische Kaisertum erneuert. Karls Weg führte also von der Herrschaft über einen fränkischen Reichsteil über ein größeres Königreich bis zum Kaisertitel.
| Jahr | Schritt in Karls Aufstieg |
|---|---|
| 768 | Karl wird König in seinem Teil des Frankenreichs. |
| 771 | Nach Karlmanns Tod übernimmt Karl auch dessen Reichsteil. |
| 774 | Karl erobert das Langobardenreich in Italien. |
| 800 | Papst Leo III. krönt Karl am 25. Dezember in Rom zum Kaiser. |
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Karls Eroberungen brachten weitere Gebiete unter seine Herrschaft. Doch ein Gebiet zu erobern bedeutete noch nicht, es dauerhaft zu kontrollieren. Das zeigte sich in Sachsen: Dort erschwerte die lockere Organisation verschiedener Gruppen den Franken die Kontrolle. Karl ließ Stützpunkte anlegen. Kirchen und Klöster sollten den christlichen Glauben verbreiten und die fränkische Herrschaft festigen.
Verwaltung bedeutet, die Aufgaben der Herrschaft zu organisieren und Anweisungen umzusetzen. Karl regierte als Reisekönig. Er zog mit seinem Hof, also den Menschen in seiner Umgebung, von Pfalz zu Pfalz. Pfalzen waren königliche Aufenthaltsorte, die den Hof auch versorgten. Grafen übernahmen vor allem die Verwaltung im Reich. Das waren Amtsträger des Königs, die auch Soldaten führten. Königsboten kontrollierten vor Ort, ob Karls Anweisungen umgesetzt wurden. Sie waren jeweils zu zweit unterwegs.
Für die Verwaltung waren Lesen und Schreiben wichtig. Anweisungen und Urkunden, also schriftliche Nachweise, mussten erstellt und verstanden werden. Karls Bildungsreform unterstützte deshalb auch seine Herrschaft. Er förderte Verbesserungen beim Lernen, Schreiben und Umgang mit Texten. Klöster sollten Schulen einrichten und auf sorgfältige Abschriften achten. Latein, die Sprache vieler kirchlicher Texte, sollte genauer verwendet werden. Das war auch für den Gottesdienst wichtig.
Die Bildungsreform half außerdem, lateinische Texte aus dem Altertum zu erhalten. Diese Texte sind zu einem großen Teil nur deshalb erhalten geblieben, weil sie neu abgeschrieben wurden. Trotzdem konnte Karl seine Vorstellungen von Ordnung nicht vollständig durchsetzen. Seine Möglichkeiten waren begrenzt, und mächtige Männer im Reich missbrauchten ihre Stellung.
Definition
Bildungsreform
Eine Bildungsreform verändert und verbessert das Lernen. Karls Bildungsreform sollte vorhandenes Wissen sammeln, pflegen und verbreiten sowie Schrift, Sprache und Gottesdienst verbessern.
Beispiel: Wie Abschriften alte Texte bewahrten
- 1Seltene Texte aus der Hofbibliothek wurden anderen Bibliotheken zum Abschreiben zur Verfügung gestellt.
- 2So entstanden neue Abschriften bereits vorhandener Texte.
- 3Lateinische Texte aus dem Altertum sind zu einem großen Teil nur durch solche neuen Abschriften erhalten geblieben.
Merke: Eroberungen erweiterten Karls Reich. Verwaltung sollte seine Herrschaft sichern. Die Bildungsreform unterstützte dabei den Umgang mit schriftlichen Anweisungen.
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Die Sachsenkriege dauerten mit Unterbrechungen von 772 bis 804. Die Sachsen lebten in verschiedenen, locker verbundenen Gruppen. Es kam wiederholt zu Aufständen gegen die Franken. Einhard, ein Vertrauter Karls und Verfasser eines Berichts über sein Leben, erklärte die Kriege mit einer Bedrohung an der fränkischen Grenze. Heutige Historiker sehen darin auch Kriege, die den Sachsen den christlichen Glauben aufzwingen sollten. Einhards Erklärung und diese heutige Deutung setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Für die Franken waren die langen Kriege eine große Belastung. Für die Sachsen bedeutete die fränkische Herrschaft unter anderem zusätzliche Abgaben: Sie mussten Leistungen an die neuen Herrscher erbringen. 777 fanden teils erzwungene Massentaufen statt. Dabei wurden viele Menschen gemeinsam durch die Taufe zu Christen gemacht. Auf Karls Befehl töteten fränkische Kämpfer 782 in Verden Sachsen. Die Reichsannalen, Aufzeichnungen von Ereignissen aus der Umgebung des Königshofs, nennen 4.500 Getötete. Diese Zahl könnte deutlich übertrieben sein. Dass Karl dort eine äußerst brutale Tötungsaktion befahl, ist jedoch unbestreitbar. 802 und 804 führten die Franken weitere Feldzüge im Gebiet an der nördlichen Elbe. Sie zwangen sächsische Einwohner aus diesem Gebiet, ihre Heimat zu verlassen, und siedelten sie im östlichen Frankenreich an.
Auch die Kaiserkrönung lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Papst Leo III. hatte Gegner in Rom. Nach einem Angriff auf ihn floh er 799 zu Karl. Karl half ihm mit Soldaten und ließ ihn nach Rom zurückbringen. Der Papst war von Karls Unterstützung abhängig. Für Karl bedeutete die Krönung 800 den Kaisertitel, auf den er nach heutiger Forschung gezielt hingearbeitet hatte.
Im Osten bestand weiterhin das Byzantinische Reich. Seine Bewohner verstanden sich als Römer und sahen ihr Reich als Fortsetzung des früheren Römischen Reichs. In Byzanz herrschte Kaiserin Irene. Dort galt Karl als jemand, der sich den Kaisertitel zu Unrecht angeeignet hatte. Erst 812 verständigten sich beide Seiten über das Nebeneinander zweier Kaiser. Du kannst also Karls Machtgewinn beschreiben und zugleich prüfen, wer darunter litt oder seinen Anspruch ablehnte.
Merke: Für ein begründetes Urteil fragst du: Wem nutzte Karls Handeln? Wer wurde belastet oder verletzt? Wessen Sicht gibt ein Bericht wieder?
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Nicht jede Angabe über Karl ist gleich sicher. Sein Geburtstag am 2. April ist in einem alten Kalender des Klosters Lorsch festgehalten. Beim Geburtsjahr sprechen sich Historiker nach genauerer Prüfung für 747 oder 748 aus. Karls Geburtsort ist dagegen unbekannt. Du solltest deshalb weder ein einzelnes Geburtsjahr noch einen Geburtsort als gesichert nennen.
Quellen sind Spuren aus der Vergangenheit, zum Beispiel alte Berichte, Briefe oder Urkunden. Sie müssen geprüft werden. Einhard kannte Karl und stellte ihn sehr positiv dar. Die Reichsannalen geben einseitig die Sicht des Königshofs wieder. Ihre überarbeitete Fassung nennt zwar auch Fehlschläge Karls. Das macht sie aber noch nicht zu einem ausgewogenen Bericht. Prüfe deshalb, wer berichtet und welche Sicht der Bericht zeigt.
Auch ein alter Bericht kann eine unzutreffende Geschichte erzählen. Einhard behauptet, Karl hätte die Kirche nicht betreten, wenn er vorher von der geplanten Kaiserkrönung gewusst hätte. Heutige Historiker halten diese Geschichte für unzutreffend: Sie gehen davon aus, dass Karl auf die Krönung hingearbeitet hatte. Die Krönung am 25. Dezember 800 ist gesichert, wichtige Einzelheiten ihres Ablaufs bleiben dagegen unklar.
Spätere Deutungen zeigen, wie Menschen nach Karls Zeit auf ihn blickten. Manche Menschen nennen Karl heute den „Vater Europas“. Historiker halten dieses Bild für problematisch, weil sich seine Welt stark von der heutigen unterschied. Der Ausdruck ist also eine spätere Bewertung seiner Bedeutung. Er ist keine gesicherte Angabe wie das Datum der Kaiserkrönung.
Definition
Deutung
Eine Deutung erklärt, welche Bedeutung ein Ereignis oder eine Person haben soll. Du musst sie von einer gesicherten Angabe und einer noch offenen Frage unterscheiden.
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Alles auf einen Blick
Karl der Große
Aufstieg
Karl wurde 768 König in einem Teil des Frankenreichs, herrschte ab 771 über das gesamte Reich und wurde 800 Kaiser.
Herrschaft
Eroberungen erweiterten das Reich; Grafen und Königsboten halfen, es zu verwalten und zu kontrollieren.
Bildung
Besseres Lesen und Schreiben unterstützte Verwaltung und Kirche. Abschriften bewahrten viele lateinische Texte aus dem Altertum.
Gewalt
Karl ließ Sachsen töten. Die fränkische Herrschaft brachte auch teils erzwungene Taufen und erzwungene Umsiedlungen.
Wissen prüfen
Gesicherte Angaben, offene Fragen und spätere Deutungen müssen voneinander unterschieden werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie halfen Königsboten bei der Herrschaft?
- 1Aufgabe: Erkläre, wie Karl die Umsetzung seiner Anweisungen vor Ort kontrollieren ließ.
- 2Ausgangspunkt: Karl regierte als Reisekönig. Die Verwaltung lag vor allem in den Händen der Grafen.
- 3Maßnahme: Königsboten wurden jeweils zu zweit ausgesandt. Sie sollten Anweisungen durchsetzen und vor Ort kontrollieren.
- 4Zusammenhang: Durch die Boten konnte Karl seine Herrschaft auch dort ausüben lassen, wo er gerade nicht selbst war.
- 5Grenze: Trotzdem setzte Karl seine Vorstellungen nicht vollständig durch. Seine Möglichkeiten waren begrenzt, und mächtige Männer missbrauchten ihre Stellung.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen über Karls Geburt In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus einer offenen Frage eine gesicherte Angabe. Richtig: Karls Geburtsort ist unbekannt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Karl fügte das Langobardenreich in Italien seinem Reich hinzu. Die Kaiserkrönung am 25. Dezember 800 fand in statt. Als möglichen Beginn von Karls Leben nennen Historiker heute 747 oder .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback