Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Byzantinisches Reich: Geschichte einfach erklärt
Du lernst, warum Byzanz römisch und griechisch geprägt war, welche Wendepunkte wichtig waren und wie Kriege und Nachbarreiche es beeinflussten.
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Kurz gesagt
Das Byzantinische Reich war die Fortsetzung des Römischen Reiches im östlichen Mittelmeerraum. Seine Bewohner verstanden sich als Römer, während Griechisch zunehmend auch den Staat prägte. 1453 eroberten die Osmanen seine Hauptstadt Konstantinopel.
Kann ein Reich römisch sein, obwohl seine Bewohner Griechisch sprechen? Bei Byzanz gehörte beides zusammen. Du verfolgst, wie sich dieses Reich veränderte und warum seine Geschichte eng mit der seiner Nachbarn verbunden war.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Byzantinische Reich setzte das Römische Reich im östlichen Mittelmeerraum fort. Es wird auch Ostrom genannt. Es war keine völlig neue Gründung. Seine Bewohner bezeichneten sich selbst als Römer und ihr Reich als „Reich der Römer“. Der Name „Byzantinisches Reich“ entstand erst in neuerer Zeit. Er geht auf Byzanz zurück, den früheren Namen der Hauptstadt Konstantinopel.
Römisch zu sein bedeutete hier also nicht, in der Stadt Rom zu leben oder im Alltag Latein zu sprechen. Griechisch war im östlichen Reich bereits weit verbreitet. Latein wurde dagegen beim Heer, am Kaiserhof und in der Verwaltung verwendet. Die Verwaltung kümmerte sich um die Aufgaben des Staates.
Unter Kaiser Herakleios wurde Griechisch im 7. Jahrhundert zur alleinigen Amtssprache. Damit verwendeten nun auch die staatlichen Stellen Griechisch. Diese Sprache war außerdem in der Kirche und in geschriebenen Werken wichtig. Der Staat veränderte sich, doch seine Bewohner verstanden sich weiterhin als Römer.
Der Historiker Georg Ostrogorsky, ein Erforscher der Vergangenheit, beschrieb Byzanz als Verbindung von römischem Staat, griechischer Kultur und christlichem Glauben. Der Wandel des Reiches geschah nach und nach. Forscher sind sich deshalb nicht einig, ab wann sie seine Geschichte als byzantinisch bezeichnen sollen.
Definition
Amtssprache
Eine Amtssprache ist die Sprache, die staatliche Stellen für ihre Aufgaben verwenden.
Merke: Die griechische Sprache und das Selbstverständnis als Römer gehörten in Byzanz zusammen.
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Der römische Kaiser Konstantin ließ die Stadt Byzanz zwischen 325 und 330 ausbauen und nach sich Konstantinopel nennen. Sie entwickelte sich zum Mittelpunkt des östlichen Reichsteils. 395 wurde das Römische Reich erneut unter zwei Kaisern aufgeteilt. Diese Teilung in eine östliche und eine westliche Hälfte blieb bestehen. Nach damaligem Verständnis gehörten beide Hälften aber weiterhin zu einem Römischen Reich.
Im 7. Jahrhundert verlor Ostrom große Gebiete. Um 700 gehörten im Wesentlichen noch Kleinasien, das Umland der Hauptstadt und einige Gebiete in Griechenland sowie in Italien dazu. Kleinasien war ein wichtiges Gebiet des Reiches, in dem es viele seiner Soldaten gewann. Doch die Geschichte verlief nicht als ständiger Rückzug: Im 10. und frühen 11. Jahrhundert erreichte das Reich wieder einen Höhepunkt seiner Macht.
1071 besiegten die Seldschuken, die ein muslimisches Reich beherrschten, die Byzantiner bei Manzikert. 1204 eroberten und plünderten Kreuzfahrer Konstantinopel. Kreuzfahrer waren Teilnehmer christlicher Kriegszüge. Sie griffen hier eine ebenfalls christliche Stadt an. In Konstantinopel entstand ihre Herrschaft, das sogenannte Lateinische Kaiserreich.
1261 eroberten die Byzantiner Konstantinopel zurück. Das Reich war wiederhergestellt, aber große Teile seiner früheren Gebiete blieben außerhalb seiner Kontrolle. Am 29. Mai 1453 eroberten die Heere des Osmanischen Reiches die Hauptstadt. Damit endete das Byzantinische Reich politisch.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 325–330 | Kaiser Konstantin lässt Byzanz ausbauen und in Konstantinopel umbenennen. |
| 395 | Das Römische Reich wird erneut in eine östliche und eine westliche Hälfte geteilt. |
| Im 7. Jahrhundert | Ostrom verliert große Gebiete. |
| Im 10. und frühen 11. Jahrhundert | Das Reich erreicht wieder einen Höhepunkt seiner Macht. |
| 1071 | Die Seldschuken besiegen die Byzantiner bei Manzikert. |
| 1204 | Kreuzfahrer erobern und plündern Konstantinopel. |
| 1261 | Die Byzantiner gewinnen Konstantinopel zurück. |
| 1453 | Die Osmanen erobern Konstantinopel. |
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Ein verlorenes Gebiet bedeutete mehr als eine verschobene Grenze. Dort lebten Menschen, die Steuern zahlten, Nahrung erzeugten oder Soldaten werden konnten. Als Byzanz 642 Ägypten verlor, traf es das besonders hart. Ägypten hatte von allen Gebieten des Reiches die höchsten Steuereinnahmen geliefert. Auch sein Getreide war für Konstantinopel besonders wichtig.
Zugleich konnten Kämpfe innerhalb des Reiches die Abwehr äußerer Angriffe erschweren. Nach der Niederlage bei Manzikert 1071 stritten verschiedene Bewerber um den Kaiserthron. Eine gemeinsame Abwehr gegen die Seldschuken kam nicht zustande. Der Großteil Kleinasiens ging jedoch nicht sofort am Tag der Schlacht verloren. Der Einfall der Seldschuken begann erst drei Jahre später. Der neue Kaiser hatte sich nicht an die Vereinbarungen seines Vorgängers mit ihrem Herrscher gehalten. Das lieferte den Seldschuken einen Vorwand für den Angriff. Kleinasien war für Byzanz besonders wichtig gewesen, um Soldaten zu gewinnen.
Nach der Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer 1204 entstand das Lateinische Kaiserreich. Auch die Rückgewinnung Konstantinopels 1261 stellte die frühere Macht nicht wieder her. Herrscher in ehemaligen Reichsgebieten wollten sich der Hauptstadt nicht unterordnen. Große Teile dieser Gebiete blieben deshalb außerhalb der Kontrolle des Kaisers.
Im 14. Jahrhundert kämpften erneut Gruppen innerhalb des Reiches gegeneinander. Solche Kriege heißen Bürgerkriege. Bei den Machtkämpfen von 1341–1347 und 1352–1354 holten beide Seiten Hilfe bei Nachbarn, darunter Serben, Bulgaren und Osmanen. Das ermöglichte dem Serbenreich den Aufstieg zur stärksten Macht auf dem Balkan in den Jahren 1331–1355. Der Balkan ist eine Region in Südosteuropa. Innere Machtkämpfe konnten also auch Nachbarreiche stärken.
Beispiel: Warum der Verlust Ägyptens schwer wog
- 1Ägypten ging 642 verloren.
- 2Das Gebiet hatte die höchsten Steuereinnahmen des Reiches geliefert.
- 3Sein Getreide war für Konstantinopel besonders wichtig gewesen.
- 4Der Verlust betraf deshalb sowohl Geld als auch die Versorgung mit Nahrung.
Merke: Eine verlorene Schlacht erklärt nicht jeden späteren Verlust. Prüfe auch, wie innere Kämpfe die gemeinsame Abwehr erschwerten.
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Byzanz stand mit anderen Reichen durch Handel, Verhandlungen, Glauben und Kriege in Verbindung. Ein Beispiel sind die Kiewer Rus, ein Reich im Osten Europas. Schon im 9. Jahrhundert kamen sie mit Byzanz in Kontakt. Es entwickelten sich enge wirtschaftliche Beziehungen und Verhandlungen zwischen den Herrschern. Trotzdem versuchten die Rus wiederholt, Konstantinopel zu erobern. Austausch und Angriffe konnten also zwischen denselben Reichen vorkommen.
Die Beziehungen führten 988 dazu, dass die Rus den orthodoxen Glauben annahmen. Orthodox bezeichnet hier eine Richtung des Christentums, die auch Byzanz prägte. Die russische Kirche unterstand dem höchsten Kirchenleiter von Konstantinopel.
In den folgenden Jahrhunderten entstanden auf ostslawischem Gebiet zahlreiche Kirchen nach byzantinischem Vorbild. Gemeint sind hier Gebiete im Osten Europas, die heute zur Ukraine, zu Belarus und zu Russland gehören. Baukunst und Kunst dieser Länder haben neben anderen Einflüssen auch wichtige byzantinische Wurzeln. Du erkennst daran: Verbindungen zwischen Reichen konnten den Glauben und die Gestaltung von Gebäuden über lange Zeit beeinflussen.
Merke: Enge Beziehungen bedeuteten nicht durchgehenden Frieden. Zwischen Byzanz und den Rus gab es sowohl Austausch als auch Angriffe.
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Alles auf einen Blick
Byzantinisches Reich
Selbstverständnis
Die Bewohner von Byzanz sahen sich als Römer; ihr Reich setzte das Römische Reich im Osten fort.
Sprache
Griechisch war bereits verbreitet und wurde auch zur alleinigen Amtssprache.
Wendepunkte
Konstantinopel wurde 1204 von Kreuzfahrern erobert, 1261 zurückgewonnen und 1453 von den Osmanen erobert.
Schwächung
Gebietsverluste konnten wichtige Einnahmen kosten; innere Kämpfe konnten eine gemeinsame Abwehr verhindern.
Verbindungen
Zwischen Byzanz und den Rus gab es Handel, Verhandlungen, religiöse Einflüsse und Angriffe.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Folgen der Niederlage bei Manzikert erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Niederlage von 1071 den späteren Verlust großer Teile Kleinasiens nicht allein erklärt.
- 2Das Ereignis bestimmen: Die Seldschuken besiegten die Byzantiner bei Manzikert.
- 3Die inneren Kämpfe ergänzen: Bewerber um den Kaiserthron kämpften gegeneinander. Eine gemeinsame Abwehr kam nicht zustande.
- 4Den zeitlichen Abstand beachten: Der Einfall der Seldschuken begann erst drei Jahre nach der Schlacht.
- 5Die Erklärung formulieren: Zur Niederlage kamen innere Machtkämpfe hinzu. Der Gebietsverlust folgte nicht sofort auf die Schlacht.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Rückgewinnung Konstantinopels In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2In der zweiten Aussage wurde „außerhalb“ durch „innerhalb“ ersetzt. Richtig: Große Teile der früheren Reichsgebiete lagen danach außerhalb der Kontrolle des Kaisers.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Kaiser Konstantin ließ die Stadt Byzanz ausbauen. Bei Manzikert besiegten die Seldschuken die Byzantiner im Jahr . Die Beziehungen zu Byzanz führten im Jahr zur Annahme des orthodoxen Glaubens durch die Rus.
Karteikasten
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