Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Judentum: Glaube, Geschichte und jüdisches Leben
Du lernst jüdischen Glauben, Gemeinschaft und Schriften kennen, ordnest wichtige Ereignisse und entdeckst die Vielfalt jüdischen Lebens.
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Kurz gesagt
Judentum bezeichnet eine Religion und eine Gemeinschaft mit gemeinsamer Geschichte und überlieferten Bräuchen. Zum religiösen Glauben gehört der Glaube an einen Gott. Jüdische Menschen können aber auch durch Familie, Kultur und gemeinsame Erinnerung verbunden sein.
Was verbindet Menschen, die nicht alle gleich glauben und leben? Am Judentum lernst du, wie Religion, Familie und gemeinsame Geschichte zusammengehören können. Du untersuchst auch, wie jüdische Gemeinschaften unter veränderten Bedingungen weiterlernten, beteten und ihre Bräuche weitergaben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Judentum ist eine Religion. Zu ihrem Glauben gehört die Vorstellung von einem Gott. Der Fachausdruck dafür ist Monotheismus: Glaube an einen Gott.
Judentum bezeichnet zugleich eine Gemeinschaft mit gemeinsamer Geschichte und gemeinsamen Bräuchen. Familie, Kultur und Erinnerungen können Menschen miteinander verbinden. Deshalb können auch jüdische Menschen, die nicht religiös sind, zu dieser Gemeinschaft gehören. Jüdisch zu sein bedeutet nicht, dass alle gleich glauben oder leben.
Geschichten, Wissen und Bräuche werden weitererzählt oder aufgeschrieben. Diese Weitergabe an spätere Generationen heißt Überlieferung. Eine religiöse Erzählung kann für den Glauben wichtig sein. Sie beweist aber nicht von selbst, dass jedes erzählte Ereignis genauso stattgefunden hat.
Definition
Überlieferung
Menschen geben Geschichten, Wissen, Regeln und Bräuche durch Erzählen oder Schreiben an spätere Generationen weiter.
Merke: Glaube kann jüdische Menschen verbinden. Auch Familie, Kultur und gemeinsame Erinnerung können Zugehörigkeit tragen.
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Die Tora umfasst die fünf Bücher Mose. Sie enthält Erzählungen und religiöse Regeln. Die Tora ist ein Teil des Tanach. Tanach heißt die Hebräische Bibel. Zu ihr gehören neben der Tora auch die Propheten und weitere Schriften. „Propheten“ ist hier der Name eines weiteren Teils dieser Bibel.
Der Talmud ist etwas anderes. Er sammelt Gespräche, Diskussionen und Erklärungen von Rabbinen über die religiöse Lebensführung. Rabbinen sind gelehrte Ausleger: Sie beschäftigen sich gründlich mit religiösen Lehren und erklären, was diese für das Leben bedeuten. Solches Erklären nennt man Auslegung. Der Talmud ist weder ein anderer Name für die Tora noch ein Teil des Tanach.
Eine wichtige Sammlung religiöser Lehren heißt Mischna. Die darin gesammelten Lehren waren zuvor weitgehend mündlich weitergegeben worden. Auf der Mischna bauten zwei Talmudtraditionen auf, eine palästinensische und eine babylonische. Das sind zwei über längere Zeit gewachsene Formen dieser gelehrten Diskussionen.
In Synagogen kommen jüdische Menschen zum Beten, Lernen und Feiern zusammen. Die gemeinsame Lesung aus der Tora verbindet die Gemeinschaft mit den weitergegebenen Erzählungen und Regeln.
| Schrift | Was gehört dazu? |
|---|---|
| Tora | Die fünf Bücher Mose; ein Teil des Tanach |
| Tanach | Die Hebräische Bibel: Tora, Propheten und weitere Schriften |
| Talmud | Diskussionen und Erklärungen von Rabbinen zur religiösen Lebensführung |
Beispiel: Gemeinsam aus der Tora lesen
- 1In einer Synagoge kann die Gemeinschaft aus der Tora lesen.
- 2Dabei begegnet sie weitergegebenen Erzählungen und religiösen Regeln.
- 3So gehören gemeinsames Lernen und die Weitergabe von Überlieferungen zusammen.
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Zuerst brauchst du die Zeitangaben: „v. Chr.“ bedeutet „vor Christus“, „n. Chr.“ bedeutet „nach Christus“. Die Zählung bezieht sich auf ein angenommenes Geburtsjahr Jesu. Vor diesem Bezugspunkt liegt die größere Jahreszahl weiter zurück: 500 v. Chr. ist früher als 100 v. Chr. Danach liegt die kleinere Zahl früher: 100 n. Chr. ist früher als 500 n. Chr. Auf 1 v. Chr. folgt 1 n. Chr.; ein Jahr null gibt es dabei nicht.
Ein Jahrhundert dauert 100 Jahre. Das 1. Jahrhundert n. Chr. umfasst die Jahre 1 bis 100, das 2. die Jahre 101 bis 200. „Um“ vor einer Jahreszahl bedeutet ungefähr. Eine solche Angabe nennt kein genaues Jahr.
Die Wurzeln des Judentums liegen im frühen Israel. Um 1200 v. Chr. erscheint der Name Israel auf der ägyptischen Merenptah-Stele, einem beschrifteten Stein. Welche Gruppe damit genau gemeint war, ist umstritten. Das ist ein Nachweis des Namens, kein Gründungsdatum. Die biblische Überlieferung ordnet ein Königtum mit den Königen David und Salomo um 1000 v. Chr. ein. Wie groß dieses Reich war und wie seine Geschichte im Einzelnen verlief, ist nicht sicher geklärt. Später bestanden die Königreiche Israel und Juda.
587/586 v. Chr. zerstörten Babylonier den Ersten Tempel in Jerusalem und verschleppten Teile der Bevölkerung. Ein Tempel ist ein religiöses Gebäude zur Verehrung Gottes. Die Angabe 587/586 nennt zwei mögliche Jahresdatierungen für dieses Ereignis. Die verschleppten Menschen mussten außerhalb ihrer Heimat leben. Dieses erzwungene Leben in der Fremde heißt hier Exil.
539 v. Chr. eroberten die Perser Babylon. Danach wurde eine Rückkehr möglich; manche Menschen blieben in Babylon. Der Zweite Tempel entstand in der Zeit persischer Herrschaft. „Um 500 v. Chr.“ ist dafür eine grobe Zeiteinordnung, kein genaues Baujahr. 70 n. Chr. zerstörten römische Truppen diesen Tempel.
Um 200 n. Chr. wurde die Mischna zusammengestellt. Ein Erlass, also eine amtliche Anordnung, aus dem Jahr 321 n. Chr. belegt jüdisches Leben in Köln. Er nennt damit keinen Gründungstag der Gemeinde. 331 n. Chr. gehört zu einer weiteren Regelung, nicht zu einer zweiten Gründung. Im 6. Jahrhundert berichtet Gregor von Tours als Verfasser eines Berichts über jüdische Gemeinden im Frankenreich, dem Reich der Franken. Die Synagoge von Bet Alpha stammt aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts.
Die Übersichtsgrafik zur Seite ist ein modernes Lernschema, kein erhaltenes Zeugnis aus diesen Zeiten. Für ihre knappen Zeitangaben gelten die hier erklärten Unterschiede zwischen Nachweis, Überlieferung und ungefährer Einordnung.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| Um 1200 v. Chr. | Der Name Israel ist belegt; welche Gruppe gemeint ist, bleibt umstritten. |
| Um 1000 v. Chr. | Die biblische Überlieferung ordnet hier das Königtum Davids und Salomos ein; Einzelheiten sind unsicher. |
| 587/586 v. Chr. | Babylonier zerstören den Ersten Tempel in Jerusalem. |
| 539 v. Chr. | Perser erobern Babylon; danach wird Rückkehr möglich. |
| Um 500 v. Chr. | Grobe Einordnung des Zweiten Tempels in die persische Zeit, kein genaues Baujahr |
| 70 n. Chr. | Römische Truppen zerstören den Zweiten Tempel. |
| Um 200 n. Chr. | Die Mischna wird zusammengestellt. |
| 321 n. Chr. | Ein Erlass belegt jüdisches Leben in Köln. |
| Erste Hälfte des 6. Jahrhunderts | Aus dieser Zeit stammt die Synagoge von Bet Alpha. |
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Im babylonischen Exil mussten verschleppte Teile der Bevölkerung außerhalb ihrer Heimat leben. Ohne eigenen Staat und Tempel wurde die gemeinsame Beschäftigung mit religiösen Schriften besonders wichtig. Menschen konnten zusammen lernen und ihre Überlieferungen weitergeben. Das stützte ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.
Diaspora heißt jüdisches Leben außerhalb des Herkunftsgebiets. Das Wort bezeichnet nicht einfach das babylonische Exil. Diaspora bestand schon vor der Zerstörung des Zweiten Tempels durch römische Truppen im Jahr 70 n. Chr. Nicht jedes Leben außerhalb des Herkunftsgebiets war dieses eine erzwungene Exil.
Im Tempel hatten Priester Gott religiöse Gaben dargebracht, etwa Speisen oder Tiere. Das nennt man hier Tempelopferdienst. „Opfer“ bedeutet dabei eine religiöse Gabe. Nach der Zerstörung von 70 n. Chr. konnte dieser Dienst dort nicht weitergehen.
Gebet, das Lernen aus religiösen Schriften und die Synagogen gewannen zusätzlich an Bedeutung. Synagogen, die Orte zum Beten, Lernen und Feiern, gab es schon vor 70 n. Chr. Die Zerstörung machte sie also nicht erst zu einer neuen Erfindung.
Rabbinen erklärten, wie Menschen unter veränderten Bedingungen nach religiösen Lehren leben konnten. Ihre Erklärungen halfen dabei, die Lehren weiter zu nutzen. Diese rabbinische Lehre, also die Lehre der gelehrten Ausleger, wuchs über längere Zeit. Die Sammlung der Mischna um 200 n. Chr. war ein Schritt dieser Entwicklung, kein einzelner Gründungstag.
Definition
Diaspora
Jüdisches Leben außerhalb des Herkunftsgebiets. Es bestand schon vor 70 n. Chr. und ist nicht mit dem babylonischen Exil gleichzusetzen.
Merke: Gemeinsames Lernen und Beten konnten die Gemeinschaft weitertragen. Größere Bedeutung bedeutet nicht, dass etwas erst neu entstand.
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Jüdische Menschen gestalten ihr Leben unterschiedlich. Schabbat heißt der wöchentliche Ruhetag. Kaschrut bezeichnet religiöse Speisevorschriften, also Regeln dafür, was und wie gegessen wird. Manche Menschen halten solche Regeln streng ein, andere anders oder gar nicht. Aus dem Verhalten eines Menschen kannst du deshalb nicht auf alle jüdischen Menschen schließen.
Auch die Geschichte zeigt Vielfalt. In der Synagoge von Bet Alpha aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts gibt es ein Mosaik. Das ist ein Bild aus vielen kleinen Teilen, etwa Steinen oder Glasstücken. Es verbindet Bilder jüdischer Erinnerung mit einem Tierkreis. Der Tierkreis ist eine Reihe von Sternbildern entlang der Bahn, die die Sonne im Jahreslauf scheinbar am Himmel nimmt. Hier ist er als Bild zu sehen. Daraus folgt nicht, dass alle jüdischen Menschen dieselben Vorstellungen teilten.
Das jüdische Bilderverbot bezieht sich hier auf die Darstellung Gottes. Es bedeutet nicht, dass jedes Bild oder jedes Kunstwerk verboten wäre. Das Mosaik von Bet Alpha zeigt, warum du genauer unterscheiden musst.
Zu jüdischer Geschichte gehören auch Kontakte und Handel mit anderen Menschen. Im Frankenreich bestanden solche Beziehungen neben Einschränkungen. Kirchliche Vorschriften sollten gemeinsame Mahlzeiten verhindern. Später wurden jüdische Menschen auch zu Taufen gezwungen und aus ihren Wohnorten vertrieben. Bei einer Zwangstaufe mussten sie gegen ihren Willen die christliche Taufe annehmen. Daraus darfst du keine gemeinsame Verantwortung aller Christen ableiten.
Antisemitismus bedeutet Feindschaft gegenüber Juden. Dazu können Beschimpfungen, falsche Behauptungen, Benachteiligung und Gewalt gehören. Religiös begründete Judenfeindschaft nennt man oft Antijudaismus. Dazu gehört die hier behandelte christliche Judenfeindschaft. Das Wort Antisemitismus entstand erst im 19. Jahrhundert. Heute wird es auch als Sammelbegriff für unterschiedliche Formen der Judenfeindschaft gebraucht. Das heißt nicht, dass die Feindschaft erst damals begann oder zu jeder Zeit dieselben Gründe und Formen hatte.
Wenn du jüdische Geschichte beschreibst, gehören Verfolgung und Ausgrenzung dazu. Ebenso gehören Gemeinschaft, Lernen, Glaube und Kunst dazu. Beides zusammen hilft dir, jüdische Menschen nicht auf eine einzige Rolle festzulegen.
Merke: Beschreibe genau, welche Menschen, welchen Ort und welche Zeit du meinst. Ein einzelnes Verhalten steht nicht für alle jüdischen Menschen.
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Alles auf einen Blick
Judentum
Zugehörigkeit
Judentum bezeichnet Religion und Gemeinschaft; auch Familie, Kultur und Erinnerung können verbinden.
Schriften
Die Tora gehört zum Tanach. Der Talmud sammelt Diskussionen und Erklärungen von Rabbinen.
Zeit und Überlieferung
„Um“ nennt eine ungefähre Zeit. Eine religiöse Erzählung beweist nicht von selbst jedes berichtete Ereignis.
Weiterleben
Im Exil stützte gemeinsames Lernen die Gemeinschaft. Nach 70 n. Chr. gewannen bereits bestehende Synagogen zusätzliches Gewicht.
Vielfalt
Jüdische Menschen leben unterschiedlich. Ihre Geschichte umfasst Gemeinschaft, Lernen und Kunst ebenso wie Verfolgung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum half gemeinsames Lernen im babylonischen Exil?
- 1Aufgabe klären: Erkläre, wie Menschen im babylonischen Exil ihre Gemeinschaft weitertragen konnten.
- 2Die Lage nennen: Verschleppte Teile der Bevölkerung mussten außerhalb ihrer Heimat leben. Ein eigener Staat und Tempel fehlten.
- 3Die Handlung beschreiben: Menschen beschäftigten sich gemeinsam mit religiösen Schriften und gaben Überlieferungen weiter.
- 4Den Zusammenhang erklären: Das gemeinsame Lernen und Weitergeben stützte ihre Zugehörigkeit auch unter diesen veränderten Bedingungen.
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Prüfe die Aussagen zur Mischna In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die falsche Aussage verwechselt die frühere mündliche Weitergabe mit einer schriftlichen Sammlung. Richtig: Vor der Sammlung wurden diese Lehren weitgehend mündlich weitergegeben.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Tora umfasst Bücher Mose. Den Zweiten Tempel in Jerusalem zerstörten 70 n. Chr. Truppen. Die Mischna wurde aus zuvor weitgehend mündlich weitergegebenen Lehren zusammengestellt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback