Geschichte · Klasse 10–13 · aktualisiert
Intifada: Ursachen, Verlauf und Unterschiede
Du lernst, was Intifada bedeutet, unterscheidest Ursachen und Auslöser und vergleichst beide Aufstände bis 2005.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Intifada bezeichnet einen palästinensischen Aufstand. Die Erste Intifada dauerte von 1987 bis 1993; die Zweite wird häufig auf 2000–2005 datiert. Sie unterschieden sich in ihren Aktionsformen und politischen Folgen.
Ein einzelnes Ereignis kann einen Aufstand auslösen, obwohl seine Ursachen länger zurückreichen. Bei den beiden Intifadas ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Du untersuchst außerdem, wer handelte und wie sich Protest, Gewalt und politische Folgen unterschieden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Das arabische Wort Intifada bedeutet etwa Erhebung oder Abschüttelung. Hier bezeichnet es einen palästinensischen Aufstand. Es ist also der Name für ein Geschehen, nicht für eine Organisation oder einen Vertrag.
Die Erste Intifada wird zeitlich auf 1987–1993 eingegrenzt. Die Zweite Intifada wird häufig auf 2000–2005 datiert. Diese Zeitangaben helfen dir, die Aufstände zu unterscheiden. Der Endpunkt 2005 ist eine historische Zeiteinteilung: Er bezeichnet kein taggenaues Ende sämtlicher Gewalt.
Der Begriff sagt noch nicht, welche Mittel die Beteiligten einsetzten. Zur Ersten Intifada gehörten sowohl Protest ohne Waffen als auch Gewalt. Die Zweite Intifada war stärker durch bewaffnete palästinensische Gruppen und große Einsätze der israelischen Armee geprägt.
Definition
Intifada
Das arabische Wort bedeutet etwa Erhebung oder Abschüttelung und bezeichnet hier einen palästinensischen Aufstand.
Merke: Eine Zeitangabe ordnet einen Aufstand historisch ein. Sie beweist nicht, dass mit seinem Endpunkt sämtliche Gewalt taggenau endete.
Teste dich
Eine Ursache erklärt, warum ein Konflikt entsteht. Ein unmittelbarer Auslöser ist das Ereignis, das den Aufstand in Gang setzt. Der Verlauf umfasst die anschließenden Handlungen. Folgen sind Veränderungen, die daraus entstehen.
Vor der Ersten Intifada lebten Palästinenser seit 1967 unter israelischer Besatzung: Israel übte die Kontrolle über ihre Gebiete aus. Die Besatzung und fehlende politische Selbstbestimmung gehörten zu den tieferen Ursachen. Am 8. Dezember 1987 stieß im Gazastreifen ein israelischer Lastwagen mit palästinensischen Fahrzeugen zusammen. Dieser Zusammenstoß war der unmittelbare Auslöser, nicht die gesamte Erklärung des Aufstands.
Breite Teile der palästinensischen Bevölkerung beteiligten sich. Zu ihren Mitteln gehörten Boykotte, also der bewusste Verzicht auf den Kauf bestimmter Waren, und die Weigerung, Steuern zu zahlen. Jugendliche warfen auch Steine und Brandsätze auf israelische Soldaten. Israelische Soldaten setzten Schlagstöcke, Tränengas und Munition ein. Das Oslo-Abkommen von 1993 bildet den Endpunkt der Ersten Intifada. Es eröffnete Verhandlungen, ließ aber zentrale Streitfragen ungelöst.
Vor der Zweiten Intifada bildeten enttäuschte Erwartungen an Oslo und fortdauernde Konflikte den Hintergrund. Im Jahr 2000 scheiterten Gespräche in Camp David, einem Verhandlungsort in den Vereinigten Staaten. Der Besuch des israelischen Politikers Ariel Scharon am 28. September 2000 auf dem Tempelberg/Haram al-Scharif in Jerusalem war ein unmittelbarer Auslöser. Tempelberg und Haram al-Scharif sind zwei Bezeichnungen für denselben Ort.
Im Verlauf kämpften bewaffnete palästinensische Gruppen gegen die israelische Armee. Die Hamas, eine palästinensische Organisation mit bewaffneten Mitgliedern, verübte Selbstmordanschläge auf israelische Zivilisten, also Menschen, die nicht den Streitkräften angehören. Die israelische Armee führte große Einsätze im Westjordanland durch. Sie verhängte Ausgangssperren und zerstörte Einrichtungen der Palästinensischen Autonomiebehörde, der palästinensischen Selbstverwaltung. Dadurch verlor diese Behörde Handlungsmöglichkeiten. Die Maßnahmen beeinträchtigten auch den Alltag der Zivilbevölkerung.
Die israelische Regierung beschloss 2002 den Bau einer Sperranlage zur Abwehr von Anschlägen. Die Anlage verlief auch innerhalb des Westjordanlands und schränkte dort die Bewegungsfreiheit ein. Unterscheide dabei das erklärte Ziel der Regierung von den Folgen für die Menschen vor Ort.
Beispiel: Einen wirtschaftlichen Boykott einordnen
- 1Während der Ersten Intifada sollten Palästinenser keine israelischen Produkte kaufen.
- 2Der Verzicht auf diese Waren war ein Mittel des Protests gegen die israelische Besatzung.
- 3Damit gehört der Boykott zu den Aktionsformen im Verlauf des Aufstands.
Merke: Ein Auslöser erklärt den Beginn eines Aufstands. Für seine tieferen Ursachen musst du auch die vorherige Lage untersuchen.
Teste dich
Vergleiche beide Intifadas nach denselben Fragen: Wer handelte? Welche Mittel setzte der jeweilige Akteur ein? Welche politischen Veränderungen folgten? Akteure sind hier die handelnden Menschen, Gruppen oder Einrichtungen.
An der Ersten Intifada beteiligten sich breite Teile der palästinensischen Bevölkerung. Eine Gruppe namens Vereinigte Nationale Führung koordinierte Aktionen. Boykotte und Steuerverweigerung standen neben Steinwürfen, Brandsätzen und weiterer Gewalt. Das israelische Militär setzte unter anderem Schlagstöcke, Tränengas und Munition ein. Die Erste Intifada war deshalb weder ausschließlich friedlich noch ausschließlich militärisch.
Die Zweite Intifada war stärker durch bewaffnete palästinensische Gruppen und große israelische Militäreinsätze geprägt. Die Hamas verübte Selbstmordanschläge auf israelische Zivilisten. Die israelische Armee verhängte im Westjordanland Ausgangssperren und zerstörte Einrichtungen der palästinensischen Selbstverwaltung. Nicht alle Palästinenser gehörten bewaffneten Gruppen an. Ebenso wenig ist die israelische Bevölkerung mit Regierung oder Armee gleichzusetzen.
Auch politisch unterscheiden sich die Entwicklungen. Den Endpunkt der Ersten Intifada bildet das Oslo-Abkommen, das Verhandlungen eröffnete, zentrale Fragen aber ungelöst ließ. Während der Zweiten Intifada verlor die Palästinensische Autonomiebehörde Handlungsmöglichkeiten, weil die israelische Armee ihre Einrichtungen zerstörte. Daraus folgt keine zwangsläufige Entwicklung von Verhandlungen zu Gewalt. Du musst Ursachen, Entscheidungen und Folgen jeweils gesondert untersuchen.
| Vergleichspunkt | Erste Intifada | Zweite Intifada |
|---|---|---|
| Beteiligte | Breite Teile der palästinensischen Bevölkerung; israelisches Militär | Stärkere Prägung durch bewaffnete palästinensische Gruppen und israelische Armee |
| Mittel | Boykotte und Steuerverweigerung, aber auch Gewalt | Stärkere Prägung durch bewaffnete Kämpfe, Anschläge und große Militäreinsätze |
| Politische Entwicklung | Oslo-Abkommen als Endpunkt; zentrale Fragen blieben offen | Die israelische Armee zerstörte Einrichtungen der Selbstverwaltung und schränkte so deren Handlungsmöglichkeiten ein. |
Merke: Benenne den verantwortlichen Akteur. Eine Bevölkerung ist nicht mit einer bewaffneten Gruppe, einer Regierung oder einer Armee gleichzusetzen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Intifada
Begriff
Intifada bezeichnet einen palästinensischen Aufstand und bedeutet etwa Erhebung oder Abschüttelung.
Erklärung
Tiefere Ursachen sind von unmittelbaren Auslösern, Verlauf und Folgen zu unterscheiden.
Aktionsformen
Zur Ersten Intifada gehörten Protest ohne Waffen und Gewalt; die Zweite war stärker durch Kämpfe bewaffneter palästinensischer Gruppen und der israelischen Armee geprägt.
Politische Entwicklung
Oslo ließ zentrale Fragen offen. Während der Zweiten Intifada zerstörte die israelische Armee Einrichtungen der palästinensischen Selbstverwaltung und schränkte deren Handlungsmöglichkeiten ein.
Verantwortung
Bevölkerungen dürfen nicht mit bewaffneten Gruppen, Regierungen oder Armeen gleichgesetzt werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Zusammenstoß im Dezember 1987 einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum der Zusammenstoß eines israelischen Lastwagens mit palästinensischen Fahrzeugen den Beginn der Ersten Intifada nicht vollständig erklärt.
- 2Ereignis bestimmen: Der Zusammenstoß am 8. Dezember 1987 war der unmittelbare Auslöser.
- 3Vorherige Lage untersuchen: Die israelische Besatzung bestand seit 1967. Fehlende politische Selbstbestimmung gehörte ebenfalls zu den tieferen Ursachen.
- 4Ergebnis formulieren: Der Zusammenstoß löste den Aufstand unmittelbar aus. Seine tieferen Ursachen lagen in länger bestehenden Verhältnissen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur zeitlichen Einordnung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt eine historische Zeitgrenze mit dem Ende sämtlicher Gewalt. Richtig: Der Endpunkt 2005 bezeichnet kein taggenaues Ende sämtlicher Gewalt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Erste Intifada begann im Dezember . Das Oslo-Abkommen bildet ihren Endpunkt im Jahr . Den Bau einer Sperranlage zur Abwehr von Anschlägen beschloss die israelische Regierung .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback