Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Ursache und Folge in Geschichte einfach erklären
Du lernst, Anlass, Ursachen und Folgen zu unterscheiden und zu prüfen, was Menschen mit ihren Entscheidungen erreichen konnten.
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Kurz gesagt
Ursachen erklären, warum etwas geschieht; oft wirken mehrere zusammen. Ein Anlass ist ein konkreter Auslöser, eine Folge eine daraus entstehende Veränderung. Dass etwas später geschieht, beweist noch keinen Zusammenhang.
Warum verändert sich etwas in der Geschichte? Eine einzelne Entscheidung reicht als Erklärung oft nicht aus. Du lernst, Auslöser, länger bestehende Bedingungen und Folgen auseinanderzuhalten. Außerdem prüfst du, ob Menschen mit einer Entscheidung ihr Ziel erreichten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Eine Ursache hilft dir zu erklären, warum etwas geschieht. Ursachen können länger bestehende Bedingungen oder Handlungen von Menschen sein. Ein Anlass ist ein konkreter Auslöser. Er kann selbst eine Ursache sein. Folgen sind Veränderungen, die daraus entstehen.
Du kannst mit drei Fragen arbeiten: Was löste das Geschehen aus? Welche Bedingungen und Handlungen erklären es? Was veränderte sich dadurch? Eine Folge kann später selbst zur Ursache einer weiteren Veränderung werden.
Achte auf den Unterschied zwischen „danach“ und „dadurch“. Nur weil ein Ereignis später geschieht, ist es noch keine nachgewiesene Folge des früheren Ereignisses. Du brauchst einen Beleg dafür, wie beide zusammenhängen.
Definition
Anlass
Ein Anlass ist ein konkreter Auslöser eines Geschehens. Er kann zu dessen Ursachen gehören.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: zwei Ereignisse im Heft
- 1In einem Heft steht: „Zuerst geschah A. Später geschah B.“
- 2Damit kennst du die Reihenfolge.
- 3Ob A zu B führte, ist noch offen. Dafür fehlt ein belegter Zusammenhang.
Merke: „Danach“ beschreibt eine Reihenfolge. „Dadurch“ behauptet einen Zusammenhang, den du belegen musst.
Teste dich
Im Juli 1914 verschärften sich Konflikte zwischen europäischen Staaten. Diese Zuspitzung heißt Julikrise. Ihr Anlass war das Attentat in Sarajevo am 28. Juni 1914, also ein tödlicher Angriff. Der Angriff allein erklärt den folgenden Krieg nicht.
Schon länger konkurrierten Staaten um Einfluss und beschafften mehr Waffen. Dazu kamen Entscheidungen in der Krise: Die Regierung von Österreich-Ungarn, einem damaligen Staat, nutzte die Krise für ein Vorgehen gegen den Staat Serbien. Deutsche Entscheidungsträger unterstützten einen riskanten Kurs. Forderungen mit einer Frist, die Erklärung des Krieges und das Bereitstellen von Soldaten und Mitteln für den Krieg verschärften den Konflikt. Du unterscheidest also länger bestehende Spannungen, den Auslöser und weitere Handlungen. Mehrere Ursachen zu nennen heißt nicht, allen Regierungen die gleiche Verantwortung zu geben.
Auch bei der Eisenbahn kannst du mehrere Beiträge zu einer Veränderung untersuchen. In den 1850er und 1860er Jahren ermöglichte sie schnellere und günstigere Transporte und förderte den Warenverkehr über Grenzen hinweg. Der Eisenbahnbau erhöhte außerdem die Nachfrage nach Erzeugnissen der Eisen- und Maschinenindustrie. Auch technische Neuerungen trugen zum Wachstum der Industrie bei. Das erklärt Beiträge zum Wachstum, aber keine einzige Ursache für alles.
Mehrere Bedingungen können auch die Möglichkeiten eines Menschen begrenzen. Edward Grey war Außenminister von Großbritannien und kümmerte sich damit um Beziehungen zu anderen Staaten. Über seine Versuche im Juli 1914 berichtete der amerikanische Botschafter Walter Hines Page. Ein Botschafter vertritt seinen Staat in einem anderen Staat. Laut Page versuchte Grey zunächst, den Krieg Österreichs gegen Serbien zu verhindern, und später, die Kämpfe zu begrenzen. Dafür brauchte er die Mitwirkung anderer Regierungen. Auf Antworten zu seinen neuen Vorschlägen wartete er noch; ihre Zustimmung stand also nicht fest. Er wusste auch nicht, ob die amerikanische Regierung bereits Vermittlung angeboten hatte. Vermittlung bedeutet hier, anderen Staaten bei der Suche nach einer Einigung zu helfen. Grey konnte Gespräche führen, aber amerikanisches Handeln nicht bestimmen. Diese Grenzen wirkten zusammen.
| Teil der Erklärung | Beispiel aus der Julikrise |
|---|---|
| Länger bestehende Bedingungen | Staaten konkurrierten um Einfluss und beschafften mehr Waffen. |
| Konkreter Anlass | Der tödliche Angriff in Sarajevo löste die Krise aus. |
| Weitere Handlungen | Forderungen mit einer Frist und Vorbereitungen auf Krieg verschärften den Konflikt. |
Merke: Nenne nicht bloß mehrere Ursachen. Erkläre auch, wie sie zum Geschehen beitrugen.
Teste dich
Menschen entscheiden mit dem Wissen und den Möglichkeiten, die sie zu ihrer Zeit haben. Ihr Handlungsspielraum umfasst die Wege, die ihnen tatsächlich offenstehen. Prüfe deshalb: Was wollten sie erreichen? Was wussten sie? Was konnten sie tun? Wo brauchten sie andere?
Page schickte am 31. Juli 1914 einen schriftlichen Bericht über ein Gespräch mit Grey an seinen Außenminister. Nach Pages Bericht wollte Grey zunächst durch eine Konferenz, also eine gemeinsame Beratung von Botschaftern, den Krieg Österreichs gegen Serbien verhindern. Dieser Vorschlag scheiterte. Danach machte Grey Vorschläge, um die Kämpfe zu begrenzen. Auf Antworten dazu wartete er noch.
Grey konnte Gespräche führen und über Page nach amerikanischer Vermittlung fragen. Er wusste aber nicht, ob die amerikanische Regierung bereits Vermittlung angeboten hatte. Auch Page konnte das nicht beantworten. Grey konnte amerikanisches Handeln nicht selbst bestimmen. Die beiden Vorschläge gehörten zu aufeinanderfolgenden Phasen der Krise. Sie standen nicht gleichzeitig als gleich wirksame Lösungen bereit. Pages Bericht zeigt dessen Sicht auf das Gespräch. Er beweist nicht, dass ein anderer Weg sicher Frieden gebracht hätte.
Unterscheide außerdem das Ziel einer Entscheidung von ihrer tatsächlichen Wirkung. Otto von Bismarck war deutscher Reichskanzler. Im Kulturkampf der 1870er Jahre richteten sich staatliche Maßnahmen gegen die katholische Kirche und die Zentrumspartei als ihre politische Vertretung. Katholisch ist eine Richtung des Christentums. Bismarck wollte die Zentrumspartei schwächen. Gesetze schränkten kirchliche Rechte ein. Tatsächlich stärkten die Maßnahmen den Zusammenhalt der Katholiken. Diese unbeabsichtigte Folge lief dem Ziel entgegen. Sie bedeutet aber nicht, dass die Betroffenen keine Schäden erlitten.
Definition
Beabsichtigte und unbeabsichtigte Folgen
Eine beabsichtigte Folge ist eine Veränderung, die jemand erreichen will. Eine unbeabsichtigte Folge entsteht, obwohl sie nicht das Ziel war. Ob ein Ziel erreicht wurde, musst du gesondert prüfen.
Merke: Ein Ziel beweist keinen Erfolg. Und ein vorgeschlagener Weg beweist nicht, dass er sicher funktioniert hätte.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Ursache und Folge
Anlass
Ein konkreter Auslöser kann selbst eine Ursache sein.
Zusammenhang
Eine zeitliche Reihenfolge allein beweist keine Ursache.
Mehrere Ursachen
Bedingungen und Handlungen können gemeinsam eine Veränderung erklären.
Handlungsspielraum
Wissen, Mittel und die Mitwirkung anderer begrenzen mögliche Entscheidungen.
Ziel und Wirkung
Tatsächliche Folgen können von der Absicht abweichen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bismarcks Ziel und die Wirkung seiner Maßnahmen unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre, warum du Bismarcks Ziel im Kulturkampf nicht mit dem Ergebnis gleichsetzen darfst.
- 2Ziel bestimmen: Bismarck wollte die Zentrumspartei schwächen.
- 3Maßnahmen nennen: Gesetze schränkten kirchliche Rechte ein. Eine Maßnahme ist aber noch kein Beweis ihres Erfolgs.
- 4Wirkung prüfen: Die Maßnahmen stärkten den Zusammenhalt der Katholiken.
- 5Ergebnis formulieren: Diese unbeabsichtigte Folge lief der gewünschten Schwächung entgegen. Daraus folgt nicht, dass die Betroffenen keine Schäden erlitten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Eisenbahn und Industrie In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt zeitliches Zusammentreffen mit einem Beweis. Richtig: Dass Eisenbahnbau und Industriewachstum zeitlich zusammenfielen, genügt nicht als Beweis für einen Zusammenhang. Schnellere und günstigere Transporte sowie zusätzliche Nachfrage erklären einen Beitrag der Eisenbahn.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der tödliche Angriff in Sarajevo am 28. Juni 1914 war ein der Julikrise. Der durch die staatlichen Maßnahmen gestärkte Zusammenhalt der Katholiken war im Kulturkampf eine . Wenn du untersuchst, welche Bedeutung die noch ausstehenden Antworten für Greys Entscheidungen hatten, prüfst du sein damaliges .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback