Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Glasnost und Perestroika einfach erklärt
Du lernst, wie Glasnost und Perestroika zusammenwirkten, welche Krise sie lösen sollten und wie sie Veränderungen in der DDR begünstigten.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Glasnost bedeutet Offenheit, Perestroika Umbau. Mit beiden wollte der sowjetische Parteiführer Michail Gorbatschow die Sowjetunion erneuern und die Grundzüge des Sozialismus erhalten. Mehr öffentliche Kritik sollte Unterstützung für die Reformen schaffen.
Wie kannst du Probleme beheben, wenn kaum jemand offen darüber sprechen darf? Vor dieser Schwierigkeit standen die Reformer in der Sowjetunion. Ihre Antwort verband mehr Offenheit mit einem Umbau von Politik und Wirtschaft. Doch die Entwicklung ließ sich nicht so steuern, wie sie gehofft hatten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Sowjetunion, auch UdSSR genannt, war ein Staat, dessen Politik die Kommunistische Partei der Sowjetunion bestimmte. Ihre Abkürzung lautete KPdSU. Michail Gorbatschow wurde 1985 ihr Generalsekretär, also ihr oberster Parteiführer. Er wollte Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erneuern.
Glasnost bedeutet Offenheit oder Transparenz: Entscheidungen und Zustände sollten öffentlich erkennbar werden. Die Menschen erhielten mehr Freiheit, ihre Meinung zu äußern. Medien konnten kritischer berichten. Perestroika bedeutet Umbau. Gemeint waren Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, nicht bloß offenere Berichte darüber.
Beides sollte zusammenwirken: Öffentliche Kritik sollte wirtschaftliche Probleme sichtbar machen und Unterstützung für den Umbau gewinnen. Glasnost war damit ein Mittel, um Perestroika voranzubringen.
Die Reformdiskussion begann 1985. Ab Anfang 1986 wurde Perestroika zum Begriff für den umfassenden Umbau. Wichtige Wirtschaftsreformen folgten 1987: Staatsbetriebe durften selbstständiger entscheiden. Sie mussten weiterhin staatliche Aufträge erfüllen, konnten darüber hinaus aber ihre Produktion am tatsächlichen Bedarf ausrichten. Ab Mai 1988 waren auch Privatunternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Produktion und Außenhandel erlaubt.
Definition
Glasnost und Perestroika
Glasnost bezeichnet mehr Offenheit und öffentliche Kritik. Perestroika bezeichnet den Umbau von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Beispiel: Restaurants als Teil des wirtschaftlichen Umbaus
- 1Das Gesetz über Genossenschaften erlaubte ab Mai 1988 Privatunternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Produktion und Außenhandel.
- 2Genossenschaftliche Restaurants, also gemeinschaftlich betriebene Restaurants, wurden Teil der sowjetischen Wirtschaft.
- 3Das veränderte die wirtschaftlichen Regeln und gehört deshalb zur Perestroika.
Teste dich
Als Gorbatschow 1985 Parteiführer wurde, blieb die wirtschaftliche Entwicklung hinter den Zielen der Partei zurück. In vielen Bereichen sanken die Produktionszahlen. Die Qualität der Erzeugnisse entsprach oft nicht dem internationalen Standard. Die Landwirtschaft konnte die Bevölkerung nicht ausreichend versorgen. Schlechte Transport- und Lagermöglichkeiten führten zusätzlich dazu, dass ein Teil der ohnehin knappen Erzeugnisse verloren ging.
Ausgaben für Militär und Rüstung belasteten Wirtschaft und Forschung. Der Krieg der Sowjetunion in Afghanistan verstärkte diese Probleme. Deshalb sollten auch Spannungen mit anderen Staaten abgebaut und das Wettrüsten mit den USA, den Vereinigten Staaten von Amerika, beendet werden. Langfristig sollten die Bürger dadurch größeren Wohlstand erreichen.
Hinzu kam ein Problem mit Informationen und Personal. Verlässliche Angaben über den Zustand des Landes waren nur eingeschränkt verfügbar. In Verwaltung und Wirtschaftsleitung fehlten nötige Fähigkeiten, während Parteitreue und das Erfüllen vorgegebener Pläne viel zählten. Gorbatschow und seine Berater hielten schnelles Handeln für nötig.
Die Reformen setzten an diesen Schwierigkeiten an: Mehr Offenheit sollte Probleme zur Sprache bringen. Mehr eigene Entscheidungen sollten Betrieben ermöglichen, sich stärker am Bedarf zu orientieren. Die Krise erklärt also, warum Gorbatschow Veränderungen wollte. Sie beweist noch nicht, dass seine Maßnahmen erfolgreich waren.
Merke: Unterscheide Problem, Maßnahme und Ergebnis: Eine Versorgungskrise kann Reformen begründen. Ob diese Reformen helfen, musst du gesondert prüfen.
Teste dich
Gorbatschow wollte die Sowjetunion erneuern und dabei die Grundzüge des Sozialismus erhalten. Die besondere Führungsstellung der KPdSU sollte bestehen bleiben. Mehr politische Mitbestimmung und wirtschaftliche Eigenverantwortung sollten die bestehende Ordnung stabilisieren. Die Abschaffung dieser Ordnung war nicht sein Reformziel.
Absicht und Ergebnis gingen jedoch auseinander. Glasnost ermöglichte kritische Berichte. Als etwa gefälschte Produktionszahlen öffentlich bekannt wurden, reagierten Menschen empört. Die offenere Atmosphäre machte die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage deutlicher sichtbar. Gewünschte Unterstützung und tatsächliche öffentliche Reaktionen waren also nicht dasselbe.
Auch wirtschaftlich blieb der erhoffte Neuanfang aus. Zwar konnten Betriebe mehr selbst entscheiden, doch die Regierung kontrollierte weiterhin einen Großteil der Produktion. Festgelegte Preise bestanden fort. Die Versorgung verschlechterte sich, und die Lebensqualität sank.
1990 endete die Einparteienherrschaft der KPdSU. Zuvor durfte keine andere Partei mit ihr um die politische Führung konkurrieren. Im Dezember 1991 löste sich die Sowjetunion auf. Das widersprach dem Ziel, den Staat und die Grundzüge seiner Ordnung durch Reformen zu erhalten. Daraus folgt aber nicht, dass Offenheit allein den Zerfall verursacht hätte. Zum Ende der Reformversuche gehörten auch ein gescheiterter gewaltsamer Umsturzversuch im August 1991 und die Initiative der Teilrepubliken zur Auflösung der Union.
| Bereich | Beabsichtigt | Tatsächliche Entwicklung |
|---|---|---|
| Öffentliche Diskussion | Unterstützung für Reformen gewinnen | Enthüllungen lösten auch Empörung aus. |
| Wirtschaft | Erneuerung durch mehr Eigenverantwortung | Der erhoffte Neuanfang blieb aus. |
| Politische Ordnung | Grundzüge des Sozialismus erhalten | 1990 endete die Einparteienherrschaft der KPdSU. |
Teste dich
Die DDR, die Deutsche Demokratische Republik, war der ostdeutsche Staat. Dort herrschte die SED, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, diktatorisch. Die Sowjetunion war eine wichtige Stütze dieser Herrschaft.
Gorbatschow gestand den Staaten im Warschauer Pakt, dem Militärbündnis unter sowjetischer Führung, eigene Wege innerer Reformen zu. Die sowjetische Führung war 1989 nicht mehr bereit, die Bewegungen für Veränderungen in diesen Staaten durch militärisches Eingreifen aufzuhalten. Nach der Deutung des Historikers Winkler trugen politische Einsicht und wirtschaftliche Schwäche dazu bei. Das schuf günstigere Bedingungen für Veränderungen in der DDR, führte aber nicht von selbst zu ihnen.
Die SED-Führung grenzte sich von Gorbatschows Reformen ab. Informationen über die Entwicklung in der Sowjetunion wurden streng zensiert, also staatlich kontrolliert und eingeschränkt. Im Herbst 1988 verbot die SED die sowjetische Monatszeitschrift „Sputnik“ in der DDR. Das löste Proteste aus, auch unter vielen SED-Mitgliedern.
Den Druck innerhalb der DDR erzeugten Bürger selbst: durch Proteste, Bürgerinitiativen und Flucht über andere Staaten. In Leipzig demonstrierten am 9. Oktober 1989 etwa nicht nur einzelne Kritiker: 70.000 Menschen forderten Reformen, freie Wahlen und einen Führungswechsel. Die Staatsmacht hinderte sie nicht daran. Der gewaltfreie Ausgang ermutigte weitere Menschen, öffentlich aktiv zu werden.
Der Zusammenhang war somit mittelbar: Die veränderte sowjetische Politik begünstigte Handlungsmöglichkeiten, die Bürger nutzten. Nach dem Historiker Wolfrum wollte Gorbatschow das Ende der DDR nicht, hielt aber an Selbstbestimmung und Nichteinmischung fest. Die Historiker Andreas Suter und Manfred Hettling betonen ebenfalls: Ohne den sowjetischen Reformschub lassen sich der Zusammenbruch der sozialistischen Herrschaft in der DDR und die Maueröffnung 1989 nicht ausreichend erklären. Das ersetzt jedoch nicht die Erklärung durch das Handeln der DDR-Bürger.
Merke: Eine äußere Bedingung ist nicht dasselbe wie das Handeln im Land: Die sowjetische Politik eröffnete Spielräume. Bürger in der DDR übten selbst Druck auf die SED-Herrschaft aus.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Glasnost und Perestroika
Begriffe
Glasnost bedeutet Offenheit, Perestroika den Umbau von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Zusammenspiel
Öffentliche Kritik sollte Probleme sichtbar machen und Unterstützung für Reformen gewinnen.
Ausgangslage
Versorgungsmängel, wirtschaftliche Schwächen und Rüstungslasten begründeten den Reformbedarf.
Absicht und Ergebnis
Die Reformen sollten die Grundzüge des Sozialismus erhalten; die Entwicklung ging darüber hinaus.
DDR
Veränderte sowjetische Politik begünstigte Veränderungen, die Bürger durch eigenes Handeln vorantrieben.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den neuen Spielraum eines Staatsbetriebs erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, was sich durch die neuen Regeln für Staatsbetriebe änderte und wo eine Grenze blieb.
- 2Ausgangspunkt: Die Betriebe sollten ihre Produktion stärker am tatsächlichen Bedarf ausrichten können.
- 3Veränderung: Sie durften über einen Teil ihrer Produktion und ihres Verkaufs selbst entscheiden.
- 4Grenze: Staatliche Aufträge mussten sie weiterhin erfüllen. Der Staat gab die Steuerung also nicht vollständig auf.
- 5Einordnung: Die Regeln gehörten zur Perestroika, weil sie das Wirtschaften veränderten. Ihr Bestehen allein beweist noch keinen wirtschaftlichen Erfolg.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur politischen Entwicklung der Sowjetunion In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus der späteren Entwicklung ein Reformziel. Richtig: Gorbatschow wollte die Grundzüge des Sozialismus erhalten.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Reformdiskussion in der Sowjetunion begann . Das Gesetz, das Privatunternehmen in Dienstleistung, Produktion und Außenhandel erlaubte, trat im Mai in Kraft. Die Demonstration mit 70.000 Menschen am 9. Oktober 1989 fand in statt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback