Zum Inhalt springen

Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert

Gastarbeiter: Anwerbung, Alltag und Folgen

Du erfährst, warum die Bundesrepublik Arbeitskräfte anwarb, wie sie lebten und warum der Anwerbestopp dauerhaftes Bleiben fördern konnte.

0 von 9 Aufgaben gelöst

Gastarbeiter: Anwerbung, Alltag und Folgen

Kurz gesagt

„Gastarbeiter“ nannte man ausländische Arbeitskräfte, deren Aufenthalt als vorübergehend gedacht war. Die Bundesrepublik warb sie wegen ihres wachsenden Arbeitskräftebedarfs an. Viele kehrten zurück; ein Teil blieb dauerhaft und holte seine Familie nach.

Was passiert, wenn aus einer geplanten Arbeitszeit im Ausland ein dauerhaftes Zuhause wird? Angeworbene Menschen arbeiteten, gründeten Beziehungen und entschieden über Rückkehr oder Bleiben. Dabei beeinflussten Betriebe, staatliche Regeln und Familien ihre Möglichkeiten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Die Wirtschaft der Bundesrepublik, des damaligen westdeutschen Staates, wuchs stark. Damit stieg der Bedarf an Arbeitskräften. Das inländische Angebot reichte nicht aus. Anwerbeabkommen zwischen Staaten regelten deshalb die Gewinnung ausländischer Arbeitskräfte. Das erste schloss die Bundesrepublik 1955 mit Italien. Weitere folgten unter anderem 1960 mit Spanien und Griechenland sowie 1961 mit der Türkei. Auch Frauen wurden angeworben.

Der Beginn war jedoch mehr als eine einfache Reaktion auf fehlende Arbeitskräfte. Die Initiative zum ersten Abkommen kam aus Italien. Dort war hohe Arbeitslosigkeit ein Problem. Auf westdeutscher Seite spielten auch Handelsinteressen und bessere Beziehungen zu Italien eine Rolle. Dabei ging es unter anderem darum, den weiteren Verkauf deutscher Waren in Italien zu sichern. Anfangs blieb die Zahl der Anwerbungen gering. Erst 1960, als es mehr offene Stellen als Arbeitslose gab, nahm sie deutlich zu.

Der Aufenthalt war zunächst als vorübergehend gedacht. Die Vorstellung, zurückkehrende Beschäftigte durch neue zu ersetzen, heißt Rotation. Betriebe wollten jedoch eingearbeitete Beschäftigte behalten. Sie beantragten Verlängerungen der Arbeitsgenehmigungen, die meistens erteilt wurden. Im Abkommen mit der Türkei war der Aufenthalt 1961 zunächst auf zwei Jahre begrenzt. 1964 wurde diese Grenze gestrichen. Daraus folgt nicht, dass zuvor jeder nach genau zwei Jahren ausreisen musste.

Definition

Anwerbeabkommen

Eine Vereinbarung zwischen Staaten, die die Gewinnung von Arbeitskräften aus dem anderen Land regelt.

Merke: Eine geplante oder vertraglich festgelegte Aufenthaltsdauer beschreibt noch nicht, wie lange jeder einzelne Mensch tatsächlich blieb.

Teste dich

MittelWelche Lage erklärt, warum die Anwerbung 1960 deutlich zunahm?

Alles auf einen Blick

Gastarbeiter

  • Anwerbung

    Der Wirtschaftsaufschwung erhöhte den Arbeitskräftebedarf der Bundesrepublik; das inländische Angebot reichte nicht aus.

  • Alltag

    Häufig waren die Tätigkeiten un- oder angelernt. Viele Stellen belasteten Körper und Gesundheit; die Wohnbedingungen unterschieden sich.

  • Bleiben

    Der Anwerbestopp von 1973 konnte dauerhaften Aufenthalt fördern, weil eine erneute Einreise zur Arbeit nach einer Rückkehr unsicher wurde.

  • Begriff

    „Gastarbeiter“ verweist auf vorübergehenden Aufenthalt und beschreibt dauerhaft Gebliebene und ihre Familien unzureichend.

  • Vergleich

    Beide Staaten organisierten zeitweilige Arbeitsmigration. In der DDR waren engere Bindungen politisch unerwünscht, entstanden aber dennoch.

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Die Änderung des Türkei-Abkommens vorsichtig erklären

  1. 1Aufgabe: Erkläre, was die Streichung der Zweijahresgrenze über die geplante Rotation zeigt.
  2. 2Ausgangspunkt festhalten: Im Abkommen mit der Türkei war der Aufenthalt 1961 zunächst auf zwei Jahre begrenzt.
  3. 3Interesse erklären: Arbeitgeber wollten eingearbeitete Arbeitskräfte behalten und wandten sich gegen deren Verlust.
  4. 4Änderung benennen: 1964 wurde die Zweijahresgrenze gestrichen. Damit änderte sich eine konkrete Vertragsregel.
  5. 5Grenze beachten: Die frühere Regel beweist nicht, dass jeder zuvor Angeworbene tatsächlich nach genau zwei Jahren ausreisen musste.

Fehler finden

Prüfe die Aussagen zur Bezeichnung „Gastarbeiter“ In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Das erste Anwerbeabkommen der Bundesrepublik mit Italien wurde geschlossen. Im Türkei-Abkommen war der Aufenthalt anfangs auf Jahre begrenzt. Der Anwerbestopp, der die Neuanwerbung aus den meisten bisherigen Herkunftsländern beschränkte, kam .

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Gastarbeiter

MittelWelche zusätzlichen westdeutschen Interessen nennt die Erklärung zum ersten Abkommen mit Italien?
LeichtWogegen richteten sich die Streiks von Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss?
SchwerWarum widerspricht die Lage italienischer Arbeitskräfte der Aussage, der Anwerbestopp habe jede Einwanderung beendet?

Weiterlesen in Geschichte