Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Diagramm auswerten in Geschichte: 4 Schritte
Du lernst, Diagramme einzuordnen, Werte genau zu beschreiben, Entwicklungen vorsichtig zu deuten und die Darstellung kritisch zu prüfen.
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Kurz gesagt
Ein Diagramm stellt Daten oder Informationen grafisch dar. Beim Auswerten ordnest du es ein, beschreibst seine Werte, deutest sie mit historischem Wissen und prüfst seine Aussagekraft. Zahlen allein beweisen keine Ursache.
Zwei Säulen können sehr unterschiedlich hoch aussehen, obwohl ihre Werte nahe beieinanderliegen. Auch eine steigende Linie erklärt noch nicht, warum etwas zunimmt. Mit vier Arbeitsschritten unterscheidest du, was ein Diagramm zeigt und was du zusätzlich wissen musst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Beginne mit der Frage: Was wird hier dargestellt? Notiere Thema, Zeitraum, Raum, Größen und Einheit. Eine Größe ist das, was gezählt oder gemessen wird, etwa die Zahl der Wähler. Die Einheit sagt, wie du den Wert lesen musst: als Anzahl von Menschen oder etwa als Anteil in Prozent. Prozent bedeutet Hundertstel.
Bestimme dann die Diagrammart. Ein Säulendiagramm zeigt Werte mit senkrechten Flächen, ein Balkendiagramm mit waagerechten Flächen. Beim Liniendiagramm verbinden Linien die Datenpunkte. Ein Kreisdiagramm zeigt mit seinen Kreisstücken Anteile an einem Ganzen. Diese Stücke stehen für Anteile, nicht für eine zeitliche Reihenfolge.
Lies Überschrift, Jahreszahlen und Beschriftungen. Bei einem Achsendiagramm untersuchst du die waagerechte x-Achse und die senkrechte y-Achse. Die Legende erklärt etwa, welche Farbe zu welchem Staat gehört. Prüfe außerdem, woher die Daten stammen, wer sie zusammengestellt hat und für wen die Statistik bestimmt ist. Das Alter der Daten und das Alter des Diagramms können sich unterscheiden.
Definition
Diagramm
Ein Diagramm stellt Daten, Sachverhalte oder Informationen grafisch dar, zum Beispiel durch Säulen, Linien oder Kreisstücke.
Merke: Erst die Beschriftung macht einen Wert verständlich: Was wird erfasst, für welchen Raum und Zeitraum, und in welcher Einheit?
Teste dich
Beschreibe zuerst, ob das Diagramm Werte vergleicht oder eine Entwicklung über die Zeit zeigt. Nenne dann wichtige Werte mit ihrer Einheit und dem zugehörigen Zeitpunkt. Vergleiche sie in einer sinnvollen Reihenfolge. Beschreibe auffällige Unterschiede, Anstiege oder Rückgänge. Trenne dabei die Beobachtung von einer Erklärung ihrer Ursachen.
Wahlbeteiligung bedeutet: Welcher Anteil der Menschen, die wählen dürfen, hat gewählt? Die Menschen, die wählen dürfen, heißen Wahlberechtigte. Bei Prozentangaben musst du zwei Rechnungen unterscheiden. Steigt ein Anteil von 70 % auf 75 %, beträgt die Differenz fünf Prozentpunkte. Das sind nicht fünf Prozent Zunahme gegenüber dem Ausgangswert. Dafür teilst du die Differenz 5 durch den Ausgangswert 70 und multiplizierst mit 100. Die relative Zunahme, also die Zunahme bezogen auf den Ausgangswert, beträgt rund 7,1 Prozent. Diese beiden Ausgangswerte sind ausgedachte Übungsdaten und gehören zu keiner nachgewiesenen Wahl.
Ein historischer Vergleich: Die Bundeswahlleiterin veröffentlicht für die Wahlen zum Bundestag, dem deutschen Parlament, am 28. September 1969 eine Wahlbeteiligung von 86,7 % und am 19. November 1972 von 91,1 %. Die Werte gelten für die damalige Bundesrepublik, genauer für das frühere Bundesgebiet ohne Berlin-West. Beide Prozentwerte sind auf eine Nachkommastelle gerundet. Ihre Differenz beträgt 4,4 Prozentpunkte. Zwei ausgewählte Wahltage zeigen einen Vergleich, nicht den gesamten Verlauf aller Bundestagswahlen.
Beispiel: Beispieldaten, ausgedacht: einen Anstieg beschreiben
- 1Eine Wahlbeteiligung steigt von 70 % auf 75 %. Diese Zahlen gehören zu keiner nachgewiesenen Wahl.
- 2Die Differenz beträgt 75 − 70 = 5 Prozentpunkte.
- 3Die Zunahme gegenüber dem Ausgangswert beträgt 5 / 70 × 100, also rund 7,1 Prozent.
- 4Die Zahlen beschreiben einen Anstieg. Sie nennen keinen historischen Grund dafür.
Teste dich
Nach der Beschreibung fragst du, wie die Werte in ihren historischen Zusammenhang passen. Dafür brauchst du zusätzliche Informationen über die damaligen Ereignisse und Bedingungen. Eine Deutung erklärt, was deine Beobachtungen bedeuten könnten. Nenne das zusätzliche Wissen, auf das du deine Erklärung stützt, und zeige auch dessen Grenzen.
Für die hohe Wahlbeteiligung von 1972 gibt es solche Informationen: Der Deutsche Bundestag beschreibt rückblickend einen lebhaften und emotionalen Wahlkampf vor einer vorgezogenen Wahl. Umstritten war die Ostpolitik der damaligen Regierung, also ihr Bemühen um Entspannung im Verhältnis zu den östlichen Staaten. Bürger beteiligten sich unter anderem mit Aufklebern und Anzeigen am Wahlkampf. Der Bundestag bringt den intensiven Wahlkampf mit der hohen Beteiligung in Verbindung. Damit lässt sich vorsichtig begründen, dass der politische Streit und die starke öffentliche Beteiligung am Wahlkampf die hohe Wahlbeteiligung erklären helfen.
Die beiden Prozentwerte allein verraten dagegen weder die Beweggründe einzelner Wähler noch die Stärke des Einflusses eines Wahlkampfthemas. Hohe Wahlbeteiligung sagt auch nicht, welcher Partei die Wähler zustimmten. Allgemein gilt: Ein gemeinsames Auftreten beweist keine Ursache. Wenn in Sommern mit hohem Eisverkauf viele Sonnenbrände auftreten, belegt das nicht, dass Eisessen Sonnenbrand verursacht. Ebenso wenig beweist es die umgekehrte Richtung.
Definition
Historischer Zusammenhang
Damit sind die damaligen Ereignisse und Bedingungen gemeint, die dir helfen, eine Beobachtung einzuordnen und eine Deutung zu begründen.
Merke: Trenne drei Aussagen: Was zeigen die Zahlen? Welches zusätzliche Wissen hilft bei der Erklärung? Was bleibt damit ungeklärt?
Teste dich
Prüfe zuerst die Herkunft: Welche Person oder Einrichtung hat die Daten erhoben oder veröffentlicht? Welche öffentliche oder politische Stellung hat sie? Wo und wann wurden die Angaben veröffentlicht, und an wen richten sie sich? Unterscheide dabei das Datum der Daten vom Entstehungsdatum der Grafik. Ein heute gezeichnetes Diagramm zu den Bundestagswahlen 1969 und 1972 wäre eine heutige Darstellung historischer Zahlen, kein Diagramm aus dem Jahr 1972.
Untersuche dann die Datenbasis, also welche Angaben und Gruppen erfasst wurden. Wahlbeteiligung ist der Anteil der Wähler an den Wahlberechtigten. Auch ungültige Stimmzettel zählen dazu. Nichtwähler gehören zu den Wahlberechtigten, aber nicht zu den Wählern. Die allgemeine Wahlstatistik erfasst festgestellte Wahlergebnisse, keine Antworten auf Fragen nach persönlichen Wahlmotiven. Für den Vergleich von 1969 und 1972 ist zudem wichtig: 1969 lag das Mindestwahlalter bei 21 Jahren. Bei der Bundestagswahl 1972 durften erstmals auch 18- bis 20-Jährige wählen. Unter 18-Jährige gehörten weiterhin nicht dazu. Die Wahlbeteiligung ist daher kein Anteil an sämtlichen Einwohnern.
Der Kreis der Wahlberechtigten wurde erweitert. Eine größere Zahl Wahlberechtigter führt aber nicht von selbst zu einem höheren Anteil an Wählern. Die Gesamtzahlen zeigen die Beteiligung der neu zugelassenen Altersgruppe nicht gesondert. Deshalb belegen sie nicht, dass die Änderung des Wahlalters allein den Anstieg verursachte.
Prüfe schließlich die Skala, also die Zahlenabstände und den Wertebereich an den Achsen, sowie Farben und Beschriftungen. Ein verkürzter Anfang der senkrechten Achse kann kleine Unterschiede größer erscheinen lassen; die Werte bleiben gleich. Für ein neues Säulendiagramm mit den beiden Wahlbeteiligungen eignet sich eine gleichmäßige Skala von 0 bis 100 Prozent. Auch die Auswahl des Zeitraums prägt den Eindruck: Ein starker Kursrückgang an der Börse an einem Tag kann ohne genaue Zeitangabe wie ein Börsencrash, also ein schwerer Einbruch der Kurse, wirken. Im Jahresverlauf kann das tägliche Auf und Ab dagegen als normale Schwankung erkennbar werden. Fasse zum Schluss zusammen, welche Frage die Daten beantworten können und welche nicht.
Merke: Richtige Zahlen garantieren keinen passenden Eindruck. Prüfe Herkunft, erfasste Gruppen, Zeitraum und Gestaltung gemeinsam.
Definition
Bezugsgruppe
Die Bezugsgruppe ist die Gruppe, auf die sich ein Anteil bezieht. Bei der Wahlbeteiligung sind das die Wahlberechtigten.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Diagramm auswerten
Einordnen
Bestimme Diagrammart, Thema, Zeitraum, Raum, Größen und Einheit.
Beschreiben
Nenne Werte und Auffälligkeiten genau, ohne schon Ursachen zu behaupten.
Rechnen
Unterscheide die Differenz in Prozentpunkten von der Zunahme gegenüber dem Ausgangswert.
Deuten
Begründe Erklärungen mit zusätzlichem historischem Wissen und benenne ihre Grenzen.
Prüfen
Untersuche Herkunft, Datenbasis, Bezugsgruppe, Skala und Gestaltung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Unterschied zwischen zwei Wahlbeteiligungen beschreiben
- 1Aufgabe: Vergleiche die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen am 28. September 1969 und am 19. November 1972.
- 2Einordnen: Die Bundeswahlleiterin nennt 86,7 % für 1969 und 91,1 % für 1972. Die Angaben gelten für das frühere Bundesgebiet ohne Berlin-West.
- 3Rechnen: Aus den auf eine Nachkommastelle gerundeten Werten ergibt sich 91,1 − 86,7 = 4,4 Prozentpunkte.
- 4Formulieren: Zwischen den beiden Wahltagen stieg die Wahlbeteiligung von 86,7 % auf 91,1 %, also um 4,4 Prozentpunkte.
- 5Begrenzen: 1969 lag das Mindestwahlalter bei 21 Jahren, 1972 bei 18 Jahren. Die Bezugsgruppe hat sich also verändert. Der Vergleich zweier Wahltage zeigt weder den gesamten Verlauf aller Bundestagswahlen noch die persönlichen Gründe der Wähler.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Börsenkursen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt die Reichweite der Zeiträume. Richtig: Der Verlauf an einem Tag zeigt den Verlauf dieses Tages. Für die Einordnung kann ein Blick auf das ganze Jahr nötig sein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Diagramm mit waagerechten rechteckigen Flächen heißt . Bei der Bundestagswahl 1969 lag das Mindestwahlalter bei Jahren. Steigt in den ausgedachten Übungsdaten die Beteiligung von 70 % auf 75 %, beträgt die Differenz Prozentpunkte.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback