Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Statistiken in Geschichte sicher auswerten
Du lernst, historische Statistiken genau zu lesen, Entwicklungen mit Zahlen zu belegen und mögliche Erklärungen und Grenzen zu prüfen.
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Kurz gesagt
Beim Auswerten einer historischen Statistik klärst du zuerst, was die Zahlen erfassen. Dann beschreibst du Entwicklungen, suchst historische Erklärungen und prüfst, welche Aussagen die Daten erlauben.
Eine Zahl wirkt genau. Trotzdem kann sie leicht falsch verstanden werden: Ein Anteil an den Stimmen ist zum Beispiel kein Anteil an allen Einwohnern. Du lernst, solche Unterschiede zu erkennen und deine Aussagen mit passenden Zahlen zu belegen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Statistik stellt gesammelte Zahlen übersichtlich dar. Beginne mit ihrem Thema: Geht es etwa um Wahlergebnisse oder Arbeitslosigkeit? Kläre dann den Raum und den Zeitraum. Zahlen für einen einzelnen Ort beantworten eine andere Frage als Zahlen für ganz Deutschland.
Bestimme auch die Form: Sind die Werte in einer Tabelle, als Linie oder als Balken dargestellt? Lies bei Diagrammen die Achsenbeschriftungen und die Legende, also die Erklärung der verwendeten Zeichen und Farben. Suche außerdem nach dem Urheber und danach, woher die Daten stammen.
Prüfe besonders die Einheit und die Bezugsgröße. Eine absolute Anzahl zählt beispielsweise Personen. Ein Prozentanteil gibt dagegen an, welchen Teil einer bestimmten Gesamtmenge etwas ausmacht. Diese Angaben darfst du nicht miteinander verwechseln.
Die NSDAP, die Partei der Nationalsozialisten, erhielt bei der Wahl zum Reichstag, dem deutschen Parlament, am 31. Juli 1932 einen Stimmenanteil von 37,3 %. Am 6. November 1932 waren es 33,1 %. Das sind Anteile an den Stimmen, keine Anteile an allen Einwohnern.
Definition
Bezugsgröße
Die Bezugsgröße sagt dir, worauf sich eine Zahl bezieht. Bei einem Stimmenanteil ist das die Gesamtmenge der Stimmen, nicht die Zahl aller Einwohner.
Beispiel: Zwei Wahlergebnisse erfassen
- 1Thema: Stimmenanteile der NSDAP bei zwei Reichstagswahlen in Deutschland.
- 2Zeitpunkte: 31. Juli und 6. November 1932.
- 3Werte: 37,3 % und 33,1 % der Stimmen.
- 4Herkunft: Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung; hier selbst zusammengestellt, kein damaliges Originaldiagramm.
Teste dich
Beschreibe zuerst, was du an den Zahlen beobachten kannst. Suche den höchsten und den niedrigsten Wert im untersuchten Zeitraum. Prüfe, ob die Werte steigen, sinken oder auffällig voneinander abweichen. Nenne dabei Zahl, Einheit und Zeitpunkt. Eine Erklärung für die Entwicklung gehört in einen eigenen Schritt.
Für Deutschland sind folgende Zahlen der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen angegeben, jeweils für Januar: 2,85 Millionen 1929, mehr als 3,2 Millionen 1930, annähernd 4,9 Millionen 1931 und über 6 Millionen 1932. Unter diesen vier Angaben liegt der niedrigste Wert 1929 und der höchste 1932. Die Zahl stieg von einem aufgeführten Januarwert zum nächsten. Die Wörter „mehr als“, „annähernd“ und „über“ gehören zur Genauigkeit der Angaben und dürfen nicht wegfallen.
Bei Prozentwerten beschreibst du den Unterschied in Prozentpunkten. Eine weitere Partei erhielt bei der Reichstagswahl im Juli 1932 einen Stimmenanteil von 21,6 %, im November 1932 von 20,4 %. Der Anteil sank damit um 1,2 Prozentpunkte. Diese Differenz ist keine Anzahl von Personen.
Definition
Prozentpunkte
Prozentpunkte geben den Unterschied zwischen zwei Prozentwerten an. Du berechnest ihn, indem du die Prozentwerte voneinander abziehst.
Merke: Eine genaue Beschreibung nennt Zahl, Einheit und Zeitpunkt. Sie bewahrt auch Zusätze wie „über“ oder „annähernd“.
Teste dich
Eine Beobachtung sagt, was sich verändert hat. Eine Erklärung fragt, warum es geschah. Dafür brauchst du zusätzliches Wissen über die damaligen Bedingungen und Entscheidungen. Dass zwei Entwicklungen gleichzeitig oder nacheinander auftreten, beweist noch keine Ursache.
Bei den Reichstagswahlen sank die Wahlbeteiligung von 84,1 % im Juli 1932 auf 80,6 % im November 1932. Als ein Grund für den Rückgang gilt Wahlmüdigkeit nach den zahlreichen Wahlen zuvor. Ein weiterer Faktor war Unzufriedenheit mit den bisher gewählten Parteien einschließlich der NSDAP.
Trenne die beiden Schritte beim Schreiben: Die Prozentwerte belegen den Rückgang. Wahlmüdigkeit und Unzufriedenheit sind zusätzliche historische Erklärungen. Die Zahlen allein verraten dir nicht, weshalb ein einzelner Mensch anders wählte oder zu Hause blieb.
Merke: Ein zeitlicher Zusammenhang ist noch kein Beweis für eine Ursache. Erkläre mit zusätzlichem historischem Wissen und kennzeichne unsichere Aussagen.
Teste dich
Der Aussagewert einer Statistik hängt davon ab, welche Frage du mit ihr beantworten willst. Prüfe ihre Datenbasis: Wer wurde gezählt, und wer fehlt? Kläre die verwendeten Begriffe. Bei den Arbeitslosenzahlen oben wurden beispielsweise die bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen erfasst. Diese Einschränkung gehört zu jeder Aussage über die Reihe.
Vor einem Vergleich prüfst du, ob Raumgrenzen, erfasste Gruppen, Definitionen und Bezugsgrößen übereinstimmen. Eine veränderte Zählweise kann einen Unterschied erzeugen. Deshalb darfst du einen Unterschied zwischen Zahlen nicht vorschnell als Veränderung des damaligen Lebens erklären.
Achte außerdem auf fehlende Werte. Manchmal werden sie mithilfe eines Modells ergänzt. Ein Modell ist hier ein Verfahren, das fehlende Zahlen anhand bestimmter Annahmen schätzt. Ein solches Modell muss begründet werden. Das Ergänzen fehlender Werte verlangt große Vorsicht.
Ein begründetes Urteil nennt deshalb beides: welche Frage die Zahlen beantworten können und welche offenbleibt. Stimmenanteile zeigen zum Beispiel Wahlergebnisse. Die persönlichen Gründe einzelner Wähler lassen sich daraus nicht ablesen.
Definition
Datenbasis
Die Datenbasis sind die erfassten Angaben, auf denen eine Statistik beruht. Du prüfst, wie sie gewonnen wurden, wen sie einschließen und welche Lücken bestehen.
Merke: Prüfe vor einem Vergleich, ob die Zahlen dasselbe erfassen. Nenne in deinem Urteil auch die Grenzen der Aussage.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Statistiken in Geschichte auswerten
Erfassen
Kläre Thema, Raum, Zeitraum, Form und Bezugsgrößen.
Beschreiben
Belege auffällige Werte und Entwicklungen mit Zahl, Einheit und Zeitpunkt.
Erklären
Nutze zusätzliches historisches Wissen; ein zeitlicher Zusammenhang beweist keine Ursache.
Vergleichen
Prüfe, ob Gruppen, Raumgrenzen und Definitionen übereinstimmen.
Beurteilen
Benenne Möglichkeiten und Grenzen der Daten für deine Frage.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Anstieg der gemeldeten Arbeitslosigkeit beschreiben
- 1Aufgabe: Beschreibe die Veränderung in Deutschland zwischen Januar 1929 und Januar 1932.
- 2Bezugsgruppe klären: Erfasst wurden die bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen.
- 3Werte auswählen: Im Januar 1929 waren es 2,85 Millionen, im Januar 1932 über 6 Millionen.
- 4Beschreibung formulieren: Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen stieg zwischen diesen beiden Zeitpunkten stark an.
- 5Grenze nennen: Die beiden Werte belegen den Anstieg, erklären für sich genommen aber nicht seine Ursachen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Ergänzen fehlender Werte In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage streicht die notwendige Begründung. Richtig: Ein Modell zum Ergänzen fehlender Werte muss begründet werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei der Reichstagswahl im November 1932 bei . Im Januar 1932 waren in Deutschland Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gemeldet.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback