Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Deutsches Kaiserreich: Geschichte 1871–1918
Du lernst, wie das Kaiserreich entstand, wer Macht hatte, wie sich die Gesellschaft veränderte und warum die Monarchie 1918 endete.
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Kurz gesagt
Das Deutsche Kaiserreich bestand von 1871 bis 1918. Es war ein Bundesstaat mit einem Kaiser und einer Verfassung. Der gewählte Reichstag entschied über Gesetze mit, konnte den Reichskanzler aber bis Oktober 1918 weder wählen noch stürzen.
Kann ein Land moderne Fabriken und ein gewähltes Parlament haben, ohne eine Demokratie zu sein? Im Kaiserreich wuchsen Wirtschaft und politische Beteiligung, während Kaiser und Regierung viel Macht behielten. Du untersuchst diese Spannungen und das Ende der Monarchie.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Die Gründung eines deutschen Nationalstaats war lange umstritten. Gemeint war ein gemeinsamer Staat für die deutsche Nation. Sollte Österreich dazugehören oder sollte Preußen, einer der deutschen Staaten, die Führung übernehmen? Die Frankfurter Nationalversammlung war ein gesamtdeutsches gewähltes Parlament. Ihr Einigungsversuch scheiterte: Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene Kaiserkrone ab.
Später setzte sich die Einigung unter preußischer Führung durch. Nach seiner Niederlage gegen Preußen 1866 musste Österreich die Auflösung des Deutschen Bundes hinnehmen. Preußen gründete mit Staaten nördlich des Mains den Norddeutschen Bund. Dieser erhielt 1867 eine Verfassung. Damit war ein wichtiger Schritt zur kleindeutschen Lösung getan: ein deutscher Nationalstaat ohne Österreich unter preußischer Führung.
Otto von Bismarck, der preußische Regierungschef, trieb die Einigung voran. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 verhandelte er mit den süddeutschen Staaten über ihren Beitritt. Nationale Begeisterung erleichterte diese Verhandlungen. Mit der neuen Bundesverfassung entstand am 1. Januar 1871 das Kaiserreich. Am 18. Januar wurde der preußische König Wilhelm I. in Versailles zum Kaiser ausgerufen. Das war ein anderer Schritt als das Inkrafttreten der Verfassung.
Das Reich entstand also während eines Krieges durch Verhandlungen zwischen Regierungen. Preußen behielt die führende Stellung. Der Historiker Bracher bezeichnet diese Durchsetzung des Nationalstaats als „Revolution von oben“: Die Einigung wurde von der politischen Führung durchgesetzt.
Definition
Bundesstaat
Ein Bundesstaat besteht aus einzelnen Staaten. Im Kaiserreich behielten diese eigene Aufgaben und wirkten an Entscheidungen für das ganze Reich mit.
Merke: Die kleindeutsche Lösung bedeutete einen deutschen Nationalstaat ohne Österreich unter preußischer Führung.
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Das Kaiserreich war eine konstitutionelle Monarchie: Ein Kaiser stand an der Spitze, aber eine Verfassung regelte die Macht. Der Kaiser konnte daher nicht allein jedes Gesetz beschließen. Die folgenden Regeln galten vor den Änderungen im Oktober 1918.
Der Kaiser ernannte und entließ den Reichskanzler. Gemeinsam bestimmten sie die Außenpolitik. Der Kaiser hatte außerdem den Oberbefehl über Kriegsmarine und Heer, über das bayerische Heer jedoch nur in Kriegszeiten. Der Reichskanzler leitete die Reichsverwaltung und führte den Vorsitz im Bundesrat. Er war dem Kaiser verantwortlich. Der Reichstag konnte ihn weder wählen noch stürzen.
Im Bundesrat wirkten die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten an der Reichspolitik mit. Er hatte Aufgaben bei der Gesetzgebung und bei der Ausführung von Entscheidungen. Preußen besaß großen Einfluss, weil sich die nord- und mitteldeutschen Kleinstaaten fast immer seiner Stimme anschlossen.
Der Reichstag war das gewählte Parlament. Reichstag und Bundesrat mussten Gesetzen gleichberechtigt zustimmen. Der Reichstag beschloss auch den Haushalt, also den Plan für staatliche Einnahmen und Ausgaben. Seine Entscheidungsmöglichkeiten über Militärausgaben waren allerdings begrenzt. Er hatte somit wichtige Rechte, kontrollierte aber nicht die Besetzung des Kanzleramts.
| Einrichtung | Wichtige Macht |
|---|---|
| Kaiser | Ernannte und entließ den Reichskanzler. |
| Reichskanzler | Leitete die Reichsverwaltung und war dem Kaiser verantwortlich. |
| Bundesrat | Wirkte für die Bundesstaaten mit; stimmte Gesetzen gleichberechtigt mit dem Reichstag zu. |
| Reichstag | Beschloss Gesetze und Haushalt mit; konnte den Kanzler vor Oktober 1918 nicht stürzen. |
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Deutschland entwickelte sich von einem landwirtschaftlich geprägten Land zu einem Industriestaat. Neben Eisenbahnbau und Schwerindustrie, etwa Bergbau und Stahlherstellung, gewannen später Chemie und Elektrotechnik an Bedeutung. Viele Menschen zogen in Städte. Die Arbeiterschaft wuchs; auch die Zahl der Angestellten und Beamten nahm zu. Solche Veränderungen von Wirtschaft und Lebensweise gehören zur gesellschaftlichen Modernisierung.
Politik erreichte breitere Bevölkerungsschichten. Zeitungen verbreiteten Nachrichten, und mehr Wahlberechtigte beteiligten sich an Reichstagswahlen. Das allgemeine und gleiche Reichstagswahlrecht galt für Männer ab 25 Jahren. Frauen waren davon ausgeschlossen. Trotzdem beteiligten sich Frauen politisch: Die Frauenbewegung forderte Reformen und vielfach auch das Frauenwahlrecht. Politisches Engagement und Wahlrecht waren also nicht dasselbe.
Auch bürgerliche Rechte schützten nicht vor jeder Ausgrenzung. Antisemiten wollten Juden ihre bürgerliche Gleichberechtigung wieder nehmen. Eine entsprechende Forderung von 1880/81 wiesen die preußische Regierung und liberale Parteien im Reichstag zurück. Deutsche Juden handelten selbst gegen die Anfeindungen: Der 1893 gegründete Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bekämpfte Antisemitismus, also Feindschaft gegen Juden.
Polen in Preußen standen unter staatlichem Druck, ihre Sprache und kulturelle Eigenständigkeit aufzugeben. Polnische Banken halfen Bürgern in Geldnot, Landverkäufe an die staatliche Ansiedlungskommission zu vermeiden. Diese Einrichtung sollte deutsche Ansiedlung fördern. Polnische Schulen und geheimer Unterricht wirkten gegen die Verdrängung der Sprache. Gesellschaftlicher Fortschritt bedeutete somit nicht gleiche politische Rechte oder ein Ende der Ausgrenzung.
Beispiel: Wirtschaftlichen Wandel erkennen
- 1Zu Beginn des Kaiserreichs waren Eisenbahnbau und Schwerindustrie besonders wichtig.
- 2Später kamen Chemie und Elektroindustrie als führende Bereiche hinzu.
- 3Das zeigt eine Veränderung der Wirtschaft. Über das Wahlrecht sagt diese Veränderung allein nichts aus.
Merke: Unterscheide wirtschaftliche Veränderungen, politische Beteiligung und rechtliche Gleichstellung. Sie entwickelten sich nicht gleich.
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Bismarck war von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler. Er wollte den Einfluss der Sozialdemokratie schwächen, einer politischen Bewegung, die Interessen der Arbeiter vertrat. Dafür nutzte er sowohl Verfolgung als auch soziale Absicherung. Zum Beurteilen trennst du sein Ziel, die eingesetzten Mittel und die tatsächliche Wirkung.
Das Sozialistengesetz von 1878 sollte die Sozialdemokratie bekämpfen. Bismarck nutzte zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. für seine Politik. Die Behauptung, die Täter seien Sozialdemokraten gewesen, war unbewiesen. Das Gesetz erlaubte Verbote von Vereinen, Versammlungen, Druckschriften und Geldsammlungen. Es war befristet und musste vom Parlament erneut bestätigt werden. Die Arbeit der Parlamentsfraktionen, also der Zusammenschlüsse von Abgeordneten einer Partei, und die Wahlteilnahme von Einzelpersonen blieben unberührt. Die Sozialdemokratie blieb als politische Kraft bestehen: Das Gesetz erreichte sein Ziel auf längere Sicht nicht.
Mit Sozialversicherungen wollte Bismarck Arbeiter an den Staat binden und von der Sozialdemokratie fernhalten. Eingeführt wurden die Krankenversicherung 1883, die Unfallversicherung 1884 sowie die Invaliditäts- und Altersversicherung 1889. Letztere sollte bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit und im Alter absichern. Parteien, Beamte und Interessenverbände veränderten die ursprünglichen Pläne während der Beratungen erheblich.
Die Versicherungen wurden nicht hauptsächlich durch Steuern finanziert, sondern durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern beziehungsweise Unternehmern. Ihr Aufbau war ein Ergebnis der Politik; die erhoffte Abkehr der Arbeiter von der Sozialdemokratie blieb jedoch aus. Eine Maßnahme kann also neue Einrichtungen schaffen und zugleich ihr politisches Ziel verfehlen.
Definition
Ziel, Mittel und Wirkung
Das Ziel ist das gewünschte Ergebnis. Mittel sind die dafür eingesetzten Maßnahmen. Die Wirkung ist das, was tatsächlich geschieht.
Merke: Beurteile eine Maßnahme an einem klaren Maßstab: Hat sie ihr Ziel erreicht? Welche Folgen hatte sie für die Betroffenen?
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Der Erste Weltkrieg belastete die Bevölkerung schwer. Fehlende Nahrungsmittelimporte und fehlende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft verschlechterten die Versorgung. Lebensmittel wurden knapp und teuer. Im Hungerwinter 1916/17 wurde die zuvor als Viehfutter genutzte Steckrübe zur wichtigsten Kochzutat.
Im September 1918 verlangte die Oberste Heeresleitung, die höchste militärische Führung, ein sofortiges Friedensangebot und eine vom Parlament getragene Regierung. Sie hatte die Niederlage erkannt. Zugleich wollte sie die Verantwortung dafür von Kaiser und alten Führungsschichten auf Politiker und Parlamentarier verschieben.
Am 3. Oktober ernannte Kaiser Wilhelm II. Max von Baden zum Reichskanzler. Die Reformen vom 28. Oktober machten Kanzler und Regierung vom Vertrauen des Parlaments abhängig. Damit änderte sich die Machtverteilung, aber die Monarchie bestand zunächst weiter.
Das Eingeständnis der Niederlage löste Hunger- und Friedensrebellionen aus. Der Befehl zum Auslaufen der Hochseeflotte Ende Oktober führte zur Befehlsverweigerung von Matrosen. Verhaftungen lösten Unterstützung für sie und landesweite Aufstände aus. Am 3. November begann mit dem Kieler Matrosenaufstand die Novemberrevolution.
Am 9. November gab Max von Baden eigenmächtig den Thronverzicht des Kaisers bekannt und übergab das Kanzleramt an den Politiker Friedrich Ebert. Der Politiker Philipp Scheidemann rief die Republik aus. Kurz darauf verkündete Karl Liebknecht eine sozialistische Republik, in der Arbeiter- und Soldatenräte die Macht beanspruchten. Das waren Zusammenschlüsse von Vertretern der Arbeiter und Soldaten. Über die neue Ordnung gab es also unterschiedliche Vorstellungen. Wilhelm II. ging am 10. November ins niederländische Exil, lebte also außerhalb seines Landes. Der Waffenstillstand folgte am 11. November. Militärische Niederlage, Versorgungsnot und Revolution hatten die Monarchie beendet.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 28. Oktober 1918 | Kanzler und Regierung wurden vom Vertrauen des Parlaments abhängig. |
| 3. November 1918 | Der Kieler Matrosenaufstand begann. |
| 9. November 1918 | Max von Baden gab eigenmächtig den Thronverzicht des Kaisers bekannt. |
| 11. November 1918 | Der Waffenstillstand wurde unterzeichnet. |
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Alles auf einen Blick
Deutsches Kaiserreich
Gründung
Das Kaiserreich entstand während des Deutsch-Französischen Krieges unter preußischer Führung und ohne Österreich.
Machtverteilung
Der Reichstag beschloss Gesetze mit, konnte den Kanzler vor Oktober 1918 aber weder wählen noch stürzen.
Gesellschaft
Industrieller Wandel und wachsende politische Beteiligung bestanden neben Ausgrenzung.
Arbeiterpolitik
Verbote und Sozialversicherungen sollten die Sozialdemokratie schwächen; dieses Ziel wurde nicht erreicht.
Ende
Niederlage, Versorgungsnot und Revolution beendeten 1918 die Monarchie.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Das Sozialistengesetz nach seinem Ziel beurteilen
- 1Aufgabe: Beurteile, ob das Sozialistengesetz die Sozialdemokratie auf längere Sicht erfolgreich bekämpfte.
- 2Ziel bestimmen: Bismarck wollte den Einfluss der Sozialdemokratie schwächen.
- 3Mittel nennen: Das Gesetz erlaubte unter anderem Verbote von Vereinen, Versammlungen und Druckschriften.
- 4Wirkung prüfen: Die Sozialdemokratie blieb als politische Kraft bestehen. Ihre Arbeit im Parlament und die Wahlteilnahme von Einzelpersonen blieben unberührt.
- 5Urteil formulieren: Gemessen am langfristigen Ziel war das Gesetz erfolglos. Das bedeutet nicht, dass die Verfolgung für die Betroffenen folgenlos blieb.
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Prüfe die Aussagen zur politischen Beteiligung von Frauen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt politisches Engagement mit Wahlberechtigung. Richtig: Das Reichstagswahlrecht galt nicht für Frauen.
Lückentext
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Die neue Bundesverfassung trat am in Kraft. Das allgemeine und gleiche Reichstagswahlrecht galt für Männer ab Jahren. Die Invaliditäts- und Altersversicherung wurde eingeführt.
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