Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Gedenkstätten verstehen und kritisch untersuchen
Du lernst, welche Aufgaben Gedenkstätten haben, wie sich Neuengamme und Ravensbrück entwickelten und wie du ihre Geschichte vergleichst.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine Gedenkstätte erinnert an Menschen, bewahrt historische Zeugnisse und erforscht Geschichte. Sie vermittelt Wissen, etwa durch Ausstellungen und Bildungsangebote. Ein Mahnmal allein erfüllt noch nicht alle diese Aufgaben.
Ein altes Gebäude erklärt seine Geschichte nicht von selbst. In Neuengamme und Ravensbrück verbinden Gedenkstätten die Erinnerung an Menschen mit Forschung und Lernen. Du untersuchst, wie diese Gedenkstätten entstanden sind und welche Fragen du an ihre heutige Gestaltung stellen kannst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Gedenkstätte erinnert an Menschen und beschäftigt sich mit der Geschichte eines Ortes. Sie bewahrt historische Zeugnisse: Dazu gehören etwa Gebäude, Erinnerungsstücke und Dokumente. Diese Zeugnisse werden erforscht und Besuchern erklärt.
Ein Mahnmal ist ein Zeichen der Erinnerung. Es ist für sich genommen noch kein Archiv, also keine Einrichtung zum Sammeln und Bewahren von Dokumenten. Ebenso wenig bietet ein Mahnmal allein schon Forschung oder Bildungsarbeit. Eine Gedenkstätte verbindet solche Aufgaben miteinander.
Die Gedenkstätte Ravensbrück erhält historische Gebäude, forscht und bietet Bildungsarbeit an. 2013 eröffnete ihre Hauptausstellung in der sanierten ehemaligen Kommandantur. Das war das Gebäude der Lagerleitung. Die Gebäude sind selbst Zeugnisse der Vergangenheit. Ihre Bedeutung muss heute erklärt werden.
Definition
Gedenkstätte
Ein Ort, der Erinnerung an Menschen mit dem Bewahren, Erforschen und Erklären historischer Zeugnisse verbindet.
Beispiel: Gebäude und Ausstellung in Ravensbrück
- 1Die ehemalige Kommandantur ist ein erhaltenes Gebäude der Lagerleitung.
- 22013 eröffnete dort die Hauptausstellung.
- 3Das historische Gebäude und die heutige Erklärung seiner Geschichte erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
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Die Gedenkstätten entstanden schrittweise. In Neuengamme erschwerten Nutzungen nach dem Krieg die Erinnerung: Dort bestanden ein Internierungslager, also ein Lager zur Haft, und Gefängnisse. 1953 entstand ein erstes Mahnmal. 1965 folgte das Internationale Mahnmal auf Initiative des internationalen Überlebendenverbandes. Überlebende hatten sich also zusammengeschlossen und setzten sich für das Gedenken ein.
1981 kam das Dokumentenhaus hinzu. Nach Protesten wurden 1984 historische Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Sie sollten damit als historische Bauten geschützt werden. Die Entwicklung verlief gegen Widerstände. Am 30. Juni 2003 wurde das Gefängnis mit der Bezeichnung XII geschlossen und übergeben. Im Mai 2005 eröffnete die neu gestaltete Gedenkstätte. Am 18. Oktober 2006 begann der Abriss des zweiten Gefängnisses. Das Datum bezeichnet den Beginn, nicht den Abschluss dieses Abrisses.
In Ravensbrück eröffnete am 12. September 1959 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte. Ravensbrück gehörte damals zur Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, dem damaligen ostdeutschen Staat. Ehemalige Häftlinge aus mehreren Ländern steuerten Erinnerungsstücke und Dokumente bei. Große Teile des Geländes wurden jedoch bis Anfang 1994 militärisch genutzt: zunächst durch sowjetische Truppen, also Truppen der Sowjetunion, später durch Streitkräfte der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, kurz GUS. Für die ehemalige Kommandantur endete die sowjetische militärische Nutzung bereits 1977. Die Eröffnung der Gedenkstätte bedeutete daher nicht, dass die militärische Nutzung des gesamten Geländes beendet war.
1993 wurde die Gedenkstätte Ravensbrück Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. 1995 wurde der frühere Lagereingangsbereich zugänglich. An beiden Orten gehörten somit mehrere Schritte zur Entwicklung: der Einsatz von Überlebenden, der Schutz von Zeugnissen und Veränderungen der Nutzung.
Merke: Neuengamme und Ravensbrück entwickelten sich in mehreren Schritten zu Gedenkstätten. Dabei musst du Gedenken, Zugang und andere Nutzungen des Geländes getrennt betrachten.
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Beginne mit der früheren Funktion, der verantwortlichen Institution und dem Zeitraum. Für die beiden Konzentrationslager war die SS verantwortlich. Das war die Organisation, die diese Lager errichtete und betrieb. Konzentrationslager, kurz KZ, waren Haftlager. In Neuengamme zwang die SS Gefangene unter mörderischen Bedingungen zur Arbeit.
Neuengamme entstand Ende 1938 als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Ein Außenlager war einem anderen Lager untergeordnet. 1940 wurde Neuengamme eigenständig; es bestand bis 1945. In Ravensbrück errichtete die SS ab 1939 das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Gebiet. Seine Lagergeschichte umfasst die Jahre 1939–1945. Diese Unterschiede gehören in einen Vergleich.
Untersuche danach die Nutzungen nach dem Krieg und die Entstehung der Gedenkstätten. In Neuengamme erschwerten ein Internierungslager und Gefängnisse die Erinnerung. In Ravensbrück bestand die Gedenkstätte neben der militärischen Nutzung großer Teile des Geländes durch sowjetische beziehungsweise GUS-Streitkräfte. Diese Nutzung dauerte dort bis Anfang 1994. Prüfe anschließend, welche historischen Gebäude, Erinnerungen, Ausstellungen und Bildungsangebote zugänglich sind.
Nutze für beide Orte dieselben Kriterien, also dieselben Gesichtspunkte. Gemeinsame heutige Aufgaben machen ihre Geschichte nicht gleich. Aus einem Eröffnungsjahr allein kannst du weder die gesamte Entwicklung erklären noch ableiten, wie gut eine Gedenkstätte Geschichte vermittelt.
| Kriterium | Neuengamme | Ravensbrück |
|---|---|---|
| Frühere Funktion | Ende 1938 Außenlager; ab 1940 eigenständiges KZ, bis 1945 | Ab 1939 größtes Frauen-KZ auf deutschem Gebiet; Lagerphase bis 1945 |
| Verantwortliche Institution | SS | SS |
| Spätere Nutzung | Internierungslager und Gefängnisse | Große Geländeteile bis Anfang 1994 militärisch genutzt: sowjetische beziehungsweise GUS-Streitkräfte |
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Ein historischer Befund ist eine Aussage über die Vergangenheit, die durch Zeugnisse gestützt wird. Dazu gehört die Eröffnung der Gedenkstätte Ravensbrück 1959. Unterscheide dabei die Lagerzeit, spätere Nutzungen und die Entwicklung der Gedenkstätte. Sie sind verschiedene Abschnitte der Geschichte eines Ortes und können sich teilweise überschneiden.
Heutige Vermittlung bedeutet: Eine Gedenkstätte wählt zum Beispiel Gegenstände für eine Ausstellung aus und erklärt ihre Bedeutung. Eine solche Ausstellung deutet überlieferte Zeugnisse. Sie ist nicht das frühere Lager selbst. Auch erhaltene Gebäude brauchen eine Erklärung ihrer früheren Funktion und späteren Nutzung.
Eine offene Frage verlangt weitere Untersuchung. Du kannst etwa fragen, welche Lebensgeschichten in einer Ausstellung noch fehlen. Die Frage allein beweist aber weder, dass eine bestimmte Geschichte fehlt, noch warum sie fehlen könnte. Dafür müsstest du die Ausstellung und weitere Zeugnisse genauer untersuchen.
Auch bei Bildern musst du die Art der Vermittlung erkennen: Das Einstiegsbild dieser Erklärung ist eine allgemeine Illustration. Es ist weder ein historisches Foto noch ein überprüfter Plan von Neuengamme oder Ravensbrück.
Merke: Trenne drei Ebenen: Was ist über die Vergangenheit belegt? Wie wird es heute erklärt? Was müsste noch untersucht werden?
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Alles auf einen Blick
Gedenkstätte
Aufgaben
Gedenkstätten verbinden Erinnerung, Bewahrung, Forschung und Lernen.
Entwicklung
Überlebende, politische Entscheidungen und der Umgang mit historischen Gebäuden prägten die beiden Gedenkstätten.
Unterschiede
Neuengamme und Ravensbrück haben gemeinsame heutige Aufgaben, aber unterschiedliche Lagergeschichten und spätere Nutzungen.
Vergleich
Untersuche beide Orte nach denselben Kriterien und leite die Qualität ihrer Angebote nicht aus einem Eröffnungsjahr ab.
Unterscheidung
Belegte Ereignisse, heutige Vermittlung und offene Fragen sind verschiedene Ebenen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Schutz historischer Gebäude in Neuengamme einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, welchen Schritt der Denkmalschutz von 1984 für die Entwicklung der Gedenkstätte bedeutete.
- 2Befund nennen: Nach Protesten wurden 1984 historische Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
- 3Aufgabe zuordnen: Der Schutz der Gebäude gehört zum Bewahren historischer Zeugnisse.
- 4Grenze benennen: Der Schutz allein erklärt Besuchern die Geschichte noch nicht. Dazu gehören auch Forschung und Bildungsarbeit.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Entwicklung in Ravensbrück In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt das Ende der militärischen Nutzung großer Geländeteile in das Eröffnungsjahr der Gedenkstätte. Richtig: Große Teile des Geländes wurden bis Anfang 1994 durch sowjetische beziehungsweise GUS-Streitkräfte militärisch genutzt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Dokumentenhaus in Neuengamme kam hinzu. Ravensbrück wurde Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Der Abriss des zweiten Gefängnisses in Neuengamme begann am 18. Oktober .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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