Geschichte · Klasse 11–13 · aktualisiert
Nürnberger Prozesse: Ablauf, Urteile, Bedeutung
Du untersuchst die Nürnberger Prozesse: ihre Anklagepunkte, Beweise, Urteile und Bedeutung für persönliche Verantwortung und internationales Strafrecht.
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Kurz gesagt
Die Nürnberger Prozesse dienten der gerichtlichen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen. Zum internationalen Hauptprozess von 1945–1946 kamen zwölf Nachfolgeprozesse vor amerikanischen Militärgerichten. Im Mittelpunkt stand die Verantwortung einzelner Personen.
Wie lässt sich nachweisen, dass eine bestimmte Person für staatliche Verbrechen verantwortlich war? In Nürnberg musste das Gericht Anklagen, Beweise und Verteidigungsbehauptungen auseinanderhalten. Du untersuchst außerdem, welche Kritik am Verfahren geübt wurde und welche Bedeutung die Prozesse für das internationale Strafrecht hatten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Nürnberger Prozesse waren mehrere Gerichtsverfahren. Den Gerichtshof für den internationalen Hauptprozess richteten die Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion gemeinsam ein. Grundlage war das Londoner Abkommen vom 8. August 1945. Die Sowjetunion war einer der vier beteiligten Staaten.
Die Verhandlung im Hauptprozess dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946. Davon unterscheidest du zwölf Nachfolgeprozesse: Sie fanden von Dezember 1946 bis April 1949 statt. Für diese Verfahren waren ausschließlich amerikanische Militärgerichte zuständig. Hauptprozess und Nachfolgeprozesse unterschieden sich somit sowohl im Zeitraum als auch in der Zusammensetzung der Gerichte.
| Verfahren | Zeitraum | Gericht |
|---|---|---|
| Hauptprozess | 20. November 1945–1. Oktober 1946 | Gemeinsamer Gerichtshof der vier beteiligten Staaten |
| Zwölf Nachfolgeprozesse | Dezember 1946–April 1949 | Ausschließlich amerikanische Militärgerichte |
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Im Hauptprozess gab es vier Anklagepunkte: gemeinsamer Plan beziehungsweise Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Statut, also die rechtliche Grundlage des Gerichtshofs, enthielt in Artikel 6 dagegen drei Verbrechenskategorien. Anklagepunkte und Kategorien des Statuts waren deshalb nicht deckungsgleich.
Der Anklagepunkt gemeinsamer Plan beziehungsweise Verschwörung bezog sich nach der Begrenzung durch das Gericht auf den Angriffskrieg. Es ging um die Beteiligung an einem entsprechenden gemeinsamen Plan. Verbrechen gegen den Frieden umfassten die Planung, Vorbereitung und Führung eines Angriffskriegs. Artikel 6 a erfasste auch die Beteiligung an einem solchen gemeinsamen Plan.
Kriegsverbrechen waren Verstöße gegen die Regeln des Krieges. Dazu gehörten etwa die Misshandlung von Kriegsgefangenen und die Deportation der Zivilbevölkerung aus besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit. Deportation bedeutet hier die gewaltsame Verschleppung von Menschen; Zwangsarbeit ist Arbeit, zu der Menschen gezwungen werden.
Verbrechen gegen die Menschlichkeit umfassten unter anderem Mord, Deportation und Verfolgung der Zivilbevölkerung. Die damalige Fassung des Artikels 6 c verknüpfte die Verfolgung mit Verbrechen, für die der Gerichtshof zuständig war. Diese historischen Regeln darfst du nicht ungeprüft mit heutigem internationalem Strafrecht gleichsetzen.
Definition
Anklagepunkt
Ein Anklagepunkt benennt einen rechtlichen Vorwurf, über den das Gericht entscheiden soll. Er ist noch kein Nachweis von Schuld.
Beispiel: Eine Handlung rechtlich zuordnen
- 1Die Zivilbevölkerung wird aus einem besetzten Gebiet zur Zwangsarbeit verschleppt.
- 2Artikel 6 b erfasste diese Handlung als Kriegsverbrechen.
- 3Für die Zuordnung sind die Angaben zum besetzten Gebiet und zur Zwangsarbeit wichtig.
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Die Anklage verwendete Akten deutscher Verwaltungen und Organisationen, Zeugenaussagen und Filme. Die Angeklagten hatten Verteidiger und konnten Zeugen benennen, deren Aussagen sie entlasten sollten. Belastende und entlastende Aussagen mussten voneinander unterschieden werden.
Wenn du diese Beweisarbeit untersuchst, trennst du mehrere Fragen: Woher stammt ein Beweis? Was sagt er tatsächlich aus? Welche Verbindung stellt er zwischen einer bestimmten Person und einer Tat her? Ein hohes Amt allein ersetzte keinen Nachweis der Tatbeteiligung.
Das zeigt der Fall des Angeklagten Kaltenbrunner. Er behauptete, lediglich Verwaltungsaufgaben erfüllt zu haben. Das Bundesarchiv erläutert, dass Zeugenaussagen seine Behauptung widerlegten. Für die Untersuchung sind seine Verteidigungsbehauptung und die gegen ihn gerichteten Aussagen getrennt zu betrachten.
Zugleich bot ein Amt keinen rechtlichen Schutz vor Strafe: Artikel 7 des Statuts schloss die amtliche Stellung als Grund für Strafbefreiung oder Strafmilderung aus. Artikel 8 regelte den höheren Befehl anders. Ein Befehl eines Vorgesetzten schloss eine Strafe nicht aus; bei gerechtfertigter Lage konnte das Gericht ihn aber strafmildernd berücksichtigen. Persönliche Verantwortung bedeutete keine Kollektivschuld einer Bevölkerung.
Merke: Ein Amt beweist für sich genommen keine Tatbeteiligung. Es schützt einen Verantwortlichen aber auch nicht vor Strafe. Das sind zwei verschiedene Fragen.
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Von ursprünglich 24 Angeklagten wurden 22 beurteilt. Gegen diese 22 ergingen zwölf Todesurteile, sieben Haftstrafen und drei Freisprüche. Der Angeklagte Bormann wurde in Abwesenheit verurteilt. Du musst deshalb zwischen der Zahl der Angeklagten, ihrer Anwesenheit und den Urteilen unterscheiden. Auch ein Todesurteil und seine Vollstreckung, also die tatsächliche Ausführung der Strafe, sind nicht dasselbe.
Zeitgenössische Kritiker beanstandeten, dass die Siegermächte das Gericht besetzten und alliierte Verbrechen nicht verhandelt wurden. Als Alliierte werden hier die am Gerichtshof beteiligten Siegermächte bezeichnet. Ein weiterer Einwand betraf das Rückwirkungsverbot: Menschen sollen nicht nachträglich aufgrund einer erst später geschaffenen Strafregel bestraft werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung hält dagegen fest, dass bereits Kriegsrecht bestand und der Angriffskrieg international geächtet war.
Für ein begründetes Urteil musst du diese Einwände und Gegenargumente unterscheiden. Kritik an der Besetzung und Zuständigkeit des Gerichts widerlegt nicht die dokumentierten nationalsozialistischen Verbrechen. Der Prozess stellte zudem umfangreiche Beweise bereit, die für die historische Forschung wichtig wurden.
Nürnberg war ein wichtiger Entwicklungsschritt des Völkerstrafrechts. Dieses Recht betrifft die persönliche strafrechtliche Verantwortung für internationale Verbrechen. Die 1950 formulierten Nürnberger Prinzipien betonten die persönliche Verantwortung auch von Staatsoberhäuptern und das Recht auf ein ordentliches Verfahren. Beim Handeln auf höheren Befehl war ausdrücklich wichtig, ob anderes Handeln möglich gewesen war. Diese spätere Formulierung ist nicht wortgleich mit Artikel 8 des Statuts von 1945. Auch sind die damaligen Gerichte nicht mit heutigen Gerichtshöfen gleichzusetzen.
Merke: Ein begründetes Urteil berücksichtigt die Kritik am Verfahren, die Gegenargumente und die Bedeutung der Beweise. Verfahrenskritik widerlegt keine dokumentierten Verbrechen.
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Alles auf einen Blick
Nürnberger Prozesse
Verfahren
Auf den internationalen Hauptprozess folgten zwölf Prozesse vor ausschließlich amerikanischen Militärgerichten.
Anklage
Vier Anklagepunkte sind von drei Verbrechenskategorien des Statuts zu unterscheiden.
Beweise
Akten, Zeugenaussagen und Filme mussten auf die Verantwortung bestimmter Personen bezogen werden.
Verantwortung
Ein Amt ersetzte keinen Tatnachweis und schützte nicht vor Strafe.
Urteile
Gegen 22 Angeklagte ergingen zwölf Todesurteile, sieben Haftstrafen und drei Freisprüche.
Bedeutung
Verfahrenskritik und der Beitrag zum Völkerstrafrecht müssen begründet eingeordnet werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Kaltenbrunners Verteidigungsbehauptung prüfen
- 1Aufgabe: Untersuche, wie im Fall des Angeklagten Kaltenbrunner eine Verteidigungsbehauptung und Gegenbeweise unterschieden werden können.
- 2Behauptung bestimmen: Kaltenbrunner erklärte, lediglich Verwaltungsaufgaben erfüllt zu haben.
- 3Gegenbeweise benennen: Das Bundesarchiv erläutert, dass Zeugenaussagen seine Behauptung widerlegten.
- 4Aussagegrenze beachten: Für eine eigene Prüfung der einzelnen Aussagen müsste man deren genauen Inhalt untersuchen.
- 5Ergebnis formulieren: Die Verteidigungsbehauptung steht personenbezogenen Gegenbeweisen gegenüber. Das Amt allein ersetzt keinen Nachweis der Tatbeteiligung.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Bormann und den Urteilen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Anwesenheit und Abwesenheit. Richtig: Bormann wurde in Abwesenheit verurteilt.
Lückentext
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Die Verhandlung im internationalen Hauptprozess begann am 20. November . Die Deportation der Zivilbevölkerung aus besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit erfasste Artikel . Die Urteile gegen 22 Angeklagte umfassten Freisprüche.
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