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Zuflucht (Buddhismus)

Durch die Zufluchtnahme zu den drei Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha) erklärt man sich nach außen zum Buddhisten. Zufluchtnahme bedeutet, diese Drei Juwelen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Zuflucht
  2. 2. Voraussetzung und Verantwortung
  3. 3. Vorsätze und Fünf Silas
  4. 4. Zufluchtsformeln
  5. 5. Grade der Zuflucht
  6. 6. Guru und Literatur

Grundidee der Zuflucht

Zuflucht, auf Sanskrit triśaraṇa oder Trisharana und auf Pali tisaraṇa, bedeutet im Buddhismus „dreifache Zuflucht“. Gemeint ist die Zuflucht zu den Drei Juwelen: Buddha, Dharma und Sangha. Durch diese Zufluchtnahme erklärt man sich nach außen zum Buddhisten. Inhaltlich heißt sie, Buddha, seine Lehre und die buddhistische Gemeinschaft zu den wichtigsten Orientierungspunkten der eigenen Glaubens- und Lebenspraxis zu machen.

Die drei Bestandteile haben unterschiedliche Funktionen: Der Buddha gilt als Lehrer, der Dharma als Richtschnur, also als Lehre und Wegweisung, und die „erwachte“ Sangha als Vorbild. Die Zufluchtnahme kann in einer Zeremonie innerhalb einer buddhistischen Gemeinschaft stattfinden. Häufig ist sie mit einer Verpflichtung auf die Fünf Silas verbunden, also sittliche Übungsregeln.

Nach der Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha soll man keine weitere Zuflucht zu unerleuchteten Wesen wie Gott oder Göttern nehmen. Der Grund dafür ist laut Artikel, dass solche Wesen letztlich nicht helfen können, Samsara zu überwinden und Nirvana zu erlangen. Samsara bezeichnet den Kreislauf leidvoller Existenz, Nirvana die Befreiung davon. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass viele Angaben zu Definitionen, Regeln und Zitaten nicht ausreichend belegt sind.

Voraussetzung und Verantwortung

Die Zuflucht setzt eine bestimmte Einsicht voraus: Jedes Lebewesen besitzt nach buddhistischem Verständnis das Potential und die Möglichkeit, sich vollständig vom Leid zu befreien. Außerdem gibt es Wesen, die diese Befreiung erreicht haben und andere auf dem Weg dorthin unterstützen können.

Trotz dieser Unterstützung bleibt der Weg eine persönliche Aufgabe. Niemand kann einem die eigene Entwicklung vollständig abnehmen. Deshalb betont der Artikel die eigene Verantwortung: Jeder trägt die volle Verantwortung für den eigenen Weg. Zuflucht ist also nicht nur ein Bekenntnis, sondern auch die Anerkennung, dass man selbst üben und den buddhistischen Pfad gehen muss.

Vorsätze und Fünf Silas

Wer Zuflucht nimmt, legt sich auf den buddhistischen Pfad fest. Dazu gehört, Vorsätze oder Gelöbnisse einzuhalten. Besonders wichtig ist der Vorsatz, keinem Lebewesen zu schaden. Dieser obligatorische Vorsatz ist immer stillschweigend mit der Zufluchtnahme verbunden.

Je nach Tradition und Lehrer können sich die genauen Vorsätze und Formulierungen unterscheiden. Zusätzlich können die Fünf Silas als Bestandteil der Zuflucht angesehen werden. „Silas“ sind sittliche Übungsregeln. Sie lauten im Artikel: Erstens nicht töten; das bezieht sich sowohl auf Menschen als auch auf Tiere, weil beide fühlende Wesen sind. Zweitens nicht stehlen, also nichts nehmen, was nicht gegeben wurde. Drittens kein sexuelles Fehlverhalten; beschrieben wird dies als Sex nur zwischen erwachsenen Partnern, die nicht anderweitig gebunden sind. Viertens nicht lügen, was auf alle Formen der Lüge bezogen werden kann. Fünftens keine berauschenden Mittel nehmen; traditionell geht es um Alkohol, aber auch jede andere Substanz, die den Geist trübt, sollte vermieden werden.

Zufluchtsformeln

Die dreifache Zuflucht wird bereits im Pali-Kanon erwähnt, der ältesten Schriftensammlung des Buddhismus. Die Zufluchtsformel mit vorangestellter Verehrung findet sich laut Artikel wörtlich in der Kürzeren Sammlung des Suttapitaka. Sie wird bis heute in verschiedenen buddhistischen Traditionen rezitiert, oft nicht in der jeweiligen Landessprache, sondern auf Pali oder Sanskrit.

Der Zufluchtnahme kann eine Verehrungsformel, der Namaskara, vorangestellt werden. Auf Pali lautet sie: „Namo Tassa Bhagavato Arahato Sammāsambuddhassa.“ Sie wird dreimal gesprochen und bedeutet: „Verehrung ihm, dem Erhabenen, dem Heiligen, dem vollkommen Erwachten.“ Auf Sanskrit werden genannt: „Namo Buddhāya“ („Verehrung sei dem Buddha“), „Namo Dharmāya“ („Verehrung sei dem Dharma“) und „Namo Saṃghāya“ („Verehrung sei dem Sangha“).

Die traditionelle Zufluchtsformel auf Pali beginnt mit: „Buddhaṃ saraṇaṃ gacchāmi“ („Ich nehme Zuflucht zu/zum Buddha“), „Dhammaṃ saraṇaṃ gacchāmi“ („Ich nehme Zuflucht zum Dharma/Dhamma“) und „Saṅghaṃ saraṇaṃ gacchāmi“ („Ich nehme Zuflucht zur/zum Sangha“). Diese drei Sätze werden anschließend ein zweites und ein drittes Mal wiederholt: „Dutiyampi“ bedeutet „zum zweiten Male“, „Tatiyampi“ bedeutet „zum dritten Male“.

Im Mahayana gibt es eine weitere Formel: „Zusammen mit allen Lebewesen“ nimmt man „von heute an“ und „bis die Essenz der Erleuchtung erlangt ist“ Zuflucht zu Buddha als Lehrer, zu seiner Lehre aus überliefertem und innerlich verwirklichtem Wissen und zur Gemeinschaft der erhabenen Wesen.

Grade der Zuflucht

Gemäß Atishas „Leuchte für den Weg“ aus dem 11. Jahrhundert und der späteren Lamrim-Tradition, die von Tsongkhapa begründet wurde, lassen sich verschiedene Grade der Zufluchtnahme unterscheiden. Entscheidend ist dabei die Absicht des Praktizierenden. Zur Einordnung verwendet der Artikel das Konzept verschiedener Bereiche.

Der weltliche Bereich bedeutet, Zuflucht zu nehmen, um das eigene Leben zu verbessern; dies gilt laut Artikel nicht als buddhistische Zuflucht. Der niedrigste buddhistische Bereich bedeutet, Zuflucht zu nehmen, um eine höhere Wiedergeburt zu erlangen und dadurch die niedrigen Daseinsbereiche zu vermeiden. Der mittlere buddhistische Bereich bedeutet, Zuflucht zu nehmen, um Nirvana zu erlangen. Der hohe buddhistische Bereich bedeutet, Zuflucht zu nehmen, um ein Buddha zu werden. Manchmal wird außerdem ein höchster buddhistischer Bereich erwähnt: Dabei nimmt man Zuflucht, um Buddhaschaft in diesem Leben zu erlangen, und zwar durch die Anwendung buddhistischer Tantra-Techniken.

Guru und Literatur

Im Vajrayana-Buddhismus nimmt man auch Zuflucht zu den Gurus, also den jeweiligen Lamas. Diese Lehrer repräsentieren für die Schüler die vollkommenen Qualitäten des Buddha und vermitteln den Dharma. In der eigentlichen Zufluchtzeremonie wird aber meist auch im Vajrayana nur Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha genommen.

Der Artikel betont, dass man sich dabei weder einem Lama, noch einem Zentrum, noch einer Tradition oder einer Gruppe verpflichtet, sondern ausschließlich Buddha, Dharma und Sangha. Die Zuflucht zum Guru gilt als fortgeschrittene Übung im Vajrayana-Buddhismus und wird Guruyoga genannt.

Als Literatur zur Zuflucht nennt der Artikel im Mahayana unter anderem Ringu Tulku: „Zuflucht – Sinn und Pfad entdecken“, Bodhicharya Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-937457-13-5, sowie Arya Maitreya: „Buddha Nature. The Mahayana Uttaratantra Shastra with Commentary“, Snow Lion Publications, Ithaca NY 2000, ISBN 1-55939-128-6, kommentiert von Khenpo Tsultrim Gyamtso Rinpoche.

Lernvideos zu Zuflucht (Buddhismus)

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