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Zuffenhausen

Die Gemarkung von Zuffenhausen ist schon seit mindestens 7000 Jahren von Menschen besiedelt, und noch sehr viel länger, nämlich bis zu 40.000 · Der im …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Lage
  2. 2. Naturraum und Umwelt
  3. 3. Von der Frühgeschichte bis zur frühen Neuzeit
  4. 4. Industrialisierung, Stadtwerdung und NS-Zeit
  5. 5. Nachkriegszeit, Stadtentwicklung und Verkehr
  6. 6. Wirtschaft, Politik, Bildung und Kultur heute

Kern und Lage

Zuffenhausen ist ein Stadtbezirk im Norden Stuttgarts. Er wurde am 1. April 1931 nach Stuttgart eingemeindet; Zazenhausen folgte am 1. Mai 1933. Mit 38.676 Einwohnern im Jahr 2020 gehört Zuffenhausen zu den größten äußeren Stadtbezirken Stuttgarts. International bekannt ist der Bezirk vor allem als Hauptsitz des Automobilherstellers Porsche.

Zum heutigen Stadtbezirk gehören elf Stadtteile, darunter Zuffenhausen-Mitte, Rot, Neuwirtshaus und Zazenhausen. Die Höhe liegt zwischen 252 und 327 m über NHN, die Bevölkerungsdichte bei 3.234 Einwohnern je km². Das Bezirksrathaus befindet sich am Emil-Schuler-Platz 1.

Topografisch liegt Zuffenhausen im Grenzbereich zweier Naturräume: im Tal des Feuerbachs und am Rand der Gäuplatte des Langen Feldes. Nach Norden und Nordwesten schließen fruchtbare, weitgehend baumfreie Ackerflächen an, im Süden die Stuttgarter Berge, im Osten das Neckartal. Die Siedlungen entstanden dort, wo gute Böden, Gewässernähe, Hochwasserschutz und die Nähe zu Handelswegen zusammenkamen.

Geologisch gehört das Gebiet zu einer Schichtstufenlandschaft. Wichtige Gesteinsschichten sind Muschelkalk, Letten- und Gipskeuper sowie Schilfsandstein. Quer durch Zuffenhausen verläuft die Schwieberdinger-Zuffenhäuser-Cannstatter Verwerfung, die vor etwa 65 Millionen Jahren im Zusammenhang mit der Alpenbildung entstand und eine Sprunghöhe von ca. 110 Metern hat.

Naturraum und Umwelt

Die Landschaft Zuffenhausens wurde stark durch den Feuerbach, seine Nebenbäche und die Talauen geprägt. Der alte Ortskern, der sogenannte „Alte Flecken“, liegt auf einer hochwassergeschützteren Fläche am Feuerbach. Viele Nebenbäche wurden später eingedolt, also in unterirdische Rohre oder Kanäle verlegt.

Früher gab es mehr Wald, etwa lockere Eichenwälder am Burgholzhof, die auch für die Schweinehaltung genutzt wurden. Heute ist das wichtigste zusammenhängende Waldgebiet der Lemberg mit verschiedenen alten Waldteilen, die seit 1968 Stuttgarter Gemeindewald sind. Dazu kommen Wiesen, Streuobstwiesen, Halbtrockenrasen, Ruderalflächen entlang von Verkehrswegen sowie kleinere Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Seit 2003 wurde ein Biotopverbund aufgebaut.

Seit dem 19. Jahrhundert veränderten Eisenbahn, Straßenbau, Industrie und Siedlungsausbau die Landschaft stark. Nach 1945 wurden außerdem größere Flächen mit Trümmern und Müll aufgefüllt, etwa im Bereich des heutigen Friedhofs. Die Bodenversiegelung, also das Überbauen oder Asphaltieren von Böden, nahm stark zu.

Der Umweltschutz ist in Zuffenhausen besonders wegen der Verkehrsbelastung wichtig. Autobahn 81, Bundesstraßen 10, 27 und 27a, S-Bahn, Stadtbahn, Güterverkehr und Fernbahn verursachen Lärm, Stickoxide und Feinstaub. Die Grundwasserneubildung ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Gegenmaßnahmen sind unter anderem die Renaturierung des Feuerbachs, Lärmschutz, ein Grünordnungsplan und der Biotopverbund.

Von der Frühgeschichte bis zur frühen Neuzeit

Die Gemarkung Zuffenhausen ist seit mindestens 7000 Jahren besiedelt; die Anwesenheit von Jägern und Sammlern ist sogar bis zu 40.000 Jahre nachweisbar. Aus dem Jungpaläolithikum stammen Feuersteinschaber und Mammutknochen aus dem Gebiet einer alten Ziegelei. In der Jungsteinzeit entstanden wegen der fruchtbaren Lössböden zahlreiche bäuerliche Siedlungen. Bandkeramische Funde zeigen Langhäuser, Keramik, Steinwerkzeuge und Hockergräber. Ein Grab enthielt sehr frühe Reste zubereiteter Speise: Hülsenfrüchte, geröstetes Brot, Haselnüsse und Leinsamen.

Auch spätere vorgeschichtliche Kulturen sind belegt, darunter Schwieberdinger Gruppe, Schussenrieder Kultur, Glockenbecherkultur, Urnenfelderkultur, Hallstatt- und Latènezeit. Aus der vorrömischen Eisenzeit stammen Grabhügel im Stadtpark „Schelmenwasen“ und am „Siegelberg“. In römischer Zeit verlief eine wichtige Straße von Mainz über Schwieberdingen nach Cannstatt durch das Gebiet; ihr Verlauf entspricht heute der Schwieberdinger Straße. Mehrere römische Gutshöfe und Münzfunde zeigen eine intensive Nutzung.

In alamannisch-fränkischer Zeit entstand vermutlich ab etwa 600 n. Chr. eine Siedlung. Der Ortsname entwickelte sich aus Formen wie Ottenhusen oder Offenhausen zu Zuffenhausen. Die erste historisch fassbare Erwähnung von „Offenhusen“ steht um 1150 im Hirsauer Kodex; Zazenhausen ist schon am 26. Dezember 788 als Zazenhusen im Lorscher Codex erwähnt.

Im Mittelalter war Zuffenhausen von komplizierten Besitz- und Herrschaftsverhältnissen geprägt. Klöster und Stifte wie Bebenhausen, Hirsau, Lorch, das Stuttgarter Stift und das Esslinger Katharinenspital sowie die Grafen von Württemberg hatten Rechte und Einkünfte. Die Kirche war zunächst dem heiligen Hippolyt geweiht; der Name Johanneskirche entstand erst später. Die Reformation wurde in Württemberg nach 1534 unter Herzog Ulrich eingeführt. Für Zuffenhausen ist am 27. Juli 1535 die Ablieferung katholischer Messgeräte bezeugt. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt der Ort schwere Schäden: 1634 brannte ein großer Teil Zuffenhausens mit Kirche und Pfarrhaus nieder, Pest und Krieg ließen die Bevölkerung stark sinken. Zwischen 1621 und 1641 fiel sie von 514 auf 98 Menschen.

Industrialisierung, Stadtwerdung und NS-Zeit

Bis ins 19. Jahrhundert war Zuffenhausen vor allem bäuerlich und handwerklich geprägt. Ackerbau, Weinbau, Viehzucht, Waldwirtschaft, Mühle, Kelter, Handwerk und Ziegeleien waren wichtige Erwerbsgrundlagen. Die Industrialisierung veränderte den Ort grundlegend. Der Bahnhof Zuffenhausen wurde am 15. Oktober 1846 an der Zentralbahn eröffnet und wurde ein wichtiger Motor für Wachstum, Gewerbe und Industrie.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Zuffenhausen stark über den alten Dorfkern hinaus, besonders nach Westen zur Bahnlinie. Aus dem Dorf wurde eine Arbeiter- und Industriestadt. Wichtige Betriebe waren unter anderem die Glasfabrik Rominger, die Dampfziegelei Knecht, Maschinen- und Metallbetriebe, Leder- und Schuhfabriken, Kreidler und Wörwag. Die Einwohnerzahl stieg stark: 1905 lebten 10.036 Menschen in Zuffenhausen. 1907 wurde Zuffenhausen zur Stadt erhoben.

Im Ersten Weltkrieg war Zuffenhausen bis 1919 Garnisonsstadt. Industrie und Alltag wurden auf Kriegsproduktion, Einquartierungen und Mangelversorgung ausgerichtet. Nach 1918 bildete sich kurzzeitig ein Arbeiter- und Soldatenrat. In der Weimarer Republik führten finanzielle Probleme zur Eingemeindung nach Stuttgart. Die Verhandlungen begannen 1929; bei einer Volksabstimmung stimmten 95,4 Prozent für die Eingemeindung, die am 31. März 1931 vollzogen wurde.

Nach 1933 wurde Zuffenhausen wie ganz Deutschland Teil der nationalsozialistischen Diktatur. Gemeinderat, Verwaltung, Vereine, Presse, Gewerkschaften und Wirtschaftsorganisationen wurden gleichgeschaltet. KPD- und SPD-Mitglieder, Gewerkschafter und andere Gegner wurden verfolgt; organisierter Widerstand blieb gering, es gab aber stille Opposition, Flugblätter und einzelne Hilfen. Im ehemaligen evangelischen Pfarrhaus in der Unterländer Straße 65 wurden Verfolgte versteckt, darunter der Jude Hermann Pineas.

In Zuffenhausen wurden Opfer der „Aktion T4“, jüdische Menschen, Sinti und Roma, politische Gegner, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterkinder ermordet oder starben an den Folgen der Verfolgung. Viele Schicksale sind wegen zerstörter Unterlagen unklar. Stolpersteine und Gedenkzeichen erinnern an einige Opfer.

Im Zweiten Weltkrieg war Zuffenhausen wegen der Rüstungsindustrie ein Ziel alliierter Luftangriffe. Bedeutend waren Hirth Motoren, Kolb und Porsche. Ab 1941 entstanden mehrere Zwangsarbeiterlager, unter anderem auf der Schlotwiese mit bis zu 3000 Insassen, an der Ludwigsburger Straße mit 400 Insassen und neben der Lederfabrik mit 500 Zwangsarbeitern. Der erste Luftangriff traf Zuffenhausen am 5. Mai 1942; 132 Menschen starben. Insgesamt werden 755 Gefallene an der Front, 256 Todesopfer des Bombenkriegs und 3205 Gebäudeschäden genannt.

Nachkriegszeit, Stadtentwicklung und Verkehr

Am 21. April 1945 wurde Zuffenhausen kampflos von französischen Truppen besetzt, im Juli 1945 übernahmen die US-Amerikaner. In der ersten Nachkriegszeit standen Ernährung, Unterkunft, Trümmerräumung, Entnazifizierung, Wohnungsnot und der Umgang mit Displaced Persons und Vertriebenen im Mittelpunkt. Antifaschistische Kampfkomitees und später Arbeitsausschüsse übernahmen zunächst örtliche Verwaltungs- und Polizeiaufgaben. Emil Schuler wurde 1945 Bezirksbürgermeister. 1946 löste sich der Zuffenhäuser Arbeitsausschuss als erster selbst auf. Die heutige Stuttgarter Bezirksverfassung mit Bezirksbeiräten steht im Zusammenhang mit diesen lokalen Nachkriegsstrukturen.

Nach 1945 wuchs die Bevölkerung stark. Von Kriegsbeginn bis 1947 stieg sie trotz Kriegsverlusten um 5000 auf 26.600; 1949 waren es 29.000. Bis 1960 wurde mit 48.500 Einwohnern der Höchststand erreicht. Danach sank die Zahl: 1980 lebten noch etwa 36.000 Menschen in Zuffenhausen, später pendelte sie meist zwischen 35.000 und 36.000. Ursachen des Wachstums waren Flüchtlinge, Vertriebene, Displaced Persons, Kriegsheimkehrer, Evakuierte und später Arbeitsmigranten aus Südeuropa und der Türkei. 2007 lag der Ausländeranteil bei 26,2 Prozent.

Der Wiederaufbau der 1950er- und 1960er-Jahre veränderte das Stadtbild stark. Neue Wohngebiete entstanden, besonders Rot als großes Wohnungsbauprojekt für Flüchtlinge und Vertriebene. Dazu kamen Elbelen, Tapach, Mönchsberg, Rappenberg, Schoßbühl, Haldenrain und Hofäcker. Prägende Bauten sind das Bezirksrathaus von 1951, die Hochhäuser „Romeo und Julia“ in Rot und das Terrassenhaus an der Tapachstraße. Alte Barackenlager verschwanden schrittweise, das letzte auf der Schlotwiese erst 1967.

In den 1970er- und 1980er-Jahren standen Ausbau und Infrastruktur im Mittelpunkt. Das Hallenbad wurde am 23. September 1975 eröffnet. Die neue B 10/27 wurde 1980 in Betrieb genommen. Sie beruhigte zwar den innerörtlichen Verkehr, brachte aber mehr Lärm, Abgase und eine stärkere Trennung des Stadtbezirks. 1982 wurde der neue Bahnhof eröffnet, 1983 entstand ein Geschäfts- und Kulturzentrum mit Stadtbücherei, Volkshochschule und Musikschule.

Seit dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert geht es vor allem um Modernisierung: Verkehrsberuhigung, Stadtbahntunnel, Umgestaltung des Emil-Schuler-Platzes, bessere Gemeinschaftseinrichtungen, Sanierung von Wohngebieten, Bürgerbeteiligung, Renaturierung des Feuerbachs und Sportanlagen auf der Schlotwiese. Rot wurde ab 2002 in das Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ aufgenommen; 2003 wurde ein Förderprogramm über 2,3 Millionen Euro aufgelegt.

Wirtschaft, Politik, Bildung und Kultur heute

Zuffenhausen ist heute ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort Stuttgarts. Der Schwerpunkt liegt im produzierenden Gewerbe. Besonders wichtig ist Porsche, dessen neues Museum am Porscheplatz am 31. Januar 2009 eröffnet wurde und über 100 Millionen Euro kostete. Weitere bedeutende Unternehmen sind oder waren Alcatel-Lucent, Wolff & Müller, Wörwag und mittelständische Maschinenbau- und Industriebetriebe. Einige frühere Firmen wie Scharpf, Sümak, Zaisser, Kreidler oder Bodenmüller verschwanden.

Der Verkehr prägt Zuffenhausen stark. Der Stadtbezirk liegt an den Bundesstraßen 10 und 27 und ist über die B 10 mit der A 81 verbunden. Der Bahnhof wird von den S-Bahn-Linien S4, S5, S6 und S62 bedient; außerdem gibt es Stadtbahnlinien U7 und U15, Buslinien, Güterverkehr und Fernbahnstrecken. Die starke Verkehrsbelastung ist eines der wichtigsten dauerhaften Probleme.

Politisch besitzt Zuffenhausen einen Bezirksbeirat mit 16 ordentlichen und 16 stellvertretenden Mitgliedern. Nach der Kommunalwahl 2024 entfallen die Sitze auf CDU 5, Grüne 3, SPD 2, AfD 3, Freie Wähler 1, FDP 1 und Die Linke 1. Seit der Jugendratswahl 2008 sind außerdem 16 Jugendräte aktiv.

Das religiöse Leben ist vielfältig. Neben evangelischen und katholischen Gemeinden gibt es unter anderem baptistische, neuapostolische, evangelisch-methodistische, orthodoxe, islamische, Baha’i- und weitere Gemeinschaften. Sie sind über den „Runden Tisch der Religionen“ miteinander verbunden. Wichtige Kirchen sind die Johanneskirche, die Pauluskirche, St. Antonius, die Auferstehungskirche Rot und die Michaelskirche Neuwirtshaus.

Zuffenhausen verfügt über zahlreiche Schulen, darunter Hohensteinschule, Rosenschule, Silcherschule, Park-Realschule, Rilke-Realschule, Ferdinand-Porsche-Gymnasium, Uhlandschule, Haldenrainschule, Gustav-Werner-Schule, Ernst-Abbé-Schule und die Grundschule Zazenhausen. Kulturell wichtig sind das Porsche-Museum, die Zehntscheuer, der Alfred-Beck-Saal, die Hohensteinhalle und weitere Veranstaltungsräume. Vereine, Sportanlagen und das traditionelle Fleckenfest prägen das soziale Leben.

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