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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ying Chen

Ihre Werke verfasst sie in französischer Sprache, bisher wurde nur eines in ihrer Muttersprache Chinesisch veröffentlicht.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Leben und Sprachen
  3. 3. Sprache und Schreibweise
  4. 4. Französisch als literarische Sprache
  5. 5. Werke und Inhalte
  6. 6. Nominierungen und Auszeichnungen

Person und Bedeutung

Ying Chen (chinesisch 应晨; * 20. Februar 1961 in Shanghai, Volksrepublik China) ist eine kanadische Schriftstellerin chinesischer Herkunft. Im Chinesischen steht ihr Familienname Ying vor dem Vornamen Chen. Sie schreibt ihre Werke auf Französisch; lediglich ihren dritten Roman L’ingratitude übersetzte sie selbst ins Chinesische. Ihre Literatur wird in Québec der Migrantenliteratur zugeordnet. Wichtige Themen sind China, Québec, Immigration, Tradition, Moderne, Erinnerung und Identität.

Leben und Sprachen

Ying Chen studierte an der Fudan-Universität in Shanghai Sprachen und französische Literatur. Sie spricht Französisch, Mandarin, Englisch, Russisch, Japanisch und Italienisch. Von 1983 bis 1989 arbeitete sie als Übersetzerin am Institute of Astronautical Research in Shanghai.

1989 zog sie nach Montréal und studierte an der McGill University Kreatives Schreiben; 1991 schloss sie dieses Studium ab. 1992 erschien ihr erster Roman. Vor ihrer Ausreise aus China schrieb und publizierte sie nicht auf Chinesisch; bis heute hat sie keine Texte in China veröffentlicht. Bis 2003 lebte sie mit ihrer Familie in Magog (Québec), später in Vancouver.

Sprache und Schreibweise

Chen unterscheidet sich von Autoren wie Michel Tremblay oder Réjean Ducharme, die das Quebecer Französisch vertreten. Sie orientiert sich dagegen am klassischen Französischen. Les lettres chinoises verwendet ein einfaches, korrektes Französisch, das als français soutenu bezeichnet wird.

Sie bevorzugt die Briefform, weil sie nach ihrer Auffassung offene, direkte und spontane Kommunikation ermöglicht. In ihren ersten sechs Romanen stehen China, Québec, Immigration und prägende Lebenserfahrungen im Mittelpunkt; dennoch versteht sie ihre Texte nicht als Autobiografien. Metaphern, Dramatisierung und die Dynamik der Sprache sollen vielmehr eine „wahrhaftere Realität“ schaffen. Wasser erscheint in fast allen Büchern, etwa als Quelle, Strom, Teich oder Meer; Chen verbindet damit Unfassbarkeit und Stärke. In ihrem neuesten Roman verschwimmt die Raum-Zeit-Teilung, und die Protagonisten verlieren an Materialität.

Französisch als literarische Sprache

Chen will vor allem eine französischsprachige Leserschaft ansprechen und China westlichen Leserinnen und Lesern näherbringen. Das Schreiben in einer fremden Sprache verleihe dem Begriff des Fremden Gewicht und ermögliche es, unterschiedliche Bedeutungen von Wörtern zwischen zwei Sprachen zu hinterfragen. Französisch ist für sie auch ein Ausdruck der Schwierigkeit, heute Chinese zu sein: eines Spannungsverhältnisses zwischen Tradition und Moderne.

Werke und Inhalte

La mémoire de l’eau erzählt die moderne Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert aus der Sicht von Frauen verschiedener Generationen. Les lettres chinoises ist ein Briefroman mit 57 Briefen zwischen den Verliebten Sassa und Yuan sowie den Freundinnen Sassa und Da Li. Er behandelt chinesische Tradition, nordamerikanische Modernität und das Leben im Exil.

L’ingratitude beginnt als Journal und endet als Monolog. Der Roman zeigt eine Revolte gegen Tradition, die Stellung von Mutter und Eltern sowie die Heimat. L’immobile beschreibt Zeit und allgegenwärtige Erinnerungen. Querelle d’un squelette avec son double ist als Dialog eines lebendigen Phantoms mit einem Toten gestaltet, die möglicherweise verwandt oder dieselbe Person sind. Themen sind Identität, soziale Gerechtigkeit, Zweifel an der Ewigkeit und der Kampf ums Leben; Chen wollte einen Theaterroman schreiben. Quatre milles marches: Un rêve chinois besteht aus persönlichen Texten und ist als Schreibheft, ein carnet d’écriture, angelegt.

Zu ihren weiteren veröffentlichten Werken gehören Le champ dans la mer (2002), Le mangeur (2006), Un enfant à ma porte (2008) und Espèce (2010).

Nominierungen und Auszeichnungen

L’ingratitude war 1995 für den Prix Fémina und 1996 für den Prix du Gouverneur général nominiert. Der Roman erhielt 1995 den Prix Québec-Paris und 1996 den Prix des Libraires du Québec. Für L’immobile erhielt Chen 1999 den Prix Alfred Desrochers. Außerdem ernannte das Magazin La Presse sie wegen L’ingratitude zur Personnalité de la semaine.

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