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Wolfspinnen
Die Wolfspinnen oder Wolfsspinnen (Lycosidae) bilden eine Familie innerhalb der Ordnung der Webspinnen und zählen dort zur Überfamilie der …
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Einordnung und Kennzeichen
Wolfspinnen oder Wolfsspinnen (Lycosidae) sind eine Familie der Echten Webspinnen innerhalb der Überfamilie der Wolfspinnenartigen. Sie gehören mit 126 Gattungen sowie 2436 Arten und Unterarten zu den zahlenmäßig größten Spinnenfamilien. Ihre Arten erreichen Körperlängen von 3 bis 45 Millimetern; die größte Art ist die Deserta-Tarantel (Hogna ingens). Die Färbung reicht von mattem Gelbbraun über Grau bis fast Schwarz, meist mit einer Zeichnung auf der Oberseite.
Typisch sind der kräftige Körper, lange Beine und acht unterschiedlich große Augen in drei Reihen. Unten stehen vier kleine Augen, in der mittleren Reihe zwei auffallend große und nach vorn gerichtete Augen, darüber zwei weitere Augen. Die großen Augen besitzen ein Tapetum, eine reflektierende Schicht. Der Sehsinn ist für Jagd und Balz wichtig, aber weniger leistungsfähig als bei Springspinnen. Uferbewohnende Arten können polarisiertes Licht wahrnehmen und sich am Sonnenstand orientieren. Die kräftigen Cheliceren, also Kieferklauen, tragen meist drei, insgesamt zwei bis vier Zähne.
Der Carapax, das Rückenschild des Vorderkörpers, ist länger als breit und dicht mit Setae, also chitinisierten Haaren, bedeckt. Auch das ovale bis eiförmige Opisthosoma, der Hinterleib, ist behaart. Die kräftigen Beine besitzen meist Scopulae, Flächen aus Hafthaaren, außerdem lange Stacheln und je drei Klauen an den Fußgliedern; die mittlere Klaue kann reduziert sein. Zur Atmung dienen zwei Buchlungen und ein Paar röhrenförmiger Tracheen. Die drei Paare von Spinnwarzen liegen übereinander; bei Weibchen dienen sie unter anderem dazu, den Eikokon zu befestigen.
Unterscheidung und Fortpflanzungsorgane
Wolfspinnen lassen sich von ähnlichen Familien besonders durch ihre Augen erkennen: Die Augen der beiden oberen Reihen sind deutlich vergrößert. Von Luchs- und Jagdspinnen unterscheiden sie sich außerdem durch die männlichen Pedipalpen, umgebildete Gliedmaßen im Kopfbereich. Bei fast allen Wolfspinnen fehlen daran Fortsätze an den Tibien, während solche Apophysen bei den ähnlichen Familien vorhanden sind. Kammspinnen besitzen gewöhnlich eine Augenanordnung von 2-4-2 und nur zwei kammförmig angeordnete Tarsalklauen.
Der Bulbus, das männliche Geschlechtsorgan am Pedipalpus, ist je nach Art unterschiedlich aufgebaut. Sein Embolus, der der Samenübertragung dient, ist gewöhnlich lang und schlank, kann aber auch kurz und abgestutzt sein. Weitere wichtige Strukturen sind bewegliche oder stark verhärtete Apophysen und der Konduktor, ein leitendes Element. Die Epigyne, das äußere weibliche Geschlechtsorgan, besitzt meist eine stark verhärtete mittlere Trennwand, die häufig wie ein umgedrehtes T aussieht. Die Spermatheken, also Samentaschen, sind gewöhnlich groß, bauchig und gut verhärtet, können aber auch länglich, schlank oder keulenförmig sein.
Verbreitung, Lebensräume und Jagd
Wolfspinnen sind weltweit verbreitet; in Mitteleuropa kommen etwa 90 Arten vor. Ihre Lebensräume reichen von arktischen und alpinen Tundren über Prärien, Salzwiesen und Sandstrände bis zu dichten Wäldern. Piratenspinnen (Pirata) sind feuchtigkeitsliebend und besiedeln etwa Moore und Sümpfe. Erdwölfe (Trochosa) und Schizocosa leben unter anderem in Graswiesen oder Laubwäldern. Arten von Hogna leben teilweise, Arten von Geolycosa vollständig unterirdisch.
Viele Wolfspinnen sind nomadische Bodenbewohner. Tagaktive Wühlwölfe (Arctosa) und Laufwölfe (Pardosa) bewegen sich in kurzen, unterbrochenen Läufen über Boden, Streu, Felsen oder kurzes Gras und können im Winter sogar unter der Schneedecke aktiv bleiben. Größere Arten wie Scheintaranteln (Alopecosa), Wühlwölfe und Lycosa graben häufiger Wohnröhren. Diese werden mit flächigen Gespinsten ausgekleidet und bei manchen Arten durch einen Deckel verschlossen. Kleinere Laufwölfe leben eher nomadisch. Neben tagaktiven Arten gibt es nachtaktive Wolfspinnen, beispielsweise Nachtwölfe (Trochosa).
Die meisten Arten bauen kein Fangnetz, sondern verfolgen ihre Beute aktiv. Ist die Spinne nahe genug, springt sie das Beutetier an und lähmt es mit einem Giftbiss der Cheliceren. Danach gibt sie Verdauungsenzyme hinzu und verarbeitet die Beute mit den Kieferklauen. Dabei helfen ihr die guten Augen und kräftigen Beine. Nur wenige, hauptsächlich tropische und subtropische Arten fangen Beute mit Netzen. Sie bauen Trichternetze, darunter Arten der Gattung Hippasa. In Mitteleuropa ist der Netzwolf (Aulonia albimana) die einzige netzbauende Wolfspinne.
Balz, Paarung und Brutpflege
Der Lebenszyklus umfasst mehrere Phasen; die Aktivitätszeit unterscheidet sich je nach Art. Vor der Paarung führt das Männchen eine auffällige Balz mit rhythmischen, tanzartigen Bewegungen der vorderen Gliedmaßen aus. Es erkennt ein paarungsbereites Weibchen wahrscheinlich aus bis zu einem Meter Entfernung oder reagiert auf dessen Spinnfäden. Bei Lycosa rabida vibriert das Männchen mit dem Hinterleib auf dem Untergrund und bewegt seine Pedipalpen nach einem festen Muster. Daraus entsteht ein hörbares „Palpentrommeln“, das ein Stridulationsorgan erzeugt. Ein paarungsbereites Weibchen antwortet mit Klopfzeichen und nähert sich. Bei nachtaktiven Arten sind akustische, bei tagaktiven Arten optische Signale wichtiger. Zur Paarung steigt das Männchen von vorn auf das Weibchen und führt nacheinander von beiden Seiten je einen Bulbus ein.
Einige Zeit nach der Paarung stellt das Weibchen einen Eikokon her. Es heftet ihn an seine Spinnwarzen oder trägt ihn, wie Piratenspinnen, auf dem Hinterleib und verteidigt ihn energisch. Wird der Kokon entfernt, nimmt das Weibchen mitunter ähnlich geformte Gegenstände wie Papierkugeln oder kleine Schneckenhäuser an. Es kann sogar einen Kokon einer anderen Art versorgen.
Zum Schlupf beißt die Mutter den Kokon auf. Bis zu 100 Jungtiere klettern sofort auf ihren Rücken, halten sich oft in mehreren Lagen an den Haaren fest und ernähren sich von ihrem Eidotter. Während dieser ungefähr acht Tage jagt das Weibchen nicht. Vermutlich sucht es günstige mikroklimatische Bedingungen und sichere Verstecke. Danach verlassen die Jungtiere die Mutter und wachsen selbstständig über mehrere Fresshäute, also Häutungsstadien, heran.
Systematik und Verhältnis zum Menschen
Carl Jakob Sundevall beschrieb die Familie 1833; ihre Typusgattung ist Lycosa. Die Einteilung wurde mehrfach verändert. Seit 2019 werden zehn Unterfamilien unterschieden: Allocosinae, Artoriinae, Evippinae, Hippasinae, Lycosinae, Pardosinae, Sosippinae, Tricassinae, Venoniinae und Zoicinae. Diese Gliederung stützt sich unter anderem auf phylogenetische Untersuchungen von Luis N. Piacentini und Martín J. Ramírez aus dem Jahr 2019. Zu bekannten Gattungen gehören beispielsweise Scheintaranteln (Alopecosa), Wühlwölfe (Arctosa), Hogna, Lycosa, Laufwölfe (Pardosa), Piratenspinnen (Pirata) und Nachtwölfe (Trochosa). Vier früher zugeordnete Gattungen wurden in andere Familien übertragen: Bradystichus zu den Jagdspinnen, Cycloctenus und Galliena zu den Cycloctenidae sowie Tunabo zu den Fischerspinnen. Weitere Gattungsnamen wurden synonymisiert, wegen gleichlautender Namen ersetzt oder als wissenschaftlich nicht ausreichend begründet verworfen.
Die als „Taranteln“ bezeichneten Wolfspinnen gehören heute vor allem zu Hogna und Lycosa, teilweise auch zu den Scheintaranteln. Trotz ihres Rufes sind Wolfspinnen für Menschen normalerweise nicht gefährlich. Große Arten können mit ihren kräftigen Kieferklauen die Haut durchdringen. Ein Biss ist schmerzhaft, laut Artikel aber insgesamt weniger schmerzhaft als ein Bienenstich. Übliche örtliche Beschwerden sind Schmerzen, Schwellung, Rötung und Juckreiz. Bisse geschehen vor allem bei Provokation und sind nur selten medizinisch relevant. Behauptete Nekrosen, also das Absterben von Gewebe, konnten bei Wolfspinnenbissen nicht bestätigt werden; möglicherweise beruhen entsprechende Berichte auf Verwechslungen mit Einsiedler-Violinspinnen.
Einzelne Arten werden in Terrarien gehalten. In Landwirtschaft und Gärten gelten Wolfspinnen außerdem als Nützlinge, weil sie zahlreiche Schädlinge erbeuten und dadurch zur biologischen Schädlingsbekämpfung beitragen.