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Wirtschaft der Schweiz
Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der produktivsten und stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt weltweit auf dem 3 …
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Überblick und Bedeutung
Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der produktivsten und stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt weltweit auf dem 3. Platz. Die rund 9 Millionen Einwohner erwirtschaften das zwanziggrösste Bruttoinlandsprodukt der Welt; nominal lag der Weltwirtschaftsrang 2021 bei Platz 21. Die Währung ist der Schweizer Franken (CHF).
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Land innerhalb eines Jahres hergestellt werden. 2021 betrug es USD 799,8 Mrd. nominal und USD 674,0 Mrd. nach Kaufkraftparität (PPP). Das BIP pro Kopf lag 2021 bei USD 92'248 nominal und USD 77'741 nach PPP. 2024 betrug das BIP rund 850 Milliarden Schweizer Franken, also rund 94'710 Franken pro Kopf, bezogen auch auf die nicht-erwerbstätige Bevölkerung.
Die Schweizer Wirtschaft ist stark dienstleistungsorientiert, aber Industrie und verarbeitendes Gewerbe bleiben wichtig. 2009 entfielen 1,2 % des BIP auf die Landwirtschaft, 26,8 % auf die Industrie und 72 % auf Dienstleistungen. Bei der Bruttowertschöpfung lag das verarbeitende Gewerbe mit 18,7 % vor Handel und Reparatur mit 14,8 %. Die wichtigsten Branchen nach Gewichtung im Swiss Performance Index waren der Gesundheitssektor mit 32 %, Konsumgüter mit 26 %, die Finanzbranche mit 21 % und Industriegüter mit 16 %.
Wirtschaftliche Entwicklung und Kennzahlen
Die Schweizer Wirtschaftsdaten zeigen langfristig ein hohes BIP pro Kopf, aber auch Konjunkturschwankungen. 2024 wurden in der Tabelle 825,0 Mrd. Franken BIP, 87'982 Franken BIP pro Kopf, 1,3 % reales Wachstum, 1,3 % Inflation, 2,4 % Arbeitslosenquote und 31,9 % Staatsverschuldung in Prozent des BIP angegeben. Für 2021 nennt die Übersicht ausserdem ein Wachstum von 4,2 %, eine Inflationsrate von 0,6 %, etwa 5,09 Mio. Erwerbstätige und eine Arbeitslosenquote von 3,0 %.
Im Aussenhandel exportierte die Schweiz 2023 Waren im Wert von CHF 377,8 Mrd. und importierte Waren im Wert von CHF 329,0 Mrd. Daraus ergab sich eine Aussenhandelsbilanz von CHF 48,8 Mrd. Zu den wichtigsten Exportgütern gehörten chemisch-pharmazeutische Produkte, Edelmetalle, Maschinen, Apparate, Elektronik, Uhren, Präzisionsinstrumente, Metalle, Bijouterie und Nahrungs- und Genussmittel. Wichtigste Exportpartner waren 2023 die USA mit 17,8 %, Deutschland mit 15,5 % und Italien mit 7,7 %. Bei den Importen waren Deutschland mit 24,9 %, Italien mit 10,2 % und Frankreich mit 8 % die wichtigsten Partner.
Der Arbeitsmarkt gilt als liberal. Der Kündigungsschutz ist weniger stark ausgebaut als in anderen europäischen Ländern, wodurch Firmen flexibler auf die Konjunktur reagieren können. Die Arbeitslosigkeit stieg zu Beginn des 3. Jahrtausends von 1,6 % im Jahr 2001 auf 3,9 % im Jahr 2004. 2007 waren durchschnittlich 109'189 Personen arbeitslos gemeldet, was 2,8 % entsprach; in der Deutschschweiz waren es 2,2 %, in der Westschweiz und im Tessin 4,2 %.
Historische Grundlagen
Die Industrialisierung der Schweiz begann besonders im Kanton Zürich und seiner Umgebung. Aus der zunächst dominierenden Textilindustrie entwickelte sich die Maschinenindustrie, die Textilmaschinen, Dampfmaschinen und Lokomotiven herstellte. Etwas später wuchs die chemische Industrie, vor allem am Rheinknie um Basel. Die Uhrenindustrie entwickelte sich vor allem entlang des Jurabogens und behielt wegen ihrer Präzisionsarbeit lange einen stark handwerklichen Charakter.
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Industrieländern war der Mangel an Kohle. Vor dem Ausbau der Eisenbahn war Kohletransport teuer, deshalb gab es relativ wenige Dampfmaschinen. Die Schweiz nutzte stattdessen Wasserkraft und entwickelte dadurch früh technische Lösungen ohne Dampfantrieb. Das trug auch zur Pionierrolle bei der Elektrifizierung des Eisenbahnnetzes bei. 1891 realisierte die Maschinenfabrik Oerlikon zusammen mit der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft die erste Fernübertragung von Elektrizität. Im selben Jahr gründeten Charles Brown und Walter Boveri die Brown, Boveri & Cie., später ABB.
Der Turbinenbau wurde im 19. Jahrhundert ein wichtiger Motor der Industrialisierung und Exportwirtschaft. Escher Wyss produzierte ab 1835 Dampfschiffe für Flüsse und Seen. In der Zwischenkriegszeit wurde Sulzer zu einem wichtigen Lieferanten der Hochseeschifffahrt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Produktion von Schienenfahrzeugen, Strassenfahrzeugen und Flugzeugen. Der Einstieg in die Mikroelektronik verlief in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dagegen zögernd.
Sektoren und Energie
Die Schweiz ist ein hochindustrialisierter Dienstleistungsstaat. In der Landwirtschaft arbeiten heute weniger als vier Prozent der Bevölkerung, trotzdem wird dieser Wirtschaftszweig mit Subventionen unterstützt. Regional ist die Landwirtschaft sehr verschieden: In Voralpen, Alpen und Jura dominieren Viehzucht und Milchwirtschaft, im Mittelland Getreide-, Kartoffel- und Rübenanbau, in der Ostschweiz und im Wallis Obst. Exportiert wird vor allem Hartkäse wie Emmentaler, Greyerzer (Gruyère) und Sbrinz. 2011 betrug der Anteil biologisch bewirtschafteter Landwirtschaftsfläche 10,8 %; 2012 gab es 5731 Bio-Landwirtschaftsbetriebe. Gentechnisch veränderte Pflanzensorten werden ausser zu Forschungszwecken nicht angebaut.
Die Schweiz ist rohstoffarm. Abgebaut werden Kies, Kalkstein im Jura, Ton, Granit in Graubünden und im Tessin sowie Salz in Rheinfelden und Bex. Kohle, Uran und Erdöl wurden bisher nur in Spuren gefunden. Ein wichtiger eigener Rohstoff ist die Wasserkraft. Speicherkraftwerke und Laufkraftwerke decken zwei Drittel des Schweizer Elektrizitätsbedarfs.
In Industrie und Gewerbe sind traditionell Uhrenindustrie, Präzisionsinstrumente, Maschinenbau, Apparate, Chemie/Pharma und Nahrungsmittel wichtig; zunehmend bedeutend sind Pharmazeutik und Medizintechnik. Rund 24 % der Beschäftigten arbeiten in der Industrie. Bedeutende Beispiele sind Swatch Group und IWC in der Uhrenindustrie, ABB und Sulzer im Maschinenbau, Novartis und Roche in der Pharmaindustrie sowie Nestlé in der Nahrungsmittelherstellung.
Im Dienstleistungssektor arbeiteten 2003 73 % der Erwerbstätigen, darunter 15,1 % im Handel, 5,7 % in Hotels und Restaurants sowie 5,1 % in Banken und Versicherungen. Der Fremdenverkehr ist seit fast 200 Jahren wegen Alpen und Seen ein wichtiger Wirtschaftszweig, aber tendenziell abnehmend. 2012 betrug sein Anteil am BIP 2,6 %, und er beschäftigte 4,4 % der arbeitenden Personen. Bei der Energie entfielen 2015 51 % des End-Energieverbrauchs auf Erdölprodukte, 14 % auf Gas, rund 10 % auf Strom aus vier Kernkraftwerks-Blöcken und nur rund 3 % auf Sonnen- und Windenergie zusammen.
Geld, Banken und Kapitalmarkt
Das Schweizer Finanzsystem besteht im Wesentlichen aus Banken, Versicherungen und Anwälten, die als Finanzintermediäre tätig sind. Finanzintermediäre vermitteln oder verwalten Finanzgeschäfte zwischen verschiedenen Parteien. Banken und Versicherungen hatten zusammen einen Anteil von 10,5 % am BIP; zum Vergleich waren es in Deutschland 3,6 % und in Grossbritannien 6,8 %.
Das Bankensystem spielt international eine grössere Rolle, als es die Grösse des Landes erwarten liesse. Als Gründe nennt der Artikel günstige Zinsen des Schweizer Frankens, soziale, politische und wirtschaftliche Stabilität, wenige Beschränkungen im Handels- und Kapitalverkehr sowie ein traditionelles Verständnis finanzieller Diskretion. Die UBS AG ist die grösste Bank der Schweiz und war 2023 auf Rang 20 der grössten Banken der Welt. Ihre Bilanzsumme betrug 2022 1104 Mrd. Franken und 2023 nach Übernahme der Credit Suisse 1'717 Mrd. Franken. Die Credit Suisse war bis zur Notübernahme durch die UBS am 12. Juni 2023 die zweitgrösste Bank der Schweiz.
Auch Versicherungen sind bedeutend. International bekannte Gesellschaften sind Swiss Re und Zurich Insurance Group. Im Kapitalmarkt gibt es mehrere Wertpapierbörsen und Handelsplätze; die grösste und bekannteste ist die SIX Swiss Exchange. Sie gibt den Leitindex Swiss Market Index heraus. Weitere Indizes sind etwa Swiss Leader Index, SMI MID, Swiss Performance Index, SPI Extra und SXI Real Estate Broad Index.
Unternehmen und internationale Wettbewerbsfähigkeit
Zu den grössten Schweizer Unternehmen nach Umsatz 2018 ohne Handel, Banken und Versicherungen gehörten Nestlé mit 89'791 Mio. Schweizer Franken Umsatz, Roche Holding mit 53'299 Mio., Novartis mit 48'353 Mio., ABB mit 33'784 Mio. und LafargeHolcim mit 26'129 Mio. Diese Liste zeigt die Bedeutung von Nahrungsmitteln, Chemie/Pharma, Maschinenindustrie, Bauzulieferung, Logistik und weiteren Branchen.
Bei den Handelsunternehmen nach Umsatz 2018 dominierten Rohstoff- und Welthandelsunternehmen: Glencore International mit 217'597 Mio. Schweizer Franken, Vitol mit 178'213 Mio., Trafigura mit 136'421 Mio., Cargill International mit 108'010 Mio. und Mercuria Energy Trading mit 102'398 Mio. Die vier umsatzstärksten Schweizer Firmen waren laut Artikel Unternehmen, die mit ausländischen Rohstoffen auf dem Weltmarkt handeln. Dieser dienstleistungsbezogene Rohstoffhandel trug vor den Sanktionen infolge des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 deutlich mehr zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei als der Tourismus.
In internationalen Vergleichen schnitt die Schweiz sehr gut ab. Im World Competitiveness Yearbook 2012 lag sie auf Rang 3 von 59 Ländern, hinter Hong Kong und den USA. Im Growth Competitiveness Index 2011/12 lag sie auf Rang 1 von 142 Ländern, vor Singapur, Schweden, Finnland und den USA. Der Exportüberschuss mit den USA nahm seit etwa 2004 fast stetig zu: von 9 Mrd. CHF im Jahr 2005 auf 15 Mrd. CHF 2014, 28 Mrd. CHF 2019 und 39 Mrd. CHF 2024. Gleichzeitig importiert die Schweiz seit vielen Jahren mehr Dienstleistungen, als sie exportiert; 2023 waren es Importe von 21,2 Mrd. CHF. Am 1. August 2025 wurde bekannt, dass die USA die Schweiz neu mit einem Zollsatz von 39 % belegen, der ab dem 7. August 2025 gelten sollte.