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Willi Laatsch

Im Wintersemester 1927/28 begann er ein Studium der Geographie, Germanistik und ... Bodenfruchtbarkeit, Wolfratshausen 1948; Bodenfruchtbarkeit und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und wissenschaftliches Profil
  2. 2. Ausbildung und berufliche Stationen
  3. 3. Forschung und Lehre
  4. 4. Wichtige Veröffentlichungen

Bedeutung und wissenschaftliches Profil

Willi Laatsch, auch Willy Laatsch, wurde am 18. Oktober 1905 in Vorwerk bei Demmin geboren und starb am 12. Mai 1997 in München. Er war ein deutscher Bodenkundler und Forstwissenschaftler und galt als eine der großen Pioniergestalten der wissenschaftlichen Bodenkunde und der Standortforschung. Die Bodenkunde untersucht die Entstehung, Eigenschaften, Einteilung und Nutzung von Böden. Die Standortforschung befasst sich mit den Umweltbedingungen eines Ortes und deren Einfluss auf Pflanzen und Wälder.

Laatsch erforschte unter anderem die Entstehung und Klassifikation von Böden, ihren Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie die Beziehungen zwischen Standort, Ernährung und Wachstum von Waldbeständen. Besondere Bedeutung hatte sein Beitrag zum Ausbau der Waldernährungslehre, also der wissenschaftlichen Untersuchung der Nährstoffversorgung von Wäldern.

Ausbildung und berufliche Stationen

Laatsch besuchte in Demmin die Volksschule und anschließend die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar Franzburg. 1926 legte er die Volksschullehrerprüfung ab und arbeitete bis 1929 als Lehrer an einer Privatschule. Im Wintersemester 1927/28 begann er an der Universität Greifswald Geographie, Germanistik und Anglistik zu studieren. Im Sommersemester 1928 wechselte er zu den Naturwissenschaften, vor allem zur Geologie. Nach der Reifeprüfung am Provinzialschulkolleg Breslau im Jahr 1929 setzte er sein Studium der Geologie und Chemie bis 1934 an der Universität Halle (Saale) fort. Dort wurde er 1934 mit der Untersuchung „Die Bodentypen um Halle (Saale) und ihre postdiluviale Entwicklung“ zum Dr. sc. nat. promoviert.

Zum 1. Mai 1933 trat Laatsch der NSDAP bei; seine Mitgliedsnummer war 1.881.106. 1936 schloss er sich dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund an.

1935 und 1936 arbeitete er am Institut für Bodenkunde der Preußischen Geologischen Landesanstalt an der Bodenkartierung im Saarland. Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglichte ihm von 1936 bis 1938 Forschungen am Geologischen Institut der Universität Halle. Dort habilitierte er sich 1937 mit der Schrift „Entwicklungstendenzen und System der deutschen Acker- und Waldböden“. Zugleich etablierte er an der Universität das Fach Bodenkunde, baute dafür eine eigene Abteilung auf und leitete sie bis 1945. Seit 1938 lehrte er als Dozent für Bodenkunde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Laatsch 1941 als Marineartillerist eingezogen, anschließend jedoch für Baugrunduntersuchungen eingesetzt. Anfang 1942 wurde er vom Kriegsdienst freigestellt und mit Forschungen zur besseren Nutzung von Phosphordüngemitteln sowie zur Verbesserung der Bodenkultur in den besetzten Ostgebieten beauftragt. Dabei untersuchte er unter anderem die Böden Weißrusslands. 1944 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz. Im Juni 1945 wurde er mit dem Abderhalden-Transport durch die Westmächte in den Westen gebracht und danach in Abwesenheit von der Universität Halle entlassen.

Von 1946 bis 1954 leitete Laatsch in Hamburg das Laboratorium für Erdbereitung, das hauptsächlich die Kompostierung von Siedlungsabfällen untersuchte. 1948 wurde er zugleich Ordinarius für Bodenkunde an der Universität Kiel und Direktor des dortigen Instituts für Pflanzenernährung und Bodenkunde. 1954 übernahm er in München die Leitung des Instituts für Bodenkunde und Standortslehre der Forstlichen Forschungsanstalt sowie den Lehrstuhl für Bodenkunde an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität. 1971 wurde er emeritiert.

Forschung und Lehre

Laatschs Forschung umfasste zahlreiche Teilgebiete der Boden- und Forstwissenschaft. In Halle beschäftigte er sich vor allem mit der Bodengenese, also der Entstehung und Entwicklung von Böden, sowie mit der Bodenklassifikation, ihrer Einteilung nach bestimmten Merkmalen. Hinzu kamen Untersuchungen zum Bodenwasserhaushalt, zur Bildung von Tonmineralen und zur Phosphatbindung im Boden. Sein 1938 erschienenes Lehrbuch „Dynamik der mitteleuropäischen Mineralböden“ wurde zu einem Grundlagenwerk der Bodenkunde und erlebte bis 1957 vier Auflagen.

Während seiner Tätigkeit in Hamburg und Kiel untersuchte Laatsch Huminstoffe, also organische Bestandteile des Bodens, und deren Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit. Außerdem erforschte er die Versorgung landwirtschaftlicher Kulturpflanzen mit Spurenelementen, die Pflanzen nur in geringen Mengen benötigen.

In München konzentrierte er sich auf den Stickstoff- und Phosphorhaushalt von Waldböden, die Forstdüngung und die Zusammenhänge zwischen Standort, Ernährungszustand und Wuchsleistung von Waldbeständen. An seinem Institut entwickelte er die Waldernährungslehre zu einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin weiter. Auch als akademischer Lehrer war er erfolgreich: Acht seiner Schüler wurden später Professoren. Nach seiner Emeritierung erforschte er weiterhin die Stabilität von Hängen und die Erosion im Alpenraum.

Für sein wissenschaftliches Lebenswerk erhielt Laatsch zahlreiche Auszeichnungen. Seit 1965 war er Mitglied der Leopoldina. Er wurde Ehrenmitglied des spanischen Consejo Superior de Investigaciones Cientificas und der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. Die Forstliche Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen verlieh ihm die Ehrendoktorwürde Dr. forest. h. c.; außerdem erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.

Wichtige Veröffentlichungen

Laatschs Veröffentlichungen spiegeln die Entwicklung seiner Forschung wider. Seine Dissertation „Die Bodentypen um Halle (Saale) und ihre postdiluviale Entwicklung“ erschien 1934. Die Habilitationsschrift „Entwicklungstendenzen und System der deutschen Acker- und Waldböden“ folgte 1937.

Das zunächst als „Dynamik der deutschen Acker- und Waldböden“ veröffentlichte Lehrbuch erschien ab der 3. Auflage unter dem Titel „Dynamik der mitteleuropäischen Mineralböden“; die 4. Auflage kam 1957 heraus. Weitere wichtige Arbeiten waren „Untersuchungen über die Bildung und Anreicherung von Humusstoffen“ von 1948 und „Bodenfruchtbarkeit und Nadelholzanbau“ von 1963.

Gemeinsam mit Walter Grottenthaler veröffentlichte Laatsch 1973 „Labilität und Sanierung der Hänge in der Alpenregion des Landkreises Miesbach“. Dazu gehörte eine Karte der Hanglabilitätsformen und -stufen im Maßstab 1:25000. Mit Bernhard Zenke und Johann Dankerl verfasste er 1981 das „Verfahren zur Reichweiten- und Stoßdruck-Berechnung von Fließlawinen“.

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