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Walter Schmidt (Historiker)

Walter Schmidt (* 11. Mai 1930 in Protsch-Weide, Landkreis Breslau, Schlesien) ist ein deutscher Historiker. Walter Schmidt 2011 …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Forschung und wissenschaftliches Wirken
  3. 3. Auszeichnungen
  4. 4. Wichtige Publikationen und Bibliografie

Person und Lebensweg

Walter Schmidt wurde am 11. Mai 1930 in Protsch-Weide im Landkreis Breslau in Schlesien geboren. Er ist ein deutscher Historiker. Seine Herkunft aus einer antifaschistischen Arbeiterfamilie prägte seinen Lebensweg. Sein Vater Josef Schmidt wurde am 8. November 1943 wegen „Heimtücke“ und „Wehrkraftzersetzung“ im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet.

Von 1936 bis 1942 besuchte Walter Schmidt die Volksschule in Auras im Landkreis Wohlau. Um der Napola zu entgehen, lernte er von September 1942 bis Januar 1945 an der Privaten Lehranstalt Dr. Gudenatz/Lobmeier in Breslau. Von Februar bis September 1945 arbeitete er als Krankenträger und Schmiedegehilfe in einem Frontlazarett der Roten Armee in Auras. Bis November 1946 war er Mühlenarbeiter bei der polnischen Verwaltung in Auras/Uraz.

Nach seiner Übersiedlung nach Thüringen im November 1946 besuchte er von Januar 1947 bis Sommer 1949 die Dr. Theodor-Neubauer-Oberschule Greiz, heute Ulf-Merbold-Gymnasium – Staatliches Gymnasium Greiz, und legte dort das Abitur ab. Von 1949 bis 1953 studierte er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Geschichte, Slawistik/Russistik, Pädagogik und Philosophie. Zu seinen genannten Lehrern gehörten unter anderem Karl Griewank, Friedrich Schneider, Felix-Heinrich Gentzen, Hugo Preller, Karl Heussi, Reinhold Trautmann, Rudolf Fischer, Gertrud Pätsch, Karl Schrader und Georg Klaus.

Von 1953 bis 1962 war Schmidt wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Geschichte der Arbeiterbewegung des Instituts, später der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED, in Berlin. Dort promovierte er 1961 mit einer Biografie über Wilhelm Wolff und wurde 1962 Dozent. Von 1964 bis 1984 leitete er den Lehrstuhl Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. 1965 erhielt er eine Professur mit Lehrauftrag. Nach seiner Habilitation 1969 mit Studien zur Marx-Engels-Forschung und zur Geschichte der frühen Arbeiterbewegung wurde er Ordentlicher Professor für Geschichte der Arbeiterbewegung.

1981 wurde Schmidt zum Korrespondierenden und 1985 zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR gewählt. Von 1965 bis 1990 war er Vizepräsident der Historiker-Gesellschaft der DDR und Mitglied der Kommission der Historiker der DDR und der UdSSR; von 1987 bis 1990 stand er deren deutscher Sektion vor. Von 1984 bis 1990 leitete er als Direktor das Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1990 verlieh ihm die Pädagogische Hochschule „Erich Weinert“ Magdeburg den Ehrendoktor Dr. h. c. phil.

Nach der „Abwicklung“ im Oktober 1990 ging Schmidt in den Vorruhestand und ist seit 1995 im Ruhestand. Von 1989/90 bis 1993 war er Vorstandsmitglied der Internationalen Marx-Engels-Stiftung (IMES) in Amsterdam und an der Fortführung der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) beteiligt. Von 1993 bis 2016 gehörte er dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung an. 1992 gründete er den Arbeitskreis „Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung“. Seit 2003 gibt dieser die Biografienserie Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49 heraus. Seit der Gründung der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin 1993 ist Schmidt deren Mitglied.

Schmidt war seit 1953 mit Gisela Kerzel verheiratet und ist seit 1996 Witwer. Er hat einen Sohn, zwei Enkeltöchter und mehrere Urenkel.

Forschung und wissenschaftliches Wirken

Im Zentrum von Walter Schmidts Forschung steht die neuere deutsche Geschichte. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Revolution von 1848/49 in Deutschland. Dazu untersucht er sowohl ihren Verlauf und ihre Akteure als auch ihre Wirkung und ihre spätere Darstellung in der Geschichtswissenschaft. Außerdem befasst er sich mit der vergleichenden Revolutionsgeschichte der Neuzeit.

Weitere Arbeitsgebiete sind die Geschichte der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts und die Marx-Engels-Forschung. Hinzu kommen die Nationsproblematik, also Fragen nach dem Verhältnis von Nation und Geschichte, sowie die Geschichte der Geschichtswissenschaft. Schmidt arbeitete außerdem zur Geschichte der Burschenschaft und zur schlesischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. An dem achtbändigen Biographischen Lexikon der Deutschen Burschenschaft war er beteiligt.

Seine wissenschaftlichen Funktionen verbanden Forschung, Lehre, Herausgebertätigkeit und die Organisation historischer Forschung. Besonders eng ist sein Name mit der Erforschung der frühen deutschen Arbeiterbewegung und der Revolution von 1848/49 verbunden. Der 1992 gegründete Arbeitskreis „Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung“ konzentriert sich auf die Zeit vor der Revolution und auf die Personen, die an den Umbrüchen von 1848/49 beteiligt waren.

Auszeichnungen

Walter Schmidt erhielt folgende Auszeichnungen:

  • 1966 den Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Silber.
  • 1974 den Nationalpreis der DDR III. Klasse für Wissenschaft und Technik.
  • 1979 den Nationalpreis der DDR III. Klasse für Wissenschaft und Technik im Kollektiv.
  • 2020 die Daniel-Ernst-Jablonski-Medaille der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Wichtige Publikationen und Bibliografie

Schmidts Veröffentlichungen spiegeln seine Forschungsschwerpunkte über mehrere Jahrzehnte wider. Ein frühes Hauptwerk ist Wilhelm Wolff. Sein Weg zum Kommunisten (1809–1846), erschienen 1963 im Dietz Verlag, Berlin. 1979 folgte Wilhelm Wolff. Kampfgefährte und Freund von Marx und Engels 1846–1864. Ebenfalls zur frühen Arbeiterbewegung erschien 1964 der von Schmidt mit herausgegebene und mitverfasste Band Aus der Frühgeschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

An der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung war Schmidt auch als Autor des ersten Bandes Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung beteiligt, der 1966 erschien. Er verfasste darin Die Anfänge der deutschen Arbeiterbewegung auf den Seiten 9–41 und Die Revolution von 1848/49 auf den Seiten 85–168. Weitere Arbeiten aus der DDR-Zeit behandelten unter anderem Geschichtsbewusstsein und sozialistische Gesellschaft (1970, herausgegeben mit Helmut Meier), die Kritik der bürgerlichen Geschichtsschreibung in Unbewältigte Vergangenheit (1970, 2. Auflage 1971, 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 1977) sowie Nation und deutsche Geschichte in der bürgerlichen Ideologie der BRD (1980).

Zur Revolution von 1848/49 veröffentlichte oder bearbeitete Schmidt zahlreiche Studien. Dazu gehören Die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848/49 in Deutschland. Studien zu ihrer Geschichte und Wirkung, Band 1 und 2 (1972 und 1973), sowie die Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution 1848/49 von 1973, deren Autorenkollektiv Schmidt leitete. Das Werk erschien in einer 2. Auflage 1975 und einer 3. ergänzten und überarbeiteten Auflage 1988. 1987 gab Schmidt den Band Männer der Revolution von 1848, Band 2, mit heraus und veröffentlichte Der Auftakt der deutschen Arbeiterbewegung. Beiträge zur ersten Periode ihrer Geschichte 1836–1842. 1990 erschien Bürgerliche Revolution und proletarische Emanzipation in der deutschen Geschichte.

Zu seinen Arbeiten zur Geschichtswissenschaft zählen Die Konstituierung der DDR-Geschichtswissenschaft in den fünfziger Jahren (1984), Aspekte der Erbe- und Traditionsdebatte in der Geschichtswissenschaft (1986) und Erbe und Tradition in der DDR. Die Diskussion der Historiker (1988, mit Helmut Meier). Nach 1990 untersuchte Schmidt unter anderem Die Erbedebatte in der DDR. Versuch einer kritischen Bilanz (1995) und Das Zwei-Nationen-Konzept der SED und sein Scheitern. Nationsdiskussionen in der DDR in den 70er und 80er Jahren (1996).

Spätere Publikationen konzentrieren sich erneut stark auf die Revolution von 1848/49 und auf Schlesien. Dazu gehören Demokratie, Liberalismus und Konterrevolution. Studien zur deutschen Revolution von 1848/49 (1998), Demokratie und Arbeiterbewegung in der deutschen Revolution von 1848/49 (2000, mit Helmut Bleiber und Rolf Dlubek) und die Reihe Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49. Schmidt war an den Bänden 1 bis 5 beteiligt, die von 2003 bis 2016 erschienen. Zur schlesischen Geschichte veröffentlichte er mit Helmut Bleiber Schlesien auf dem Weg in die bürgerliche Gesellschaft (2007), Die schlesische Demokratie von 1848/49. Geschichte und Akteure (2012) und Wohlau 1848/49. Eine schlesische Kreisstadt in der Revolution (2017). 2018 erschienen seine Erinnerungen eines deutschen Historikers. 2020 veröffentlichte er mit Jürgen Hofmann eine Studie über Julius Brill (1816–1882), einen frühen Vertreter der Arbeiterbewegung in einem deutschen Parlament.

Die im Artikel genannte Gesamtbibliografie verweist auf Wolfgang Küttler und Helmut Meier (Hrsg.): Gibt es erledigte Fragen an die Geschichte? Beiträge eines wissenschaftlichen Kolloquiums aus Anlass des 65. Geburtstages von Walter Schmidt am 1. Juli 1995 in Berlin, Berlin 1996, S. 144–168, sowie auf die Personalbibliografie Walter Schmidt.

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