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Ushinawareta Nijūnen
Zwischen 1990 und 1995 wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar erneut deutlich auf und schickte die japanische Wirtschaft in Stagnation und Deflation.
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Begriff und wirtschaftlicher Zusammenhang
Ushinawareta Nijūnen (japanisch 失われた20年, deutsch „Zwei verlorene Dekaden“) bezeichnet die wirtschaftliche Stagnation Japans nach dem Platzen der Blasen-Wirtschaft zu Beginn der 1990er Jahre. Die Stagnation setzte sich während eines langen Preisverfalls fort. Zunächst sprach man von Ushinawareta Jūnen („Verlorene Dekade“) für die 1990er Jahre. Weil auch die wirtschaftliche Entwicklung von 2000 bis 2010 sehr schwach blieb, entstand die Bezeichnung „zwei verlorene Dekaden“.
Wichtig ist der Zusammenhang aus vorheriger Preisblase, anschließendem Preisverfall (Deflation), schwachem Konsum und geringen Investitionen. Deflation bedeutet ein allgemeines Sinken des Preisniveaus.
Voraussetzungen für die Preisblasen
Ein Faktor war die Abschirmung des japanischen Marktes gegenüber Importen. Sie sollte in den 1950er Jahren den Aufbau der japanischen Wirtschaft in einer geschützten Zone ermöglichen. Mitte der 1980er Jahre war Japan jedoch international konkurrenzfähig; hohe Preise im Inland dienten nun dazu, Exporte zu subventionieren.
Die vertikale Wirtschaftsstruktur verstärkte hohe Preise: Produzenten beeinflussten die zum eigenen Konzern gehörenden Handelsketten direkt. Preisabsprachen zwischen Konglomeraten, den Keiretsu, hielten die Preise auf einem hohen Niveau. In fast allen Bereichen teilten drei oder vier große Anbieter den Markt; bei einzelnen Produkten wie Orangensaft bestand ein Monopol. Ende der 1980er Jahre lagen Konsumgüterpreise in Japan teilweise beim Sechsfachen vergleichbarer Preise in den USA und Europa.
Wegen großer japanischer Außenhandelsüberschüsse drängte die US-Regierung auf den Abbau von Handelshemmnissen. Das Plaza-Abkommen von 1985 führte zu einer Aufwertung des Yen. Von 1985 bis 1988 wertete er um 73 % auf. Dadurch floss massiv Kapital in den japanischen Immobilien- und Aktienmarkt und trieb deren Preise weiter nach oben.
Blasen-Hochkonjunktur und ihr Ende
Die Bubble Economy von etwa 1985 bis 1990 heißt auf Japanisch Baburu Keiki („Blasen-Hochkonjunktur“). In den 1980er Jahren wurde der Finanzmarkt dereguliert. Japan war darauf laut Artikel schlecht vorbereitet: Die Kreditvergabe der Hausbanken an ihr jeweiliges Keiretsu beruhte stark auf persönlichen Verbindungen statt auf Bonitätsprüfungen. Auch Privatpersonen erhielten leicht Kredite, weil Banken bei größeren Fehlentscheidungen mit staatlichem Eingreifen rechneten.
Die Blase erreichte extreme Ausmaße. 1990 betrug die Marktkapitalisierung japanischer Unternehmen das Dreifache der Marktkapitalisierung aller an amerikanischen Börsen gelisteten Unternehmen, obwohl das Bruttoinlandsprodukt der USA mehr als doppelt so hoch war. Marktkapitalisierung ist der gesamte Börsenwert aller Aktien eines Unternehmens beziehungsweise aller betrachteten Unternehmen. Die Immobilienpreise in Tokyo, Osaka und Kyoto verdreifachten sich zwischen 1985 und 1990.
1990 erhöhte die japanische Zentralbank die Zinsen, um das weitere Wachstum der Blase zu bremsen. Damit begann die Deflation.
Preisverfall und wirtschaftliche Folgen
Kakaku Hakai („Preis-Zerstörung“) nennt man die Deflation nach dem Niedergang der Bubble Economy. Eine allgemeine Deflation begann 1994 und hielt bis etwa 2022 an. Der Verbraucherpreisindex lag 2010 auf demselben Niveau wie 1992; der BIP-Deflator fiel in diesem Zeitraum um 14 %. Der BIP-Deflator misst die Preisentwicklung aller im Bruttoinlandsprodukt erfassten Güter und Dienstleistungen.
Die Immobilienpreise fielen bereits ab 1990 und lagen 2014 noch unter ihren Höchstwerten von 1990. Von 1990 bis 1995 wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar erneut deutlich auf; dies trug zu Stagnation und Deflation bei. Die Arbeitsproduktivität wuchs nur langsam, private Konsumausgaben und Investitionen schwächten sich ab, und das Wirtschaftswachstum stagnierte.
Globalisierung sowie die wachsende Wirtschaftsmacht der Tigerstaaten und Chinas setzten japanische Preiskartelle unter Druck. Firmen verlagerten Produktion nach Südostasien. Reimport-Handelsketten kauften besonders Elektronik und Haushaltsgeräte im Ausland und verkauften sie in Japan deutlich günstiger. Nach dem Zusammenbruch der Blase wollten und konnten Konsumenten hohe Preise nicht mehr tragen. Discount-Ketten profitierten durch Direktimporte aus anderen asiatischen Ländern und die Umgehung traditioneller Handelsstrukturen. Etablierte Handelsketten reagierten mit eigenen Discount-Hausmarken. 1995 zog sich die Regierung weiter aus der Wirtschaft zurück und überließ die Preisregulierung den Mechanismen des Marktes.
Erklärungen für die schwache Entwicklung
Ein Erklärungsansatz ist das Auslaufen des Aufholeffekts. Die von Angus Maddison und Moses Abramovitz 1979 aufgestellte Aufholthese besagt, dass Europa und Japan nach dem Krieg gegenüber den produktiveren USA aufholen konnten. Unternehmen orientierten sich dabei an amerikanischen Vorbildern. Sobald das amerikanische Produktivitätsniveau erreicht war, waren die außergewöhnlich hohen Wachstumsraten des Nachkriegsbooms nicht mehr möglich.
Ein weiterer Ansatz ist die starke Yen-Aufwertung. Einige Ökonomen betonen, Japan habe den Yen lange unterbewertet gehalten, um Industrieproduktion und Außenhandelsüberschüsse zu fördern. Die daraus entstehende Devisenakkumulation führte zu einer Sparschwemme; nach Akio Mikuni und Taggart Murphy hatten Banken zunehmend Schwierigkeiten, Geld gewinnbringend anzulegen. Maurice Obstfeld, Robert Dekle und Kyoji Fukao beobachteten eine starke Korrelation zwischen den Yen-Aufwertungen 1985–1988 sowie 1990–1995 und einem Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Höhere relative Produktionskosten konnten Kernindustrien erst schrittweise durch Produktivitätsfortschritte senken; erst 2004 war wieder das relative Produktionskostenniveau von 1985 erreicht. Textil- und Holzindustrie erholten sich laut Artikel bis heute nicht.
Die Erholung wurde zudem durch externe Krisen gebremst, darunter die Asienkrise 1997–98 und die Dotcom-Blase 2000. Ab 2004 wuchs die Wirtschaft mit als normal bewerteten 2 % bis 3 %. Die Weltwirtschaftskrise ab 2007 führte wieder zu einer weltweiten Rezession.