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Torontosegen

Torontosegen bezeichnet im Sprachgebrauch der Neocharismatischen Bewegung die Erweckung und daraus resultierenden Phänomene, die im Januar 1994 in der …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Beginn und weltweite Verbreitung
  3. 3. Typische Reaktionen und Umgang damit
  4. 4. Unterschiedliche Deutungen

Begriff und Bedeutung

Als Torontosegen werden in der Neocharismatischen Bewegung eine Erweckung und die damit verbundenen außergewöhnlichen Reaktionen bezeichnet, die im Januar 1994 in der damaligen Freikirche „Toronto Airport Vineyard“ nahe dem Flughafen von Toronto begannen. Anhänger verstanden das Geschehen als eine „neue Welle“ des Heiligen Geistes. Die meist ekstatischen körperlichen und emotionalen Reaktionen traten während des Gebets oder nach einem persönlich durch Handauflegung empfangenen Segen auf.

Der Torontosegen ist bedeutsam, weil sich die Erscheinungen innerhalb der neocharismatischen Bewegung rasch weltweit verbreiteten und zugleich sehr unterschiedlich beurteilt wurden: Befürworter sahen darin das Wirken des Heiligen Geistes, religiöse Kritiker teilweise dämonische Einflüsse und Skeptiker vor allem durch Erwartungen ausgelöste hysterische Reaktionen.

Beginn und weltweite Verbreitung

Als Ausgangspunkt gilt ein Gottesdienst am 20. Januar 1994. Er wurde von Randy Clark geleitet, dem Pastor der Vineyard Christian Fellowship aus St. Louis. Danach traten die Phänomene in der Vineyard-Gemeinde nahe dem Lester B. Pearson International Airport verstärkt auf.

Bis September 1995 besuchten ungefähr 600.000 Menschen die Veranstaltungen der Gemeinde. Im selben Zeitraum stieg ihre Mitgliederzahl von 360 auf über 1000. Viele Charismatiker reisten nach Toronto und berichteten anschließend von vergleichbaren Erscheinungen in anderen Gemeinden. Dadurch verbreitete sich der Torontosegen rasch weltweit.

In den folgenden Jahren nahmen die besonders starken „Manifestationen“, also die sichtbaren körperlichen oder emotionalen Erscheinungen, allmählich ab. In manchen Gemeinden wurden sie zu einem normalen Bestandteil besonderer Veranstaltungen. Andere Gemeinden unterbanden sie, indem sie in Gottesdiensten auf persönliche Segnungen verzichteten.

Im Dezember 1995 endete die Zugehörigkeit der Torontoer Flughafengemeinde zum Vineyard-Netzwerk. Seit 1996 hieß sie Toronto Airport Christian Fellowship (TACF). Seit 2010 tritt sie unter dem Namen Catch The Fire Toronto auf und gehört zum Gemeindenetzwerk Catch The Fire, das von John und Carol Arnott geleitet wird.

Typische Reaktionen und Umgang damit

Zu den beim Torontosegen beobachteten Reaktionen gehören:

  • Umfallen, das als „Ruhen im Geist“ gedeutet wird
  • Lachen, Weinen und euphorische Zustände, die dem Heiligen Geist zugeschrieben werden
  • Zungenreden
  • Zittern und Schütteln
  • ungewöhnliche Bewegungen und Laute, darunter Tierlaute
  • lautes Schreien, das als Ausfahren böser Geister gedeutet wird
  • Ohnmachten und lähmungsähnliche Erscheinungen
  • histrionisches, also auffällig theatralisches und stark auf Wirkung ausgerichtetes Verhalten

In Anlehnung an Bibelstellen wie Apg 2,13 werden manche Zustände, beispielsweise das Lachen, von Anhängern als „Trunkenheit im Geist“ bezeichnet. Die Reaktionen können spontan entstehen. Sie werden aber auch gezielt ausgelöst oder verstärkt, etwa durch segnendes Handauflegen, Zufächeln von Luft oder Anblasen. Wind und Atem gelten dabei als Symbole für den Heiligen Geist.

Beim „Ruhen im Geist“ sollen sogenannte Fänger Verletzungen verhindern. Wenn erkennbar ist, dass eine Person umfallen könnte, stellen sie sich hinter sie, fangen sie auf und legen sie vorsichtig auf den Boden.

Zittern, Schütteln und ähnliche Erscheinungen waren nicht völlig neu. Sie waren bereits früher unter anderem bei den Quäkern beobachtet worden. John Wimber, der Gründer der Vineyard-Bewegung, berichtete ebenfalls von vergleichbaren Vorgängen in seiner Gemeinde in Anaheim und bei anderen Erweckungen weltweit.

Unterschiedliche Deutungen

Die Bewertung des Torontosegens ist umstritten. Befürworter betrachten ihn als Wirken des Heiligen Geistes. Sie verstehen den Geist Gottes als Kraft und betonen, dass Beteiligte die Reaktionen häufig als befreiend, erfrischend und entspannend empfänden. Deshalb schreiben sie dem Segen Heilungs- und Befreiungsprozesse zu.

Auch innerhalb der charismatischen Bewegung gab es Kritik. Manche religiösen Kritiker deuteten die Erscheinungen als dämonisch. Dabei kamen gegensätzliche Auslegungen vor: Die Reaktionen galten entweder als negatives Zeichen von Besessenheit oder als sichtbares Zeichen einer Befreiung von dunklen Mächten.

Skeptiker erklären die Vorgänge dagegen als typische hysterische Reaktionen, wie sie auch in vergleichbaren religiösen und nichtreligiösen Situationen vorkommen könnten. Ihrer Auffassung nach entstehen die körperlichen und psychischen Reaktionen allein aus der Erwartung der Betroffenen, eine solche Erfahrung zu machen.

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