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Tod und Totenkult im antiken Griechenland

Dieser Artikel beschreibt die Vorstellung vom Tod, die Bestattung und die Rituale zur Ehrung der Verstorbenen im antiken Griechenland.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundvorstellung von Tod und Jenseits
  2. 2. Gräber und ihre Gestaltung
  3. 3. Bestattung, Trauer und Totenkult
  4. 4. Mysterienkulte und andere Jenseitshoffnungen

Grundvorstellung von Tod und Jenseits

Im antiken Griechenland wurden Jugend, Schönheit und Kraft besonders hoch geschätzt; Krankheit, Alter und Tod lösten oft Abscheu aus. Zugleich mussten jüngere Familienmitglieder alte Verwandte achten und bis zu ihrem Tod unterstützen. Die Haltung zum Alter unterschied sich zwischen den Stadtstaaten: In Athen galt es häufig als „Zeit des Niedergangs“ und wurde verspottet, während die Spartaner Älteren großen Respekt entgegenbrachten.

Verstorbene stellte man deshalb in Bildern meist gesund, jung und schön dar. Sie wurden zu Heroen, also zu Unsterblichen, denen der Tod ewige Jugend verlieh. Diese Heroisierung ist von der archaischen Zeit bis zur hellenistischen Epoche nachweisbar und wird mit der verbreiteten Todesfurcht erklärt.

Die Griechen fassten die Seele als psyche auf. Beim Sterben löste sie sich vom Körper und flog als eidolon, als körper- und schwereloses Ebenbild des Menschen, in den Hades. Dieses Ebenbild konnte leiden und sich nach dem Leben zurücksehnen. Der Hades war das Reich der Toten unter dem Gott Hades und seiner Ehefrau Persephone (Kore). Damit die Seele dorthin gelangen konnte, waren Begräbnisrituale und letzte Ehren notwendig.

Das Totenreich galt überwiegend als düstere, freudlose Ruhestatt. Die Toten tranken beim Übergang aus dem Fluss Lethe, dem Fluss des Vergessens; danach kannten sie weder Zukunft noch Vergangenheit, sondern nur die ewige Gegenwart der Unterwelt. In der Odyssee gibt Odysseus den Seelen Blut von Opfertieren, sodass sie sich kurz erinnern können. Achilleus erklärt dort, er wäre lieber auf Erden ein Tagelöhner bei einem Armen als Herrscher über alle dahingeschwundenen Toten (11, 489 ff.).

Später wurde der Hades genauer vorgestellt: Ein Fluss umgab das Reich, den nur der Fährmann Charon überqueren konnte, begleitet vom dreiköpfigen Höllenhund Kerberos. Eine Rückkehr war ausgeschlossen. Deshalb gab man Toten einen Obolus als Bezahlung für Charon mit. Gerade weil das Leben nach dem Tod so unerquicklich erschien, gewann das kurze irdische Leben an Wert; Menschen wollten in der Erinnerung der Lebenden fortbestehen.

Gräber und ihre Gestaltung

Antike griechische Friedhöfe lagen meist außerhalb der Stadt; dort entstanden Nekropolen, also größere Begräbnisorte. Gräber gehörten in der Regel Familien. Eine Ausnahme waren staatlich finanzierte Gemeinschaftsgräber, Polyandrion genannt, für im Kampf gefallene Soldaten.

Aus großen Steinen als Grabkennzeichen entwickelten sich Grabstelen. Anfangs waren sie fast unbearbeitet und nannten nur die tote Person. In Attika entstanden ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. hohe, schmale und nach oben schmaler werdende Stelen. Um die Jahrhundertmitte erschienen auf Kreta die ersten figürlichen Darstellungen, etwa Frauen mit Spindeln oder bewaffnete Krieger. Im 6. Jahrhundert v. Chr. gab es besonders in Athen prunkvolle Gräber mit Flachreliefs, die die Verstorbenen als Idealbilder zeigten.

Mit der Einführung der Demokratie im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde dieser Aufwand begrenzt. Höchstens zehn Männer durften höchstens drei Tage an einer Begräbnisstätte arbeiten. Aufrechte Steine und bemalte Tafeln waren als Schmuck verboten; stattdessen stellten Athener Vasen auf, die das gewünschte Grabdenkmal abbildeten.

Ab der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurden Gräber wieder aufwändiger und persönlicher. Darstellungen zeigten beispielsweise eine Frau mit einer Amme und ihrem Kind oder einen Soldaten beim Abschied von Frau und Kindern. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurden niedrige Begrenzungsmauern zu monumentalen Einfriedungen für oft drei oder vier, manchmal noch mehr Gräber. Sie konnten mehrere Familienmitglieder und deren Sklaven aufnehmen. Sklavengräber trugen dagegen nur schlichte Säulenstümpfe mit dem Namen.

Bestattung, Trauer und Totenkult

Die Bestattung war die höchste Pflicht der Angehörigen. Sie zu vernachlässigen galt als Vergehen gegen die verstorbene Person und gegen die Götter. Der Körper wurde mit duftenden Essenzen und Wasser gewaschen, das in besonderen Vasen für den Totenkult aufbewahrt wurde. Man kleidete ihn weiß, umwickelte ihn mit Stoffbinden, hüllte ihn in ein Leichentuch und legte ihn auf ein Totenbett. Der mit Blumen bekränzte Kopf ruhte auf einem Kissen. Dies geschah normalerweise im privaten Kreis vor dem Haus, in Athen jedoch in einem öffentlichen Trauerhaus.

Die Familie trauerte am Totenbett in Trauerkleidung. Angehörige schnitten ihr Haar ab, flochten es zu Kränzen und legten diese auf den Hausaltar, auf dem oft Bilder bereits verstorbener Verwandter standen. Bezahlte Klageweiber sangen Totenklagen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurden Klageweiber während der Maßnahmen gegen Prunk zeitweise verboten; auch die Zahl der Teilnehmenden an einer Bestattung wurde eingeschränkt.

Die Beisetzung fand frühmorgens vor Sonnenaufgang statt, damit der Anblick des Toten die Götter nicht beleidigte. Später legte man eine Münze für Charon in den Mund und gab Honigkuchen für die Götter der Unterwelt mit. Ein Leichenzug brachte den Körper zum Friedhof außerhalb der Stadt; teilweise wurde ein prunkvoller Leichenwagen verwendet. In Reden lobte man Leben und Taten des Verstorbenen. Der Körper wurde mit Grabbeigaben begraben oder auf einem Scheiterhaufen verbrannt; die Asche bewahrte man dann in einer Urne auf. Danach folgte ein Leichenschmaus.

Am dritten Tag besuchten Verwandte das Grab erneut und brachten Speise- und Trankopfer dar. Wein, Milch, Salz, Kuchen, Nüsse und Früchte kamen in Schalen mit durchlöchertem Boden, damit die Gaben in die Erde sickern konnten. Es folgte ein Familienmahl. Weitere Feiern fanden am 9. und am 30. Tag statt; der 30. Tag beendete mit Totenmahl und Totenopfer die Trauerzeit. Danach wiederholte man die Zeremonie jährlich am Todestag.

Auch Trankopfer, andere Opfer wie das Enagisma und Feste sollten den Toten vermutlich ihr freudloses Dasein erleichtern oder verhindern, dass sie den Lebenden schadeten. Nekropolen belegen dies durch Asche von Opfertieren nahe den Gräbern und große Gefäße für Trankopfer. In Athen ehrte eine Art „Volkstrauertag“ die Gefallenen des Krieges: Ihre Verdienste für das Vaterland wurden hervorgehoben und mit den Helden der Vergangenheit verglichen, ohne Einzelne oder die Gegenwart in den Mittelpunkt zu stellen.

Mysterienkulte und andere Jenseitshoffnungen

Mysterienkulte entwickelten ältere Welt- und Todesvorstellungen weiter. Wer moralische Richtlinien befolgte, sollte nach dem Tod ein glückseliges Leben erwarten dürfen. Wegen fehlender schriftlicher Überlieferungen ist über diese Kulte nur wenig bekannt. Dazu gehörten die Orphiker, die eleusinischen Mysterien mit dem Demeterkult und die Pythagoreer.

Die Orphik knüpfte an den Mythos von Orpheus und Eurydike an. Nach dem zweiten Verlust seiner Frau soll Orpheus zu einer asketischen Lebensweise aufgerufen haben: kein Fleisch und keine blutigen Opfer. Nach orphischer Vorstellung wurden „Sünder“ nach dem Tod hart bestraft, während „Gerechte“ auf den „Inseln der Seligen“, auch elysische Felder genannt, ein wonnevolles Leben führten.

Die Mysterien der Demeter versprachen nach Isokrates in seinem Panegyrikos (Isocr. or. 4, 28) den Gläubigen Trost und Hoffnung für das Ende des Lebens und die Ewigkeit. Demeter habe den Ahnen außerdem den Ackerbau geschenkt. Da es sich um einen Geheimkult handelte, ist die genaue Jenseitsvorstellung nicht bekannt.

Die Schule des Pythagoras hatte ihre Blütezeit im 5. Jahrhundert v. Chr. Auch sie verlangte den Verzicht auf Fleisch und auf dicke Bohnen. Die Pythagoreer glaubten an die Metempsychose, die Wiedergeburt der Seele. Es wird berichtet, Pythagoras habe sich an frühere Leben erinnert, unter anderem an einen Kampf im Trojanischen Krieg. Die Lehre wurde nur mündlich in Lehrsätzen überliefert.

Diese Kulte blieben Randgruppen und wurden häufig verspottet; die meisten Griechen hielten am Hades-Glauben fest. Innerhalb dieses Glaubens entstand jedoch ein dualistisches Modell: Tartaros war der furchtbare Abgrund für Feinde der Götter, Elysium der Ort für ihre Lieblinge. Noch entschieden nicht die individuellen Taten und die Verantwortung eines Menschen über das Schicksal nach dem Tod, doch diese Zweiteilung deutet eine solche Vorstellung bereits an.

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