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Tirtha
Weitere berühmte Tirthas sind die zwölf Jyotirlingas des Shiva, die Shakti-pithas für die Göttin Shakti, die vier Plätze der Kumbh Mela (Haridwar, Prayaga …
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Begriff und religiöse Bedeutung
Ein Tirtha (Sanskrit: tīrtha, „Furt“ oder „Übergang“) ist im Hinduismus ein heiliger Ort, der eng mit Wasser verbunden ist und meist als Pilgerort dient. Der Begriff bezeichnet außerdem religiöse Texte, bestimmte Punkte an der Hand, etwa das Brahma tirtha am Daumenballen, sowie andere Objekte, die als besonders rein und heilig gelten.
Ursprünglich war ein Tirtha eine Furt an einem Fluss, also eine Stelle, an der man sicher von einer Seite zur anderen gelangen konnte. Diese Bedeutung wurde auf eine metaphysische Ebene übertragen: Ein Tirtha gilt als Übergangsstelle oder Knotenpunkt zwischen verschiedenen Welten. Die Grenze zwischen ihnen wird dort als besonders schmal und durchlässig verstanden. Deshalb können Menschen an einem Tirtha leichter Erlösung (moksha) erlangen. Zugleich steigen die Götter nach hinduistischer Vorstellung gerade an diesen Orten gerne von oben herab.
Sakralgeographie Indiens
Aus der Vorstellung besonderer Übergangsstätten entwickelte sich in ganz Indien eine Sakralgeographie, also eine religiöse Ordnung heiliger Orte. Vier panindische Tirthas gelten als Wohnsitze der Götter und begrenzen das Land: Badrinath im Norden, der Jagannath-Tempel im Osten, Rameswaram im Süden und Dvaraka im Westen.
Weitere bedeutende Gruppen heiliger Orte sind die zwölf Jyotirlingas des Shiva, die Shakti-pithas der Göttin Shakti und die vier Plätze der Kumbh Mela: Haridwar, Prayaga, Nasik und Ujjain. Außerdem zählen sieben Städte zu den Städten der Erlösung: Ayodhya, Mathura, Haridwar, Varanasi, Kanchipuram, Ujjain und Dvaraka.
Pilgerreise und religiöse Praxis
Die Pilgerreise zu einem oder mehreren Tirthas heißt tirtha-yatra. Sie ist seit dem Mahabharata belegt; die Puranas preisen die religiösen Verdienste, die aus ihr entstehen. Grundsätzlich unterliegt die Pilgerreise keinen Beschränkungen nach Kaste oder Geschlecht. Sie verbindet kulturelle Elemente alter Volkstraditionen mit dem Brahmanismus.
An Tirthas werden unterschiedliche religiöse Praktiken ausgeübt. Dazu gehören brahmanische Riten wie der Opferguss ins Feuer (homa), Ahnenriten (sraddha) sowie Morgen- und Abendmeditation (sandhya). Hinzu kommen populäre Volkspraktiken wie Verehrungszeremonien (puja), gemeinsames Singen religiöser Lieder (kirtana), andächtiges Hören mythologischer Erzählungen und religiöse Prozessionen (jatra). Im heutigen Hinduismus hat die Pilgerreise als Ausdruck religiöser Frömmigkeit eine zentrale Bedeutung.