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Theo Rauch
Theo Rauch (* 17. Juli 1945 in München) ist Diplom-Volkswirt, promovierter Wirtschafts- und Sozialgeograph (Dr. rer. nat.) und außerplanmäßiger Professor am …
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Profil und zentrale Arbeitsfelder
Theo Rauch (* 17. Juli 1945 in München) ist Diplom-Volkswirt, promovierter Wirtschafts- und Sozialgeograph (Dr. rer. nat.) und außerplanmäßiger Professor am Zentrum für Entwicklungsländerforschung des Geographischen Instituts der FU Berlin. Seine Arbeit verbindet Entwicklungsforschung, Hochschullehre und entwicklungspolitische Praxis. Er war langjähriger Mitarbeiter der GTZ und arbeitete besonders zu regionaler Wirtschaftsentwicklung und ländlichem Strukturwandel.
Ein durchgehendes Anliegen Rauchs ist der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis: Entwicklungspolitische Maßnahmen sollen stärker auf Entwicklungstheorien beruhen; umgekehrt sollen praktische Erfahrungen die Weiterentwicklung von Theorien beeinflussen. Seine Arbeiten verfolgen zudem eine multidimensionale und damit multidisziplinäre Sicht auf Entwicklungsprozesse. Später setzte er einen Mehr-Ebenen-Ansatz ein. Dieser betrachtet das Zusammenwirken der politischen Ebenen global, national, regional und lokal.
Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen ländliche Regionalentwicklung, Dezentralisierung, Armut, Globalisierung sowie kleinbäuerliche Lebenshaltungssysteme in Afrika. Ländliche Regionalentwicklung bezeichnet dabei die auf eine ländliche Region bezogene Planung und Förderung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Dezentralisierung meint die Verlagerung von Aufgaben und Entscheidungsbefugnissen auf untergeordnete, etwa kommunale Ebenen.
Berufliche Stationen und Praxis
Nach Abitur am Wirtschaftsgymnasium München, zwei Jahren Bundeswehr in Neunburg v. Wald und einem Studium der Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschafts- und Sozialgeographie an der LMU München schloss Rauch sein Diplom im Alter von 27 Jahren ab. Ab 1974 arbeitete er am Geographischen Institut der FU Berlin zu regionalen Disparitäten in Entwicklungsländern und zum Industrialisierungsprozess in Nigeria, besonders in den „Wachstumszentren“ Kano und Kaduna. 1980 erhielt er für die Arbeit „Das nigerianische Industrialisierungsmuster und seine Implikationen für die Entwicklung peripherer Räume“ den Doktortitel Dr. rer. nat. Die Untersuchung war dependenztheoretisch geprägt; die Dependenztheorie erklärt Entwicklungsprobleme unter anderem durch Abhängigkeitsverhältnisse zwischen wirtschaftlichen Zentren und peripheren Räumen.
Erste Praxiserfahrungen gewann Rauch als GTZ-Gutachter in Sambia und Äthiopien. Von 1982 bis 1985 leitete er im Auftrag der GTZ das neu eingerichtete staatliche Provinzplanungsamt der NW-Provinz Sambias. Von 1988 bis 1993 arbeitete er am Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE), zunächst an der TU und später an der HU Berlin. Dort leitete er Studienprojekte in Sambia und Malawi und wirkte an der Evaluierung und Weiterentwicklung des Konzepts der Ländlichen Regionalentwicklung für BMZ und GTZ mit.
Seine 1996 entstandene Habilitationsschrift trägt den Titel „Ländliche Regionalentwicklung im Spannungsfeld zwischen Weltmarkt, Staatsmacht und kleinbäuerlichen Strategien“. Von 1997 bis 2001 beriet er für die GTZ das Ministry for Local Government in Pretoria. Gemeinsam mit südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen entwickelte er ein Verfahren kommunaler Entwicklungsplanung für die 287 südafrikanischen Gemeinden und Distrikte sowie Curricula für Bürgermeister und Planungsfachleute. 2001 aktualisierte er das LRE-Konzept im Fachverbund „Ländliche Entwicklung Afrika“ der GTZ; anschließend wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Humangeographie an der FU Berlin ernannt.
Von 2001 bis 2011 war Rauch als Gutachter und Dozent für GTZ, DED, Welthungerhilfe, Misereor und das Department for International Development (DFID) tätig. Seit seinem 69. Lebensjahr arbeitet er als freiberuflicher Wissenschaftler und Dozent in Berlin. Nach seiner Verabschiedung von der universitären Lehre 2022 ist er seit 2023 Hochschullehrer im Ruhestand, weiterhin aber Referent und Diskussionspartner. Forschungsarbeiten zum ländlichen Strukturwandel in Subsahara-Afrika und zu nachhaltigem Bodenmanagement richteten sich auf sozial inklusiven und ökologisch nachhaltigen Strukturwandel sowie kleinbauernorientierte landwirtschaftliche Dienstleistungssysteme. Eine 2015 mit Maria Tekülve verfasste Review-Studie zu Veränderungen in der NW-Provinz Sambias behandelte „25 Jahre danach“ Kontinuität und Wandel.
Wichtige Veröffentlichungen
Rauchs Veröffentlichungen behandeln Entwicklungstheorien, entwicklungspolitische Strategien und Instrumente sowie Afrika, ländliche Entwicklung, Migration und Dezentralisierung. Zu den zentralen Monographien gehören „Entwicklungspolitik. Theorien, Strategien, Instrumente“ (Braunschweig, Westermann, 2009), das Schulbuch „Afrika im Prozess der Globalisierung“ (Braunschweig, Westermann – Diercke Spezial, 2007), seine Habilitationsschrift von 1996 und die Dissertation „Das nigerianische Industrialisierungsmuster und seine Implikationen für die Entwicklung peripherer Räume“ (Hamburg, 1981).
Mit Maria Tekülve veröffentlichte er „Alles neu, neu, neu! in Afrika. Vier Jahrzehnte Kontinuität und Wandel in der sambischen Provinz“ (2017). Mit David Kersting erschien „Agrardienstleistungen für Ernährungssicherung und nachhaltiges Bodenmanagement“ (2016); gemeinsam mit Matthias Bartels und Albert Engel verfasste er „Regional Rural Development. A regional response to rural poverty“ (GTZ, 2001).
Wiederkehrende Aussagen seiner Fachartikel sind, dass bessere Rahmenbedingungen allein Armut nicht beseitigen und dass Dezentralisierung kein Allheilmittel sei, sondern kontextspezifisch gestaltet werden müsse. Weitere Themen sind Armutsbekämpfung von „Basic Needs“ zu den MDGs, Globalisierung und Hilfe sowie translokale Existenzsicherung in Subsahara-Afrika und internationale Migration. 2021 veröffentlichte er unter anderem „Neither Fortress Nor Open Gate: Proposals for a Humane But Realistic Migration Policy“ und „Plädoyer für einen Beschäftigungspakt mit Afrika“. 2024 trat er im Podcast „Konzepte gegen die Migrationskrise & wie Entwicklungspolitik die Ursachen bekämpfen kann“ von noseystefan auf.