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The Social Chain

The Social Chain AG ist ein 2014 gegründetes börsennotiertes, in Berlin ansässiges E-Commerce- und Social-Media-Unternehmen, das sich seit 2023 in einem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Geschäftsmodell und Entwicklung
  3. 3. Beanstandungen durch die Finanzaufsicht
  4. 4. Insolvenz und Folgen
  5. 5. Aktionäre und Kritik

Überblick

The Social Chain AG ist ein 2014 gegründetes, börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Berlin. Es verbindet E-Commerce, also den Verkauf von Waren über digitale Handelswege, mit Social Media und Social-Media-Marketing. Seit 2023 befindet sich das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren.

Bekannt wurde The Social Chain vor allem durch die Beteiligung von Georg Kofler und Ralf Dümmel. Beide sind Unternehmer, Investoren und TV-Persönlichkeiten und wurden einem breiten Publikum durch die Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Kofler war Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender; Dümmel kam im Zusammenhang mit der Übernahme der DS Holding in den Vorstand.

Geschäftsmodell und Entwicklung

The Social Chain wurde 2014 als Social-Media-Publishing-Unternehmen gegründet. Später baute die Gesellschaft schrittweise ihr E-Commerce-Geschäft aus und betrieb außerdem Social Media Marketing für andere Unternehmen. Die Grundidee war, dass The Social Chain als Holding-Struktur dient. Eine Holding ist eine Gesellschaft, die Beteiligungen an anderen Unternehmen hält. The Social Chain sollte dabei selbst Eigentümerin von Marken werden, die über Social Media beworben und verkauft werden.

2019 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 130 Mio. Euro. Davon stammten 103 Mio. Euro aus E-Commerce und rund 27 Mio. Euro aus Social Media.

Am 19. Oktober 2021 gab The Social Chain die Übernahme aller Anteile an der DS Holding GmbH bekannt, einem Handelsunternehmen aus Stapelfeld. Die DS Holding war deutlich größer und hatte 2020 einen Jahresumsatz von rund 296 Mio. Euro. Gegen Ende des Berichtsjahres 2021 hatte The Social Chain 1.271 Mitarbeitende und erzielte einen Jahresumsatz von 312,7 Mio. EUR.

Noch im Juni 2023 kündigte die Unternehmensleitung auf der Hauptversammlung eine beabsichtigte Umbenennung in „Tomorrow Now“ sowie Grundzüge einer veränderten Geschäftsstrategie an.

Beanstandungen durch die Finanzaufsicht

Im Juli 2023 rügte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, das Unternehmen. Die BaFin ist die deutsche Finanzaufsichtsbehörde. Grund waren millionenschwere Fehlbuchungen im Jahresabschluss.

Nach den Feststellungen wurden 50 Mio. Euro aus einem Bankdarlehen und 9 Mio. Euro aus dem Verkauf eigener Aktien fälschlicherweise als Cashflow aus operativer Tätigkeit verbucht. Cashflow aus operativer Tätigkeit bedeutet vereinfacht: Geldzufluss oder Geldabfluss aus dem eigentlichen laufenden Geschäft. Durch die falsche Zuordnung wurde ein eigentlich negativer Cashflow positiv dargestellt.

In einer ZDF-Dokumentationsfilmreihe erklärte Georg Kofler den Vorgang mit einem angeblichen Software-Fehler. Marc Liebscher von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, kurz SdK, bewertete dies kritisch. Er wies darauf hin, dass gerade diese falsch ausgewiesenen Kennzahlen für Anlegerinnen und Anleger bei einem jungen, möglicherweise zunächst defizitären Start-up besonders wichtig seien.

Insolvenz und Folgen

Trotz steigender Umsätze machte The Social Chain wiederholt Verluste. Bis Ende 2022 häufte das Unternehmen Verluste an; für dieses Jahr wurde ein negatives Betriebsergebnis von −106,8 Mio. EUR genannt.

Am 20. Juni 2023 soll der Unternehmer Lars Windhorst nach Angaben des mit ihm befreundeten Georg Kofler zugesagt haben, sich über seine Unternehmensgruppe Tennor als „Backstop-Investor“ an einer Kapitalerhöhung von The Social Chain über 3 Mio. EUR zu beteiligen. Eine Kapitalerhöhung bedeutet, dass einem Unternehmen neues Eigenkapital zugeführt werden soll. Diese Beteiligung sollte helfen, eine Insolvenz abzuwenden. Nach Koflers Angaben erfüllte Tennor die Zahlungsverpflichtungen jedoch nicht. Windhorst erklärte später, The Social Chain habe bestimmte Bedingungen nicht erfüllt. Kofler bestritt dagegen, dass Tennor überhaupt Bedingungen gestellt habe.

Am 24. Juli 2023 stellte The Social Chain einen Insolvenzantrag. Nicht betroffen waren die Tochtergruppe DS Holding und die Werbe- und Medienagentur drtv Agency. Seitdem befindet sich das Unternehmen in Eigenverwaltung. Eigenverwaltung bedeutet, dass ein insolventes Unternehmen unter gerichtlicher Aufsicht selbst an seiner Sanierung mitarbeitet. Diese Eigenverwaltung wurde durch einen Kredit von Ralf Dümmel und der DS Holding ermöglicht.

Im November 2023 kaufte Dümmel die zuvor von ihm geführte DS Holding GmbH zurück. The Social Chain hatte sie im Oktober 2021 für gut 220 Mio. EUR gekauft; Dümmel erwarb sie nun für 6,5 Mio. EUR zurück, also für einen Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises.

Im Oktober 2025 wurde über eine Börsenmeldung bekannt, dass The Social Chain an einem Insolvenzplan arbeitet. Dieser soll eine Entschuldung und die vollständige Übertragung der Aktien auf die MERIDIANA Capital Markets SE vorsehen. Für die bisherigen Aktionäre soll dies kompensationslos erfolgen, was einem Totalverlust der Anteilseigner gleichkommen würde. Die Gläubigerversammlung muss über den Insolvenzplan noch entscheiden. Ende 2025 hatte das Unternehmen keine Angestellten mehr.

Aktionäre und Kritik

Die Aktie von The Social Chain ist im Prime Standard der Börse Frankfurt notiert. Der Prime Standard ist ein Börsensegment mit besonderen Transparenzanforderungen. Größter Anteilseigner war ursprünglich Georg Kofler über seine Gruppe Georg Kofler GmbH mit 27,58 %. Kofler war zugleich Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender.

Ralf Dümmel, Geschäftsführer der DS Holding und wie Kofler Investor in „Die Höhle der Löwen“, zog nach der Übernahme der DS Holding im Oktober 2021 in den Vorstand von The Social Chain ein. Außerdem soll Andreas Ellermann ein größeres Aktienpaket besitzen, das er wohl Ende 2023 erworben hat.

Kritik am Geschäftsmodell äußerten im Dezember 2021 die Wirtschaftsjournalisten Christina Kyriasoglou und Jonas Rest im Manager Magazin. Sie stellten das defizitäre Geschäftsmodell infrage. Nach ihrer Darstellung würden mehrere Marken anders als vom Unternehmen behauptet nicht hauptsächlich online direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft, sondern weiterhin im margenschwächeren Einzelhandel. Außerdem hätten einige wichtige Influencer das Portfolio verlassen oder seien, wie etwa Stefanie Giesinger, auf dem Absprung gewesen.

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