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The Hate U Give (Film)
The Hate U Give ist ein Filmdrama von George Tillman, Jr., das am 7. September 2018 beim Toronto International Film Festival seine Weltpremiere feierte und …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Handlung
The Hate U Give ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2018 mit einer Länge von 133 Minuten. Regie führte George Tillman, Jr.; das Drehbuch schrieb Audrey Wells. Im Mittelpunkt stehen Rassismus, soziale Ungleichheit, Polizeigewalt und die Frage, wie Menschen angesichts von Ungerechtigkeit handeln können.
Die 16-jährige Starr Carter lebt mit ihrer Familie in Garden Heights, einem einkommensschwachen, überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Viertel. Ihr Vater Maverick betreibt dort den Lebensmittelladen Carters Grocery. Früher war er die rechte Hand von King, dem Anführer der King Lords, konnte sich aber mit Starrs Mutter Lisa aus dem kriminellen Umfeld lösen. Lisa arbeitet in einem Krankenhaus. Gemeinsam ermöglichen sie ihren Kindern den Besuch der Williamson, einer vor allem von privilegierten Weißen besuchten Privatschule.
Starr bewegt sich zwischen diesen beiden Lebenswelten. In der Schule verbirgt sie ihren Hintergrund und passt ihre Sprache und ihr Verhalten an. Auch ihr weißer Freund Chris kennt ihre Herkunft zunächst nicht. Ihr Vater hat Starr, ihren Halbbruder Seven und den jüngeren Sekani bereits als Kinder mit dem Zehn-Punkte-Programm der Black Panther vertraut gemacht und ihnen erklärt, wie sie sich bei einer Polizeikontrolle verhalten sollen.
Auf einer Party trifft Starr ihren Freund aus Kindertagen, Khalil. Nach Schüssen auf der Party fährt er sie nach Hause. Bei einer Polizeikontrolle wird Khalil von Officer Brian Macintosh Jr. erschossen. Der Polizist glaubt, Khalil greife nach einer Waffe; tatsächlich wollte Khalil seine Haarbürste nehmen. Starr wird auf der Polizeiwache von ihrem Onkel Carlos, der selbst Polizist ist, aus einer Befragung geholt, weil diese zunehmend Khalils kriminelle Vergangenheit und eine angebliche Bedrohung des Officers in den Mittelpunkt stellt.
Vor einer möglichen Klage muss Starr vor einer Grand Jury aussagen. Die Anwältin April Ofrah von der Bewegung „Just Us for Justice“ unterstützt die Familie. Starr entscheidet sich schließlich, öffentlich über Khalil zu sprechen. In einem Fernsehinterview erzählt sie von ihrer gemeinsamen Kindheit und davon, wie Khalil zu den King Lords kam. Gleichzeitig erhält die Familie Drohungen, Starr solle schweigen. Als der Officer trotz Starrs Aussage nicht zur Rechenschaft gezogen wird, nimmt sie mit Seven an einem Protestzug teil und spricht über ein Megafon zur Menge.
Der Protest wird gewaltsam aufgelöst. Starr und Seven fliehen in das Geschäft ihres Vaters, das ein Helfer Kings anzündet. Maverick rettet die Eingeschlossenen. Als er King zur Verantwortung ziehen will, droht eine Schießerei. Der jüngste Sohn Sekani richtet die Waffe seines Vaters auf King, während Polizisten ebenfalls ihre Waffen ziehen. Starr stellt sich schützend vor Sekani. Dadurch erkennt sie, dass Hass und Gewalt an die nächste Generation weitergegeben werden können, und die Waffen werden gesenkt.
Literarische Vorlage und Leitmotiv
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Angie Thomas. Das Buch wurde 2018 mit dem Waterstone’s Children’s Book Prize und dem Preis der Jugendjury beim Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Es erreichte Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times und war 2017 in den USA der meistverkaufte YA-Roman.
Angie Thomas wuchs wie ihre Hauptfigur in einem armen, vor allem von Schwarzen bewohnten Viertel auf und besuchte eine Privatschule mit überwiegend weißen Kindern. Sie kennt daher das Code-Switching: Damit ist die Anpassung von Sprache und Verhalten an unterschiedliche soziale Umgebungen gemeint. Auch Starr setzt dieses Verhalten ein, um in Garden Heights und an der Williamson jeweils akzeptiert zu werden.
Der Titel geht auf ein Zitat des Rappers Tupac Shakur zurück. THUG LIFE ist ein Akronym für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody“. Gemeint ist der Hass, den ein gegen bestimmte Menschen gerichtetes gesellschaftliches System hervorbringt und der an Kinder und nachfolgende Generationen weitergegeben wird. Das Leitmotiv verbindet Starrs Erfahrungen mit dem Schluss des Films: In Sekani erkennt Starr eines dieser „Little Infants“, das durch die Gewalt der Erwachsenen geprägt wird. Indem sie sich vor ihn stellt, versucht sie, die Gewaltspirale zu beenden.
Auch das Zehn-Punkte-Programm der Black Panther ist für die Vorlage und den Film wichtig. Es enthält Ideen aus der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung der USA und sollte den Mitgliedern ermöglichen, frei zu leben und zu überleben. Maverick vermittelt seinen Kindern damit Kenntnisse über ihre Rechte und ihren Wert.
Produktion, Besetzung und Veröffentlichung
George Tillman, Jr. führte Regie. Audrey Wells adaptierte den Roman für den Film; sie starb am 4. Oktober 2018, einen Tag vor dem Start in ausgewählten US-Kinos. Eine Abweichung von der Romanvorlage besteht darin, dass Starrs Familie am Ende ihre gefährliche Neighborhood nicht verlässt. Tillman hatte das Buch bereits vor seiner Veröffentlichung gelesen und wollte die Geschichte trotz der jungen Hauptfigur auch aus einer Perspektive erzählen, die Erwachsene anspricht.
Amandla Stenberg spielt Starr Carter. Russell Hornsby und Regina Hall verkörpern ihre Eltern Maverick und Lisa. TJ Wright spielt Sekani, Lamar Johnson den Halbbruder Seven, K. J. Apa Starrs Freund Chris, Common den Polizisten Carlos und Algee Smith den erschossenen Khalil. Dominique Fishback spielt Kenya, Sabrina Carpenter Hailey und Issa Rae die Anwältin April Ofrah. Die Dreharbeiten begannen am 12. September 2017 in Atlanta. Kameramann war Mihai Mălaimare Junior.
Die Filmmusik komponierte Dustin O’Halloran. Der Soundtrack mit insgesamt 14 Musikstücken erschien am 12. Oktober 2018 bei Def Jam Recordings. Er enthält unter anderem Beiträge von Kendrick Lamar, Pusha T, 2Pac, Travis Scott, Bobby Sessions, Jadakiss und Logic sowie den Song „We Won’t Move“ von Arlissa.
Die Weltpremiere fand am 7. September 2018 beim Toronto International Film Festival statt. Beim San Diego International Film Festival wurde der Film ab 12. Oktober 2018 vorgestellt. In ausgewählten US-Kinos startete er am 5. Oktober 2018, landesweit am 19. Oktober 2018. Die Europapremiere erfolgte am 20. Oktober 2018 beim London Film Festival. In Deutschland kam der Film am 28. Februar 2019 ins Kino. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz 2018 wurde außerdem ein #WirSindMehr-Screening organisiert; die deutsche Vorpremiere fand am 20. September 2018 im Filmpalast Köln statt.
Themen, Genre und Rezeption
In den USA erhielt The Hate U Give die Altersfreigabe PG-13, in Deutschland gab die FSK den Film ab 12 Jahren frei. Die FSK bezeichnete Rassismus, Vorurteile und rassistisch motivierte Polizeigewalt als eindringlich, aber jugendgerecht behandelt. Gewalt werde nicht reißerisch gezeigt; emotional intensive Konflikte bewegten sich in einem Rahmen, der Kinder ab 12 Jahren nicht überfordere.
Kritiker ordnen den Film als Jugenddrama und Coming-of-Age-Drama ein. Er verbindet die Entwicklung Starrs mit einem sozialen und politischen Konflikt. Antje Wessels betonte, der Film behandle ein dringliches und komplexes Thema auf Augenhöhe seines jugendlichen Publikums. Seine hellen Farben und weichen Konturen erinnerten zunächst beinahe an eine Coming-of-Age-Tragikomödie wie Love, Simon. Christian Fahrenbach und Bettina Dunkel hoben dagegen die Alltagsnähe, die Hilflosigkeit und die Ungerechtigkeit hervor. Im Vergleich zu Green Book sei The Hate U Give kein historisches Feelgood-Movie und keine versöhnliche Freundschaftsgeschichte, sondern ein aktuelles, wenig versöhnliches Plädoyer für Zivilcourage. Der Film zeige, dass Sprachlosigkeit, antrainierte Aggression und tief verwurzelter Rassismus nicht leicht zu überwinden sind.
Bei Rotten Tomatoes stimmten 97 Prozent der Kritiker dem Film zu; die durchschnittliche Bewertung lag bei 8,1 von 10 Punkten. Das Publikum in den USA vergab den CinemaScore „A+“, entsprechend einer „1+“. Am Eröffnungswochenende nahm der Film in 36 nordamerikanischen Kinos rund 500.000 US-Dollar ein. Weltweit erzielte er 34,9 Millionen US-Dollar. Wegen Produktionskosten von 23 Millionen US-Dollar und eines Marketing-Budgets von ungefähr 30 Millionen US-Dollar galt er für 20th Century Fox als finanzieller Misserfolg.
Für den Schulunterricht wird der Film für Englisch, Deutsch, Sozialkunde, Politik und Ethik empfohlen. Unterrichtsmaterialien ermöglichen Vor- und Nachbereitung. Themen können weitere Fälle oft nicht geahndeter Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, die angeblich „farbenblinde“ Toleranz an Starrs Schule und das Code-Switching sein. Im Januar und Februar 2020 wurde der Film bei den SchulKinoWochen in Nordrhein-Westfalen gezeigt. Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh das Prädikat „Besonders wertvoll“ und würdigte die vielschichtigen Figuren sowie die glaubwürdigen Einblicke in den US-amerikanischen Alltagsrassismus.
Zu den Auszeichnungen und Nominierungen gehören Publikumspreise beim Chicago International Film Festival 2018 und beim Hamptons International Film Festival 2018, ein Preis für das beste Drehbuch für Audrey Wells beim Philadelphia Film Critics Circle 2018 sowie Rising-Star-Auszeichnungen für Dominique Fishback und Amandla Stenberg. Außerdem gab es mehrere Nominierungen, unter anderem für Amandla Stenberg, Russell Hornsby, die Filmmusik und „We Won’t Move“. Der Song stand bei der Oscarverleihung 2019 auf der Shortlist für den besten Song, wurde aber nicht nominiert.
Deutsche Synchronisation
Die deutsche Synchronisation entstand unter der Dialogregie von Axel Malzacher im Auftrag der RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG in Berlin. Daniela Molina spricht Starr Carter, Bianca Krahl Lisa Carter, Milton Welsh Maverick, Salvadore-Hugo Garth Seven, Stefan Günther King, Dennis Schmidt-Foß Carlos, Max Felder Chris, Maximiliane Häcke Kenya, David Wittmann Khalil und Manik Gaschina Sekani.