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Stolz und Vorurteil
Hauptfiguren · Vater Bennet · Mutter Bennet · Jane Bennet · Elizabeth „Lizzi“ Bennet · Mary Bennet · Catherine „Kitty“ Bennet · Lydia Bennet · Fitzwilliam Darcy …
Inhalt6 Abschnitte
Kern des Romans
Stolz und Vorurteil, im Original Pride and Prejudice, ist der bekannteste Roman der britischen Schriftstellerin Jane Austen. Er erschien 1813 und ist zugleich Liebesroman, Entwicklungsroman und Studie der englischen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy. Beide sind zunächst durch Stolz, Vorurteile und Fehleinschätzungen geprägt, erkennen aber im Lauf der Handlung eigene Fehler und verändern ihre Haltung.
Der Roman spielt über etwas mehr als ein Jahr in ländlichen Kreisen nahe London an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Er zeigt wohlhabende bis reiche Familien, teils aus der Gentry, also dem niederen Landadel. Für die Familie Bennet mit fünf Töchtern ist Heirat nicht nur eine Frage der Liebe, sondern auch der wirtschaftlichen Sicherheit und des sozialen Standes. Das Familiengut Longbourn ist ein Fideikommiss: Es darf nur als Ganzes und nur in männlicher Linie vererbt werden. Nach dem Tod von Mr. Bennet würden seine Frau und Töchter daher einen großen Teil des Vermögens verlieren. Da Frauen aus Bürgertum und Gentry kaum Zugang zu Ausbildung hatten, die ein eigenes Einkommen ermöglicht hätte, ist die Frage der Ehe für sie existenziell.
Handlung
Als der junge und wohlhabende Charles Bingley in die Nachbarschaft der Bennets zieht, hofft Mrs. Bennet sofort auf eine Heirat mit einer ihrer Töchter. Bingley bringt seinen Freund Fitzwilliam Darcy mit, der aristokratisch, sehr reich und zunächst hochmütig wirkt. Elizabeth Bennet hört auf einem Ball, wie Darcy sie als nicht schön genug zum Tanzen bezeichnet. Sie fühlt sich verletzt und begegnet ihm von da an mit Ironie und Ablehnung. Gleichzeitig verlieben sich ihre ältere Schwester Jane und Bingley ineinander.
Elizabeth lehnt einen Heiratsantrag ihres Cousins William Collins ab. Collins wendet sich daraufhin ihrer Freundin Charlotte Lucas zu, die ihn aus finanzieller Vernunft heiratet. Elizabeth nähert sich George Wickham an, einem charmanten Offizier. Weil sie Darcy ohnehin misstraut, glaubt sie Wickhams Behauptung, Darcy habe ihn ungerecht behandelt. Später erfährt sie, dass Wickham selbst durch unsteten Lebenswandel und Glücksspiel in Schwierigkeiten geraten ist und sogar versucht hatte, Darcys 15-jährige Schwester Georgiana zur heimlichen Heirat zu überreden.
Darcy verliebt sich in Elizabeth und macht ihr einen Antrag, betont dabei aber zugleich ihre niedrigere Herkunft und die für ihn peinliche Familie. Elizabeth weist ihn zornig zurück und wirft ihm unter anderem vor, Jane und Bingley getrennt zu haben. Darcy erklärt sich daraufhin in einem Brief. Er gesteht seine Rolle bei der Trennung teilweise ein, hatte aber geglaubt, Jane empfinde wenig für Bingley. Elizabeth erkennt, dass auch sie selbst von Stolz und Vorurteil bestimmt war.
Im Sommer besucht Elizabeth mit Tante und Onkel Darcys Anwesen Pemberley. Sie ist von der Größe und Gestaltung des Guts beeindruckt und hört von der Dienerschaft Gutes über Darcy. Als sie ihn dort unerwartet trifft, verhält er sich höflich und freundlich. Kurz darauf flieht Elizabeth nach Hause zurück, weil ihre jüngste Schwester Lydia mit Wickham durchgebrannt ist. Eine Beziehung ohne Ehe würde den Ruf der ganzen Familie zerstören. Darcy findet Lydia und Wickham in London, bezahlt Wickhams Gläubiger und erreicht die Heirat der beiden. Elizabeth erfährt davon und ist sich ihrer Zuneigung zu Darcy sicher. Darcy unterstützt außerdem, dass Bingley wieder zu Jane zurückkehrt; Bingley macht Jane einen Antrag.
Am Ende versucht Lady Catherine de Bourgh, Darcys standesbewusste Tante, Elizabeth zu zwingen, einen möglichen Antrag Darcys abzulehnen. Elizabeth verweigert dieses Versprechen und behauptet ihr Recht auf persönliches Glück. Daraufhin schöpft Darcy neue Hoffnung. Er und Elizabeth gestehen einander ihre Liebe. Jane heiratet Bingley, Elizabeth heiratet Darcy.
Wichtige Figuren
Elizabeth „Lizzi“ Bennet ist 20 Jahre alt und die eigentliche Hauptfigur. Sie ist klug, beobachtet scharf und versucht, aus dem Verhalten anderer deren Charakter zu erkennen. Gerade diese Fähigkeit überschätzt sie aber zeitweise, besonders gegenüber Darcy und Wickham. Ihre Entwicklung besteht darin, eigene Fehleinschätzungen zu erkennen.
Fitzwilliam Darcy ist 28 Jahre alt, besitzt Pemberley in Derbyshire und hat ein Jahreseinkommen von 10.000 Pfund. Er wirkt zunächst stolz und abweisend, besonders gegenüber der Gesellschaft von Meryton. Nach Elizabeths Zurückweisung beginnt er, sein Verhalten kritisch zu betrachten. Seine Hilfe in der Lydia-Krise zeigt seine Veränderung.
Jane Bennet ist mit 22 Jahren die älteste Bennet-Tochter. Sie ist freundlich, zartfühlend und neigt dazu, anderen gute Absichten zu unterstellen. Deshalb zeigt sie ihre Gefühle für Bingley nur zurückhaltend, was Darcy falsch deutet. Charles Bingley ist 22 Jahre alt, Erbe von 100.000 Pfund und offen, freundlich, aber beeinflussbar. Er liebt Jane, lässt sich aber zunächst von Darcy und seiner Umgebung von ihr trennen.
George Wickham ist der Sohn von Darcys Gutsverwalter und der Patensohn von Darcys Vater. Er erscheint zunächst sympathisch, wird aber als unzuverlässig, verschuldet und berechnend entlarvt. William Collins ist Mr. Bennets Cousin zweiten Grades und möglicher Erbe von Longbourn. Er ist Pfarrer, abhängig von Lady Catherine de Bourgh und wird als peinlich-unterwürfige Figur dargestellt. Charlotte Lucas, Elizabeths 27-jährige Freundin, heiratet Collins aus Gründen finanzieller Sicherheit. Lydia Bennet, mit 15 die jüngste Schwester, handelt unbedacht und bringt durch ihre Flucht mit Wickham die Familie in Gefahr.
Gesellschaft und Deutung
Der Roman verbindet traditionelle und moderne Elemente. Traditionell ist der Rahmen: Frauen sind rechtlich und wirtschaftlich abhängig, Ehe ist für die weiblichen Figuren ein zentrales Lebensziel, und gesellschaftlicher Rang bestimmt viele Entscheidungen. Auch die Welt der landed gentry, also des landbesitzenden niederen Adels, gehört zu einer historischen Gesellschaftsordnung, in der produktive Arbeit in diesen Kreisen oft gering geschätzt wurde.
Modern wirkt vor allem Elizabeth Bennet. Sie ist aktiv, urteilsfähig, unabhängig im Denken und verteidigt ihr Recht auf persönliches Glück. Der Roman bleibt aber nicht einfach eine moderne Freiheitsgeschichte: Am Ende stabilisieren die Ehen auch gesellschaftliche Verbindungen zwischen Bürgertum, Gentry und Hochadel.
Wichtig ist außerdem die Erzählweise. Der Roman beginnt schnell und ironisch mit der berühmten Grundidee, dass ein reicher Junggeselle angeblich unbedingt eine Frau brauche, während eigentlich die Bennets dringend Ehemänner für ihre Töchter suchen. Die Figuren entwickeln sich überraschend: Wickham wird moralisch entlarvt, Darcy wird aufgewertet, und Elizabeth korrigiert ihr eigenes Urteil. Der Roman betont für eine Liebesgeschichte ungewöhnlich stark Vernunft, Beobachtung und Interpretation: Die Figuren müssen hinter höflichen Formen Neid, Hochmut, Eifersucht oder echte Zuneigung erkennen.
Entstehung, Übersetzungen und Ausgaben
Jane Austen entwarf eine erste Fassung des Romans bereits mit 21 Jahren unter dem Titel First Impressions. Dieses Manuskript wurde 1797 von ihrem Vater einem Verleger angeboten, aber abgelehnt. 1809/10 und 1812 arbeitete Austen wieder daran. Pride and Prejudice erschien am 28. Januar 1813 anonym mit der Angabe „by the author of Sense and Sensibility“ in drei Bänden und einer Auflage von 1.500 Exemplaren. Das Buch war innerhalb eines halben Jahres ausverkauft; noch 1813 erschien eine zweite Auflage.
Die erste vollständige französische Übersetzung erschien anonym 1821 in Paris. Die erste deutsche Übersetzung von Louise Marezoll erschien 1830 als Stolz und Vorurtheil im Verlag C. H. F. Hartmann in Leipzig. Spätere deutsche Übersetzungen stammen unter anderem von Karin von Schwab, Ilse Krämer, Margarethe Rauchenberger, Helmut Holscher, Werner Beyer, Ursula und Christian Grawe, Helga Schulz, Andrea Ott sowie Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. 2024 erschien auch eine Graphic Novel nach Jane Austen in deutscher Übersetzung von Claudia Kühn, illustriert von Tara Spruit.
Der Roman gehört zu den bekanntesten Werken der englischsprachigen Literatur. Er erreichte 2003 in einer BBC-Umfrage den zweiten Platz hinter Der Herr der Ringe und 2015 Platz 11 von 228 Romanen in einer Liste der besten 100 Bücher englischer Sprache. Weltweit wurden etwa 20 Millionen Exemplare verkauft.
Wirkung und Bearbeitungen
Stolz und Vorurteil wurde vielfach fortgesetzt, verfilmt und adaptiert. Jane Austen selbst beendet den Roman nur mit einem knappen Ausblick auf die weitere Zukunft der Hauptfiguren. Spätere Autorinnen und Autoren griffen diese Offenheit auf. Beispiele sind Elizabeth Astons Mr. Darcy’s Daughters, P. D. James’ Der Tod kommt nach Pemberley, Jo Bakers Im Hause Longbourn aus Sicht der Dienstboten und Janice Hadlows Miss Bennet mit Schwerpunkt auf Mary Bennet. Seth Grahame-Smiths Pride and Prejudice and Zombies von 2009 ist eine Parodie und ein Mashup mit Elementen moderner Zombieromane; 2016 wurde es verfilmt.
Der Stoff wurde laut Artikel nur zweimal werkgetreu fürs Kino umgesetzt, daneben gibt es viele Fernsehfassungen. Wichtige Verfilmungen sind der US-Kinofilm von 1940 mit Greer Garson und Laurence Olivier, mehrere BBC-Serien, besonders die sechsteilige Fassung von 1995 mit Jennifer Ehle und Colin Firth, sowie der Kinofilm von 2005 mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen.
Zu den freien Adaptionen gehören Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück von 2001, das mehrere Anlehnungen an Pride and Prejudice enthält, Bride & Prejudice von 2004, das die Handlung ins heutige Indien versetzt, und die Miniserie Lost in Austen von 2008, in der eine moderne junge Frau in die Romanwelt gerät. Außerdem wurde der Roman 1959 zu einem Broadway-Musical umgearbeitet und 2018 in der Komödie Stolz und Vorurteil* (*oder so) von Isobel McArthur neu auf die Bühne gebracht.