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Steigerwaldvorland

Es handelt sich um eine flache, größtenteils offene Ebene zwischen dem im Westen gelegenen Mittleren Maintal und dem sich im Osten anschließenden Steigerwald.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Naturraum und Lage
  2. 2. Entstehung, Böden und Klima
  3. 3. Wasser, Landschaft und Arten
  4. 4. Besiedlung und politische Entwicklung
  5. 5. Siedlungen, Baukultur und Erinnerung
  6. 6. Wirtschaft und Verkehr

Naturraum und Lage

Das Steigerwaldvorland ist die naturräumliche Über-Haupteinheit 137 der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten (13) in Bayern. Es ist eine flache, überwiegend offene Ebene zwischen dem Mittleren Maintal im Westen und dem Steigerwald im Osten. Der Naturraum reicht vom Schweinfurter Becken (136) im Norden bis zum Würzburg-Ochsenfurter Maintal (133.04) im Süden; der Ifftalbereich (130.01) um Marktbreit bildet einen südlichen Grenzraum.

Die Ebene steigt von etwa 180 m NHN im Westen auf über 300 m NHN im Osten an, besitzt aber eine geringe Reliefenergie, also nur geringe Höhenunterschiede auf engem Raum. Zwischen Maintal und Steigerwaldtrauf ist sie etwa 15 Kilometer breit. Als Grenzorte zwischen Steigerwald und Vorland nennt das Handbuch Knetzgau, Donnersdorf, Gerolzhofen, Wiesentheid, Wiesenbronn, Rödelsee und Seinsheim; die Zuordnung einzelner Orte ist jedoch oft unklar.

Die drei Haupteinheiten sind die Kitzinger Mainebene (137.0), das Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland (137.1) und das Haßfurter Maintal (137.2). Zur Kitzinger Mainebene gehören Mainbernheimer Ebene, Albertshofener und Dimbacher Flugsandgebiet. Das stärker hügelige Iphofen-Gerolzhofener Vorland umfasst unter anderem Hellmitzheimer Bucht, Schwanbergvorland, Gaibacher Lößhochfläche und Herlheimer Mulde. Das Haßfurter Maintal gliedert sich in Augsfelder und Oberthereser Maintal. Die Kartierung begann 1963; weil das Gebiet auf drei Kartenblättern erfasst wurde und Blatt 153 Bamberg lange fehlte, entstanden Abgrenzungsungenauigkeiten.

Entstehung, Böden und Klima

In der Trias war das heutige Gebiet weitgehend von einem Flachmeer bedeckt. Als das Wasser zur Keuperzeit zurückging, entstanden Inseln, Landrücken und zeitweise überflutete Senken. Austrocknung begünstigte die Gipsbildung; Flüsse lagerten Sedimente aus Fennoskandia ab. So entstanden Werksandstein im Unteren und Schilfsandstein im Mittleren Keuper.

Im Jura drang das Meer erneut in das Germanische Becken ein und lagerte bis zu 500 m mächtige Sedimentschichten ab. Vor 150 Millionen Jahren tauchten erste Teile der Region auf. Während der Kreidezeit lag das Gebiet über 90 Millionen Jahre außerhalb des Wassers; Abtragung, Schrägstellung der Gesteinsschichten und Verkarstung des Jura-Kalks setzten ein. Vor 20 bis 30 Millionen Jahren drangen Basaltergüsse in die Hochflächen ein. Nach dem Meteoriteneinschlag im Nördlinger Ries vor 15 Millionen Jahren wurde der nach Süden fließende Ur-Main gestaut; später entstand durch Eintiefung und den Durchbruch zwischen Steigerwald und Haßbergen das heutige, zum Rhein entwässernde Flusssystem. Eiszeitliche Westwinde lagerten Flugsand ab, der besonders den Westen prägt.

Im Westen liegt vor allem Unterer Keuper aus 30–40 m mächtigen, feinsandigen grauen Mergeltonen, den fränkischen „Letten“. Darüber liegen Terrassen- und Flugsande. Weiter östlich folgen unter anderem Werksandstein, Oberer Tonstein oder Gelbkalk, Grenzdolomit, Myophorien- und Estherienschichten sowie Schilfsandstein; auf diesem liegen die meisten Weinlagen. Direkt unter dem Steigerwaldtrauf bildet Gipskeuper die Grundlage. Die Myophorienschichten sind etwa 70–80 m mächtig; eine dünne Steinmergelbank markiert die Grenze des Naturraums.

Mainfranken ist trocken und warm. Das Steigerwaldvorland erhält im Mittel 550 bis 600 mm Niederschlag im Jahr und hat eine Vegetationsperiode von über 160 Tagen. Am Steigerwaldtrauf fallen durch den Luv-Effekt etwas mehr Niederschläge, doch von Mai bis Juli beeinflusst dies die Vegetation kaum. Die Region ist eine Wärmeinsel, mit kontinentalem Sommer und ozeanisch beeinflusstem Winter. Extreme Trockenjahre treten wiederholt auf und werden durch die Globale Erwärmung häufiger.

Wasser, Landschaft und Arten

Der Main prägt die Landschaft, gehört aber selbst nicht zum Naturraum: Er begrenzt ihn im Norden und Westen. Die Bäche im Gebiet fließen zum linken Mainufer und entspringen meist im Steigerwald. Wegen geringer Niederschläge, hoher Verdunstung und durchlässiger Gesteinsschichten ist die Wasserbilanz häufig negativ; nur Tonlagen stauen Wasser.

Zu den wichtigen Fließgewässern zählen der etwa 14 km lange Stöckigsbach mit 35,36 km² Einzugsgebiet, der etwa 27 km lange Unkenbach mit über 20 direkten und indirekten Zuflüssen, die über 30 km lange Volkach mit etwa 128 km² Einzugsgebiet und die 21 km lange Schwarzach mit ungefähr 179 km² Einzugsgebiet. Der Breitbach durchquert den Süden und mündet bei Marktbreit bei Mainkilometer 277 in den Main.

Das Steigerwaldvorland ist eine alte Kulturlandschaft; die ursprüngliche Vegetation lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Feldwirtschaft beherrscht die Fläche. Für die Artenvielfalt sind vor allem Hecken, Streuobstwiesen, Sandgebiete, Feldgehölze und seltene Halbtrockenrasen am Steigerwaldtrauf wichtig. Typisch ist das Liguster-Schlehengebüsch (Pruno-Ligustretum) mit Schlehe, Hundsrose, Weißdorn, Schwarzem Holunder, Vogel-Kirsche, Liguster und Pfaffenhütchen. Streuobstwiesen werden besonders von Apfel (Malus), Birne (Pyrus) und Kirsche (Prunus) geprägt; es entstanden über 500 Varietäten.

Sandfluren bieten unter anderem Wildbienen, Schlupfwespen, Sandlaufkäfern, Wespenspinnen, blauflügeligen Ödlandschrecken und Zauneidechsen Lebensraum. Das Gebiet ist das Hauptverbreitungsgebiet des Ortolans in Mitteleuropa. In Gebäuden leben Fledermäuse, flächendeckend das Große Mausohr, seltener das Graue Langohr. Schutzgebiete bedeckten 2010 insgesamt 13,99 % des Naturraums; davon waren 5,2 % FFH-Gebiete, 1,08 % Naturschutzgebiete und 13,68 % Vogelschutzgebiete.

Besiedlung und politische Entwicklung

Das Gebiet wurde wegen seiner klimatischen Bedingungen früh besiedelt. Der älteste Nachweis ist ein über 150.000 Jahre alter Quarzit-Faustkeil aus Dornheim. Ab der Jungsteinzeit um 5000 vor Christus wurden Menschen sesshaft. Der Kapellenberg bei Herlheim ist der größte vorgeschichtliche Grabhügel Unterfrankens. Bedeutend war auch das Siedlungsviereck Gaibach-Lülsfeld-Schallfeld-Brünnstadt mit hochwertigen Böden. In der Bronzezeit entstanden neue Bestattungsrituale; in Bimbach bildete sich im 8. Jahrhundert vor Christus eine Viereckschanze als Kultort. Keltische Verbände lebten in der Region, während die Römer selbst nie bis ins Steigerwaldvorland vorstießen.

Nach dem Sieg der Franken über die Alamannen 496 wurde die bereits besiedelte Landschaft fränkisch geprägt. Ortsnamen mit -heim gehören zu einer frühen, solche mit -hausen zu einer späteren Siedlungswelle. Bis um 1000 waren die meisten heutigen Orte bewohnt. Slawische, besonders wendische Siedler rodeten im 6. und 7. Jahrhundert vor allem im Osten; Ortsnamen wie Abtswind, Bischwind und Vögnitz erinnern daran. Mit dem Bistum Würzburg von 742 wurden Pfarreien ausgebaut. Das Gebiet lag zwischen Iffgau mit Hauptort Iphofen und Volkfeld mit Zentrum bei Volkach.

Seit etwa 1000 entwickelten sich die Würzburger Bischöfe zu den wichtigsten weltlichen und geistlichen Herrschern, den Fürstbischöfen. Daneben besaßen die Grafen zu Castell, die Herren von Hohenlohe und Klöster wie Ebrach Rechte und Güter. Gerolzhofen und Iphofen wurden im Hoch- und Spätmittelalter zu städtischen Zentren. Gerolzhofens Versuch, Reichsfreiheit zu erlangen, scheiterte 1400 in der Schlacht von Bergtheim.

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich die Reformation. Die Grafen zu Castell führten sie zwischen 1546 und 1559 ein; auch Gerolzhofen und Iphofen wurden teilweise lutherisch. Nach dem Bauernkrieg von 1525 und dem Zweiten Markgrafenkrieg 1553/1554 verstärkte Würzburg die Gegenreformation, besonders unter Julius Echter von Mespelbrunn. Nach dem Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 blieb die Region gemischtkonfessionell; in Rödelsee entstanden sogar zwei Kirchen. 1803 wurden geistliche Territorien säkularisiert und kleinere Herrschaften mediatisiert. Am 21. Juni 1814 wurde Würzburg mit seinem Umland endgültig Teil des Königreichs Bayern.

Unter dem Nationalsozialismus wurden jüdische Menschen ausgegrenzt und im Holocaust ermordet; sie wurden zunächst nach Würzburg und von dort in Vernichtungslager im Osten deportiert. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr im Naturraum. Nach 1945 ließen sich Heimatvertriebene und Flüchtlinge nieder; die Konfessionsschulen endeten in den 1960er Jahren. Gemeindegebietsreform und Flurbereinigung veränderten die Region in den 1970er Jahren stark. Die Flurbereinigung erleichterte die Feldbearbeitung, führte aber auch zu einer Verarmung der Landschaft.

Siedlungen, Baukultur und Erinnerung

Das Steigerwaldvorland ist ländlich geprägt und liegt überwiegend in Unterfranken, mit Anteilen in den Landkreisen Haßberge, Schweinfurt und Kitzingen sowie im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Einziges Mittelzentrum vollständig innerhalb des Naturraums ist Gerolzhofen. Weitere wichtige angrenzende Orte sind Haßfurt, Schweinfurt, Volkach und Kitzingen. Die reale Kulturlandschaft besteht aus Ackerflächen, Hecken, Streuobst, Feldgehölzen und Weinbau am Steigerwaldanstieg. Ohne menschlichen Einfluss würden in großen Teilen Eichen-Hainbuchenwälder (Carpinion) wachsen.

Die Ortsbilder sind mainfränkisch geprägt. Typisch sind kleine Hofstellen mit Rechteckhöfen und giebelständigen Häusern. Historische Orte waren oft durch Ringmauern, Dorfhäge aus Hecken oder Kirchenburgen gesichert. Erhaltene Stadtkerne sind Gerolzhofen, Iphofen, Mainbernheim und Prichsenstadt. Iphofen besitzt eine weitgehend erhaltene Befestigung mit Doppelmauer, Gräben und Toren. Wiesentheid wurde im 17. und 18. Jahrhundert als barocker Residenzort der Grafen von Schönborn ausgebaut.

Kirchen prägen die Ortskerne. Wichtige gotische Stadtkirchen sind St. Veit in Iphofen, deren Bau von 1414 bis 1612 dauerte, und St. Maria vom Rosenkranz und Regiswindis in Gerolzhofen, der „Steigerwalddom“, erbaut 1436 bis 1479. Die Reformation und Gegenreformation hinterließen katholische Echterkirchen mit Spitzhelmen sowie evangelische Kirchen mit Kanzelaltar, bei dem Kanzel und Altar verbunden sind. St. Johannes in Castell gilt als bedeutende lutherische Kirche des Übergangs von Barock zu Klassizismus.

Die vielen früheren Herrschaften erklären die große Zahl an Burgen und Schlössern. Burgen auf Höhen wurden häufig aufgegeben und durch Schlösser in Tallagen ersetzt. Beispiele sind die Residenzen in Castell und Rüdenhausen sowie Schloss Wiesentheid, das von 1711 bis 1720 neu errichtet wurde und 60 auf 80 Meter misst. Kirchenburgen dienten als befestigte Kirchhöfe mit Vorratshäusern, den Kirchgaden. Bildstöcke sind Steinsäulen mit christlichen Motiven und besonders für katholische Orte typisch; in evangelischen Gebieten finden sich dagegen Freikanzeln und prächtige Friedhofsportale.

Landjudentum war seit dem 15. Jahrhundert bedeutsam. 1817 bestanden über zwanzig israelitische Kultusgemeinden, 1932 noch 13. Heute erinnern ehemalige Synagogen, drei jüdische Friedhöfe bei Gerolzhofen, Hüttenheim und Rödelsee sowie Stolpersteine an das jüdische Leben und die Ermordeten. Wüstungen, also aufgegebene Siedlungen, sind zahlreich: Zwischen Knetzgau und Volkach gibt es über 60 Ortswüstungen. Besonders viele Orte wurden zwischen 1300 und 1500 wegen Kriegen, Klimaverschlechterung, Missernten und Hungersnöten aufgegeben.

Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaftlich besteht eine Zweiteilung: Im Süden sind Tourismus und Weinbau wichtig, im nördlichen Umland von Schweinfurt produzierende, verarbeitende und Logistikunternehmen. Der Tourismus nutzt Kulturlandschaft und historische Bauwerke, ist aber dezentral organisiert. Iphofen war 2019 mit 29.533 Gästeankünften und 50.806 Übernachtungen die wichtigste Destination. Die Initiative „Dorfschätze“ umfasst unter anderem Abtswind, Castell, Großlangheim, Kleinlangheim, Prichsenstadt, Rüdenhausen, Wiesenbronn und Wiesentheid. Iphofen und Gerolzhofen gehören mit Volkach, Kitzingen und Dettelbach zu den „Gastlichen Fünf“.

Der Weinbau gehört zum Qualitätsweinbaugebiet Franken; der Bocksbeutel ist die regionale Flasche. Seit 2017 liegen die Weinorte in den Bereichen Weinpanorama Steigerwald zwischen Donnersdorf und Abtswind sowie Schwanberger Land von Abtswind bis Seinsheim. Wein wächst in über 20 Gemeinden, als Haupterwerb jedoch vor allem am Steigerwaldtrauf zwischen Prichsenstadt und Iphofen. Der Weinbau brach nach der Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert und durch die Reblaus stark ein, erholte sich aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Drei Iphöfer, ein Rödelseer und ein Casteller Weingut gehören dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) an.

Gips und Anhydrit des Mittleren Keupers werden vor allem bei Sulzheim und Iphofen abgebaut. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren zwölf Steinbrüche in Nutzung, meist nur 2–3 Hektar groß. Das Anhydritbergwerk Hüttenheim ist das größte Bergwerk Bayerns. Die Knauf Gruppe hat ihren Sitz in Iphofen und Standorte in Iphofen, Markt Einersheim und Hüttenheim. Gips und Anhydrit machen als Rohsteine 5 % des Zements aus; weitere Anwendungen sind Spezialgips und Baugips, etwa für Gipskartonplatten. Weitere Branchen sind Logistik, Tee- und Kräuterproduktion sowie Solarindustrie; Belectric in Kolitzheim beschäftigt an weltweit zehn Standorten über 500 Menschen.

Der Transitverkehr verläuft überwiegend von Westen nach Osten. Die A 3 (E 45) verbindet Würzburg und Nürnberg; Anschlussstelle 75 Wiesentheid liegt im Naturraum. Die A 70 (E 48) zwischen Schweinfurt und Bamberg hat die Anschlussstellen 9 Schonungen, 10 Haßfurt und 11 Knetzgau im Steigerwaldvorland. Wichtige Bundesstraßen sind B 8, B 22 und B 286. Bahnverbindungen bestehen auf den Strecken Bamberg–Rottendorf seit November 1852 und Fürth–Würzburg seit 1865; Iphofen ist die einzige Haltestelle mitten im Naturraum. Die Untere Steigerwaldbahn Kitzingen–Schweinfurt war 2021 teilweise entwidmet, sollte laut Artikel aber 2023 wieder befahren werden.

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