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Frankenwald

Der Frankenwald ist ein 300 bis 794,6 m ü. NHN hohes und 925 km² großes deutsches Mittelgebirge im Nordosten Frankens (nördliches Bayern).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Einordnung
  2. 2. Lage, Relief und Gewässer
  3. 3. Naturraum und Besiedlung
  4. 4. Geschichte, Schutz und Freizeit

Überblick und Einordnung

Der Frankenwald ist ein deutsches Mittelgebirge im Nordosten Frankens, vor allem im nördlichen Bayern; kleine Teile liegen in Thüringen und setzen den Thüringer Wald nach Südosten fort. Er ist 300 bis 794,6 m ü. NHN hoch, 925 km² groß und erreicht am Döbraberg bei Schwarzenbach am Wald mit 794,6 m ü. NHN seinen höchsten Punkt.

Er bildet den mittleren Teil des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges. Dieser rund 200 km lange Höhenzug reicht vom Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge über Frankenwald und Fichtelgebirge bis zur tschechischen Grenze. Geologisch gehört der Frankenwald zusammen mit dem Thüringer und dem Vogtländischen Schiefergebirge zum Saalischen Schiefergebirge.

Lage, Relief und Gewässer

Der Frankenwald liegt zwischen dem Thüringer Schiefergebirge im Nordwesten, dem Hofer Land im Osten, dem Fichtelgebirge im Südosten und dem Obermainischen Hügelland im Süden. Der Übergang zum Thüringer Schiefergebirge ist fließend; zum Fichtelgebirge führt er über die Münchberger Hochfläche. Nach Nordosten reicht das Gebiet nur knapp über die Main-Saale-Wasserscheide hinaus und entwässert fast vollständig zum Main.

Naturräumlich zählt er zum Thüringer Schiefergebirge innerhalb des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges. Im touristischen und historischen Verständnis wird er meist als eigener Gebirgsteil aufgefasst: gemeint ist dann der Kamm südöstlich der Steinacher Flexur entlang Mengersgereuth-Hämmern – Steinach – Spechtsbrunn – Gräfenthal. Diese deutlich gerodete Struktur schneidet die Täler der Steinach und ihrer Nebenflüsse.

Kennzeichnend sind weniger einzelne auffällige Berge als zahlreiche schmale, teils parallel verlaufende V-Täler. Sie greifen zwischen Werra, Itz und Steinach im Nordwesten sowie den Quellästen des Weißen Mains im Südosten in eine Hochebene ein. Daher lautet eine charakteristische Beschreibung: „Im Frankenwald gibt es keine Berge – da gibt es Täler“. Weitere hohe Berge sind Wetzstein (792,7 m), Schneidberg (758,8 m), Wildberg (735 m), Spitzberg (729,2 m) und Kulmberg (726,7 m).

Der Frankenwald liegt zwischen Main im Südwesten und sächsischer Saale im Nordosten. Zum Main fließen vor allem Rodach mit Haßlach und Kronach sowie Schorgast und Untere Steinach. Selbitz im Osten und Loquitz im Norden münden in die Saale. Zwischen beiden Flusssystemen verläuft die Europäische Wasserscheide zwischen Elbe und Rhein.

Naturraum und Besiedlung

Der Frankenwald ist waldreich. Ursprünglich dominierten Rotbuche und Tanne. Nach fast vollständiger Abholzung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde überwiegend mit schnell wachsenden Fichten-Monokulturen aufgeforstet; sie prägen die Landschaft bis heute.

Gesteine des Unterkarbons, vor allem Grauwacke und Tonschiefer, bestimmen große Teile des Gebirges. An der Fränkischen Linie, einer Verwerfungszone, grenzt es an den Muschelkalk des Obermainlands. Wissenschaftlich wird zwischen dem Frankenwald im engeren Sinn westlich der Selbitz und dem weiter gefassten Frankenwald mit Frankenwald im engeren Sinn, Münchberger Hochfläche und Bayerischem Vogtland unterschieden. Am westlichen Rand liegt das dreigeteilte Stockheimer Becken mit sauren Vulkaniten sowie vulkanogenen und lakustrinen Sedimenten des Perms. Dort wurden bei Stockheim und Neuhaus-Schierschnitz bis in die 1960er Jahre geringmächtige Steinkohleflöze unter Tage abgebaut.

Die Besiedlung des früheren Nortwaldes begann im 13. Jahrhundert zunächst auf bewaldeten Hochflächen. In Rodungsinseln entstanden Waldhufen- und Rundangerdörfer; Effelter im Landkreis Kronach gilt als gut erhaltenes Beispiel eines Rundangerdorfs. Erst später wurden Täler besiedelt und zu Wiesentälern. Die Landschaft wird deshalb von gerodeten Hochflächen, bewaldeten Hängen und Wiesentälern geprägt. Im Osten um Naila und Schwarzenbach am Wald überwiegen sanft gewellte Hochplateaus, im Westen im Landkreis Kronach enge Wiesentäler und bewaldete Hänge.

Schiefer prägt auch die Häuser und wird zur Dacheindeckung als „blaues Gold“ verwendet. Waldwirtschaft bildete die Grundlage für Glas- und Porzellanindustrie, Flößerei, Köhlerei und Schneidmühlen. Auf Main und Rhein wurden Frankenwaldtannen bis nach Amsterdam geflößt; auf der Wilden Rodach bei Wallenfels wird dies touristisch weitergeführt. Viele hoch gelegene Orte, etwa Schwarzenbach am Wald und Bad Steben, sind staatlich anerkannte Luftkurorte.

Geschichte, Schutz und Freizeit

Die deutsche Durchdringung des Frankenwalds begann 1122 mit der Schenkung des „Nordwalds“ an Bamberg nach dem Ausgleich zwischen Kaiser und Papst im Investiturstreit. Noch vor Ende des 12. Jahrhunderts erreichte die Landnahme den Rennsteig. Eine Urkunde von 1194 über eine Waldschenkung bei Kronach enthält ausschließlich slawische Flussbezeichnungen und weist damit auf eine slawische Vorbesiedlung hin. Die Bamberger Kirche setzte drei Klöster ein, um bei der Erschließung noch ungerodeter und unbesiedelter Flächen fränkischem und thüringischem Adel zuvorzukommen.

Der Naturpark Frankenwald umfasst Teile der Landkreise Kronach, Hof und Kulmbach. Zu den Schutzgebieten gehört der Naturwald Rodachhänge im Geroldsgrüner Forst. In der Ködeltalsperre, Bayerns größter Trinkwassertalsperre, werden 21 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert; sie versorgt fast ganz Oberfranken mit Rohwasser.

Der Frankenwald ist ein bedeutendes Wander- und Erholungsgebiet. Es gibt über 4200 km markierte Wanderwege, darunter Rennsteig, Frankenweg, Fränkischer Gebirgsweg sowie das Netz des Frankenwaldvereins. Der Verein unterhält unter anderem den 243,5 km langen FrankenwaldSteig und bislang 31 zwischen 5 und 20 km lange FrankenwaldSteigla. Der Deutsche Wanderverband zertifizierte die Region 2015 als Bayerns erste Qualitätsregion Wanderbares Deutschland.

Typische Angebote sind Floßfahrten auf der Wilden Rodach, Radfahren an der Ködeltalsperre, Klöppeln in Nordhalben, Kur und Wellness in Bad Steben, Langlauf auf rund 500 km markierten Strecken und Alpinskifahren an 16 Liften. Sehenswert sind beispielsweise Festung Rosenberg in Kronach, Wasserschloss Mitwitz, Wehrkirche Zum Heiligen Geist in Grafengehaig, die Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung in Marienweiher sowie Naturziele wie Höllental, Döbraberg, Rodachtal und Loquitztal.

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