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St. Louis Blues (Lied)
The St. Louis Blues oder St. Louis Blues ist ein klassischer Blues, den W. C. Handy schrieb. Er war einer der ersten Blues-Songs, der als Pop-Song Erfolg …
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Bedeutung und Inhalt
„The St. Louis Blues“ beziehungsweise „St. Louis Blues“ ist ein klassischer Blues von W. C. Handy. Er gehörte zu den ersten Blues-Songs, die auch als Pop-Songs erfolgreich waren. Durch zahlreiche Interpretationen aus Jazz, Pop und klassischer Musik sowie durch seine Verwendung in Filmen wurde das Stück zu einem Jazzstandard, also zu einer Komposition, die von vielen Jazzmusikern immer wieder gespielt und neu gestaltet wird. Wegen seines hohen Bekanntheitsgrades gilt es außerdem als Evergreen.
Anders als der Titel vermuten lässt, handelt der Text nicht hauptsächlich von der Stadt St. Louis. Eine Sängerin beklagt vielmehr, dass ihr eine raffinierte Frau aus St. Louis den Freund ausgespannt hat. Besonders bekannt ist die Anfangszeile „I hate to see that evenin’ sun go down“. Sie wurde später in vielen weiteren Blues-Liedern aufgegriffen.
Die Entstehung ist nicht eindeutig geklärt. Handy berichtete in seiner Autobiografie von einer mittellosen Frau, die er vor einer Fischbratküche in St. Louis getroffen habe. Sie habe erzählt, ihr Freund habe sie verlassen, und die Zeile „Ma man’s got a heart like a rock cast in de sea“ gesungen. Verschiedene Fassungen dieser Geschichte stimmen in der Begegnung und der Redewendung überein. Handys Darstellung deutet deshalb an, dass die Komposition möglicherweise nicht ausschließlich von ihm selbst stammt.
Musikalischer Aufbau
Der Aufbau ist für einen Blues ungewöhnlich. Die Liedstrophen folgen dem normalen 12-taktigen Bluesschema und werden geshuffelt gespielt. „Shuffle“ bezeichnet eine ungleichmäßige, schwingende Unterteilung des Rhythmus. Hinzu kommt eine 16-taktige Bridge, also ein musikalischer Zwischenteil, im Habanera-Rhythmus. Dieser Rhythmus wird hier auch „Spanish Tingle“ oder „Straight“ genannt. In der Bridge verlässt die Musik das übliche Bluesharmonienschema; die Tonart wechselt zwischen Varianttonart und Dominante.
Um 1914 war der Tango sehr beliebt. Handy versah das Lied daher mit einer Tango-Einleitung, die plötzlich in einen Blues übergeht. Nach seiner Aussage wollte er damit die Tänzer überraschen. Im Unterschied zu vielen einfachen und stark wiederholenden Blues-Songs verbindet das Stück zahlreiche ergänzende und gegensätzliche Elemente. Darin ähnelt es klassischen Ragtime-Kompositionen. Handy erklärte, sein Ziel sei gewesen, die Synkopierungen des Ragtime – rhythmische Betonungen an unerwarteten Stellen – mit einer wirklichen Melodie zu verbinden.
Frühe Erfolge und kulturelle Wirkung
Die erste instrumentale Hitversion spielte das Prince’s Orchestra unter Leitung von G. Hepburn Wilson ein. Sie wurde am 18. Dezember 1915 aufgenommen, im Mai 1916 als Columbia #5772 veröffentlicht und erreichte Platz 4 der US-Charts. Die erste vokale Fassung von Al Bernard erschien im Mai 1919 und kam auf Platz 9. Den bis dahin größten Erfolg erzielte Marion Harris: Ihre am 16. April 1920 aufgenommene und im August 1920 veröffentlichte Version stand drei Wochen auf Platz 1.
1921 erreichte die Original Dixieland Jazz Band mit Sänger Al Bernhard Platz 3. W. C. Handys eigenes Orchester nahm das Lied erst am 4. Juni 1923 auf. Die im November 1923 bei Okeh Records veröffentlichte Aufnahme gelangte auf Platz 11. Zu den weiteren erfolgreichen Fassungen gehörten Bessie Smiths Aufnahme von 1925 mit Louis Armstrong am Kornett, die Platz 3 erreichte, die Version der Mills Brothers von 1932 auf Platz 2 sowie Einspielungen von Louis Armstrong, Cab Calloway, Benny Goodman, Guy Lombardo und Billy Eckstine.
Das Stück beeinflusste auch Tanz und Kultur. Gilda Gray verwendete das im September 1914 publizierte Lied in den 1920er Jahren zur Einführung des Shimmy; außerdem wirkte es auf die Entwicklung des Foxtrotts ein. 1935 machten die Äthiopier es während des von Italien begonnenen Abessinienkriegs zu ihrer Kriegshymne. Zuvor war es bereits am Hof Kaiser Haile Selassies gespielt worden. William Faulkner bezog den Titel seiner 1931 veröffentlichten Kurzgeschichte „That Evening Sun“, die auch „That Evening Sun Go Down“ heißt, auf die ersten Verse des Liedes. Das Profi-Eishockeyteam „The St. Louis Blues“ aus St. Louis, Missouri, wurde ebenfalls nach dem Song benannt.
Verbreitung und weitere Aufnahmen
Alberta Hunter spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Liedes in Europa. Bekannte europäische Aufnahmen stammen unter anderem von Django Reinhardt und Teddy Stauffer. Das deutsche Orchester Die Goldene Sieben nahm das Stück im November 1937 in Berlin auf; 1941 spielte es auch die NS-Propagandaband Charlie and His Orchestra ein.
Zahlreiche Sängerinnen und Musiker nahmen den Song teilweise mehrfach auf. Dazu zählen Sophie Tucker, Lizzie Miles, Mildred Bailey, Maxine Sullivan, Billie Holiday, Lena Horne und Ella Fitzgerald. Weitere Fassungen stammen unter anderem von Fats Waller (1926), Rudy Vallée (1930), Duke Ellington, Glenn Miller als „St. Louis Blues-March“ (1943), den Metronome All-Stars mit Billy Eckstine, Teddy Wilson, Lester Young und Max Roach (9. Juli 1953), Count Basie (1957), Dave Brubeck (1961), Sun Ra (1978), David Sanborn (2008) und Hugh Laurie auf dem Album „Didn’t It Rain“ (2013).
Insgesamt werden 132 Versionen aufgelistet, von denen 15 die Charts erreichten. Noch Mitte der 1950er Jahre konnte Handy jährlich 25.000 US-Dollar an Tantiemen einnehmen.
Film und öffentliche Verwendung
Bereits 1929 entstand bei RKO Pictures der Musikfilm „St. Louis Blues“. Bessie Smith trat darin als Darstellerin und Sängerin auf; beteiligt waren außerdem das Fletcher Henderson Orchestra, der Pianist James P. Johnson und der Hall Johnson Choir. Der in Harlem spielende Film kam 1929 in die US-Kinos. Regisseur Dudley Murphy schuf damit ein bedeutendes filmisches und musikalisches Dokument der Harlem Renaissance.
Das Lied wurde danach häufig in Spielfilmen eingesetzt. Beispiele sind „Baby Face“ (1933), „Banjo on My Knee“ (1936), „The Birth of the Blues“ (1941), „Jam Session“ mit Louis Armstrong (1944) und „The Glenn Miller Story“ (1954), in dem es als „St. Louis Blues March“ erscheint. Im Film „St. Louis Blues“ von 1958 wirkten unter anderem Nat King Cole, Eartha Kitt, Cab Calloway, Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson und Billy Preston mit; W. C. Handy wurde als technischer Berater genannt. Spätere Verwendungen finden sich in „The Client“ (1994) und „The Thirteenth Floor“ (1999).
Die von Glenn Miller geschaffene Bearbeitung „St. Louis Blues March“ erklang außerdem beim Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung von Bundespräsident Horst Köhler, der sich das Stück persönlich gewünscht hatte.