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Spatial turn

Als Spatial turn (von lat. spatium ‚Raum', engl. turn ‚Wende'), auch topologische Wende, seltener raumkritische Wende, wird seit Ende der 1980er-Jahre ein …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung der Raumforschung
  3. 3. Neues Verständnis von Raum

Kernidee und Bedeutung

Der Spatial turn, auch topologische Wende und seltener raumkritische Wende genannt, bezeichnet seit Ende der 1980er-Jahre einen Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Raum, insbesondere geographischer Raum, wird wieder als kulturelle Größe berücksichtigt. Während in der Moderne vor allem die Zeit im Mittelpunkt kulturwissenschaftlicher Untersuchungen stand, tritt nun der Raum als gleichwertige zusätzliche Perspektive hinzu.

Die englischen Bezeichnungen sind nicht eindeutig: Verwendet werden „spatial turn“, „topographical turn“ und „topological turn“. Nach Döring/Thielmann sind diese Begriffe jedoch nicht synonym. Doris Bachmann-Medick bezeichnet den topological turn beispielsweise als eine Unterströmung des spatial turn.

Entwicklung der Raumforschung

In Deutschland war die Beschäftigung mit kulturellen und geographischen Räumen nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst diskreditiert. Ursache waren die nationalsozialistische Ideologie und die Eroberungskriege des Naziregimes, die unter anderem der Schaffung eines neuen „Lebensraums im Osten“ dienten.

Erst in den 1980er-Jahren gewann die räumliche Perspektive wieder deutlich an Bedeutung. Dazu trugen besonders die Geographen David Harvey, Edward Soja, Derek Gregory, Steve Pile und Doreen Massey bei. Nach dem Ende der Blockkonfrontation des Kalten Krieges und der Öffnung der Grenzen verstärkte sich das Interesse der Sozial- und Kulturwissenschaften an geographischen Phänomenen.

Zusätzlich entstanden durch das Internet neue kulturelle Räume. Diese ließen sich nicht mehr vollständig mit den Kategorien eines physischen Raumes beschreiben, sondern führten auf medialer Ebene zu Raumverdichtungen.

Neues Verständnis von Raum

Der Spatial turn verabschiedet sich von der Vorstellung, Raum sei lediglich ein Behälter, in dem sich Menschengruppen und Kulturen befinden. Stattdessen gilt Raum als Ergebnis sozialer Beziehungen. Er entsteht aus den Interessen und Handlungen einzelner Menschen oder Gruppen. Neben dem natürlichen beziehungsweise realen Raum steht daher die für das Subjekt maßgebliche Raum-Wahrnehmung oder Raum-Konstruktion, die sozial und kulturell geprägt ist.

Für einen wirklichen Paradigmenwechsel reicht es nicht aus, Raum lediglich zum Untersuchungsgegenstand zu machen. Forschende müssen von Beginn an räumlich denken und sich einem Gegenstand mithilfe räumlicher Kategorien nähern. Erst dadurch wird Raum zu einer neuen Analysekategorie.

Die Architektur ist traditionell eine wichtige Bezugsdisziplin für die Frage, wie sich das Verständnis von Raumdynamik verändert. Der Ortsbezug in der Architektur gilt dabei als Spiegelbild des „Eingefügtseins des Menschen mitsamt seiner Artefakte in die Gesamtheit alles Seienden“.

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