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Sendhil Mullainathan
Mullainathans wissenschaftliche Interessensgebiete liegen im Bereich der Verhaltensökonomik, Armutsökonomik und Forschung über Public Policy. Des Weiteren ist …
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Überblick
Sendhil Mullainathan (* 1973) ist ein indisch-amerikanischer Volkswirt und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Harvard University. Seine Arbeit ist vor allem für die Verhaltensökonomik, Armutsökonomik und die Forschung zu Public Policy wichtig. Verhaltensökonomik untersucht, wie tatsächliches menschliches Denken und Verhalten wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen; Public Policy bezeichnet die Gestaltung staatlicher und gesellschaftlicher Maßnahmen.
Mullainathan verbindet wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit der Untersuchung sozialer Probleme wie Armut, Diskriminierung und Zugang zu Finanzdienstleistungen. Er gehörte zu den Gründern des Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab, das Maßnahmen gegen Armut mit randomisierten kontrollierten Studien überprüft. Solche Studien vergleichen zufällig gebildete Gruppen, um Wirkungen einer Maßnahme möglichst zuverlässig zu untersuchen.
Ausbildung und berufliche Stationen
Mullainathan wurde in einem kleinen Dorf in Indien geboren und zog mit sieben Jahren nach Los Angeles. Von 1990 bis 1993 studierte er an der Cornell University Informatik, Volkswirtschaftslehre und Mathematik. Er schloss mit einem B.A. magna cum laude ab. 1998 erhielt er an der Harvard University den Ph.D. in Volkswirtschaftslehre für die Dissertation „Essays in Angewandter Mikroökonomik“.
Nach dem Ph.D. lehrte und forschte er von 1998 bis 2004 am Massachusetts Institute of Technology (MIT), zuletzt als Associate Professor. Seit September 2004 ist er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Harvard University. 2006 gründete er mit Dean Karlan und Jonathan Morduch die Financial Access Initiative an der New York University. Sie erforscht, wie arme Haushalte besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten und diese nutzen können. 2008 gründete er mit Schoar, Djankov, Shafir, Kling und Kremer den Think Tank Ideas42, der verhaltenswissenschaftliche Perspektiven auf sozialpolitische Probleme anwendet. Seit Juli 2011 ist er außerdem Stellvertretender Forschungsdirektor beim Consumer Financial Protection Bureau, einer nationalen Behörde für den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten.
Zentrale Forschungsergebnisse
Ein zentraler Beitrag ist der mit Marianne Bertrand und Esther Duflo verfasste Artikel „How Much Should We Trust Differences-in-Differences Estimates“ (2002). Die Difference-in-Difference-Schätzung (DID) ist eine Methode zur Schätzung von Kausalbeziehungen: Sie vergleicht Veränderungen zwischen einer betroffenen und einer Vergleichsgruppe vor und nach einem Eingriff. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die herkömmliche DID-Anwendung den Standardfehler der geschätzten Wirkung erheblich unterschätzt. Als Lösungen für das Autokorrelationsproblem nennen sie das Zusammenfassen der Daten in Zeiträume vor und nach dem Eingriff, eine spezielle Kovarianz-Matrix oder angepasste Randomisierungsinterferenz-Tests.
Weitere Arbeiten behandeln Netzwerkeffekte, Befragungen, Unternehmen und Diskriminierung. Bertrand, Erzo F. P. Luttmer und Mullainathan untersuchten 2000 anhand der zu Hause gesprochenen Sprache, ob soziale Netzwerke die Nutzung von Sozialhilfe beeinflussen. Die Studie fand einen starken Einfluss solcher Netzwerke und Hinweise darauf, dass sie eine Kultur der Armut unterstützen können.
2001 prüften Bertrand und Mullainathan, ob Menschen in Umfragen sagen, was sie wirklich denken. Die Ergebnisse stützen die Skepsis gegenüber subjektiven Angaben in ökonometrischen Untersuchungen. Subjektive Daten können jedoch als erklärende Variablen nützlich sein; daraus folgt nicht automatisch Kausalität.
2002 untersuchten Bertrand, Mehta und Mullainathan in Indien „Tunneling“, also die vertikale Ausbeutung indirekt besessener Unternehmen. Ihre Methode zeigte ein erhebliches Maß an Entwendung, meist entsprechend den Eigentumsverhältnissen und häufig in Verbindung mit nicht-operativem Gewinn. In einer 2004 veröffentlichten Studie zur Diskriminierung auf dem US-Arbeitsmarkt erhielten Bewerber mit typisch afro-amerikanischen Namen unabhängig von Qualifikation und Geschlecht weniger Rückfragen. Auch bessere Qualifikationen änderten dies nicht.
Knappheit und Auszeichnungen
2013 veröffentlichte Mullainathan mit Eldar Shafir „Knappheit – was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben“. Das Buch vertritt die Aussage, dass unterschiedliche Formen von Knappheit – an Gütern oder sozialen Ressourcen – zu ähnlichen Einschränkungen führen.
Zu seinen wichtigen Auszeichnungen zählen das Sloan Foundation Fellowship (2001–2003), das MacArthur Fellowship der MacArthur Foundation (2003–2008) sowie 2016 die Wahl in die American Academy of Arts and Sciences. Für 2023 wurde ihm der Arrow-Preis zugesprochen. Seit 2025 zählt Clarivate Analytics ihn aufgrund seiner Zitationszahl zu den Favoriten auf einen Nobelpreis.