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Schwarzer Adel
Aristokraten, die vom Papst geadelt worden waren und früher Untertanen des Kirchenstaates waren, darunter auch hochrangige Mitglieder des päpstlichen Hofes, …
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Kernbegriff
Der schwarze Adel, italienisch nobiltà nera oder aristocrazia nera, bezeichnet römische aristokratische Familien, die sich nach dem Einmarsch der vom Haus Savoyen angeführten Armee des Königreichs Italien in Rom am 20. September 1870 auf die Seite des Papsttums stellten. Damals wurden der Papst und der Kirchenstaat gestürzt, der Quirinalspalast wurde eingenommen. Zum Begriff gehören außerdem alle Adligen, die vor dem Lateranvertrag von 1929 vom Papst in den Adelsstand erhoben wurden.
Der Name hängt mit der Haltung dieser Familien nach 1870 zusammen: Der Papst blieb 59 Jahre lang hinter den Mauern des Vatikan und bezeichnete sich als „Gefangener im Vatikan“, um die neue italienische Regierung nicht anzuerkennen. Adlige, die vom Papst geadelt worden waren und früher Untertanen des Kirchenstaates waren, hielten die Eingangstüren ihrer römischen Paläste geschlossen, um die Gefangenschaft des Papstes zu betrauern. Wie der Papst boykottierte der schwarze Adel bis 1929 die Institutionen des italienischen Nationalstaates.
Ursprung und Familien
Obwohl der Name relativ neu war, existierte der schwarze Adel dem Artikel zufolge bereits seit Jahrhunderten. Seine Wurzeln lagen in der Baronenklasse Roms und in mächtigen Familien, die nach Rom gezogen waren, um von ihren familiären Verbindungen zum Vatikan zu profitieren. Diese Familien unterstützten die Päpste bei der Regierung des Kirchenstaates und bei der Verwaltung des Heiligen Stuhls, also der zentralen Leitung der katholischen Kirche.
Viele Angehörige dieser Familien wurden hochrangige Geistliche; einige wurden selbst Päpste. Zu den noch existierenden Familien des schwarzen Adels, zu deren Vorfahren Päpste gehörten, zählen unter anderem Colonna, Massimo, Orsini, Ruspoli, Pallavicini, Theodoli, Sacchetti, Borghese, Odescalchi und Boncompagni-Ludovisi. Bedeutende ausgestorbene päpstliche Familien waren Savelli, Caetani, Aldobrandini und Conti.
Als bekannte Mitglieder werden Arnaldo De Rosette, Bischof von Asti, Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., Ernesto Pacelli, ein bedeutender Finanzier, und Prospero Colonna, Bürgermeister von Rom, genannt.
Lateranvertrag und Privilegien
Mit dem Lateranvertrag von 1929 änderte sich die Stellung des schwarzen Adels. Seine Mitglieder erhielten die doppelte Staatsbürgerschaft Italiens und des Vatikanstaates. Außerdem wurden die vom Papst verliehenen Adelstitel im Königreich Italien anerkannt.
Viele dieser Familien gehörten der weitgehend zeremoniellen päpstlichen Adelsgarde an. Andere waren Ausländer, die auf unterschiedliche Weise mit dem Heiligen Stuhl verbunden waren. 1931 lehnte Papst Pius XI. eine Bitte von Alfons XIII. von Spanien ab, die Adelsgarde für Adlige aus allen katholischen Ländern zu öffnen. Im Zweiten Weltkrieg schützte die päpstliche Adelsgarde den Papst zusammen mit der Schweizergarde.
Reformen ab 1968
1968 schaffte Papst Paul VI. mit dem Motu proprio Pontificalis Domus, deutsch Der Päpstliche Haushalt, viele Ämter im Vatikan ab. Ein Motu proprio ist ein päpstliches Schreiben, das aus eigener Initiative erlassen wird. Zugleich wurde die Gruppe von „Päpstlicher Hof“ in „Päpstlicher Haushalt“ umbenannt.
Viele Ämter, die Angehörige des schwarzen Adels innehatten, wurden abgeschafft, weil sie laut dem Schreiben ihre Funktion verloren hatten und nur noch als Ehrenämter weiterbestanden, ohne einem konkreten Bedürfnis der Zeit zu entsprechen. Hintergrund war, dass viele dieser Ämter noch für die Verwaltung des Kirchenstaates eingerichtet worden waren, der 1870 verloren gegangen war. Auch Privilegien wie Kfz-Kennzeichen der Vatikanstadt wurden aufgehoben.
Einige Mitglieder des schwarzen Adels nahmen Papst Paul VI. diese Veränderungen übel. Der Artikel erwähnt außerdem, dass laut dem Diplomaten und Autor Roger Peyrefitte Mitglieder des schwarzen Adels ihm zuerst von einer angeblichen homosexuellen Verbindung des Papstes zum Schauspieler Paolo Carlini erzählten; daraus entstanden öffentliche Äußerungen und ein Skandal. Im Mai 1977 begannen einige Mitglieder unter Führung von Prinzessin Elvina Pallavicini, den traditionalistischen Erzbischof Marcel Lefebvre zu umwerben.
Verschwörungsliteratur
In der Verschwörungsliteratur wird der Begriff schwarzer Adel anders verwendet als im historischen Zusammenhang mit Rom und dem Papsttum. Autoren wie Jan van Helsing oder John Coleman benutzen ihn für den oligarchischen Adel der Republik Florenz und später der Republik Genua.
Diese Händlerklasse soll im 12. Jahrhundert in Venedig Macht erlangt und den Dogen, also das Staatsoberhaupt Venedigs, ernannt haben. In solchen Verschwörungserzählungen wird behauptet, dieser Adel bilde bis heute eine verborgene Macht. Der Artikel stellt dies als Verwendung in Verschwörungserzählungen dar, nicht als gesicherte historische Beschreibung.