Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Schumacher (Patrizierfamilie)
Bei der Patrizierfamilie Schumacher handelt es sich um ein Patriziergeschlecht der ehemals freien und unabhängigen eidgenössischen Stadt und Republik Luzern …
Inhalt5 Abschnitte
Einordnung und Entwicklung
Die Familie Schumacher ist ein Luzerner Patriziergeschlecht der früher freien und unabhängigen eidgenössischen Stadt und Republik Luzern. Sie gehörte zu den alteingesessenen Familien, die im 16. Jahrhundert das Luzerner Patriziat und damit eine aristokratische Regierungsform prägten. Diese Entwicklung knüpfte daran an, dass Rudolf I. von Habsburg im 13. Jahrhundert alle regimentsfähigen Bürger Luzerns für ritterlehenfähig erklärt hatte.
Der Aufstieg der Familie wird mit den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach der Niederlage der Habsburger bei Sempach 1386 erklärt. Die Luzerner Führungsschicht trat die Rechtsnachfolge der Habsburger an und erweiterte ihren Herrschaftsbereich. Kriegs- und Beutezüge, darunter die Eroberung des Aargaus und Thurgaus, der Zürichkrieg, der Schwabenkrieg und der Burgunderkrieg, ermöglichten der Familie den Erwerb von Stadthäusern und Landgütern. Beziehungen zu den Ratsfamilien Wiser und Haas unterstützten diesen Aufstieg.
Über Jahrhunderte stand die Familie mit anderen regimentsfähigen Geschlechtern an der Spitze der Luzerner Politik. Die Stammfolge wird über verwandte führende Familien Luzerns, Nidwaldens und Freiburgs unter anderem auf Ludwig Pfyffer, Renward Cysat, Melchior Lussy, Niklaus von der Flüe und Adrian von Bubenberg zurückgeführt. Über Adrian von Bubenberg zählt sie nach dem Artikel auch zu den Karolingernachkommen. Gleichnamige Personen in Luzern gehören nicht unbedingt zu dieser Patrizierfamilie.
Wohnorte, Besitz und politischer Aufstieg
Bis 1473 besass die Familie Güter in Hilferdingen bei Ufhusen in der Grafschaft Willisau. Nach der Schlacht bei Sempach kam sie über Meienberg nach Luzern. Zunächst lebte sie im Stiftsbezirk. Später erwarb sie das Haus zur Laterne beim inneren Weggistor sowie 1531 das Haus am Turm beim äusseren Weggistor.
Zum späteren Besitz zählten Häuser am Kapellplatz und zwischen Mühleplatz und Weinmarkt sowie Güter im Moos, Obergrund, Uttenberg und Schönbühl, auf dem Dietschiberg, dem Wesemlin und an der Halde. In neuerer Zeit gehörte auch das Inselschloss Mauensee dazu. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählten Familienmitglieder zu den grössten Grundbesitzern Luzerns.
Die frühesten 1431 in Luzern erwähnten Angehörigen arbeiteten vor allem als Landwirte und Ledergerber. Sie nahmen an gewinnbringenden Kriegszügen teil, betrieben das Wirtshaus zur Laterne und bauten Reben auf der Musegg an. Bis 1516 erneuerten sie regelmässig ihr Bürgerrecht; ab 1520 gehörten sie dem Grossen Rat an. Das Bürgerrecht bezeichnet die volle Zugehörigkeit zur Stadtgemeinde, während der Grosse Rat ein politisches Ratsgremium war.
Herrschaft, Berufe und Leistungen
1568 zog die Familie in den Kleinen Rat ein, das engere Leitungsgremium Luzerns. Sie gehörte damit zu den Familien, welche eine katholisch-aristokratische Regierungsform errichteten. Anders als in Bern, Freiburg und Solothurn teilten in Luzern nur etwa 20 bis 30 Familien die Regierungsgewalt.
In der vorrevolutionären Zeit war die Familie am innerpatrizischen Parteienkampf, dem Schumacher-Meyer-Handel, beteiligt. Dieser endete 1764 mit der Hinrichtung eines Familienmitglieds und letztlich mit dem Sieg des kirchlich-konservativen Gedankens. 1814 wirkte die Familie am Staatsstreich mit, der für 15 Jahre die alte Patriziatsverfassung wiederherstellte. Nach dem Ende des Ancien régime und dem Verzicht auf die aristokratische Verfassung 1798 hielt sie ihren politischen, militärischen und sozialen Status bis ins 20. Jahrhundert.
Familienmitglieder waren unter anderem Landvögte, Gerichtsherren, Bau- und Spitalherren, Venner, Seckelmeister, Statthalter, Schultheissen und Tagsatzungsgesandte. Dem schweizerischen Bundesstaat stellte die Familie zwei Ständeräte. Ihren Lebensunterhalt bezogen Mitglieder des Kleinen Rates aus Staats- und fremdem Kriegsdienst, Pulver-, Wein- und Salzhandel sowie Landgütern und Alpen im Eigental. Vertreten waren auch Theologen, Gelehrte, Naturwissenschaftler, Ingenieure, Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Journalisten sowie Gold- und Silberschmiede. Bis ins 20. Jahrhundert waren Ehen innerhalb gesellschaftlich gleichgestellter Familien üblich.
Zu den Bauten gehören die Neuerrichtung des alten Stadtspitals 1783, der Herrensitz Himmelrich im Obergrund von 1772 und die 1902 erbaute, inzwischen abgerissene Villa Moos am Bundesplatz. Im Schönbühl entstand in den 1960er Jahren ein Wohnquartier mit Hochhaus und dem ersten Einkaufszentrum der Schweiz. Angehörige studierten bei Jesuiten und Ursulinerinnen sowie an Adelsakademien in Frankreich und Italien. Von 1635 bis 1861 dienten sie vor allem als Offiziere in Schweizerregimentern in Frankreich, Spanien, Savoyen, Sardinien-Piemont und Neapel-Sizilien. Im Sonderbundskrieg setzten sie sich laut Artikel für Disziplin und Schonung der Stadt Luzern ein. Weitere genannte Leistungen sind der erste geometrische Elevationsplan der Stadt Luzern sowie Montgolfière-Versuche über der Luzerner Seebucht 1784.
Adelsstatus und Namensführung
Das Luzerner Fundamentalgesetz legte 1773 den Kreis der regierenden Familien endgültig fest. Zu ihm gehörten die Schumacher, die ihre Adelsqualität nach dem Artikel stets erfolgreich beanspruchten. 1774 bestätigte der Luzerner Rat der Familie gegenüber dem Herzog von Modena ihren Adel und erklärte sie aller adeligen Ehren für würdig.
Zusätzlich werden zwei ausländische Diplome genannt: ein französisches aus dem 17. Jahrhundert, das das Recht zur Führung einer Lilie im Wappen verlieh, und eines aus Neapel-Sizilien im 19. Jahrhundert mit Titelverleihung. Seit 1773 konnte die ältere Linie das Adelsprädikat «von» nach Gutdünken zur Unterscheidung von anderen Namensträgern führen. Bei der jüngeren Linie wurde dieses Prädikat seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Teil des Namens.
Wappen
Das Wappen erschien erstmals 1470 als Amtssiegel des Ratsherrn Hans Wiser. Es kam 1531 mit dem Verkauf von Wisers Haus an die Familie Schumacher. Der Name Wiser wird von «Wiese» abgeleitet, was die Bildzeichen des Wappens erklärt.
Es zeigt in Rot auf grünem Dreiberg zwei abgewandte silberne, meist gezähnte Sicheln mit goldenen Griffen. Seit 1635 steht als Wappenbesserung im Schildhaupt eine goldene französische Lilie. Der Bügelhelm trägt seit 1635 eine Adelskrone; häufig erscheint auch über dem Schild eine Rangkrone. Die ältere Linie verwendet eine neun-zinkige Laubkrone mit fünf Blättern und vier Perlen, teils mit Perlen auf allen neun Zinken. Die jüngere Linie führt seit dem 19. Jahrhundert eine Baronskrone mit Kronreif und Perlenschnur, manchmal eine Krone mit sieben Perlen.