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Schlacht bei Böblingen

Die Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 war eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. In ihr wurden die aufständischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überblick
  2. 2. Entstehung des Aufstands
  3. 3. Lage vor dem Kampf
  4. 4. Verlauf der Schlacht
  5. 5. Ursachen der Niederlage
  6. 6. Folgen und langfristige Bedeutung

Bedeutung und Überblick

Die Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 war eine der bedeutendsten Schlachten des Deutschen Bauernkriegs. Am Goldberg zwischen Böblingen und Sindelfingen besiegte das Heer des Schwäbischen Bundes unter Truchsess Georg von Waldburg die aufständischen württembergischen Bauern vernichtend. Damit endete der Bauernaufstand in Württemberg.

Etwa 15.000 Aufständische standen ungefähr 7500 Söldnern des Schwäbischen Bundes gegenüber. Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit waren die Bauern schlecht ausgerüstet, militärisch unerfahren und untereinander uneinig. Als Befehlshaber der Aufständischen wird Schenk von Winterstetten genannt. Der Schwäbische Bund verlor nach Angaben von Chronisten etwa 25 Reiter und 15 Fußsoldaten. Die Opferzahl unter den Aufständischen wird je nach Quelle mit 2000 bis 9000 angegeben; als realistische Schätzung gelten ungefähr 3000 Tote.

Entstehung des Aufstands

Schon 1514 hatten sich im Remstal Bauern des Armen Konrad für politische Rechte und eine faire Behandlung erhoben. Der Deutsche Bauernkrieg begann 1524 mit Aufständen am Hochrhein und im Südschwarzwald. Weitere Bauernhaufen, also organisierte Gruppen aufständischer Bauern, entstanden südlich von Ulm, in der Fürstabtei Kempten und am Bodensee. In den Zwölf Artikeln von Memmingen formulierten die Bauern Forderungen nach einem menschenwürdigen Leben. Aus den regionalen Erhebungen entwickelte sich ein Aufstand über die Grenzen einzelner Herrschaftsgebiete hinweg.

In Württemberg begann der Aufstand Mitte April 1525. Am 16. April stürmten Bauern Weinsberg und töteten dort adelige Bewohner. Anschließend bildete sich auf dem Wunnenstein bei Großbottwar ein Bauernhaufen unter Matern Feuerbacher und Hans Wunderer. Nach den Tötungen wandte sich Martin Luther von den Aufständischen ab und bezeichnete sie als eine „mörderische und räuberische Bande“. Dies verunsicherte die Bauern und schadete ihrem Ansehen.

Das wachsende Bauernheer zog meist kampflos durch das württembergische Kernland: über Lauffen am Neckar, Besigheim, Bietigheim und Vaihingen an der Enz nach Stuttgart, danach über Waiblingen, Ebersbach an der Fils und Kirchheim unter Teck. Ursprünglich wollten die Aufständischen nach Tübingen ziehen, wohin sich die habsburgische Regierung zurückgezogen hatte. Als sie erfuhren, dass Georg von Waldburg ihnen entgegenkam, änderten sie ihre Pläne. Über Degerloch, Sindelfingen und Böblingen erreichten sie Herrenberg. Nach zwei gescheiterten Sturmangriffen mit 200 getöteten Bauern setzten sie 18 Häuser in Brand und sprengten ein Stadttor, worauf Herrenberg kapitulierte. Feuerbacher bemühte sich um Disziplin und schützte gefangene Landsknechte vor Rache.

Lage vor dem Kampf

Während des Marsches wurden viele Bauern zwangsweise angeworben. In Herrenberg kamen der Schwarzwälder „Haufen vor Wald“ unter Thomas Maier und Bauern aus dem Hegau hinzu, zusammen 5000 bis 6000 Menschen. Auch Bewohner aus dem Raum Böblingen und Sindelfingen mussten sich anschließen. So wuchs das schlecht ausgerüstete Bauernheer auf etwa 15.000 Personen. Besonders unter den Zwangsrekrutierten war die Kampfmoral vermutlich gering. Zudem reichten die unterschiedlichen Ziele von der Verwirklichung der Zwölf Artikel bis zur vollständigen „Umgestaltung des Staates“.

Um den 9. Mai traf Georg von Waldburg mit Kanonen und etwa 7500 Söldnern, darunter 1500 Reiter, bei Herrenberg ein. Wegen seines brutalen Vorgehens gegen Aufständische wurde er „Bauernjörg“ genannt. Er suchte die Auseinandersetzung und schüchterte die Bauern mit seiner Artillerie ein. Diese wichen in der Nacht zum 10. Mai nach Böblingen und Sindelfingen zurück. Waldburg konnte sie zunächst nicht verfolgen, weil seine Söldner wegen ausstehenden Soldes den weiteren Kampf verweigerten. Am 11. Mai verlegte er sein Heer nach Weil im Schönbuch.

Verlauf der Schlacht

Am 12. Mai wollten die Bauern ihr weiteres Vorgehen beraten. Am Vortag war der gemäßigte und verhandlungsbereite Matern Feuerbacher durch den Ritter Schenk von Winterstetten ersetzt worden, der eine militärische Lösung anstrebte. Zwischen Böblingen und Sindelfingen fühlten sich die Bauern wegen des sumpfigen Geländes sicher. Dort konnte Waldburg seine Reiter nur schwer einsetzen. Diese wurden „Bauerntod“ genannt, weil ihnen die zu Fuß kämpfenden Bauern gewöhnlich unterlegen waren. Berichten zufolge hatten viele Aufständische in der Nacht zuvor gefeiert.

Nachdem der Sold eingetroffen war, marschierte Waldburg am frühen Morgen mit seinen Truppen über Mauren und durch den Wald nach Böblingen. Die überraschten Bauern stellten sich zwischen Böblingen und Sindelfingen auf. Der vermutlich als „Gewalthaufen“ bezeichnete Teil verschanzte sich in einer Wagenburg auf dem Goldberg; eine Wagenburg war eine aus Wagen gebildete Verteidigungsstellung. Der „verlorene Haufen“ bezog am Wald östlich des Galgenbergs Stellung. Zunächst verteidigten die Bauern erfolgreich den Höhenzug östlich des oberen Böblinger Stadttors zwischen Käppele und Waldburg.

Ein Frontalangriff mit Reiterei war im Sumpfgelände nicht möglich. Waldburg drohte deshalb, Böblingen dem Boden gleichzumachen und alle Einwohner zu „erwürgen“. So erhielt er Zugang zum Böblinger Schlossberg und konnte die Bauern mit großen Hakenbüchsen und Kanonen beschießen. Der Beschuss und das Anrücken des Grafen Wilhelm von Fürstenberg zwangen die Aufständischen zum Rückzug hinter das obere Stadttor.

Daraufhin besetzten 80 Reiter den kleinen Höhenzug östlich des Stadttors. Vier leichte Geschütze wurden dort aufgestellt und gegen die herandrängenden Bauern abgefeuert. Zuerst floh der „verlorene Haufen“, dann auch der „Gewalthaufen“ vom Goldberg. Der Galgenberg war zu diesem Zeitpunkt bereits von der Reiterei des Schwäbischen Bundes besetzt. Die Schlacht wurde nun zu einem Massaker. Waldburg kannte das Gelände, schnitt den in die Wälder fliehenden Bauern den Weg ab und ließ sie töten. Innerhalb von vier Stunden, ungefähr von 10 bis 14 Uhr, wurden die Aufständischen besiegt.

Ursachen der Niederlage

Für die Niederlage werden mehrere miteinander verbundene Gründe genannt:

• Die Bauern und Stadtbewohner waren größtenteils kampfunerfahren und schlecht bewaffnet. Ihnen standen kriegserfahrene Söldner gegenüber.

• Die Bauernhaufen und ihre Anführer waren über die Ziele des Aufstands uneinig. Eine allgemein anerkannte Führungspersönlichkeit fehlte.

• Obwohl sie zahlenmäßig überlegen waren, flohen viele Bauern ohne längeren Widerstand. Als wichtige Ursache für den geringen Kampfwillen gilt die Zwangsrekrutierung zahlreicher Beteiligter.

• Auch Martin Luthers Abwendung von den Aufständischen soll ihre Entschlossenheit geschwächt haben.

Hinzu kamen die wirksame Artillerie des Schwäbischen Bundes, dessen erfahrene Reiterei sowie Waldburgs geschickte Nutzung der erhöhten Stellungen und seiner Ortskenntnis.

Folgen und langfristige Bedeutung

Mit der Niederlage bei Böblingen war der Bauernaufstand in Württemberg beendet. Die überlebenden Aufständischen mussten sich teilweise mit Geld freikaufen oder wurden des Landes verwiesen. Viele Familien mussten den Verbannten folgen, nachdem ihr Besitz enteignet worden war.

Matern Feuerbacher wurde 1527 verhaftet und vor das Kaiserliche Hofgericht in Rottweil gestellt; eine andere Quelle nennt stattdessen das Rottweiler Stadtgericht. Nach einem monatelangen Prozess sprachen ihn zwölf Geschworene frei, sehr zum Ärger der württembergischen Landesregierung.

Die in den Zwölf Artikeln festgehaltenen Forderungen wurden nicht erfüllt. In Württemberg wurde die Leibeigenschaft, also die persönliche Abhängigkeit eines Menschen von einem Grundherrn, erst 1817 abgeschafft. Frondienste und Abgaben verschwanden noch später im 19. Jahrhundert.

Die Schlacht steht damit einerseits für das gewaltsame Scheitern des württembergischen Bauernaufstands, andererseits für den Kampf um politische Rechte und Menschenwürde. In einem im Artikel zitierten Resümee wird der Bauernkrieg als größte Volksbewegung der deutschen Geschichte und als wichtige Station auf dem langen Weg der Deutschen zur Demokratie eingeordnet. Trotz der Niederlage habe der Mut der Beteiligten späteren Generationen als Vorbild gedient.

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