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Schifffahrt und Bootsbau im Alten Ägypten

Die Schifffahrt im Alten Ägypten war geprägt durch die Geographie des Landes. Der Nil, das unmittelbar angrenzende fruchtbare Land unterschiedlicher Breite …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung der Schifffahrt
  2. 2. Bauweise und Entwicklung der Boote
  3. 3. Bootstypen und Antrieb
  4. 4. Häfen, Routen und Reisezeiten
  5. 5. Handel und Krieg
  6. 6. Boote im religiösen Leben

Bedeutung der Schifffahrt

Der Nil machte Ägypten zu einer Stromoase: Fruchtbares Land lag unmittelbar am Fluss, während die Wüste angrenzte. Der Nil war Handelsstraße, verband das Land und war während der jährlichen Nilschwemme besonders wichtig, weil Felder überflutet und von Kanälen sowie Wasserrückhaltebecken durchzogen waren. Viele Dörfer lagen in der Jahreszeit Achet auf Warften.

Boote dienten auf dem Nil dem Handel, dem Transport von Lebensmitteln, Beamten zur Landvermessung nach der Nilflut, Steuern und Zöllen, Baumaterialien sowie Soldaten. Sie waren auch für Staatsfeste und religiöse Zeremonien unverzichtbar. Auf hoher See ermöglichten sie Handelskontakte und Kriege mit Syrien/Palästina, Punt, dem griechischen Festland, den ägäischen Inseln und dem Horn von Afrika. Damit waren Boote Grundlage von Wohlstand und Machtausübung.

Quellen sind Darstellungen auf Felsen, Papyrus, Gebäudewänden, in Gräbern, Tempeln und Reliefs, außerdem Bootsmodelle und als Grabbeigaben erhaltene lebensgroße Boote. Schriftliche Quellen umfassen unter anderem Werftprotokolle, Schiffstagebücher, Handelslisten und juristische Dokumente. Die Überlieferung reicht vor allem bis zum Ende des Neuen Reiches; danach wird sie zunächst deutlich spärlicher.

Bauweise und Entwicklung der Boote

Schon in der Badari-Kultur gab es wahrscheinlich aus gebundenen Papyrus- oder Schilfbündeln hergestellte schwimmende Untersätze und Flöße. In Naqada II entstanden papyrusbündelähnliche Bootskonstruktionen und die ersten Holzboote aus Planken. Typisch wurden sichelförmige Boote mit hochgezogenen Enden; sie erreichten bereits etwa 17 m Länge. Gegen Ende der prädynastischen Zeit erschien erstmals das Segel.

Zunächst wurde die Außenhaut aus Planken vor dem inneren Skelett und den Spanten gebaut. Die Boote hatten wahrscheinlich keinen Kiel. Akazien- oder Sykomorenplanken wurden mit Grasseilen verlascht; diese Zurrungen quollen im Wasser auf und dichteten den Rumpf. Seit der 1. Dynastie wurden die Planken mit Loch und Zapfen verbunden. Es gibt laut Artikel keine Anzeichen, dass in Ägypten jemals Boote mit Kiel gebaut wurden. Zur Versteifung dienten Längsbalken in der Bilge, dem unteren Innenraum des Schiffes.

Im Alten Reich reichten die Größen von etwa 20–30 m langen Lastbooten über das 43 m lange Flussboot des Cheops bis zu etwa 50 m langen seegehenden Booten. Die Sonnenbarke des Cheops ist ein bedeutendes erhaltenes Beispiel. Planken wurden kraweel verbaut, also Kante an Kante zu einer glatten Außenhaut. Eine aus Planken gebildete Mittelachse ersetzte den Kiel; Querbalken und Längsbalken stabilisierten den Rumpf.

Im Mittleren Reich wurde das Flachbodenboot durch einen löffelförmigen Rumpf mit senkrechtem Bug und hochgezogenem Achtersteven abgelöst. Ein mittschiffs liegender Längsspant und daran befestigte Querträger versteiften das Schiff. Der zweibeinige Mast wurde durch einen einzelnen, bis zum Schiffsboden reichenden und umlegbaren Mast ersetzt. Ein rechteckiges, größeres Leinensegel hing zwischen Leinen am Mastkopf. Dieses Grundmerkmal blieb bis zum Ende des Neuen Reiches erhalten. Ein wachsender Einfluss aus dem östlichen Mittelmeerraum seit Echnaton wird zwar angenommen, ist aber umstritten.

Bootstypen und Antrieb

Flussboote für Personen hatten meist Flachboden, winkelförmige Bilgen, hohes Heck und kantige Enden oder einen Tierkopf am Bug. Abnehmbare Decksplanken, Schutzdächer für die Besatzung und Schilfmattenhütten für Passagiere kamen vor. Frühe Boote hatten einen zweibeinigen Mast im Vorschiff, weil das Deck einen einzelnen Mast nicht tragen konnte; ab der 6. Dynastie setzte sich der einbeinige Mast durch. Gesteuert wurde mit einem bis sechs paarweise angeordneten seitlichen Steuerrudern. Segel konnten bei diesen Takelungen nicht so getrimmt werden, dass ein anderer als achterlicher Wind genutzt wurde.

Im Neuen Reich besaß das Rechmire-Boot einen durch das Deckhaus geführten, nicht umlegbaren Einzelmast mit Vor- und Achterstags. Es konnte segeln und rudern, aber nicht kreuzen, also nicht gegen den Wind aufkreuzen. Deckhäuser waren nun auf fast allen Booten üblich. Nilschiffe hatten durchschnittlich etwa 25 Mann Besatzung.

Seetüchtige Boote waren grundsätzlich ähnlich gebaut, mussten aber stärker gegen Seegang gesichert werden. Im Alten Reich stabilisierten eine über Deck geführte verdrillte Trosse und ein netzartiger Tauwerkgürtel den Rumpf. Das Byblos-Boot, aus einem Relief des Sonnentempels Sahures bekannt, ist die gebräuchliche Bezeichnung für diesen Hochseetyp; die Herkunft des Namens ist unklar. Im Neuen Reich verstärkten sichtbare Querbalken und weiterhin eine Deckstrosse die Festigkeit. Geitaue oder Brassen verbesserten teilweise die Segelstellung für Raumschotswind. Unter Amenophis III. entstand der Hochseetyp „Menesch“.

Lastboote waren breiter, hatten weniger Freibord und hielten mittschiffs eine freie Ladefläche. Im Neuen Reich begleiteten Lastschiffe des Typs „Qerer“ oft Menesch-Schiffe. Papyrus-geformte Boote waren hölzerne Nachbildungen ursprünglicher Papyrusboote für Zeremonien, Kult und Tote; echte Papyrusboote blieben ebenfalls in Gebrauch. Staatsyachten waren bis etwa 50 m lang und besonders prunkvoll, mit Deckhäusern oder Baldachinen und sichtbarem Thronsessel. Spezialboote transportierten Baumaterial und Obelisken. Für Thutmosis I. ist ein 63 m langes, 21 m breites Boot mit 372 Tonnen Tragfähigkeit überliefert. Die Maße des Prahms Hatschepsuts für zwei Karnak-Obelisken sind strittig: Berechnungen reichen von 63–95 m Länge, 25–32 m Breite und etwa 1.500–7.300 Tonnen Wasserverdrängung.

Häfen, Routen und Reisezeiten

Weil an der nordafrikanischen Küste zwischen Nildelta und Kyrenaika natürliche Häfen fehlten, konzentrierten sich Schiffsverkehr und Handel auf das Nildelta. Sandbänke und geringe Wassertiefe erschwerten dort die Einfahrt und konnten Umladen auf kleinere Schiffe nötig machen. Häfen reichten von Kaianlagen über aufgeschüttete Dämme bis zu Sandstränden; Boote konnten auch am Ufer auflaufen. Wichtige Handelsplätze lagen unter anderem in Auaris, Memphis, Assuan, Mersa Gawasis sowie in Byblos, Tyros, Sidon und Ugarit. Peru-nefer bei Memphis war im Neuen Reich Marinehafen mit Werften, Waffenproduktion sowie Trainings- und Einschiffungsort für Pferde und Streitwagen. Bewaffnete Posten sicherten Häfen und Nilpassagen; Handelsschiffe wurden teils von militärischen meshkebu begleitet.

Der Nil strömte von Süden nach Norden, während fast stetig Wind aus Norden wehte. Daher unterstützten Ruder und Segel die Fahrt in beide Richtungen. Fast 900 km vom Mittelmeer bis zum 1. Katarakt waren schiffbar; bei Hochwasser war auch dieser überwindbar. Die Strömung betrug im Frühjahr etwa 1 kn, während der Nilflut im Herbst 4 kn. Die Nil-Segelsaison dauerte 10 Monate; Ende Dezember bis Mitte Februar ruhte der Bootsverkehr. Nachts fuhr man wegen Sandbänken und Nilpferden allgemein nicht.

Von Qantir nach Theben benötigte man für 649 km 21–24 Tage, von Memphis nach Theben unter Segeln etwa 13 Tage und von Theben nach Elephantine für etwa 221 km vier Tage. Im Roten Meer erreichte ein Segelschiff etwa 24 nm pro Etmal. Im Mittelmeer lag die Geschwindigkeit bei guten Bedingungen bei 4–6 Knoten; vom Nildelta nach Byblos dauerte die Reise etwa 12–13 Tage. Der geringe Tiefgang machte offene Fahrt außer Sichtweite des Landes riskant. Monsune im Roten Meer und Winde sowie Strömungen im Mittelmeer bestimmten günstige Reisezeiten und Routen.

Handel und Krieg

Um 2600 bestand reger Handel zwischen Ägypten sowie Byblos, Tyros und Sidon. Seit der I. Dynastie ist der Import von Kiefer, Zypressen und Zedernholz aus Syrien/Palästina belegt. Um 2000 fuhren Handelsschiffe über das Rote Meer zur Sinai-Halbinsel, um Kupfererz aus den Minen des Pharao zu holen. Im Neuen Reich zielte die Außenpolitik in Syrien/Palästina darauf, größtmöglichen wirtschaftlichen und politischen Vorteil bei möglichst geringem Militäreinsatz zu erreichen.

Exportiert wurden vor allem Kupfer, Zinn, Lebensmittel, Papyrus, Leinen, Perlen, Figuren, Wein, Parfüme, Öle und Edelsteine. Ägypten belieferte zeitweise Vasallenstaaten in Syrien-Palästina und die mit ihnen verbündeten Hethiter mit Getreide. Eingeführt wurden unter anderem Vieh aus Kleinasien, syrisches Holz und Tuch, Obst aus Zypern, Silber aus Kleinasien, Olivenöl, Wein, Kupfer, Schmuck, Metallgefäße, Glas, Pferde und Streitwagen. Der Handel mit Nubien war wegen Gold, Silber, Ebenholz, Elfenbein, Leopardenfellen, Straußenfedern und Weihrauch lebenswichtig. Gegen Ende des Neuen Reiches monopolisierten Fremde zunehmend den Mittelmeerhandel; Ende der 20. Dynastie war der regelmäßige Zedernholzimport aus Byblos zur Zeit Herihors nicht mehr gesichert.

Für Kriege wurden meist Handelsboote requiriert, auch private. Boote dienten seit der Frühdynastik dem Truppentransport; belegt sind Einsätze unter Djer, Weni, Sahure, Amenemhet II., Kamose und Ahmose I. Im Neuen Reich war Seetransport mit Küstendepots Voraussetzung für die Expansion nach Syrien/Palästina, da eine große Armee über Land nicht ausreichend zu versorgen gewesen wäre. Thutmosis III. führte zerlegte Boote zur Euphratüberquerung mit. Ein spezieller Kriegsschiffstyp erscheint erstmals bei der Abwehr der Seevölker: Er hatte geringes Freibord, ein Schanzkleid zum Schutz der Ruderer und eine Kampfplattform am Mast. Ob er ägyptischen Ursprungs war oder von Seevölkern übernommen wurde, ist umstritten.

Boote im religiösen Leben

Boote waren seit prähistorischer Zeit Teil religiöser Vorstellungen, des Totenbuchs, von Festen und Ritualen. Götterstatuen wurden in Götterbarken dem Volk gezeigt und auf dem Wasser transportiert. Die Sonnenbarke des Re versinnbildlichte den täglichen Kreislauf: Re befährt tagsüber den „himmlischen Nil“, wird am westlichen Horizont von Nut verschluckt, durchquert die Unterwelt auf seiner Barke von West nach Ost und erscheint nach 12 Stunden am östlichen Horizont wieder.

Die Fahrt Verstorbener zu Busiris und Abydos, die mit Geburt und Tod des Osiris verbunden waren, galt als Wunschvorstellung. Anschließend überquerten sie den Nil von Ost nach West zu den Nekropolen, also von den Lebenden zu den Toten. Wohlhabende erhielten Boote als Grabbeigaben für die Wasserläufe der Unterwelt.

Bei Festen wie den Ipet-Festspielen wurden Götterbarken von Karnak nach Luxor geführt. Die von Amenophis III. für sein Sedfest errichteten, über Kanäle mit dem Nil verbundenen Häfen am Ost- und Westufer bei Theben symbolisierten mit ihren Tag und Nacht fahrenden Barken den Lauf des Re. Der westliche Zeremonialhafen Birket Habu umfasste etwa 240 Hektar und wurde später auf 2 km Länge erweitert. Seit dem Alten Reich bemannte das Militär Barken und treidelte sie bei Bedarf gegen den Strom.

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