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Säkularisierungsthese
Die Säkularisierungsthese oder auch Säkularisierungstheorie stellt einen zentralen theoretischen Ansatz der Religionssoziologie dar.
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Kernaussage und Bedeutung
Die Säkularisierungsthese, auch Säkularisierungstheorie genannt, ist ein zentraler Ansatz der Religionssoziologie. Sie geht von einem Spannungsverhältnis zwischen Moderne und Religion aus: Mit fortschreitender Modernisierung verliert Religion langfristig an sozialer Bedeutung.
Als theoretische Grundlage dient unter anderem Max Webers Vorstellung von der „Entzauberung“ der Welt im Zuge der Modernisierung.
Ursachen des Bedeutungsverlusts
Für die Säkularisierung werden vor allem mehrere gesellschaftliche Prozesse verantwortlich gemacht:
- Rationalisierung: Gesellschaftliches Handeln und Denken orientieren sich zunehmend an Vernunft und zweckmäßigen Verfahren.
- Individualisierung: Einzelne Menschen lösen sich stärker von traditionellen gesellschaftlichen Bindungen und Entscheidungen werden persönlicher.
- Ausdifferenzierung oder funktionale Differenzierung: Verschiedene gesellschaftliche Bereiche übernehmen eigenständige Aufgaben, wodurch Religion an umfassendem Einfluss verliert.
- Urbanisierung: Mit dem Wachstum städtischer Lebensformen lösen sich die in ländlichen Gebieten starken Traditionen der Weitergabe von Religion teilweise auf.
- Demokratisierung: Demokratische Strukturen stehen in einem Spannungsverhältnis zu den eher hierarchisch organisierten Kirchenstrukturen.
Empirische Belege
Anhänger der These sehen den Bedeutungsverlust der Religion vor allem durch Entwicklungen bei den christlichen Kirchen bestätigt. Dazu zählen rückläufige Mitgliederzahlen, eine sinkende Beteiligung am kirchlichen Leben und weniger Menschen, die religiöse Traditionen übernehmen.
Außerdem wird auf die abnehmende Bindekraft religiöser Normen verwiesen. Als eine Folge werden höhere Scheidungsraten genannt. Die empirischen Belege der Säkularisierungstheorie beziehen sich allerdings weitgehend auf Europa.
Kritik und Gegenpositionen
Anhänger des Marktmodells des Religiösen betrachten Europa als Sonderfall und bezweifeln deshalb, dass sich die europäischen Entwicklungen verallgemeinern lassen. Säkularisierungstheoretiker, insbesondere Steve Bruce, entgegnen, dass stattdessen die USA als Sonderfall gelten könnten. Die USA bilden das wichtigste Gegenbeispiel der Vertreter des Marktmodells.
Thomas Luckmann kritisiert zudem, dass die Säkularisierungsthese Religion und Religiosität zu eng verstehe. Nach seiner Auffassung gehört Religion grundlegend zum Menschsein. Deshalb bezeichnet er Säkularisierung im Sinne eines Rückgangs von Religion als modernen Mythos.
Vertreter und neuere Ansätze
Zu den Vertretern der Säkularisierungstheorie gehören Steve Bruce und Bryan R. Wilson. In Deutschland werden Detlef Pollack, Gert Pickel und Ulrich Oevermann genannt. Peter L. Berger gilt ebenfalls als Vertreter, entfernte sich jedoch in den letzten Jahrzehnten weitgehend von der Annahme einer Säkularisierung.
In jüngerer Zeit gibt es Versuche, die bisher miteinander konkurrierenden religionssoziologischen Ansätze zu verbinden. Als Beispiel nennt der Artikel die Überlegungen von Jörg Stolz.